Echte Bücher Zwischendurch
Immer mal wieder drückt mir jemand mal ein Buch in die Hand mit der Aufforderung, das müsse ich mal lesen. Ende 2012 bekam ich so gleich drei Bücher, zwei im weitesten Sinne über Sexualität, eines über Mathematik und den freien Willen und konnte daher nicht mit den e-Books weitermachen.
Empfehlungsgemäß begann ich mit Sex at Dawn: The Prehistoric Origins of Modern Sexuality von Christopher Ryan und Cadilda Jethá. Ich mochte den Stil des Buches gar nicht – die Autoren verwenden viel zu viel Zeit darauf, zu sagen, dass das Standardbild menschlicher Sexualität (Monogamie, oder wenigstens serielle Monogamie (also immer nur einen Partner gleichzeitig, aber der kann im Laufe der Zeit wechseln), oder vielleicht Polygame Männchen zu Monogamen Weibchen) falsch ist, und warum die anderen Forscher alle Fehler machen, und viel zu wenig Zeit damit, ihren eigenen Punkt zu machen und ihre eigene Hypothese aufzustellen: Dass wir nicht „wie die Tiere“ sind, wenn wir viel Sex haben, sondern viel mehr gerade das die Menschen ausmacht. Sex als soziales Instrument, nicht zur Fortpflanzung. Dabei sind viele Punkte, die sie machen, gut, nachdenkenswert, für mich neu, provokant. Aber dann kommt immer wieder dieses „aber die anderen machen ständig Denkfehler“. Leider nervig, aber eigentlich gut. Leitthema: Sexualität ist natürlich, normal, gut, und viel mehr als Fortpflanzungsmittel.
Einen starken Gegenentwurf hatte ich dann mit „Elementarteilchen“ von Michel Houellebecq, einem Roman, der den Lebensweg zweier Halbbrüder nachzeichnet, die eine Hippie-Mutter haben, was beider Leben versaut hat. Beide kriegen es nicht hin, ein sinnvolles Verhältnis zu Frauen oder ihrer eigenen Sexualität aufzubauen, und am Ende extrapoliert Houellebecq ins Jahr 2070, in der sich die Gesellschaft durch die Erfindung des Klonens durch einen der beiden Brüder radikal verändert hat. Ein Leitthema in dem Buch ist, dass freier Sex schlecht ist - wenigstens verstehe ich das Buch so. Einem der beiden Protagonisten legt der Autor den Gedanken in den Mund, dass Kinderschänder und Satanisten eine logische Folge der Sexuellen Revolution sind. Würde ich nicht nochmal lesen.
Wirklich anstrengend, aber extrem lohnend war dann die Lektüre von „Gödel, Escher, Bach: an Eternal Golden Braid“ von Douglas Hofstadter. Hofstadter ist theoretischer Physiker, der sich in diesem Buch von 1979 vor allem mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzt. Dabei verbindet er die Musik von Bach mit den Bildern von Escher (das sind zum Beispiel diese Bilder von physikalisch unmöglichen Anordnungen) und beides mit dem Unvollständigkeitssatz von Gödel, einem Mathematiker, der in den 1930er Jahren entdeckt hat, dass es in jeder hinreichend umfangreichen mathematischen Theorie Aussagen geben muss, bei denen man nicht entscheiden kann, ob sie richtig sind – man kann also immer ein Äquivalent der Aussage „Dieser Satz ist falsch“ finden.
Hofstadter führt dazu recht ausführlich in die Zahlentheorie ein, um den Satz zu motivieren, und schwenkt dann in Richtung Intelligenz und vor allem künstliche Intelligenz. Zwischen den Kapiteln streut er Dialoge, die meisten zwischen Achilles und der Schildkröte, ein, in denen er spielerisch die Konzepte aus dem Sachteil einführt, wiederholt, hervorhebt. Einige dieser Dialoge sind dabei Musikstücken von Bach nachempfunden: So gibt es einen Dialog, er wie ein Spiegelkanon aufgebaut ist, in dem beide Figuren die gleichen Sachen sagen, nur fängt die Schildkröte damit bei der letzten Aussage von Achilles (und umgekehrt) an. Der Effekt ist erstaunlich. Ein ander Mal erzählt er eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte, kommt aber zu der urprünglichsten Geschichte nicht wieder zurück – damit demonstriert er, wie es ist, wenn ein Musikstück nicht wieder zur ursprünglichen Grundtonart zurückkehrt. Eines Tages wandern die Figuren durch Gemälde von Escher, und einmal treffen sie sich mit der Krabbe und dem Ameisenbär, um ein Vorspiel und eine Fuge von Bach anzuhören. Hier schafft Hofstadter es, die Musikstücke von den Figuren beschreiben zu lassen, man liest also, was gerade in der Musik geschieht, und die vier Gesprächsteilnehmer machen genau das, was die Stimmen in der Fuge tun – Hofstadter schreibt also eine Dialogfuge. Nun habe ich nicht so viel Überblick über Fugen, daher bin ich mir sicher, dass ich vieles von den versteckten Tricks nicht bemerkt habe, trotzdem war es unwahrscheinlich erhellend, auch nur das Oberflächliche von Hofstadter's Kunst zu entdecken.
Viele Gedanken, die sich Hofstadter Ende der 1970er Jahre gemacht hat, finde ich auch heute noch komplett richtig – was ich aufgrund des enormen Fortschrittes der Computertechnik seit damals keinesfalls für selbstverständlich halte (immerhin geht es viel um Computer). Zwei Sachen sind mir aber als anachronistisch aufgefallen: Die Paper von Turing, mit denen er die moderne Computertheorie begründet hat, sind für ihn zwar auch „alt“ – bei ihm sind das aber dreißig Jahre. Für mich sind Turing's Arbeiten in Stein gemeißelt und altertümlich. Das zweite: Hofstadter schreibt, dass wenn ein Computer besser als alle Menschen Schach spielen lernen könnte, wäre die große Herausforderung noch, ihn zum Schachspielen zu überreden, denn das ginge nur mit einer ausgewachsenen Intelligenz und einem „eigenen Willen“. Bei XKCD kann man gut sehen, dass er damit unrecht hatte: „Normale“, nicht-intelligente Computer konnten 1996 das erste Mal den besten Menschen im Schach schlagen, und 2005 hat das letzte Mal ein Mensch gegen den besten Schachcomputer gewinnen können.
Diese Fehleinschätzung der Komplexität von Schach schmälert aber weder das Buch noch seine anderen Thesen. Gödel, Escher, Bach ist für Menschen, die sich in Mathematik und Mathematischen Denkweisen nicht wohlfühlen, wahrscheinlich ungeeignet, was ich sehr schade finde. Ich selbst bin über manche technischen Dinge hinweggegangen, weil ich lieber wissen wollte, wie es damit dann weitergeht, als was die genauen Details sind, aber natürlich weiß ich, dass ich als theoretischer Physiker es wesentlich leichter habe, den restlichen Teil zu verstehen als der Durchschnittsmensch. Wie gesagt, schade, denn es sind so viele tolle Gedanken in dem Buch, dass ich es eigentlich jedem gerne empfehlen würde.
Seit Gödel, Escher, Bach lese ich wieder auf dem kindle. Nach Life on the Mississippi von Twain habe ich alle Klassiker durch, mal sehen, ob ich dann auch mal ein eBook kaufe.
Bjørn, 27. Mai 2013
Englischsprachig
Ich wandte mich nach Goethe, Melville und Huxley dann alten amerikanischen und englischen Autoren zu, und zwar gemischt Charles Dickens, Oscar Wilde und Mark Twain. Ich habe dazu bei gutenberg.org nach den Autoren gesucht und relativ wahllos eBooks runtergeladen, ohne darauf zu gucken, was das für Bücher sind. In welcher Reihenfolge ich die Bücher gelesen habe, weiß ich nicht mehr, also fange ich mal mit Oscar Wilde an.
Oscar Wilde
Von Oscar Wilde kannte ich schon einiges – The Picture of Dorian Gray hatte ich direkt nach 1984 für den Englisch-Grundkurs in der Oberstufe gelesen, und andere Bücher hatte ich nebenbei mal gelesen. In der Tat sprühen die fiktionalen Bücher vor Witz, und so hat mit „An Ideal Husband“, „The Canterville Ghost“, „The Happy Prince“, „The Nightinggale and the Rose“, „The Selfish Giant“, „The Devoted Friend“ und „The Remarkable Rocket“ viel Spaß gemacht, ohne dass viel dabei hängen geblieben wäre. Gleiches kann ich aber nicht von „The Soul of Man under Socialism“ sagen.
Dieses Werk ist ein Aufsatz über eine Gesellschaft, in der niemand mehr arbeiten muss, weil alles von Maschinen erledigt wird. Jeder Mensch könne sich dadurch voll und ganz seiner Kunst widmen – wobei Kunst für Wilde da aufhört, wo man irgend etwas macht, um damit anderen zu gefallen. Hier fängt für ihn Unterhaltung an. Ich fand diesen Gedanken sehr schön und lesenswert.
Als letztes hatte ich mir „Intentions“ aufgehoben. Das besteht aus einem kurzen Dialog, der eigentlich auch aus einem langen Essay über Natur, Kunst und ihr Zusammenspiel aufgebaut ist, und dann tatsächliche Aufsätze. Die ich aber nicht mehr gelesen habe, weil ich es etwas ermüdend fand.
Charles Dickens
Von Dickens kannte ich viele Titel und wenig Inhalt. Eigentlich nur die Weihnachtsgeschichte, „A Christmas Carol“, in dem der böse, erzkapitalistische Scrooge von den drei Geistern der vergangenen, der aktuellen und der zukünftigen Weihnachtsfeiern das Herz ein wenig aufgeweicht wird. Ansonsten kannte ich die Namen „Oliver Twist“ und „David Copperfield“. „Great Expectations“ – also ‚Große Erwartungen‘ – bin ich komplett ohne Erwartungen entgegengetreten, aber am Ende war es eh wieder die gleiche Geschichte wie die beiden anderen: Kleiner, armer Junge schlägt sich durch sein Leben und irgendwer will ihm auch mal was Böses.
Lediglich „A Tale of Two Cities“ bricht daraus ein klein wenig aus, erzählt sie doch die Geschichte von Erwachsenen, die zwischen London und Paris hin- und herpendeln und dabei in die Wirren der französischen Revolution geraten. Lerneffekt dabei: Dickens scheint die Revolutionäre aus tiefstem Herzen zu hassen.
Mark Twain
Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn habe ich schon in der Grundschule gelesen, und in der fünften Klasse war ich in der Theater-AG und habe den Drunkenbold Muff Potter gespielt. Aber wirklich erinnern konnte ich mich nicht, also höchste Zeit zum wiederlesen. Beide Bücher habe ich sehr gerne gelesen, und bei Huckleberry Finn Bauklötze gestaunt: Twains Buch gilt laut Wikipedia trotz der Benutzung der Wörter „Nigger“ und „Negro“ als recht emanzipiert, und dann gibt es gegen Ende einen Dialog, in der ein Junge die Ausrede für seine Verspätung erfindet, an seinem Schiff sei der Kessel explodiert. Ein Neger sei dabei gestorben. „So ein Glück“, antwortet die Erwachsene, der das erzählt wurde, „ist da keine Person zu Schaden gekommen, das ist ja ganz schnell mal passiert.“
Dann gab's da noch „The Innocents Abroad“, in dem Twain von seiner Kreuzfahrt von New York durch das Mittelmeer ins geheiligte Land und zurück erzählt. Von Wikipedia weiß ich mittlerweile, dass es als der meistverkaufte Reiseführer aller Zeiten gilt, und es ist auch wirklich gut geschrieben. Leider ist mir der Schwerpunkt auf Israel und die dortigen Erlebnisse etwas zu groß, aber ansonsten gibt es einen schönen Blick auf das Europa Mitte des 19. Jahrhunderts.
Viele Déjà-vus hatte ich beim Lesen von „A Conneticut Yankee in King Arthur's Court“, das von einem Menschen erzählt, der durch Magie in das Jahr 620 nach England versetzt wird, zufällig weiß, das am nächsten Tag eine Sonnenfinsternis stattfinden soll und so einen hohen Stellenwert bei König Arthur bekommt, als Magier. Blöderweise konspiriert Merlin mit der Kirche, um ihn zu stürzen, und er fällt unter Merlins Zauber, schläft dreizehnhundert Jahre und wacht wieder auf, um seine Aufzeichnungen, die er gemacht hatte, an den Autoren weiterzugeben, bevor er stirbt. Auch das: ein gutes Buch.
The Prince and the Pauper ist ein Buch, von dem ich wegen des allgemeinen Settings – kleiner armer Junge in England – erst dachte, es sei von Dickens, aber nein: Die Geschichte von dem ungewollten Tausch zwischen Prinz Edward und dem Bettler Tom Canty ist von Twain geschrieben und daher auch wesentlich leichter und lustiger.
Noch nicht ganz fertig bin ich mit Life on the Mississippi, einem Sachbuch, bei dem Twain aber auch viel von seiner persönlichen Erfahrung als Steuermann auf dem großen Amerikanischen Fluss erzählt.
Damit habe ich unter anderem so lange gebraucht, weil ich zwischendurch auch noch Dinge von Papier gelesen habe.
Bjørn, 27. Mai 2013
Lesen
Ich lese gerne. Das habe ich hier schonmal vor sehr langer Zeit geschrieben, und daran hat sich nicht viel geändert. Meine Lesemenge ist allerdings starken Schwankungen unterworfen.
Das schlechte Wetter Anfang diesen Jahres (naja, „Anfang“, haha, es regnet ja immernoch ständig) hat mich wieder viel zum Lesen gebracht, denn die U-Bahn-Fahrten morgens und abends eignen sich dazu ziemlich gut, auch wenn sie nur 7 Minuten dauern.
Nun hatte ich ja mal recht lautstark für einen eBook-Reader Werbung gemacht, und trotz dem hr-bericht über menschenunwürdige Bedingungen bei amazon habe ich meinen kindle nicht verschrottet oder stillgelegt. Immernoch würde ich dieses Gerät wieder kaufen. Und Geld für elektronische Bücher habe ich immernoch keins ausgegeben; ich lese immernoch alte Bücher, deren Inhalt nicht mehr dem Urheberrecht unterliegen und die legal und kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden können.
Moby Dick und Faust
Nun aber zu den ganzen Büchern: Angefangen hatte ich das Lesen auf dem kindle mit der zweiten Hälfte von Moby Dick, einem Buch, was ich auch nicht hätte lesen müssen. (Bevor ich den kindle bekam, hatte ich schon damit angefangen.) Das lyrische Ich erzählt von seiner Zeit auf dem Schiff von Captain Ahab, der den weißen Wal Moby Dick jagt und am Ende von diesem zerstört wird. Immermal wieder wechselt Melville, der Autor, aber aus der Prosa in Theateranweisungen, als fehlte ihm die Lust, die Dialoge ordentlich auszuschreiben. Das lyrische Ich berichtet dann von der vollständigen Zerstörung des Schiffs, nur, oh, stimmt, er lebt ja noch, öh, ja, er hat irgendwie als einziger überlebt.
Als Nächstes wollte ich mal nachholen, was ich in der Schule nie lesen musste: Faust. Ich habe in der elften Klasse geschafft, Die Leiden des Jungen Werthers nicht lesen zu müssen und mich irgendwie durchzumogeln (ich weiß nicht mehr, wie das geklappt hatte), und die beiden Fausts in Versform fielen mir nicht viel leichter zu lesen. Ich bin während der Lektüre zu der Überzeugung gekommen, dass Goethe einfach ein verdammt schlechter Dichter war. Ständig stimmt das Versmaß nicht und man (ich) stolpert darüber. Ja, wird mir erzählt, das sind dann aber immer Stellen, an denen irgendwas Schlimmes passiert. Aber mal ehrlich: Im Faust geht es um einen Pakt mit dem Teufel. Und eine ganze Weile lang um die Hexen bei der Walpurgisnacht. Da passiert immer was Schlimmes. Ganz nebenbei wird außer dem Brocken (bei der Walpurgisnacht) noch genau eine Lokalität wirklich genau erwähnt: Auerbachs Keller in Leipzig. Vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Es tut überhaupt nichts zur Sache, dass Faust und Mephisto in Leipzig sind, oder eben in diesem Gewölbe, aber Goethe macht hier mal ein wenig Namedropping. Warum nur? Schleichwerbung? Jedenfalls ging es mir auf den Geist.
Dem Faust II hatte ich dann versucht, eine faire Chance zu geben, aber ich befürchte, dass mir das nicht wirklich gelungen war. Goethe-Fan werde ich mit Sicherheit nicht mehr.
Dystopie in Brave New World
Nach Moby Dick hatte ich erstmal eine ausgeliehene Papierversion von Huxley's Brave New World gelesen. Leider hatte es meine Erwartungen nur teilweise erfüllt – dass die Dystopie von 1932 heute in vielen Teilen wesentlich anders gesehen wird, als Huxley sich das vorgestellt hatte, ist dabei nur ein Punkt. Ich hatte bei Recombinant Records vorher eine schöne Gegenüberstellung von 1984 (habe ich in der 12. Klasse mal im Unterricht gelesen) und Brave New World gesehen, die wegen Urheberrechtsfragen leider heute nicht mehr zu sehen ist und auf dem Buch Amusing Ourselves to Death basiert, und zu folgendem Schluss kommt: Orwell (Autor von 1984) hatte Angst davor, dass wir von dem beherrscht werden, was wir hassen, Huxley hatte befürchtet, dass wir von dem beherrscht werden, was wir lieben, und in unserer Konsumgesellschaft kommen wir dem zweiten sehr nahe.
Aber für meinen Geschmack überzeichnet Huxley das ganze ein bisschen, oder vielleicht ist das auch die Stärke bei dem Ganzen: In seiner Welt müssen Slogans und erzwungene Gewohnheiten den Kindern von der Zeugung (immer im Reagenzglas) an eingetrichtert werden, während wir heutzutage für „Better ended than mended“ — lieber wegschmeißen als reparieren – kein anderes Argument als die hohen Arbeitskosten während der Reparatur brauchen. Auch hat er ein – aus meiner heutigen Sicht von 80 Jahre später – viel zu deterministisches Bild davon, was DNA alles im Körper steuert. So gab es insgesamt viele „Ja, aber“-Momente für mich beim Lesen des Buchs. Vollkommen egal: Ich habe das Buch sehr genossen.
Mehr zum Lesen im nächsten Eintrag.
Bjørn, 27. Mai 2013
E-Book?
Ich habe seit ungefähr einem halben Jahr einen e-Reader, und zwar den kindle von Amazon. Ich bin sehr zufrieden damit, und heute mittag hat mich eine Freundin per Mail danach gefragt. Da die Antwort recht ausführlich und keinesfalls vertraulich ist, habe ich mich entschlossen, das zu veröffentlichen:
Ich habe mal ein paar Frage bezüglich dem Ebook-Reader, den Du dir gekauft hast. Was für ein Model ist denn das, warum hast Du dich nicht für ein Konkurrenzprodukt entschieden und würdest Du dir, wenn Du dir nochmal einen kaufen würdest, wieder diesen kaufen? Ich habe nämlich vor, mir demnächst selber einen zuzulegen. Nun bin ich am Vergleichen, da ja Verschiedene am Markt angeboten werden.
Ich habe den "kleinen" (6 Zoll-) Amazon kindle, der jetzt als "Kindle Keyboard" angeboten wird. (Ich sehe eben, dass der Kindle auch in einer noch kleineren (vom Funktionsumfang her) Version angeboten wird, mit weniger Tasten, weniger Speicher und weniger Akku.)
Ich hatte mich nach relativ eingehender Recherche für den Kindle entschieden, weil ich die Bedienung im Vergleich sehr intuitiv fand und ich kein Touchscreen wollte (das ist Geschmackssache, war aber für mich tatsächlich sehr ausschlaggebend). Das waren, glaube ich, tatsächlich die einzigen Gründe. Nachteilig ist, dass man auf Amazon festgelegt ist, während man z.B. mit den Sony-Readern sowohl von Thalia als auch von Hugendubel Bücher kann (und auch von noch anderen Firmen). Da ich bis jetzt ausschließlich Klassiker gelesen habe, die nicht mehr dem Urheberrecht unterliegen, ist das aber für mich vollkommen egal.
Den Kindle gibt's auch noch in einer ca. DIN A4-großen Variante, die mir aber zu sperrig ist — mein momentaner ist nur unwesentlich größer als DIN A5, leicht, und mit einer Tasche, die du für 40 Euro dazukaufen kannst, sehr gut transportabel.
Noch ein paar Downsides: Der Kindle kann zwar pdfs anzeigen (lass' dir nicht von irgendwelchen Verkäufern erzählen, das könne er nicht, das war die allererste Version), ist dabei aber extrem langsam. Dafür ist er halt nicht gebaut. Wie das bei den anderen Readern aussieht, weiß ich nicht. Gleiches gilt für die Anzeige von Bildern oder Bilderserien, bei denen ist es aber noch ein wenig komplizierter, die richtig auf den kindle zu laden. Dem kindle Seitenzahlen zu entlocken ist — auch systembedingt — nicht (leicht?) möglich, also zum Beispiel zu wissen, wieviele Bildschirmseiten das Kapitel noch hat (oder das nächste — lese ich es noch vorm Schlafen?), ist nur durch vorblättern herauszufinden. Again, keine Ahnung, wie das bei den anderen ist. Zu guter Letzt finde ich die Bedienung zwar ziemlich gut, aber natürlich nicht perfekt.
Insgesamt finde ich, die Investition hat sich gelohnt, obwohl sie das vielleicht aus einer rein finanziellen Sicht nicht getan hat. (Da ich ca. 0,50-1,00 Euro pro Buch spare, müsste ich etwa 200 oder eher mehr Bücher lesen, bis sich das rechnet — wird nicht passieren.) Allerdings lese ich viel mehr als vorher, und auch wenn ich nicht alles am Kindle richtig toll finde (siehe oben), macht es doch ziemlich Spaß. Ich habe mir sogar von traffiq.de alle Fahrpläne in Frankfurt runtergeladen, und kann recht leicht herausfinden, ob ich gleich rennen muss zum Umsteigen oder mir Zeit lassen kann (ok, das kann mein Handy auch, aber das finde ich zu scheiße, um es ständig benutzen zu wollen).
Ja, ich würde mich ziemlich sicher wieder für den kindle entscheiden, allerdings nicht, ohne zu gucken, ob die Vorteile nicht mittlerweile in den anderen Readern vorhanden sind.
1. Update, Donnerstag, 12.01.2012 Nun ja, da war der Artikel keine 24 Stunden alt, und ich muss hinter die ganzen Loblieder auf den kindle was negatives sagen: Letzte Nacht hat sich das Display von der Gemeinschaft der funktionierenden Dinge verabschiedet. Es ist — ohne mir offensichtlichen Grund — scheinbar intern gerissen. Ich habe es dann heute abend daheim direkt eingepackt und an Amazon geschickt und warte nun gespannt auf die Qualität des Kundenservices.
2. Update, Freitag, 20.01.2012 Jetzt bin ich ein wenig verwirrt, und ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll: Am Dienstag habe ich eine E-Mail von Amazon bekommen, dass mir der Einkaufspreis von meinem kindle erstattet würde. Ich muss zwar zugeben, dass ich nicht den richtigen Weg mit der Einsendung gegangen bin (da hätte ich einen Aufkleber ausdrucken müssen, aber das habe ich erst später gefunden — Minuspunkt für unübersichtliche Webseite). Zum Glück hatte ich vorher ein komplettes Backup von meinem kindle gemacht, also alles gut.
Nun sollte ich heute einen neuen kindle bekommen haben, den ich mir neu bestellt habe. Ob die Post den wirklich geliefert hat, werde ich dann sehen, wenn ich selbst wieder heim komme. Aber das gute dabei: Mittlerweile kostet der kindle nur noch 119 Euro statt 139, die ich dafür bezahlt hatte.
In jedem Fall hat der Kundenservice sehr schnell reagiert, auch wenn, wie gesagt, nicht ganz so, wie ich es erwartet habe. Aber unterm Strich ist das rausgekommen, was ich erwartet habe, und das komplett ohne Diskussion oder Kämpfe. Vielen Dank, amazon!
Bjørn, 11. Januar 2012
Leseorm
Lesewurm. Am Wochenende habe ich tatsächlich damit angefangen, zusammenzupacken. Nicht so richtig, aber schon ein bisschen. Seit Sonntag ist es richtig schlechtes Wetter draußen, ich habe eben das erste mal seit Samstag wieder die Sonne gesehen. Das korrigieren eines Bugs ließ scheinbar auf einmal alle meine Daten schlecht aussehen, dachte ich, bis ich herausfand, dass es nur an schlechter Statistik liegt — ich fand das vor ein paar Stunden, nach fünf Tagen Suche, raus. Und obwohl schlechte Statistik eigentlich nicht so viel Zeit braucht, musste ich trotzdem viel warten. Zwei Bücher las ich daher, eines davon war für meine Rückfahrt vorgesehen, also kaufte ich zwei weitere, von denen ich jetzt also noch eines übrig habe. Jetzt muss ich mich wieder eine Woche lang zurückhalten…
Heute morgen war die Norwegisch-Klausur; für viereinhalb Stunden angesetzt, ich war nach zwei fertig (inklusive einem Diktat, das alleine vierzig Minuten gedauert hat), und ich fand es verdammt leicht. Mal sehen, wie's geworden ist, Montag (13:15) ist ja noch die mündliche Prüfung dazu. Ansonsten ist meine Planung für nächste Woche sehr leer (was will ich hier eigentlich noch?) — einmal Kaffeetrinken mit Špela, eine Abschiedsparty, die der Gastwissenschaftler aus Budapest (Péter Ván) eigentlich für sich selbst organisiert, und… achso, arbeiten. Muss ich jetzt auch wieder — tschö!
Bjørn, Tag 280, 8. Mai 2007