Das Gitarrenorchester
Das Gitarrenorchester der Musikschule Frankfurt ist ein Projektensemble, dass jedes Jahr mindestens an Pfingstmontag ein Konzert gibt. Gegründet 1994 von Matthias Wollny wurde es seit kurze Zeit später bis 2013 von Josef Kleinfelder geleitet, bevor dieser den Staffelstab an Hannah Wirmer abgab.
Das Orchester besteht aus vier Stimmen, in denen jeweils ein Lehrer mit fünf bis zehn Schülern der Musikschule spielen. Bei einzelen Stücken wird der Klangumfang durch Oktavgitarren, eine Bassgitarre und manchmal auch durch eine Querflöte oder eine E-Gitarre vergrößert.
Zur Vorbereitung des Pfingstkonzert gibt es für gewöhnlich nach Ostern 10 Stunden Proben in Frankfurt (in den letzten Jahren 2 × 4 Stunden an Wochenenden und eine zweistündige Probe abends unter der Woche), bevor es dann über das Pfingstwochenende auf die Orchesterfreizeit geht, in der intensiv geprobt und den Stücken der letzte Schliff gegeben wird.
Meistens gibt es noch ein zweites Projekt im Laufe des Herbst/in der Weihnachtszeit, bei dem ein Auszug aus dem Pfingstprogramm gespielt wird.
Das musikalische Programm des Orchesters umfasst viele verschiedene Musikrichtungen und geht von harmonischer Romantik über fetzigen Rock, Filmmusik und barocke Tanzmusik bis hin zu ungewohnten Klängen moderner Musik. Dabei spielt das Orchester manche Eigenkompositionen und greift ansonsten oft auf Bearbeitungen der beteiligten Lehrer und manchmal auch der Schüler zurück, um die Stücke für Symphonie-Orchester, Streicherquartett oder Rockband auf den Klangumfang von Gitarren anzupassen.
Bjørn, 28. Mai 2013
Jubiläumsrede zum zwanzigjährigem Bestehen des Gitarrenorchesters der Musikschule Frankfurt (1993 - 2013)
Sonntag, 10. November 2002. Saarbrücken. Ein Bus mit 60 Fahrgästen kurvt durch die Innenstadt. Schauen diese Fahrgäste aus dem Fenster hinaus, sehen sie häufig Plakate, sehr auffällige Plakate, die ein Konzert ankündigen, und zwar ein Benefizkonzert im Schloss von Saarbrücken zu Gunsten von Unicef. Gespielt wird dieses Konzert zum Großteil von einem Deutsch-Französischem Gitarrenorchester. Auch im Radio, das während der Busfahrt läuft, wird genanntes Konzert angesagt. Die erwähnten Fahrgäste sehen und hören die Konzerthinweise mit gemischten Gefühlen, denn diese 60 Personen sind das Deutsch-Französische Gitarrenorchester, das sich aus drei Teilen zusammengesetzt hat, nämlich einem Ensemble aus Lothringen, dem uns befreundeten Ensemble „Saitenzauber“ aus dem Saarland und dem Gitarrenorchester der Musikschule Frankfurt.
Die angesprochenen gemischten Gefühle sind verständlich: da ist zum einen die Vorfreude auf das Musizieren und das angenehme Gefühl schon im Vorfeld gewürdigt zu werden, zum anderen aber auch Anspannung und Lampenfieber.
Stunden später ist die Anspannung verflogen und es herrscht nur noch Freude und Zufriedenheit, denn das Konzert war ein riesiger Erfolg:
- Tolles Ambiente im Schloss,
- hervorragende Akustik,
- brechend voller Saal,
- gute Einnahmen für die Unicef,
- gelungenes Musizieren,
- frenetischer Applaus.
Warum, liebe Zuhörer, weise ich auf diesen Höhepunkt unserer Orchestertätigkeit so ausführlich hin? Weil er alles enthält, was Ensemblemusik so erlebnisreich macht:
- Kommunikation,
- Integration,
- Horizonterweiterung,
- Gutes tun,
- Gutes erfahren,
- Selbstvertrauen tanken,
- von der Freude an der Musik ganz zu schweigen.
Gegründet wurde das Gitarrenorchester vor etwa 20 Jahren. Damals konnte der Kollege Matthias Wollny 12 Kolleginnen und Kollegen animieren und motivieren, das Gitarrenspiel auch in orchestraler Konstellation zu versuchen, was keinesfalls so gängig ist, wie das Orchesterspiel für Streicher und Bläser. In der Anfangseuphorie wirkten wie gesagt 12 Lehrkräfte samt ihren Schülerinnen und Schülern mit, sodass bei einem Konzert im Saal der Schirn fast siebzig Gitarristinnen und Gitarristen auftraten und die Räumlichkeiten zum Platzen aus allen Nähten brachten.
So gesehen war es ganz gut, dass nach und nach die Euphorie etwas abklang, nur noch die total Begeisterten mitspielten, und sich somit eine gut überschaubare Anzahl von Musikern herauskristallisierte.
Einen großen Einschnitt erlebte das Orchester, als sein Leiter, Herr Wollny, der Liebe folgend, seinen Wohnsitz nach Frankreich verlegte und deshalb den Taktstock an Josef Kleinfelder übergab. Wie Sie wissen, steht Herr Kleinfelder noch heute am Dirigentenpult und übernimmt auch einen Großteil der organisatorischen Aufgaben. Unter Anderem führte er die Pfingstfreizeiten ein, die jedes mal ein nicht nur musikalisches Vergnügen sind und wesentlich zum Zusammenhalt der Truppe beigetragen. Sowohl Matthias Wollny als auch Josef Kleinfelder haben sich einen donnernden Applaus verdient.
Auch aus den Reihen der Schüler möchte ich einige ganz besonders hervorheben:
Da ist zum Beispiel unsere Oma. Wie Sie gleich feststellen werden, ist hier aber nicht der gängige Kosenamen für Großmutter, sondern das Kürzel für Orchestermanager gemeint, womit das Tätigkeitsfeld dieses Schülers schon benannt ist. Die Rede ist von Stefan Salm. Besonders bei der Gestaltung und Verwaltung des e-mail-Verkehrs ist er uns sehr hilfreich.
In anderer Hinsicht, nämlich bezüglich unserer Homepage, auf der unter anderem die Noten für das nächste Konzert stets verfügbar sind, danken wir dem Schüler Björn Bäuchle.
Schließlich komme ich noch auf zwei Damen zu sprechen: Wie Sie sich denken können, ist bei Ausflügen aller Art, also zum Beispiel auch bei Freizeiten, der Aspekt Gesundheit aller Beteiligten von Bedeutung und muss verantwortlich gehandhabt werden. Glücklicher Weise können wir dieses Thema völlig delegieren, denn zwei Ärztinnen weilen in unseren Reihen: Carmen und Corinna Epple.
Dass die Genannten auch noch ziemlich gut Gitarre spielen, trifft sich natürlich sehr günstig.
Lassen Sie mich auf eine Besonderheit von Gitarrenorchestern hinweisen: Wenn ein herkömmliches Orchester das nächste Programm plant, fragt es sich zum Beispiel: Welche Sinfonie von Mozart wollen wir mal spielen, welche Suite von Bach, welches Divertimento von Haydn, welches Concerto von Vivaldi, und so weiter.
Wenn ein Gitarrenorchester überlegt, was es mal spielen möchte, lautet die Frage anders: Was gibt es denn überhaupt. Und die Antwort lautet: wenig! Die Musik für unser Gitarrenorchester musste also stets neu geschaffen werden. Und wer durfte das machen? Die mitwirkenden Lehrerinnen und Lehrer und manchmal auch Schüler.
Ich habe das Wort „durfte“ nicht in ironischer Absicht betont, sondern völlig Ernst gemeint, denn es ist zwar sehr viel Arbeit aber auch ein großes Vergnügen, Musikstücke zu bearbeiten, arrangieren und komponieren. Und es gibt noch eine weitere positive Seite dieses Aspektes: Da wir etwa 90% unseres Repertoires uraufgeführt haben, waren unsere Proben stets auch Entdeckungsreisen. Und dieser Pioniergeist entfacht einen Zauber, von dem sich Schüler und Lehrer gerne einfangen lassen.
Ich begann ja meinen Rückblick mit einem Konzerthöhepunkt. Natürlich gab es viele davon, die ich aufzählend erwähne:
Konzerte in der Alten Oper, im Palmengarten, in der Hochschule für Musik. Auswärtsspiele führten uns in den Rheingau, ins Saarland, nach Rheinhessen und Frankreich. Einmal waren wir auch für eins, zwei Minütchen im Fernsehen.
Auf einen Höhepunkt erlaube ich mir zum Abschluss nochmal ausführlicher einzugehen: Sie kennen ja alle den Frankfurter Römer, und wissen, dass auf seinem Balkon immer mal wieder Menschen gefeiert werden, insbesondere Fußballer. Die Nationalmannschaft und noch öfter die Eintracht. Voller stolz darf ich nun berichten, dass auch wir einmal auf diesem Balkon standen. Es war im Frühling 1999. Die Musikschule gestaltete anlässlich des Goethejahres eine ganze Konzertreihe an bedeutenden Orten der Stadt. Wir, das Gitarrenorchester, spielten im Römer, genauer gesagt im Kaisersaal. Und wenn man im Kaisersaal, die Balkontür öffnet und hinaustritt, steht man genau auf dem erwähnten Ehrenplatz. Diese Gelegenheit haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen und die Pausen genutzt, um den erlauchten Ort aufzusuchen. Der Unterschied zwischen uns und den umjubelten Fußballstars wurde dabei aber sehr schnell mehr als deutlich: Die Stars werden von tausenden Menschen gefeiert und wir — wir wurden von Hausmeister verjagt.
Zum Abschluss sende ich einen Dank in alle Richtungen für die schönen
Erlebnisse der letzten 20 Jahre:
Dieser Dank gilt allen mitwirkenden Schülerinnen und Schülern,
Lehrerinnen und Lehrern,
insbesondere den Dirigenten,
den unterstützenden Eltern,
den stets wohlwollenden Zuhörern bei Konzerten,
dem Förderverein der Musikschule,
und ganz besonders und vor allem anderen gilt dieser Dank
dem Wunder der Musik an sich.
Martin Schumacher, 19. Mai 2013
20 Jahre Orchester
Nach der Wahl zum Programm des Pfingstprojektes 2013 ging es Mitte April mit dem ersten Workshop (eine vierstündige Probe) los; ein weiterer Workshop und eine reguläre Donnerstagsprobe folgten dann im Mai. Mit 35 Frankfurter Gitarristen war das Orchester dieses Jahr sehr stark und auch qualitativ hochwertig besetzt.
Das Wetter war das ganze Wochenende lang ein unberechenbarere Faktor, aber letzten Endes konnten der gesamte Samstag und der Sonntag bis zum frühen Nachmittag in der Sonne genossen werden. Das Traditionelle Fußballspiel zwischen Lehrern (und ehemaligen Schülern) und Schülern wurde standesgemäß von den Lehrern gewonnen, die auch nach Abgabe eines Spielers an die Schülermannschaft in der zweiten Halbzeit einen Endstand von 4:2 (1:0) erreichten.
Zecken gab es nur eine, dafür umso mehr Spaß bei Spielen – sowohl Gitarrenspielen als auch Badminton, Kricket und Fußball. Abends sorgten dann Stahlsaitengitarren für Stimmung; Freitag und Sonntag witterungsbedingt innen, Samstag abend draußen am Lagerfeuer.
Trotz allem Spaß, den die Gitarrenfreizeit allen beteiligten gemacht hat, schwang doch ein wenig Wehmut mit: Nach seiner Ankündigung letztes Jahr, die Leitung des Orchesters nach diesem Projekt abzugeben, war klar, dass auch die langjährigen Lehrer und ehemaligen Schüler dem Dirigenten Josef Kleinfelder folgen würden und nicht mehr im Orchester mitwirken würden. Hannah Wirmer, die letztes Jahr als Krankheitsvertretung für einen Lehrer eingesprungen war und auch dieses Jahr eine Stimme geleitet hat, wird das Orchester im nächsten Jahr übernehmen, sodass das Orchester an sich weiterleben wird. Alle dann ehemaligen Spieler und Lehrer haben sich natürlich schon längst den Pfingstmontag nächsten Jahres (der 9. Juni 2014!) in ihrem Kalender freigehalten!
Die Wehmut schwang allerdings nur sehr leise, und die meiste Energie fokussierte sich auf das bevorstehende Programm, dass am Montag im Mainfeld in Niederrad aufgeführt werden würde. In seiner Jubiläumsrede erinnerte Martin Schumacher dann an einige wenige der Highlights der letzten Jahre, angefangen vom Benefizkonzert für die UNICEF im Schloss Saarbrücken 2002 gemeinsam mit zwei Ensembles aus Frankreich und dem Saarland, bis hin zu den schönsten Toren bei den Schüler-Lehrer-Spielen, und er erwähnte auch die Lehrer, die krankheitsbedingt aus dem Orchester ausgeschieden waren, sowie die vielen, vielen ehemaligen Mitspieler.
Zwanzig Jahre Gitarrenorchester sind vor allem eine riesige Erfolgsgeschichte, die nun auf neuen Beinen und frei von eingefahrenen Strukturen, aber in fähigen Händen weitergeführt werden wird.
Ich selbst gehöre zu den alten Schülern, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr mitspielen werden. Ob, wie und wo die Webseite des Gitarrenorchesters weitergeführt werden soll/wird, ist noch nicht Gegenstand von Gesprächen gewesen, hier wird aber natürlich mindestens ein Verweis auf die neue Seite erscheinen, falls nötig.
Bjørn, 24. Mai 2013
Best of 20 Jahre – Die Wahl
Nun ist dieses Jahr, letztes Wochenende, das Gitarrenorchester zwanzig Jahre alt geworden, und das wurde natürlich wie immer mit einem Pfingstkonzert gefeiert. Dieses Jahr gab es etwas ganz besonderes: Aus den Stücken der letzten zwanzig Jahren wurden von den Orchestermitgliedern die besten Stücke gewählt. Einzige Einschränkung war, dass die Stücke in acht Kategorien eingeteilt wurden, damit das Programm so bunt gemischt ist wie jedes Jahr.
So gewannen in der Kategorie Renaissance die drei Stücke von Gaspar Sanz Villano, Torneo und Españoleta in der Bearbeitung von Martin Schumacher, im Barock setzte sich die Air vom Meister aller Klassen Johann Sebastian Bach durch, in einer Bearbeitung von Wolfgang Haun. Die Klassik wurde durch Wolfgang Amadeus Mozart vertreten, dessen Kleine Nachtmusik in der Bearbeitung von Josef Kleinfelder ins Programm gewählt wurde. Die Kategorie „Romantik und später“ gewann Adam Chatschaturjan mit dem Säbeltanz, arrangiert von Wolfgang Haun, der auch der Autor des Gewinners der „neuen Musik“ ist; hier wurde das 2007 uraufgeführte Stück „Wahlkampf“ aus seiner Suite „Wahl“ aufgeführt.
Bleiben noch die drei Kategorien „Rock — Pop — Jazz“, Folklore und Filmmusik. Hier gewannen Music von John Miles in der Bearbeitung von Stefan Salm und Bjørn Bäuchle von 2005, Rumba de Leo im Arrangement von Matthias Wollny und Palladio von Karl Jenkins in der Version für Gitarrenorchester von Brigitte Kilp.
Die Wahl fand anfang des Jahres per e-Mail statt, von denen Wahlleiter Stefan Salm etwa 15 auswerten musste. (Der Autor dieser Zeilen hat sich übrigens in einer Kategorie enthalten, in drei Kategorien den Gewinner gewählt und in vier Kategorien eine Minderheitenmeinung vertreten.) Die zwei Kategorien, in denen nach der Wahl gleichstand war, wurden dann von Josef, dem Dirigenten und Leiter des Orchesters, entschieden.
In einer Nebenwertung wurde auch der beste Bearbeiter erwählt: Während alle aktiven Lehrer, die in den 20 Jahren Bearbeitungen beigesteuert hatten, auch mit mindestens einer Bearbeitung im Programm vertreten waren, war Wolfgang Haun mit drei Siegen durch Säbeltanz, Wahl und Bach's Air gleich dreimal vertreten und holte sich somit den Sieg in dieser Wertung. Beide Schüler, die im Laufe der Zeit mehrere Stücke für das Gitarrenorchester arrangiert haben, waren durch die gemeinsame, allererste Bearbeitung des Monumentalstückes Music ebenfalls paritätisch vertreten.
Im Laufe der Proben stellte sich dann heraus, dass die kompletten Suiten in ihrer Gesamtheit zu lange für das Programm sind, und so wurden die Kleine Nachtmusik, die Wahl und das Zwillingsstück Rumba de Leo / La Partida jeweils auf den ersten Satz reduziert.
Mit einem solch abwechslungsreichen Programm ging es also in die drei Proben und dann abschließend auf die Klausur übers Pfingstwochenende.
Bjørn, 24. Mai 2013