2 Bäume für Bergen
Ich bewerbe mich für eine Professor/Juniorprofessor-Position in Bergen. So weit, so gut. Nachdem ich einen schönen Brief an das Komitee verfasst hatte, fand ich heraus, dass man sich über offizielle staatliche norwegische Bewerbungssystem bewerben muss, was bedeutet, dass ich meinen Lebenslauf und Brief auseinanderpflücken und getrennt in einem komischen Webformular hochladen muss. Naja, ich kann irgendwo verstehen, wie das den Auswahlprozess einfacher macht, also füge ich mich gerne.
Eine der Anforderungen hieß aber "Wissenschafltiche Arbeiten, publiziert oder unpubliziert, sollten in fünf Kopien, voll inventarisiert und sortiert in fünf identische Bündel, mit normaler Post nach [Adresse] geschickt werden". Da ich mir nicht sicher war, ob das ernstzunehmen ist, und da ich auch nicht wusste, welche wissenschaftlichen Arbeiten die meinen, fragte ich meinen alten Bergener Betreuer, der grade Frankfurt besucht. Ja, sagte er, wir lesen zwar durchaus noch auf Papier, aber wir haben Drucker und würden uns das, was uns interessiert, selbst ausdrucken, ich brauche es also nicht wirklich mit der echten Post verschicken.
Am Mittwoch erhielt ich dann eine Nachricht (Übersetzung von mir):
Wir bemerken, dass die wissenschaftlichen Arbeiten, nach denen wir gefragt haben, noch fehlen. Daher haben wir unzureichende Informationen, um Sie als Bewerber zu beurteilen.
Wir bitten Sie darum, spätestens 8 Tage nach Erhalt dieser Nachricht die fehlenden Dokumente einzuschicken:
… und der alte Text. Es scheint also, dass sie dann doch die Bäume sterben sehen wollen. Naja, Öko der ich nunmal bin, wollte ich absolut sicher gehen, was die denn wollen, also versuchte ich, einen Kontakt in Bergen ausfindig zu machen (das Bewerbungssystem macht es nicht direkt einfach, Fragen über das Verfahren zu stellen) und versuchte auch, Wissenschaflter mit Englisch als Muttersprache zu Fragen, was das genau bedeutet:
Does "Your scholarly works, published or unpublished" mean every paper&thesis I've ever written? #followerpower cc @DrMRFrancis @AstroKatie
DrMRFrancis ist ein Wissenschaftsjournalist, den ich letztes Jahr bei der Quark Matter getroffen hatte, und ich folge AstroKatie seit kurz danach. Da ich typischerweise nicht auf Englisch twittere, glaube ich nicht, dass mir irgendein Englisch-Muttersprachiger Wissenschaflter folgt, deswegen habe ich die beiden explizit erwähnt. Lange Rede kurzer Sinn: AstroKatie antwortete, dass das scheinbar alles bedeutet, inklusive Papers und Abschlussarbeiten. Danke nochmal, AstroKatie!
Nun musste ich also alle meine Paper und Arbeiten vorbereiten und ein Inhaltsverzeichnis schreiben. Weil ich noch nicht allzulange Wissenschaflter bin, sind das 341 Seiten. Doppelseitig bedruckt und zwei Seiten auf einer, sind das dann immernoch 85×5 = 425 Blätter. Mit einem Gewicht von 80 g/m² und DIN A4-Papier (was 1/16 m² groß ist), komme ich auf ein Päckchen, das 2,2 kg schwer ist.
Noch unentschieden, was ich machen solle (und noch auf Antwort aus Bergen wartend), ging ich heim. Am Abend bekam ich eine Mail von einem befreundeten Forscher, der mir erzählte, er habe sich in Bergen auf eine Stelle beworben, und er muss alle seine Paper… naja, ich glaube, es ist klar, was er sagte. Er schrieb weiter:
Ich wohne in New York, wenn ich es heute schicke und sicher gehen will, dass es ankommt, muss ich hunderte, wenn nicht tausende Dollar bezahlen. [Dieser eine Bergener Professor] ist auf einer Konferenz diese Woche und kann mir also auch nicht helfen, ich überlege deswegen, wen ich in Bergen kenne.
Wenn du jemanden kennst, der mir diese blöden Dateien drucken kann und nach [Adresse] schicken kann, ich werde sofort alle Kosten per Überweisung begleichen, die irgendjemand damit hat (Druckkosten und so).
Meine Antwort war im Prinzip "ich auch, ich auch, ich auch, ich auch, nein." – ich kenne niemanden mehr in Bergen. Aber, schlug ich vor, da ich eh auch Zeugs drucken muss und per Mail schicken muss, könnte ich sein Zeugs einfach gleich mitdrucken, und ein großen Päckchen schicken.
Da er älter und länger dabei ist als ich, sind seine gesammelten Arbeiten 891 Seiten lang. (Eine Sache allerdings: Er druckt ein ganzes 185seitiges Paper aus, zu dem wir beide jeweils zwei Seiten beigetragen hatten. Ich habe nur diese zwei Seiten gedruckt. Dafür hat er scheinbar seine Abschlussarbeiten nicht dabei.) Er stimmte zu, auch seine Sachen klein und doppelseitig zu drucken, also sind wir bei 223×5 = 1115 Blättern für ihn angekommen, oder zusätzliche 5,6 kg. Zusammen haben wir 3240 Seiten und 7,7 kg. Daheim habe ich meinen alten ThinkPad-Karton gefunden, der in etwa DIN A4-Größe hat.
Während ich gedruckt habe, wollte ich mich entscheiden, wie ich eigentlich das Päckchen verschicken sollte. DHL, UPS, FedEx, GLS und TNT fielen mir ein. Die Parameter sind: Ankunft spätestens Mittwoch, 20. März, ein Päckchen mit 38×33×25 cm und 8 kg Gewicht, von Frankfurt nach Bergen. GLS und UPS zeigen auf ihrer Webseite keine Versandkosten, was schade war, weil das langsamste bei UPS (= das billigste?) am Mittwoch garantiert geliefert würde. Preise gibt's aber nur für Versand innerhalb der EU. Die Webseite von TNT geht gar nicht, weder in Opera, noch Firefox, noch Chrome, und GLS verschickt gar nicht nach Norwegen.
DHL bietet 35 € an für ein Paket, dass – ohne Garantie — in 7-8 Tagen geliefert würde, und 47 € für 4-5 Tage, wieder nicht garantiert. Oder Übernacht-Lieferung für 151,90 €. FedEx bietet 68,03 € für Donnerstag (was zu spät ist) oder 203,51 € für Dienstag. Beim zweiten Versuch (um einem Kollegen zu zeigen, wie lächerlich teuer das ist), waren die Preise scheinbar niedriger. Was. Zum. Teufel.
Also, DHL. Bleibt noch die Frage, wie ich das zusammenbinden sollte. Für meine mickrigen 85 Blätter hilft ein Schnellhefter, aber für die 223 Blätter von dem anderen Kerl wird es schwierig, also habe ich einen dünnen Aktenordner benutzt. Naja, seht selbst:
The other guy's papers in a file folder: Doesn't fit!
Des anderen Publikationen in einem Schnellhefter: Passt nicht!
My papers, on the other hand, do fit. Yay.
Meine Paper, auf der anderen Seite, passen. Jippie.
I would have sent this. The large ring binders are his', the small
green file folders are mine.
Das hätte ich geschickt. Die Ringordner sind seine, die grünen
Schnellhefter meine.
Nachdem ich vier der fünf Bündel für uns beide gelocht hatte, bekam ich eine e-Mail, mit vier Bewerbern (mich eingeschlossen) in CC (anstatt in BCC, womit die Vertraulichkeit der Bewerbung gewahrt geblieben wäre, aber das ich noch das kleinste Problem):
Bewerbung für Professur
Liebe Bewerber,
Probleme beim Senden mit normaler Post.
Ich habe die Sache mit unserem Geschäftsführer diskutiert und wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass Sie die erbetenen Dokumente (wissenschaftliche Paper) auf CDs einsenden können. Sie müssen dann 5 CDs statt 5 Stapel wissenschaftliche Papier schicken.
[…]
Mann, war ich sauer in dem Moment. Die Bäume waren tot und ihre Reste mit Tinte verschmiert, und jetzt sagen die mir, alles umsonst? Ich musste mich wirklich zurückhalten, nicht eine e-Mail zu verschicken, in der ich mich bedanke, dass ich jetzt weiß, wer sich noch alles beworben hat und die Dame zu fragen, ob denn CDs auch okay sind, oder ob wir nicht doch eine Stufe mehr low-tech sein wollen und 3,5-Zoll-Disketten schicken sollten. Naja, geschrieben hatte ich das, aber nicht geschickt. Warum kann ich nicht einfach mein Zeugs irgendwo hochladen oder, noch besser, einen Link schicken, wo das sowieso öffentlich lesbar ist? Naja, aber vergleichsweise wurde alles dadurch billiger.
Letzten Endes habe ich die 5 CDs am Freitag morgen gebrannt und als 250-Gramm-Brief für 8,57 Euro verschickt. Jetzt warte ich darauf, dass die mich zu einem Talk einladen.
This is what I sent in the end: Five f-ing CDs.
Das habe ich letztendlich geschickt: Fünf verf-te CDs.
The complete letter I sent in the end. Format approximately A4, and
the duct tape I used to close the letter is a left-over from the last
(2009) German Parliament Election.
Der komplette Brief, wie ich ihn am Ende verschickt habe. Etwa DIN
A4-groß, und das Klebeband ist noch von den letzten Bundestagswahlen
übrig (2009).
Bjørn, 15. März 2013
2 trees to Bergen
(Das ist mein erster Blog-Eintrag auf Englisch. Eine Deutsche Übersetzung gibt es auch.
I am applying for a professor/assistant professor position in Bergen. So far, so good. After having crafted a nice letter to the committee, I found out that I have to apply via the Norwegian Government's official Application system, which means I basically had to tear apart my whole CV, my letter and everything and upload it in pieces using some strange web form. Well, somehow I can understand how this might make the evaluation process easier, so I am willing to abide by that.
One of the requirements, though, read "Scholarly works, published or unpublished, should be sent in 5 copies, fully inventoried and sorted into 5 identical bundles, by ordinary mail to [address]". Not being sure if I should take this seriously, and not knowing, which scholarly works they refer to, I talked to my former Bergen supervisor, who is visiting Frankfurt at the moment. He told that although, yes, indeed, they do usually still read on paper, they have printers and access to basically all publications on the web, so no need to send actual paper through the actual mail.
On Wednesday, I received a notification which read:
We note that the scholarly works we asked for in the announcement for the position are missing. Therefore, we have insufficient information to evaluate you as an applicant.
We ask that you no later than 8 days after you have received this message send us the missing documents, which are:
… and the previous specification. It seems, after all, that they do want trees to die. Well, treehugger that I am, I tried to make absolutely sure that is what they want, so I tried to figure out who to talk to in Bergen (the application system does not make it exactly easy to ask questions regarding the procedure) and also tried to ask some scientists who are native english speakers what exactly that meant:
Does "Your scholarly works, published or unpublished" mean every paper&thesis I've ever written? #followerpower cc @DrMRFrancis @AstroKatie
DrMRFrancis is a guy I met at Quark Matter last year, and I've been following AstroKatie since shortly afterwards. Since I don't usually tweet in english, I don't think any english-native scientist follows me, therefore I mentioned these two explicitly to make them aware of my question. Long story short, AstroKatie answered that this seems to mean everything, including papers and theses. Thank you again, AstroKatie!
Now, I had to prepare and inventorise all my papers and theses. Not having been a researcher for all too long, they amount to 341 pages. Printing them two-pages-on-one and double sided, this still means 85×5 = 425 sheets of paper. Assuming a paper weight of 80 g/m² (and using A4-paper, which is 1/16 m²), this will make a package of 2.2 kg.
Not having decided exactly what to do (and still waiting for an answer from Bergen), I went home. In the evening, I got an e-mail from a friend researcher, saying that he applied to a job in Bergen, was asked for a copy of every… well, I think you can fill in the blanks. He went on:
I live in New York, if I send it today and make sure it arrives, it will be hundreds, thousands of dollars. [That Bergen professor] is away on a conference this week, so he cannot help me, I am looking around who I know in Bergen.
If you know anyone who can print these stupid files, and send them to [address] I will immediately refund you any expense anyone spends on this (printing as such) with a bank transfer.
Well, my answer was basically "me too, me too, me too, me too, no." — I do not have any ties left to Bergen. But, I suggested, since I am going to print that stuff anyways and send it by mail, I would be willing to print his stuff right along, and send one big package.
Since he is older than me and has written a lot more papers than I have, his collected works amount to 891 pages. (One thing to mention, though: he prints the entirety of a paper with 185 pages, which both of us co-authored — contributing two pages each. I only include those pages. He, on the other hand, does not seem to include his theses.) He agreed to also print them small and two-paged, so we're down to 223×5 = 1115 papers on his account, adding another 5.6 kg to the package. Together, we will have 3240 pages and 7.7 kg. At home, I found the old box my ThinkPad came in, whose dimensions are roughly A4-sized.
While printing, I tried to figure out how to send the package. Basically, five options came to mind: DHL, UPS, FedEx, GLS, TNT. The parameters I need are: Arrival on or before Wednesday, March 20th, of a package 38×33×25 cm with a weight of 8 kg, from Frankfurt, Germany to Bergen, Norway. For GLS and UPS, I was unable to find out shipping costs online: UPS told me that there are three offers, the slowest of which (and I presume that will also be the cheapest) guarantees delivery by Wednesday. Prices, though, are only available for shipping to other EU-countries (which Norway isn't). TNT has a completely disfunctional website, that neither Opera nor Firefox nor Chrome could display properly, and GLS don't deliver to Norway at all.
DHL offers 35 € for a package that takes 7-8 days to deliver, but no guarantees. They also offer 47 € for a package that takes 4-5 days to deliver, but no guarantees either. And they offer 151.90 € for a guaranteed overnight delivery. FedEx offers 68.03 € for a package delivered on thursday (which is too late) and 203.51 € for a delivery on tuesday. On second try here (to show the ridiculous prices to a colleague), prices were different for the exact same thing. What. The. Fuck.
Anyways, DHL it is. Still, the question remains how I should bundle the printouts together. For my puny 85 sheets of paper, a File folder may be sufficient, but the other guy's 223 sheets prove difficult, so I used small ring binders. Well, see for yourself:
The other guy's papers in a file folder: Doesn't fit!
Des anderen Publikationen in einem Schnellhefter: Passt nicht!
My papers, on the other hand, do fit. Yay.
Meine Paper, auf der anderen Seite, passen. Jippie.
I would have sent this. The large ring binders are his', the small
green file folders are mine.
Das hätte ich geschickt. Die Ringordner sind seine, die grünen
Schnellhefter meine.
After having punched wholes through four of the five bundles for each of us, I received an e-mail, with four applicants (including me) in CC (instead of putting us in BCC, thus preserving our privacy, but, well, that's just the least of the problems):
Applicatons for professorship
Dear applicants,
Problems with sending papers by ordinary mail.
I have discussed the matter with our Head of Administration and we have concluded that you can send the requested documents (scientific papers) on CDs. You must then send 5 CDs instead of 5 stacks of scientific papers.
[…]
Boy, was I mad at that moment. The trees were dead and their remainders sullied with ink and now they tell me, all was in vain? I really had to restrain myself from actually sending a mail thanking the lady that I now know who else applied and making sure that they can handle such high-tech devices like CD-ROMs or if they didn't maybe prefer 3.5" floppy disks. Well, I wrote it, but I didn't send it. Why I cannot simply upload my stuff somewhere – or better still, send them a link to where it is anyway – I don't know. But it made everything cheap from there.
In the end, I burned 5 CDs on friday morning, and sent them as a 250-gramms-letter for 8.57 Euros. Now I am waiting for them to invite me to give a talk.
This is what I sent in the end: Five f-ing CDs.
Das habe ich letztendlich geschickt: Fünf verf-te CDs.
The complete letter I sent in the end. Format approximately A4, and
the duct tape I used to close the letter is a left-over from the last
(2009) German Parliament Election.
Der komplette Brief, wie ich ihn am Ende verschickt habe. Etwa DIN
A4-groß, und das Klebeband ist noch von den letzten Bundestagswahlen
übrig (2009).
Bjørn, 15. März 2013
Langsamer Start
Dieses Jahr hat nicht ganz so angefangen wie geplant: ich bin heute, am 57. Tag diesen Jahres, erst das dritte Mal mit dem Fahrrad auf die Arbeit gefahren. Selbst wenn man die Kranktage am Anfang des Jahres abzieht, habe ich mich also nur jeden 9. Arbeitstag auf den Drahtesel geschwungen. Dann war auch noch meine Brille in der Mitte durchgebrochen und recht lange in der Reparatur. Und außer einer Veranstaltung an der TU Darmstadt und einem Abendessen in Hanau war ich im Januar nicht außerhalb Frankfurts.
Jetzt kommt das Jahr aber für mich langsam in Fahrt. Meine UKS ist kurz vor Fasching wieder nach Frankfurt zurück gezogen, dazu bin ich mit dem freundlichen Herren in Blau im ICE nach Leipzig gefahren, um ihr beim Packen zu helfen und sie heimzufahren. Eine Woche darauf war ich mit Fips Modellbahnstellwerk spielen, dazu mussten wir wenigstens nach Darmstadt. Seit einer Woche habe ich nun meine Brille wieder — die Reparatur, bzw. der Austausch, war tatsächlich kostenlos. Und seit gestern habe ich auch wieder eine Kamera — ich habe mich von Johannes' Urteil überzeugen lassen und eine etwas teurere Kamera mit großem Chip gekauft. Mehr Werbung gibt's aber erst, wenn ich die etwas ausprobiert habe.
Die nächsten vier Wochenenden sind dann auch von Reisen geprägt: Zuerst geht es Zug nach Dresden, wo ich eine Woche lang an der Frühjahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft teilnehmen werde. Vielleicht habe ich währenddessen die Möglichkeit, mal bei einer der sächsischen Schmalspurbahnen vorbeizuschauen. Sowohl Hin- als auch Rückfahrt passiert im Zug in einer großen Gruppe; ich habe Gruppentickets organisiert, für 11 Personen bei der Hinfahrt und 13 bei der Rückfahrt. Man, ist das kompliziert bei der Bahn.
Eine Woche, nachdem ich zurückkomme, geht es schon mit der Bahn nach Zürich, Johannes, Luisa und noch zwei andere Leute besuchen (die ich aber noch nicht kenne). Und noch eine Woche später bin ich dann mal zur Abwechslung bei Herford zu Gast. Und, weil das dann immernoch nicht genug ist, bin ich dann noch zwei Tage an der GSI. Und dann ist der März auch schon um. Naja, und bis dahin wollte ich eigentlich noch etwa 236 km Fahrrad gefahren sein…
Für den Rest des Jahres gibt es teilweise auch schon Pläne, aber am Wichtigsten dabei ist ein Urlaub in Norwegen! Mit Zug, Fähre und auch Leihauto(s). Drei Wochen im Juli. Bis dahin muss ich die neue Kamera wirklich bedienen können. Und 500 km Rad gefahren sein. Und dann war auch dieses Jahr die Pfingstfreizeit vom Gitarrenorchester, und die 100-Jahr-Feier meiner alten Schule (mit Chorauftritt) und natürluch auch wieder die Night of Science und das [Φ]FA-Turnier und ganz aktuell das leckende Abflussrohr aus dem Waschbecken daheim.
Uff. Wird wieder anstrengend.
Bjørn, 26. Februar 2013
Stadtbahn in Bergen
Donnerstag und Freitag waren wieder sehr regnerisch, deswegen hielt es mich doch im Büro. Freitag abend allerdings war es trocken und ich lief nach Fantoft, um auf dem Weg dorthin möglichst viele Bilder der Stadtbahn zu machen. Was sich durch den Bau der Stadtbahn alles verändert hat, war schon sehr beeindruckend, und viel zu viel, um im Detail hier erwähnt zu werden. Leider hatte ich 2007 doch nicht so viele Bilder gemacht, die ich jetzt sinnvoll vergleichen kann, aber naja.
Tunnelportal in Fantoft (Tunnel aus Sletten). Oben: vor dem Bau (1. April
2007), Unten: Heute (2. Mai 2010)
Testfahrt (Wagen 203) in Wergeland Station, blick Richtung Norden (Fahrt nach
Depot Kronstad). Links der Mitte das alte Wartehäuschen der
Straßenbahnschleife Minde (Trikkesløype Minde)
Station Fantoft mit Tunnelportal nach Paradis und neugebauter Erweiterung für
die Studentenwohnungen
Blick von Süden zur Station Troldhaugen mit überhängendem Haus
Endstation: Nesttun Terminal. Blick auf die Strecke, also nach Norden. Das
Gleis Richtung Rådal (Süden) ist noch vom Bahnsteig überbaut…
An der Endstation in der Stadt — Byparken — liegen zwar zwei Gleise, aber nur das Gleis Richtung Nesttun hat einen Bahnsteig. An dessen Ende liegt auch die Plakette der "Grundschienenlegung". Die Strecke führt zum Hauptbahnhof und durch den Busbahnhof durch. Dahinter kommt die erste sehr stark veränderte Stelle: Ein Haus — Pastasentralen — musste der Strecke weichen. Eine S-Kurve später (Höchstgeschwindigkeit 10 km/h) sind wir dann an der Station Nygård direkt vor den naturwissenschaftlichen Gebäuden der Uni. Dahinter kommt Florida und die Brücke über den Store Lungegårdsvann. Hier fahren die Autos auf einer neu gebauten Brücke, während die Stadtbahn die alte Brücke mit Fahrradfahrern teilt. Hinterm Danmarksplass fängt dann ein langes Stück mit wirklich starken Eingriffen in das alte Straßenbild an, sowohl die Bjørnsonsgate als auch der Inndalsveien sind nun zum großen Teil Einbahnstraßen. Vor 5 Jahren war diese Verbindung noch die Haupteinfallstraße von Süden nach Bergen… Fantoft mit der 90°-Kurve und einem neuen Studentenwohnheim hat sich natürlich recht stark verändert, und hier ist noch am deutlichsten sichtbar, dass die Arbeiten noch nicht ganz abgeschlossen sind.
Der Rest der Strecke hat keine größeren Einschnitte mehr in die existierende Infrastruktur gebracht, lediglich das Stück Troldhaugen―Nesttun wurde von drei Spuren auf zwei verkleinert, um Platz für die Strecke zu machen. In Nesttun, der momentanen südlichen Endstation, sind zwar auch beide Gleise verlegt, das Gleis Richtung Bergen allerdings ist nicht mit dem Rest verbunden und liegt unter einem Behelfsbahnsteig, sodass man jetzt von beiden Seiten in die Bahn einsteigen kann.
Soviel zur Bybane. Vielleicht kommt bald noch ein Bericht über den Rest in Bergen…
Bjørn, 9. Mai 2010
Du er ikke svensk!?
Angekommen in Bergen, lief ich mit Szabolcs durch den Regen (wie könnte es anders sein) zum Gästehaus, wo ich mich duschte, während er belegte Brötchen besorgte. In der Uni noch gar nicht richtig angekommen, kam schon Laszlo und fragte nach meinen Plänen für nach der Doktorarbeit, ob ich nicht nach Norwegen wollte oder was. Den Rest des Tages, der noch sehr sonnig und warm wurde, verbrachte ich damit, eine Steuerkarte zu kriegen (nur so kann ich den vollen Tagessatz erhalten) und den Vortrag für Mittwoch vorzubereiten. Leider saß ich deshalb trotz des perfekten Wetters die ganze Zeit im Büro. Als ich nach ein paar Details über das Ausfüllen der ganzen Formulare für Reisekostenerstattung fragte, tat ich das natürlich auf Norwegisch, und die Unterhaltung ging ein ganzes Stück lang, bis mich die nette Dame daruf hinweist, dass ich als nordischer Staatsbürger mich für die Steuerkarte nur mit dem Führerschein ausweisen muss.
Als nordischer Staatsbürger.
Bitte? "Ja, bist du denn kein Schwede!?" — "Nein… ich bin Deutscher!" (Hört man das denn nicht?) Sie war wirklich überrascht, und ich nahm es als eines der größten Komplimente, die ich in letzter Zeit gehört habe.
Außerdem traf ich am Dienstag noch Therese, eine von zwei Studentinnen, die von damals noch übrig geblieben sind, und die jetzt über Supersymmetrie promoviert. Abends fuhr ich nach Fantoft, um dort einen Film — 21 grams — zu gucken (eigentlich ganz gut, nur hoffe ich, dass das Titelthema nicht Teil des Mainstreams wird — wer zum Teufel wiegt Leute, während sie sterben?).
Am Mittwoch war es dann den ganzen Tag regnerisch. Der Vortrag lief gut, und danach redete ich mit Laszlo und Szabolcs über die Entropie von Boxen und Federn, traf beim Mittagessen Susi, die sich bei mir beschwerte, dass ich sie nicht vorgewarnt habe, dass soviele Deutsche in Fantoft sein würden, die aber ansonsten von Norwegen total begeistert ist. Dann ging ich in die Stadt, um Norwegische Bücher zu kaufen. Mit Terry Pratchett auf Norwegisch hatte ich kein Glück, mit Peer Gynt auf Englisch auch nicht, aber ich kaufte das Gedicht von Ibsen wenigstens auf Norwegisch. Mal sehen, ob ich es verstehe.
Wieder zurück redete ich mit den ortsansässigen Exis — dem Frankfurter Boris und der Griechin Kalliopi — über deren Forschungsthemen (und deren Erfahrungen als Ausländer in Norwegen) und fand bei Szabolcs heraus, dass er am abend keine Lust auf Weggehen hatte. Er gab mir den Tipp, zu einem Konzert mit nationalromantischer Musik zu gehen. Als ich es satt hatte, mit der WLAN-Verbindung zu kämpfen, ging ich dahin, nach drei Liedern hatte ich aber schon wieder genug. Heute morgen — Donnerstag — ist es zwar bewölkt, aber trocken, und langsam bin ich auch wieder ausgeschlafen. Wenn die Sonne noch rauskokommen sollte, wird es mich heute nicht im Büro halten…
Bjørn, 29. April 2010
WLAN im Zug
Nun bin ich also in Bergen, und eine der guten Sachen, so weit mit dem Zug zu fahren ist, dass man verschiedene Züge bereist und deren Vorzüge vergleichen kann. Außerdem erlebt man ja auch ein bisschen was auf so einer langen Reise…
- Frankfurt → Hamburg, ICE: Montag, 0:55 bis 5:43 Uhr
- Die meisten werden schon mal in einem ICE gesessen haben. Dies war einer der ersten Generation, die noch Abteile haben. Auf einen Platz im Abteil hatte ich gehofft, aber viele andere auch, so waren in den meisten Abteilen schon Leute drin, die Großräume dafür leer, aber leider hell. Im ICE gibt es Steckdosen, aber kein WLAN. Dafür Mitreisende. Ein Mädchen, dessen Alter ich erst nicht richtig einschätzen konnte, lag auf zwei Sitzen vor mir, ich setzte mich in ein Viererabteil mit Tisch. Da ich nicht vom Schaffner geweckt werden wollte, wollte ich nicht direkt schlafen, und irgendwie kamen wir ins Gespräch. Sie kam gerade von den Kanaren, wo sie Urlaub ohne ihren Freund gemacht hat, weil Probleme mit Umbuchen und so. Nachdem der Schaffner erst bei Schlüchtern kam, redeten wir aber weiter, in Fulda, Bad Hersfeld, Göttingen, und dann kam ja eh bald Hannover, wo sie aussteigen musste. Ich will nicht sagen, dass es nervig war, aber halt anstrengend, eigentlich wollte ich ja schlafen. Sie war übrigens ziemlich gleichalt wie ich. War echt nett. Ein wenig Schlaf hat mir dann die gute Stunde nach Hamburg noch gebracht. Oh, und es war alles Pünktlich.
- Hamburg → København, IC3: Montag, 7:25 bis 12:11 Uhr
- Die Gumminasen habe ich mal für das hässlichste gehalten, das auf Schienen fährt, aber bequem sind sie wirklich. Richtige Sessel sind das. Nachdem ich anderthalb Stunden auf dem Hamburger Hauptbahnhof nicht eingeschlafen bin, suchte ich mir einen Fensterplatz in Fahrtrichtung (alle Plätze sind in Viererabteilen mit Tisch), wo ich es sehr bequem hatte, bis zwei Frauen kamen, die sich wohl versehentlich in die erste Klasse gesetzt hatten, auf Sitze mit der gleichen Nummer, aber eben im falschen Wagen. Also, an den Gang. Da ist Schlafen nicht so richtig einfach, aber mit meinem Kissen, dass ich dabei hatte, habe ich doch zumindest Ruhe gefunden, vor allem nach der Fährüberfahrt. Die Dänische Staatsbahn versorgt alle zwei Plätze mit einer Steckdose, also wie im ICE, und kündigt Internet an, was es aber zumindest auf dem deutschen Teil der Strecke nicht gibt. Im Dänischen gab ich mich meiner Müdigkeit hin, und das einzige, an das ich mich erinnern kann, ist das Gespräch der beiden Frauen: Beide machen irgendwas im Sportjournalismus, die eine scheinbar beim ZDF, und ich hatte das Gefühl, sie mal gesehen zu haben — vielleicht ist sie eine Moderatorin? Aber was weiß ich schon. Und was interessiert es mich auch. Die Fahrt auf die Fähre hatte sich etwas verzögert, daher auch die Fährfahrt und die Weiterfahrt in Dänemark auch, Ankunft in der København wieder Pünktlich.
- København → Göteborg, X2000: Montag, 12:59 bis 16:32 Uhr
- Warten in Københaven hat mich gelehrt, dass es doch langweiliger geht als dieses "nur rote Züge"-Feeling, dass ich in Frankfurt immer kriege: In Københaven fahren vier verschiedene Zugarten, plus die S-Bahn, und an denen hat man sich recht schnell satt gesehen. Naja, eine davon ist der X2000. Ich wollte schon immer mal mit einem X2000 fahren, und der Sparpreis der Schwedischen Eisenbahn machte dies für 10 Euro möglich. Gediegenes Inneres, Holzvertäfelung, Steckdosen und tatsächlich zuginternes WLAN. Hier kann man entweder Internetzugang kaufen (teurer als die ganze Fahrt: 100 zu 95 Schwedische Kronen) oder kostenlos die Website der SJ und Zuginformationen abrufen, wie eine Karte, wo man gerade ist. Das war sehr nett, weil man ja normalerweise nicht weiß, wo gerade dieser nette Ausblick ist, den man da sieht. Leider war die Landschaft noch nicht groß genug, als dass es davon viele gegeben hätte, und mehr als schön kriegt man in Schweden ja auch nicht). Während also der Ausblick nicht wirklich aufregend war, guckte ich mir auf dem Laptop Charlie Wilson's War an. Zwei Minuten zu spät in Göteborg.
- Göteborg → Oslo, BM73B: Montag, 17:45 bis 21:45 Uhr
- Ich hatte seit Frankfurt nur ein Schokohörnchen gegessen, das mir aber nicht wirklich gut bekommen ist, also brauchte ich was zu essen. Ich ging also auf der Suche nach einem Supermarkt vom Göteborger Bahnhof weg und fand, dass es schwierig ist, sowas zu finden. Nachdem ich zwei hübsche Mädels gefragt habe, fand ich dann aber einen Laden, in dem ich Kekse und Banenen kaufen konnte. Im Bahnhof fand ich keinen Fahrkartenautomaten der Norwegischen Staatsbahn, an dem ich eigentlich meine Tickets abholen wollte, aber der Schaffner sagte mir, ich solle das Ticket dann einfach in Oslo holen, bevor ich in den Zug nach Bergen steige. Nun gut. Von den sechs BM 73B habe ich wahrscheinlich in allen schon mal gesessen, und hier gab es wirklich keine Überraschung (außer, dass das eine Klo zu war und ich weiter laufen musste als gedacht. Sitz in einem Viererabteil mit Tisch, Blick nach links (Westen). Keine Steckdose, kein Netz, nur kurz in Schweden jemand im selben Vierer, ansonsten sehr leer. Ich sah My Sister's Keeper und musste wieder hemmungslos heulen, und dann begann ich zu lesen: Ich habe mich entschlossen, Douglas Adams noch Chancen geben und kaufte die weiteren Teile von Per Anhalter durch die Galaxis. Leider habe ich festgestellt, dass ich immernoch das Gefühl habe, Douglas versucht einen aberwitzigen Text zu schreiben, ohne zu wissen, wie das geht. Ich weiß, viele Leute mögen das, aber ich war nach zwei Kapiteln sowieso zu müde und döste bis Oslo (Ankunft pünklich) vor mich hin.
- Oslo → Bergen, B7: Montag 23:09 bis Dienstag, 06:56 Uhr
- Umsteigen in Oslo verlief ohne Probleme, und ich betrat das erste Mal einen neu umgebauten B7-Wagen. Die Sitze sind nun anthrazit statt vorher rot, und haben ebenfalls Steckdosen, außerdem gibt es Internet. Statt der Billiggrafik der Position im X2000 hat man hier google maps; man kann selbst hin- und zurück scrollen, die Strecke wird als Linie angezeigt. Habe ich aber nur in Oslo ausprobiert, dann war schlafen angesagt! Neben mich setzte sich ein grimmig aussehender Schrank, der scheinbar nur aus Muskeln und Grunz-Stimmbändern bestand, sich aber, als er gesehen hat, dass schräg hinter uns ein Doppelsitz frei war, umsetzte. Geschlafen habe ich lange und ziemlich gut, so dass ich am nächsten morgen relativ fit am Bahnhof ankam, wo Szabolcs schon auf mich wartete.
Wie's mir hier in Bergen ergangen ist und weiter ergeht, schreibe ich dann bald.
Bjørn, 28. April 2010
Siste innføring om Norge
Letzter Eintrag über Norwegen. Wenigstens über mein Jahr dort. Warum noch was? Weil noch eine Info fehlt: Das Ergebnis der ganzen Sache. Heute halte ich mein Diplom in den Händen; es steht darauf "mit Auszeichnung". Juchuh.
Ich habe auch mein Paper dazu fast fertig; bald werde ich alles hier irgendwo auf die Website stellen zum nachlesen. Mit geht's wieder wirklich gut, alles super, bin wieder richtig da. Und heute habe ich den Weg in die Uni das erste Mal wieder mit dem Fahrrad bestritten (es waren übrigens 7355 km auf dem Tacho — also bin ich magere 1295 km in Norwegen gefahren).
Jetzt kommt die Promotion, hier in Frankfurt. Und vielleicht auch
was Neues auf der Homepage, irgendwann. Mal sehen. Auf Wiederlesen
Euer
Bjørn
Bjørn, 16. Juli 2007
Resumee-Versuch
So. Diplomarbeit ist abgeliefert, eine weitere Bewerbung (fast) abgeschickt, und ich sitze mal wieder im Zug von Göteborg nach Oslo und schreibe Blog. Und wahrscheinlich das letzte Mal (wenigstens für das nächste Jahr) mit dem Ziel Bergen. Die restlichen Sachen abholen, allen Tschüss sagen, und dann war's das. Aber wie war's eigentlich?
Alles in allem eigentlich gar nicht so schlecht. Ja, es war einsam, und eine Beziehung vor allem mit Internet-Telefonie aufrechtzuerhalten macht irgendwie keinen Spaß. Das selbe gilt für Freundschaften. Aber das ist eigentlich die Antwort auf die Frage, wie es war, ein Jahr weg zu sein, nicht auf die Frage, wie es ist, ein Jahr in Bergen zu sein.
Ich tue mich wirklich nicht leicht mit einer Antwort (ich drücke mich immernoch drum, merkt ihr's?). Da wäre das Wetter. Wie war das eigentlich, so wirklich? Eigentlich empfand ich es wirklich nicht sonderlich schlimm. Ist das, weil ich ein Optimist bin und mir die Sonnentage stärker in Erinnerung geblieben sind? Oder weil ich einfach in Frankfurt nie die Sonnentage gezählt habe und sie mir deshalb so viel vorkommen? Immmerhin, 2006 war ein eher nasses Jahr in Bergen, auch für lokale Verhältnisse, und zwar vor allem der Herbst. Also, Wetter: Unentschieden.
Zum Wetter gehört natürlich aber auch was Anderes: Tageslänge. Vor allem im Winter. Ich habe da ja mal von berichtet. War nicht so toll, in der Tat. War das damals hauptsächlich die Dunkelheit wegen kurzer Tage oder die Dunkelheit wegen selten-klarer-Himmel? Ich möchte gerne letzteres glauben. Das macht das eben behauptete Unentschieden ein Sieg nach Verlängerung gegen Bergen. Astronomisch gewinnt Bergen eher, wegen des Frühlings und des Sommers.
Wie sind die Leute hier? Eigentlich alle ganz nett, aber viel hatte ich mit niemandem zu tun. Ok, aber ich habe auch in Deutschland mit nur wenigen Leuten viel zu tun und meistens ging das auch (leider) nicht grade von mir aus. (Doch, das meine ich ernst.) Also, einige Leute kenn ich hier, mit den habe ich auch manchmal was zusammen gemacht, enge Freunde habe ich nicht gefunden, hatte ich ja aber auch schon. Also, Leute: Unentschieden
Die Stadt an sich. Jahaha, so einfach geht's nicht. Also: Die bebaute Stadt. Wirklich schön. Viele schöne Ecken, ein paar hässliche, und man kann eine Stadtführung problemlos in einem Tag (fragt Stefan und Felix) oder in drei Tagen durchführen (fragt Johannes). Ohne bei dem einen was zu vergessen oder bei dem anderen was doppelt zu machen. Allerdings liebe ich Frankfurt — unentschieden in der ersten Halbzeit.
Und die "unbebaute" Stadt? Ich würde behaupten, einen sehr großen Teil der Kommune Bergen gesehen zu haben, das meiste vom Sattel aus. Und das war wirklich alles ziemlich schön. Mit norwegischer Landschaft kann halt nicht mal ein Grüngürtel mithalten, nicht mal mit Niddapark oder Stadtwald — Bergen gewinnt.
Essen. Ohne Ofen oder Mikrowelle und mit limitierten Fähigkeiten und Geldresourcen war mein Speiseplan eher ziemlich wiederholend. Essen gehen ist viel zu teuer, ebenso Bier. Apfelwein gibts nicht. Warmes essen kaufen daher nicht möglich — man kriegt ja mittags auch nix in der Uni. Kantersieg für Frankfurt.
Verkehr. Bahnfahren in Norwegen ist fast immer ein Genuss, keine Frage. Mittlerweile habe ich gehört, dass die Wagen, die ich hier so toll finde, sogar eher die unbequemeren sind — boah. Frühes 1:0. Der ÖPNV allerdings ist nicht so toll — über Busfahrer habe ich ja schon oft geschimpft, über die Pünklichkeit, glaube ich auch. Vielleicht ist das ja in drei Jahren besser, wenn es eine Stadtbahn gibt. Autofahrer sind hier nicht sooo toll, wie anfangs gedacht, aber vielleicht werde ich ja feststellen, dass sie immernoch um Klassen besser als Deutsche sind? Vielleicht sollte ich mich aber auch von Offenbach fernhalten. Fahrrad. Sehr, sehr gute Ansätze. Es hapert an einigen Stellen, aber das tut es, glaube ich, in Deutschland mindestens genauso. Dass ich es in Norwegen hatte, auch wenn ich es am Samstag wieder mitnehmen muss, habe ich keinesfalls bereut. Sagen wir, unentschieden (ich finde, ÖPNV zählt ne Menge)
Bleibt die Physik? Also, ich habe niemals so eine gute Diplomarbeit außerhalb von Norwegen geschrieben. Das heißt nicht, dass ich es nicht hätte. Also… wo zu sein, wo es einen Professor, einen Postdoc und eine Master-Studentin gibt, die etwas ähnliches tun wie man selber, ist einfach wesentlich schwieriger als es wo zu tun, wo 6 Professoren und gefühlte 100 Leute sowas tun und jede Woche zwei Vorträge dazu sind. Für den Rest der Gründe, fragt mich. Noch ein Kantersieg für Frankfurt.
Mehr Punkte fallen mir jetzt nicht ein. Zusammenzählen tu ich nicht, denn ich möchte die einzelnen Punkte nicht gegeneinander wichten müssen. Ich bin froh, ein Auslandsjahr zu haben, Erfahrungen mitzubringen, auch viel gelernt zu haben, und jetzt guten Gewissens erstmal in Frankfurt bleiben kann.
PS: Das war noch nicht der letzte Eintrag, versprochen!
Bjørn, Tag 315, 12. Juni 2007
'Øst-Mafia'
"Ost-Mafia". Nur ein kleines Update — ich fand das Ergebnis des Eurovision Song Contest zwar eher enttäuschend, aber ich sehe ja ein, dass Serbien von überall Punkte bekommen hat. Bildblog bestätigt das jetzt; jeder, der der Meinung ist, die Punktevergabe sei ja sooo ungerecht, möge sich bitte mal die Tabelle angucken, die Bildblog generiert hat — das Abstimmungsergebnis, wenn man alle osteuropäischen Stimmen weglässt. Wer keine Lust hat, dem Link zu folgen: Es ändert sich fast nichts.
Bjørn, Tag 286, 14. Mai 2007
Serbia!?
Serbien!? Jaja, ich weiß, von deutschprachigem, recht textlastigen Swing kann man keine gute Platzierung erwarten, ja. Aber als ich gestern — über Internet-Livestream — den serbischen Beitrag zum Eurovision Song Contest gehört bzw. gesehen habe, dachte ich "na, besser als die sollte Roger Cicero aber auf jeden Fall sein". Und dann gewinnen die. Mein Favorit war Schweden, und die sind grade zwei Punte vor Deutschland gelandet… es gibt keine Gerechtigkeit.
Und die Eintracht ist nächstes Jahr wieder erstklassig, weil Bremen (wie auch Schalke) keine Lust hat, deutscher Meister zu werden — Idioten. Naja, mich freut's. Dafür hat Mainz keine Chance mehr, buhuhu.
Einen Kommentar kann ich mir nicht verkneifen:
Westerwelle lügt. Angesichts
der nicht-Begnadigung eines ex-RAF-Terroristen behauptet der Chef der
freien Liberalen, dass es ein "Keine Gnade ohne Reue" ein Grundsatz im
deutschen Rechtssystem sei. Was er
verschweigtübersieht ist, dass es überhaupt nicht auf
Reue ankommt.
Nun ja. Ich bin momentan nicht sehr motiviert zu schreiben, weil ich befürchte, dass ich einfach nicht so viel über meine Ergebnisse schreiben kann, weil sie alle gleich aussehen. Mal sehen, vielleicht sind die Nächsten ja etwas interessanter. Dafür war ich gestern sehr motiviert, zu packen. Und siehe da: Ich kriege fast alles mit einem Mal nach Frankfurt. Alles, was ich hierlasse(n muss) sind die Fahrradsachen (naja, Ersatzschlauch, Pumpe, Werkzeug nehm ich schon mit, aber Helm, Handschuhe, das Fahrrad nicht), meinen Ordner mit Mietvertrag und so, den brauch ich auch noch, eben so wie ein Restposten an Küchensachen. Selbst Decke und Kissen schaffe ich schon dieses Mal nach Frankfurt, im Juni habe ich dann hier noch Schlafsack und Isomatte; für drei Nächte geht das schon.
Meine ToDo-Listen sind mittlerweile extrem zusammengeschrumpft, ein großes ToDo ist die mündliche Norwegisch-Prüfung morgen um 13:15, und natürlich die Party heute abend (vielleicht war die Planung da etwas schlecht? Egal). Und dann nur noch warten, den Koffer ein letztes Mal zumachen (ich bin mal gespannt, wieviel der wiegt — ich muss in Frankfurt unbedingt dran denken, ihn zu wiegen!), zum Bahnhof und ab die Post äh der Zug äh also…
Bjørn, Tag 285, 13. Mai 2007
Leseorm
Lesewurm. Am Wochenende habe ich tatsächlich damit angefangen, zusammenzupacken. Nicht so richtig, aber schon ein bisschen. Seit Sonntag ist es richtig schlechtes Wetter draußen, ich habe eben das erste mal seit Samstag wieder die Sonne gesehen. Das korrigieren eines Bugs ließ scheinbar auf einmal alle meine Daten schlecht aussehen, dachte ich, bis ich herausfand, dass es nur an schlechter Statistik liegt — ich fand das vor ein paar Stunden, nach fünf Tagen Suche, raus. Und obwohl schlechte Statistik eigentlich nicht so viel Zeit braucht, musste ich trotzdem viel warten. Zwei Bücher las ich daher, eines davon war für meine Rückfahrt vorgesehen, also kaufte ich zwei weitere, von denen ich jetzt also noch eines übrig habe. Jetzt muss ich mich wieder eine Woche lang zurückhalten…
Heute morgen war die Norwegisch-Klausur; für viereinhalb Stunden angesetzt, ich war nach zwei fertig (inklusive einem Diktat, das alleine vierzig Minuten gedauert hat), und ich fand es verdammt leicht. Mal sehen, wie's geworden ist, Montag (13:15) ist ja noch die mündliche Prüfung dazu. Ansonsten ist meine Planung für nächste Woche sehr leer (was will ich hier eigentlich noch?) — einmal Kaffeetrinken mit Špela, eine Abschiedsparty, die der Gastwissenschaftler aus Budapest (Péter Ván) eigentlich für sich selbst organisiert, und… achso, arbeiten. Muss ich jetzt auch wieder — tschö!
Bjørn, Tag 280, 8. Mai 2007
Siste Forlesning
Letzte Vorlesung. Gestern. Soo, viel passiert diese Woche? Mmh, irgendwie nicht. Viel Arbeit jetzt halt. Ich produziere jetzt echte tolle (naja, das zeigt sich noch) Daten. Und einige davon habe ich Laszlo am Donnerstag gezeigt, und er gab sehr produktive Hinweise, was ich noch machen könnte, ab.
Blöderweise entdeckte ich dann einen Fehler, der in sehr unwahrscheinlichen Fällen das Programm zum abstürzen bringt. Und außerdem irgendwie eigentlich falsche Daten produzieren müsste. Mein erster Bugfix hat dann wirklich falsche Daten produziert, sodass ich die Rechnungen von zwei Nächten und dem Tag dazwischen momentan neu laufen lasse. Mit einem Bugfix, dass richtig aussieht und auch sinnvolle Daten produziert.
Schreiben tue ich momentan nicht, da ich eigentlich schon an dem Punkt bin, an dem ich nur noch über Ergebnisse schreiben kann, und auf die warte ich ja wie gesagt jetzt. Dafür habe ich die letzten Vorlesungen gehabt, jetzt gibt's noch Norwegisch-Klausur am Dienstag morgen und die mündliche Prüfung dazu am Montag drauf. Ansonsten habe ich diese Woche ein das Abstract für's CERN geschrieben, meine Bewerbungen für's Stipendiat abgeschickt, mal wieder Bilder sortiert, norwegische Flaggen gekauft, und mich seelisch darauf eingestellt, nächstes Wochenende schon zu packen.
Das Wetter ist unwahrscheinlich toll momentan; den neunten Tag hintereinander sonnig bis zum geht-nicht-mehr (morgen soll's wieder mal regnen, nagut…); nur seit Dienstag fängt jeder morgen mit richtig dickem Nebel (Sichtweite unter 50 Metern) an. Aber es ist einfach wunderschön, bei Sonne im Frühjahr durch diese Stadt Rad zu fahren. Irgendwie merkwürdig — ich weiß, dass ich es hier vermissen werde, wenn ich endlich wieder in Frankfurt bin. Das heißt, naja, irgendwie nicht merkwürdig, sowas war ja eigentlich zu erwarten, oder?
Bjørn, Tag 277, 5. Mai 2007
Viddetur med Sykkel
Bergsteigen mit Fahrrad. Das tat ich am Sonntag. Immernoch super Wetter, aber wie in Deutschland wird's auch hier langsam kälter. Aber Pflanzen sind hier noch nicht am vertrocknen…
Nun, also, am Sonntag also Fahrradtour. Um neun Uhr ging's schon los — dass ich bis acht schlafen konnte, war schon eine Ausnahme, aber dazu später mehr — nach Süden. Es lief sehr gut, und bald wähnte ich mich vor der ersten Herausforderung: 10 Kilometer lange Steigung. Doch, was war? Pustekuchen. Es ging sogar eher bergab. Dabei hatte das so nach einem Tal ausgesehen, das nach oben ging… Also, 10 Kilometer später war ja noch nix gewesen, also wieso nicht weiterfahren, auf dem Wanderweg, breit genug ist er ja. Kies- und Schotterweg, aber wenigstens recht fester Untergrund. Und wenn ich den durchhalte, dann komme ich auf der anderen Seite wieder an den Fjord, das wäre ja ganz toll. Nun ja, ich mach's kurz, der Weg wurde immer schlechter, und ich hatte nicht das Gefühl, viel Höhe zu gewinnen, deshalb entschloss ich mich, umzukehren. Was ärgere ich mich jetzt! Auf dem Rückweg merkte ich, wie sehr viel Höhe ich doch schon gewonnen hatte. Naja. Dann "kurz den Berg hoch" und ein anderes, paralleles Tal runter, stand auf dem Plan. Und hätte ich nicht genau gewusst — zwei Wanderer hatten dies bestätigt — dass es in diesem Tal wirklich sehr bergab geht, hätte ich aufgegeben. Für dieses "kurz den Berg hoch" — 3 km — brauchte ich etwa 45 Minuten. Ich habe gelitten.
Aber dann, wie gesagt, eine Abfahrt sonders gleichen. 8 Kilometer schnurgerade nach unten, das hat mich wieder entschädigt. Danach, auf dem Rückweg, sah ich dann ein Denkmal für die alte Schmalspurbahn von Nesttun nach Os. Am Ende war ich 70 Kilometer gefahren.
Dafür fühlte ich mich heute nicht so produktiv, was aber wahrscheinlich gar nicht berechtigt ist, wenn ich mal so drüber nachdenke. Die Tage werden hier länger und länger, selbst jetzt, zwanzig nach elf, ist noch ein heller Streifen am Horizont, und morgens, wenn ich aufwache, ist es taghell. Und das weckt mich auf. Dadurch habe ich aber keinesfalls zu wenig Schlaf, ich gehe momentan recht früh ins Bett (erwischt — heute nicht).
Vogel-Gezwitscher ist mir begegnet bei meinen ausgedehnten Pausen auf diesem Ausflug:
An dem Berg ging es vorbei, erst rechts (da wo ich umkehrte), dann
links (da wo's so verdammt weh getan hat).
Ich will keine Filme hier einstellen, ansonsten hätte ich hier jetzt die
obligatorischen 10 Sekunden Wasserfall ☺ Das war auf dem Weg zurück.
Auch auf dem Weg zurück, weiter unten.
Meine grüner-Saft-Wiese. Das ist jetzt mein Bildschirmhintergrund (in
1024x768).
Stend. Der letzte Teil der alten Bahn von Nesttun nach Os, deren sehr flache
Trasse heute als netter Fahrradweg dient, der nur leider viel zu voll war,
zum Beispiel mit den Kerlen auf dem Foto, die zu doof waren, zur Seite zu
gehen (und sie haben's versucht!)
Bjørn, Tag 272, 30. April 2007
Korte-Bukser-Vær
Kurze-Hosen-Wetter. Und zwar volle Kanne. Noch kein Bikini-Wetter wie in Deutschland, aber immerhin. Sollte es morgen wieder schlecht werden, bin ich sauer, denn eigentlich wollte ich einen Fahrradausflug machen. Aber es sieht gut aus.
Und zwar in jeder Hinsicht. Ich arbeite meine To-Do-Listen jetzt ab, und fühle mich weiterhin sehr produktiv. In der Tat habe ich heute den ersten Korrelationsplot fabriziert — eben jene Art von Plots, die die physikalischen Ergebnisse meiner Arbeit enthalten werden. Ich hatte schon gezweifelt, ob ich das überhaupt noch schaffe, aber mir ist eine Idee gekommen, wie ich das wesentlich einfacher machen kann. Wenn ich morgen nach dem Ausflug noch Muße finde, werde ich ein Programm schreiben, was mir diese Plots schön und vor allem automatisch macht. Auf den Plots konnte ich schon herauslesen, dass das, was ich das letzte halbe Jahr lang produziert habe, keinen Mist baut, mein "analytischer Testfall" funktioniert. Also, sehr euphorisch grade, was das angeht.
Und die Arbeit schreiben funktioniert ebenfalls recht gut — ich bin jetzt bei 30 Seiten, ohne Bilder 25 — ohne den Ergebnis-Abschnitt, habe ja noch keine. Horst sagte, es sollen so 40 Seiten plus Abbildungen und Anhang sein, und ich denke, die schaffe ich locker. Juchu! Außerdem Rückmeldung aus Genf bekommen, meine Unterkunft während der Konferenz Anfang Juni ist gesichert, und die letzten Fahrkarten und Platzreservierungen für meine letzten Fahrten nach Bergen und zurück habe ich auch: Ich werde endgültig am Sonntag, den 17. Juni um 6:29 am Südbahnhof ankommen. Das wird dann Tag 320 sein.
Montag gebe ich meine Mietvertragskündigung ab, und mache meine Doktor-Bewerbung fertig und schicke sie ab, hoffentlich, wenn nicht zuviele Leute, die ich dafür brauche, langes Wochenende machen. Und, da ich jetzt ja mit großer Sicherheit Ergebnisse kriege, werde ich ein Abstract an die Organisatoren besagter Konferenz schicken (also eine Zusammenfassung von dem, was ich denen vortragen werde). Juchu, juchu, juchu. Ich hoffe, euch allen geht es auch gut.
Bjørn, Tag 270, 28. April 2007
Opplop
Endspurt. Heute habe ich vor allem To-do-Listen gemacht; einen Kalender angelegt und mich um meine Doktor-Arbeits-Stipendiums-Bewerbung gekümmert. 20 Tage noch, dann bin ich wieder in Frankfurt — einen Tag früher als gedacht. Etwas doof: In der Nacht auf den Feiertag 17. Mai fährt die Norwegische Staatsbahn zwar noch die Nachtzüge, die von Samstag auf Sonntag nicht fahren, aber der Rest ist dann Sonntagsfahrplan, und an Sonntagen kommt man nicht mehr rechtzeitig nach Københaven, um dort den Nachtzug zu nehmen. Also einen Tag früher. Nächstes Problem: Die CityNightLine bietet zwar augenscheinlich immernoch Supersparpreise an, nur die sind angeblich auf Monate hinweg ausgebucht. Wer's glaubt. Der Zug, den ich im Oktober genommen hatte, fährt jedoch zusammen mit einem Zug nach München, in Fulda werden sie getrennt — und ab Fulda kann ich auch mit meinem Semesterticket weiterfahren. Das ist also mein Plan; ich komme an Christi Himmelfahrt an.
Meine interne Deadline für das Fertigstellen und abgeben der Arbeit ist noch weiter nach vorne gerückt, statt Mitte Juli peile ich nun den 11. Juni an (Montag), und hoffe, dass ich dann am ersten Juli mit meiner Doktorarbeit beginnen kann. "Möglich" wurde diese Vorverlegung dadurch, dass ich in den letzten Tage recht viel geschrieben habe und dadurch viel Zuversicht getankt habe.
Tja, dadurch gibt's nicht viel mehr zu erzählen; ab morgen soll es besseres Wetter werden, das Grün des Rasens draußen wird langsam saftig, und auf den Bäumen kommt es langsam zurück. So wie ich bald nach Deutschland.
Bjørn, Tag 268, 26. April 2007
Regnet hilser
Der Regen grüßt.
Die meisten meiner Leser habe ich ja letzte Woche gesehen, deswegen ganz kurz: Die restlichen Tage mit Johannes waren einfach super, der Flug war ok. Bilder folgen vielleicht. Ich vermisse Frankfurt mehr denn je. Die Fahrt nach Bergen war… naja, lustig. Erste Prämisse waren 13 Minuten Umsteigezeit in Hamburg Hauptbahnhof (dorthin brachte mich ein über Nacht und Ruhrgebiet verkehrender IC). Und es ging mit sechs Minuten Verspätung los… Kein Problem, in Koblenz war 18 Minuten Aufenthalt, Loktausch. Abfahrt pünktlich. Doch das Abenteuer hatte grade erst begonnen…
Noch vor Andernach war eine Baustelle, auf dem Gleis Richtung Köln, nach der Vorbeifahrt eines südwärts fahrenden Zuges fuhren wir dann auf dem "falschen" Gleis weiter. Das wäre an sich nicht so schlimm gewesen, hätte ich mich nicht an das Zugunglück von Brühl erinnert — selbe Strecke, selbe Situation, auch Nachts, andere Richtung, neun Tote. Irrtümlich nahm ich auch an, dass damals der zweite Wagen um den Bahnsteigspfeiler gewickelt hatte (ich saß im zweiten Wagen), doch jetzt, wo ich mich drum kümmere, stelle ich fest, dass es der dritte Wagen war. Aber passiert ist ja eh nichts. Die Verspätung durch diese Baustelle war auch nicht schlimm, bei 32 Minuten Aufenthalt in Dortmund (danach waren noch ein paar Schlaf- und Liegewagen am Zug dran). Das hatte ich alles gar nicht mehr mitbekommen, aufgewacht bin ich in Osnabrück. Mmh. Abfahrtszeit verstrichen, nichts los, Signal auf Fahrt, aber Türen auf. Was los? Zwölf Minuten Verspätung am Ende, und vor Bremen kam die Durchsage, es sei ein "Bundespolizeieinsatz im Zug" gewesen, Details kenne ich nicht. Und noch zweimal auf dem falschen Gleis fahren, das kostet doch Zeit!!
Nochmal gecheckt. 13 Minuten in Hamburg ist das Ziel. In Bremen wider erwarten nur noch neun Minuten. Irgendwo in der niedersächsischen Pampa fahren wir offensichtlich einem anderen Zug auf; dreimal recht kurz hintereinander kommen wir fast vor einem Halt gebietendem Signal zum stehen. Oh Verdammt!
Allerdings, zu meinem riesigen Erstaunen, sind wir drei Minuten vor Ankunftszeit in Hamburg-Harburg und eine Minute zu früh am Hauptbahnhof. Alles Gut gegangen.
Der Rest verlief ganz gut, mit dem Zug auf die Fähre zu fahren war schon eine lustige Sache (abgesehen davon war die Fähre irgendwie häßlich). Ankunft in København war pünklich, doch dann musste ich rennen, weil der "Zug nach Malmö", der auf das andere Gleis verlegt wurde, doch bis Göteborg fuhr. Die letzten neunzig Minuten dieser Fahrt döste ich weg, war auch nötig nach nur drei Stunden schlaf. Kühle, frische Luft in Göteborg lies mich wieder etwas klarer werden, und die Fahrt nach Oslo las ich.
Und dann, es grämt mich, das zu sagen, stellte ich den großen Nachteil an Bahnfahrten in Norwegen fest: Die letzte Sitzreihe im Zug. Weniger Beinfreiheit als überall sonst, und man kann die Sitze nicht verstellen. Und genau so einen Platz hatte ich. Und der Zug war voll. Dabei hatte ich mich schon gefreut, gut schlafen zu können, müde genug war ich. Am Ende hat es nicht lange gedauert, bis ich einschlief, war ein paar mal wach, aber es ging grade so.
Schon in Schweden hatte es geregnet, und hier ist es keinen Deut besser.
Und jetzt sitze ich mit ungewaschenen Haaren im Büro, warte darauf, dass ich mich um meine plötzliche Beurlaubung für's Sommersemester kümmern kann (andere Geschichte), und dass eine Vorlesung ist, dann essen, dann Norwegischkurs, dann heim. Und schlafen…
Bjørn, Tag 265, 23. April 2007
Alltid mot vannet
Immer dem Wasser entgegen. Das war das Motto von unserer Besteigung des Ulriken. Jaha! Wetter ist super und ich kann Johannes richtig viel zeigen. Und spontan hatten wir uns dazu entschlossen, den Ulriken hochzulaufen. Die dafür gekaufte Wanderkarte hat sich als recht nützlich erwiesen, und der Weg führte eben meistens durch kleine Bäche nach oben. Zum Glück ist der Sandstein auch nass nicht rutschig. Oben angekommen wollten wir dann mit der Seilbahn runterfahren, doch die fuhr schon um halb sechs nicht mehr. So ein Mist. Den Abstieg und Aufstieg haben wir dann gestern bei der Stadtbesichtigung sehr deutlich in den Beinen gespürt.
Heute wurden wir um sechs vom Feueralarm geweckt, da kriegt Johannes also auch das richtige "Fantoft-Feeling", und nachher gehen wir hier noch etwas spazieren. Morgen kommt dann der riesige Ausflug über Flåm und Myrdal dran, und übermorgen dann die Heimreise.
Bjørn, Tag 255, 13. April 2007
Verden lever igjen
Die Welt lebt wieder. Nein, nein, kein Frühling ausgebrochen hier, nur ist einfach Ostern vorbei. Und das bedeutet bei den Norwegern, dass sie wieder da sind. Letzte Woche sind die Busse Montags bis Mittwochs Samstagsfahrplan gefahren, und ab Donnerstag Sonntagsfahrplan. Stellt euch das mal in Frankfurt vor…
Ich habe heute schon Maneuverkritik für meine Folien für den Vortrag in Frankfurt nächste Woche bekommen, überwiegend positiv, aber ein paar Sachen muss ich ändern. Und meine Osterferien beginnen ja sowieso erst nachher. Naja, nicht ganz; gestern war Stefan ja da (Fotos habe ich noch nicht), und das war ein richtig schöner Tag gewesen. Vormittags, als es noch gutes Wetter war, sind wir auf Fløyen rauf, schöne Aussicht, klares Wetter, und nachmittags bei schlechtem Wetter (die Wolken hingen tiefer als wir vorher waren) war die Stadtbesichtigung vorbei und ich konnte noch mit auf's Schiff kommen, um mit ihm und seinem Vater zu essen. Sehr schönes Erlebnis.
Leider ist mir die Laune später schlagartig vergangen, was nicht am nun einsetzenden Dauerregen gelegen hat; sehr schlechte Nachrichten von daheim. Mehr kann ich nicht drüber schreiben.
Anderes Thema. Computer. Den Büro-PC habe ich tatsächlich wieder hingekriegt, nur die Soundkarte will noch nicht so ganz wie ich will, und dann habe ich mich noch um meinen Laptop gekümmert, als ich das Betriebssystem neu installiert hatte und mein Lieblingsbrowser immernoch nicht ging, las ich im Internet, dass ich gar keinen Mist gebaut hatte, den ich für das plötzliche nichtmehrgehen verantwortlich gemacht hatte… Nun, ich muss vorerst mit Iceweasel (also, Firefox) vorlieb nehmen, und warten.
Wetter in den nächsten Tagen… ich schreib lieber nichts *grummel*. Oder vielleicht dann doch, wie es war, aber jetzt nicht. Alleine der Weg in den Norwegisch-Kurs vorhin hatte schon gereicht, eigentlich! Ob Johannes mir überhaupt glauben wird, dass der Himmel in Bergen auch blau ist?
Bjørn, Tag 252, 10. April 2007
God Påske!
Frohe Ostern. Nicht, dass ich mich dieses Jahr sehr um Ostern scheren würde. Den Karfreitag habe ich im Büro verbracht, um meinen PC zu fixen, dabei habe ich an meinem Vortrag gebastelt und mich über Schnee draußen gewundert. Und den gibt's heute immernoch, er bleibt sogar liegen. So wie's aussieht, werden Stefan und Johannes also Bergen im Schnee erleben, hoffentlich auch in der Sonne.
Heute werde ich auch wieder in die Uni gehen, ich glaube — bzw hoffe — dass ich sehr nahe dran bin, den PC wieder zum Laufen zu bringen. Und morgen ist mein Tag 250, mmh, ich habe gar nichts zu feiern, naja, ich muss eh eher arbeiten, feiern kann ich die nächsten zwei Wochen noch genug, und dann auch in (sehr netter) Gesellschaft.
Noch mal zum Wetter — die letzten Tage von Frühling zu Winter, und ich habe keine Ahnung, wie lange das noch anhält. Wenigstens ist es mittlerweile wieder lange hell — gestern um neun war es noch recht gut — und auch bei dichter, tiefhängender Wolkendecke um halb zehn morgens (jetzt) ist es verdammt hell, nicht so wie im Dezember (ja, ich weiß, das war absehbar, aber… trotzdem schön zu merken). Und die Wolken hängen wirklich sehr sehr tief heute. Naja, mal sehen, wie es so weiter geht.
Bjørn, Tag 249, 7. April 2007
Skrivefeil II
Schreibfehler II. Ist ja nicht so, dass ich zuviel Zeit hätte; die Festplatte, die meinem Büro-PC Anfang März Probleme gemacht, war tatsächlich kaputt; jetzt darf ich mich schon wieder darum kümmern. War gestern aber schlimmer als heute; bei den erfolglosen Versuchen, da drumrumzuarbeiten, hatte ich nichts zu tun; heute habe ich meinen Laptop dabei und kann nebenbei weiterprogrammieren, Plots erstellen und z.B. was auf meine Homepage zu schreiben.
Ostern ist sehr nahe, und wenn ich mich auch nicht österlich fühle, merke ich es an jeder Ecke; der Bus fährt seltener und ich brauche meine Schlüsselkarte, um ins Gebäude zu kommen (sonst braucht man die nur zwischen 16:20 und 7:40 Uhr). Und es ist tatsächlich nichts los. Das Wetter wurde pünktlich zum April… nun, aprillich. Sonne Regen Sonne Regen, jeweils einen Tag lang. Aussicht gibt's bis Dienstag, der Samstag soll richtig schlimm werden, dann wieder besser, und eine Extrapolation verrät mir, dass es dann wieder sonnig ist… naja, viel drauf geben tu ich allerdings nicht.
Beim Workshop in Frankfurt soll ich einen Vortrag halten, habe gestern ein Abstract eingeschickt und versuche jetzt erstmal Plots zu machen und dann dadrum rum eine Präsentation aufzubauen, hoffentlich klappt das soweit, mal sehen.
Und hoffentlich ist das System auf diesem *grr*-PC da neben mir auch bald mal installiert…
Bjørn, Tag 246, 4. April 2007
Naken kvinner lærer fort å spinne
Nackte Frauen lernen schnell, zu spinnen. Oder, wie wir Deutschen eher sagen würden, Not macht erfinderisch. Alternativtitel heute ist Konsertbilans, Konzertbilanz, denn viel mehr als zwei Konzerte war nicht gewesen die letzten Tage.
Mit geliehenem Blazer (siehe Bild) und gebastelter Fliege sang ich zweimal Rossini's Stabat Mater. Irgendwie fand ich den Dirigenten nicht so toll, und beim zweiten Mal hat das Orchester auch irgendwie Mist gebaut, aber die Solisten — und der Chor — waren gut, und das singen hat viel Spaß gemacht. Die Erkältung hatte zum Glück im Laufe beider Tage stark nachgelassen, denn nach dem aufwachen ging stimmlich erstmal gar nix (heute wieder). Muss mich mal richtig ausschlafen. Für nächste Woche Mittwoch ist geschlossene Wolkendecke angesagt, und (sehr wenig) Regen für Dienstag und Donnerstag, schade eigentlich, aber beschweren werde ich mich nicht (siehe Wetterstatistik für März — und die eine Woche Pralltage in Nantes ist da nicht mal dabei!). In der Tat, so gut war es noch nie gewesen, nicht mal im August und September — und genau für eine solche Erkenntnis habe ich die Wetterstatistik am Anfang begonnen! Toll.
In der Physik ist's wieder etwas schleppender, fühlt sich momentan nach Achterbahn an; mal alles super, dann wieder nicht so, deswegen bitte nicht Angst haben, es wird schon.
Konzertbilder gibt's auch: Rossini, am 29. und 30. März (die Bilder sind vom 30.). Und ich im Chor. Und hatte nur die dunkle Hose und ein weißes Hemd dabei. Also, Blazer geliehen (danke, Hermod), und eine Fliege gebastelt. Und außerdem fand ich, ein aktuelles Bild von mir wäre ja auch nicht so total fehl am Platze hier.
Nun ja, die Komplettansicht. Ich guck da zwar ein bisschen doof, aber egal.
Foto aufgenommen von Anja. Danke.
…und eine Detailansicht der Fliege.
Bjørn, Tag 242, 31. März 2007
Forkjølelse
Erkältung. Das war ja mal so klar — kaum ist gutes Wetter, kriege ich ne Erkältung. War wohl etwas zu optimistisch in der Wahl der Kleidung… Dabei ist heute abend Konzert! So ein Mist. Gestern habe ich auf einen Spaziergang mit dem Rest der Arbeitsgruppe verzichtet, um endlich mal weiterzukommen mit meiner Arbeit, und es war auch ganz prouktiv.
Das trifft auf den Rest der Woche nicht zu: Laszlo ist momentan in Vilnius, und daher hatten wir Montag und Dienstag keine Vorlesung. Dadurch habe ich es nicht geschafft, die Zeitumstellung richtig zu durchleben, bin also spät in die Uni gekommen. Und dann ist ja schon Norwegisch-Kurs, und nach dem hatte ich dann jeweils eine Stunde bis zur Chorprobe. War nicht sehr arbeitsam. Auf dem Weg veränderte sich dann das "Keine Laszlo-Vorlesung diese Woche" in meinem Kopf zu einem "Keine Vorlesung diese Woche", weshalb ich gestern viel Zeit zum arbeiten hatte und die QFT verpasste. Na toll. Wenigstens eine meiner zwei Baustellen scheint aber langsam gut zu klappen, und die andere wurde (fast) ganz ohne zutun gelöst.
Das Wetter ist noch immer nicht zu stoppen; bis mindestens Dienstag nächster Woche soll es trocken bleiben, und weiterhin die meiste Zeit sonnenklar (und der Rest ist Nacht). Ich bin total motiviert, viel zu tun, muss aber arbeiten. Vielleicht klappt's am Wochenende mit einem Barbeque mit ein paar anderen Leuten. Und ich kriege wirklich Angst, dass das Wetter am 9. April schlecht wird oder so (würde ja passen), also an dem Tag, an dem Stefan hier ist, und dass es bis zum 15. dauerregnet, also bis zu dem Tag, an dem ich mit Johannes nach Frankfurt fliege… naja, hofen wir das Beste. Und jetzt ganz akut hoffe ich, dass meine Stimme heute abend wieder da ist *röchel*.
Ach ja, noch was: In Hessen kann man als Neonazi im Staatsschutz arbeiten. Prost Mahlzeit. Und immernoch wollen 38 Prozent der Hessen diese Partei wählen. Hängt vielleicht damit zusammen, dass die andere große Partei auf einmal für die neue Landebahn am FRAPORT ist und der Landesverband der einen kleinen Partei das doof findet, wo doch deren Frankfurter Abordnung das schon längst auch will. Zu kryptisch? Die Landesgrünen heucheln gegen die SPD, dass das doch doof ist, dass diese den Flughafen-Ausbau nicht mehr ablehnen, unterschlagen aber, dass die Frankfurter Grünen, die seit einem Jahr in Frankfurt den Magistrat mitstellen, ihren Widerstand auch schon aufgegeben haben. Und das, wo eine neue Nachricht der FRAPORT kommt. Die hat in den neuen Planfeststellungsunterlagen einfach nichts nachgebessert (das war eigentlich der Grund, wofür man überhaupt neue Unterlagen brauchte) und denselben Müll, gegen den erfolgreich geklagt wurde, wieder veröffentlicht. Schafft man so Vertrauen?
Bjørn, Tag 240, 29. März 2007
Mye å gjøre
Viel zu tun. Deswegen wenige Updates. Sorry. Was habe ich zu tun? Nun, zu aller erst das Wetter genießen, und das kann man vom Laptop schlecht (naja, man könnte ihn nach draußen tragen, aber dann arbeitet's sich so schlecht dadran…). Eine weitere sonnige Woche steht mir bevor, außerdem war gestern und heute, genauso wie morgen und übermorgen, drei Stunden Chorprobe, Donnerstag und Freitag ist dann Aufführung. Freu' ich mich wirklich drauf!
Physikmäßig habe ich die letzte Woche lange gewartet und seit Freitag abend (!) dann an einer von zwei Baustellen weitergearbeitet, und trotzdem es heute gar nicht lief, war ich noch recht motiviert (momentan habe ich für diesen Abend endgültig die Nase voll — vielleicht finde ich morgen heraus, wie ich diesen Mist zum laufen bringe).
Am Freitag nachmittag — ich war eigentlich früher nach Hause gegangen, weil ich noch Wäsche machen wollte, entschied ich mich auf dem Weg nach Hause dazu, einfach weiterzufahren; Wetter gut, ich auch gut drauf und wollte ja eh mal wieder Fahrrad fahren und überhaupt und sowieso — 40 Kilometer waren es am Ende (jaja, nicht so viel wie gewohnt, aber ein guter Anfang für's Jahr, oder?). Und unvorbereitet und alles. In der Tat habe ich, als ich nahe am Flughafen war, einen Abstecher dorthin gemacht, um (wenigstens) eine dieser Touristen-Karten abzustauben, die mir sehr grob, aber doch den Weg gewiesen hat.
Die Sommerresidenz des Königs in Bergen, mal von der anderen Seite.
Das Birkellandskrysset. Da fährt man vom Flughafen kommend lang. Im
Hintergrund noch richtig viel Schnee auf den Bergen im Osten…
War: Reisebus. Ist: Pferdeanhänger. Fand ich lustig. Gefunden auf dem Weg
nach Flesland (dem Ort, nicht dem Flughafen).
Das wär' natürlich schöner ohne Zaun (aber da war dann die Sonne weg). Auf
der Brücke zu einer Insel im Süden von Flesland.
Naja, den Fischer sieht man kaum, aber auch ohne eigentlich ein sehr schöner
Blick von selber Insel auf das Festland.
Bjørn, Tag 237, 26. März 2007
Dag
Tag. Und zwar jeder ab jetzt; alle länger als bei euch. Schon seit gestern. Schönes Gefühl. Wenn dazu noch richtig tolles Wetter ist (momentan über komplett Südwestnorwegen kein bisschen Niederschlag), ist das natürlich richtig toll. Und es soll noch viel länger gutes Wetter bleiben, ich habe fast ein bisschen Angst, dass sich das erst ändert, wenn Johannes kommt, das wäre natürlich sehr schlecht!
Aber bei dem Wetter ignoriere ich wenigstens meine Busfahrkarte; ich fahre wieder Rad! Und sogar (sofern man das nach drei Fahrten schon sagen kann) regelmäßig. Es ist verdammt gut, in diese Regelmäßigkeit reinzukommen, ohne jedes Mal Regenklamotten anziehen zu müssen, dass hatte die Motivation doch sehr stark vermindert. Aber jetzt schon den dritten Tag trocken, meistens auch sonnenklar (heute morgen war's bewölkt) und so soll es auch die nächsten sieben Tage noch bleiben — boah, toll! Ihr merkt, ich kriege mich gar nicht mehr ein. Mal was anderes.
Sind eigentlich vier Monate viel? Irgendwie hört sich das für mich nach mehr an wie "bis zum Workshop im April ein Monat, dann ein Monat bis ich Mitte Mai nach Frankfurt komme, dann drei Wochen bis ich wieder hier bin, und dann noch einen Monat". Also, wenn es um meine Arbeit geht, dann habe ich noch drei Monate und drei Wochen, bis ich fertig sein muss, das hört sich nach mehr Zeit an (für mich), wenn es ums heimkommen geht, dann die andere Variante, das hört sich schneller an. Arbeiten muss ich in jedem Fall viel und eigentlich will ich ja schnell fertig werden.
Nur so nebenbei, ich habe eben grade live miterlebt, wie die Sonne hinterm Berg verschwunden ist, und das hatte ich gestern auch — und heute war's drei Minuten später. Hach, wie toll!
Bjørn, Tag 233, 22. März 2007
Igjen svak
Wieder schwach. So habe ich mich Freitag nachmittag gefühlt; der Regen war mir zu blöd, und ich habe doch wieder eine Monatskarte gekauft… Diese Woche soll angeblich kein Tropfen Regen fallen, und gestern — Montag — bin ich mit dem Fahrrad zum Norwegischkurs und zurück gefahren (von der Physik aus). Als ich dann nach Hause wollte, habe ich mich von einem Regenschauer davon überzeugen lassen, dass das vielleicht nicht die allerbeste Idee ist, durch diesen Regen (wer weiß, wie lange der noch anhält? — Fünf Minuten) mit dem Fahrrad zu fahren, und überhaupt und sowieso, kurz, wieder Bus. Mal sehen, ob ich mich heute dazu aufraffen kann (aber da ist ja erstmal Chor und dann ist es spät und dunkel und ich habe meine Lampe daheim und — ihr merkt schon, ich bin einfach unmotiviert).
Tja, Chor, da bin ich mal gespannt, wie ich da heute mitkomme, nachdem ich ja gefehlt hatte, und bald ist Aufführung. Heute ist erstmal eine Stunde Tenor-Extra-Probe vor der Chorprobe, mal sehen.
Physik mache ich prinzipiell auch noch, gestern konnte ich Laszlo überzeugen, dass ich gute Arbeit mache und damit auch in dieser Form weitermachen solle, und die Gliederung meiner Arbeit steht. In Anbetracht der Tatsache, dass ich noch knappe 4 Monate Zeit habe, bin ich auch wirklich sehr zuversichtlich. Bis ich — hoffentlich übermorgen — wieder Input bekomme, versuche ich, Norwegisch von letzter Woche nachzuarbeiten (damit bin ich jetzt fast fertig), und den Stoff von der Quantenfeldtheorie-Vorlesung nachzurechnen, was ich ja auch verpasst habe. Und die Tage runterzählen, bis ich wieder Frankfurter Boden unter den Füßen habe und Grie Soß essen kann… mmmh… (es sind noch 26 Tage und 22 Stunden). So, genug geschwätzt, ich arbeite mal weiter.
Bjørn, Tag 231, 20. März 2007
'Hjemme' igjen
Wieder "daheim". Dabei fühlte ich mich die letzte Woche doch viel daheimer… Von vorne: Die letzte Woche war die bis hierhin schönste in diesem Jahr. Dabei hat Hannah mich zu vielem gebracht, zum Beispiel habe ich Ziegenkäse gegessen; nur hat sie mich nicht dazu gebracht, ihr zu glauben, dass in Nantes ständig wechselhaftes Wetter ist. Sieben Tage Sonnenschein scheinen das Gegenteil zu behaupten! Und hier in Bergen hat mich strömender Regen empfangen, na super. Dafür hat eine Karte, die ich aus Mont Saint Michel geschickt habe, eine lang erwartete Mail ausgelöst, was meine schlechte Laune hier sehr abgemindert hat! Nun, obwohl das jetzt eigentlich Ferien waren, habe ich an zwei halben Tagen mit Hannah in der Uni mein Programm jetzt auf einen weiteren Meilenstein geschoben, jetzt bin ich an dem Punkt, an dem ich auf jeden Fall wieder Input brauche. Und ich muss Laszlo davon überzeugen, dass ich sinnvolle Sachen mache ☺. Und die guten Nachrichten sind noch nicht zu Ende; eine Mail versprach mir gestern wesentlich mehr Geld als bisher gedacht (und es war nicht die Mail von dem netten Kronprinzen aus Zamudistan, dem ich nur 232 234 076 Dollar vorschießen muss, damit er sich dann nachher erkenntlich zeigen kann und mir 232 234 077 $ geben kann).
Der Berg des heiligen Michaels
Ostseite von Saint Malo
'ne Flut-Insel vor Saint Malo
Küste bei Croisic
Die Strandstraße bei Croisic. Hier wurde offensichtlich die Straße vor recht
kurzer Zeit verkleinert, und eine Spur zum Fahrradweg umgewidmet. Daneben
dann ein schön zu laufender Weg. Echt toll.
Bjørn, Tag 226, 15. März 2007
Flyhilser
Flugzeuggrüße. Ja, jetzt ist es schon ein bisschen her, dass ich das letzte mal geschrieben habe. Diese Zeilen schreibe ich auf dem Weg nach Paris, ich habe allerdings noch keine Ahnung, wann ich sie uploaden kann. Mal sehen. Letzten Samstag war ich mit Yun und Szabolcs wandern, durch Schnee und absolute Wildnis. Manchmal vergisst man hier wirklich, dass man sich eigentlich in der geografischen Mitte der zweitgrößten Stadt Norwegens befindet, wenn man durch die Berge stapft…
Nachmittags ist dann mein Mitbewohner ausgezogen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass er mir überhaupt Bescheid gesagt hätte, aber was soll's; er ist jetzt jedenfalls weg. Alleine war ich ja dann eh nicht; Felix war hier, auch wir waren wandern, doch von beiden Wanderungen habe ich noch keine Bilder (aber heute nachmittag kriege ich ja — unter anderem — meine eigene Kamera wieder!).
Also, jetzt, wie gesagt, erst mal eine Woche Nantes mit Hannah, da freue ich mich natürlich sehr drauf, wird langsam ja auch mal wieder Zeit.
Entschuldigung an alle, denen ich momentan eine E-Mail "schulde", vielleicht habe ich irgendwann wieder Zeit dafür, hoffentlich…
Bjørn, Tag 219, 8. März 2007
Skrivefeil
Schreibfehler. Natürlich musste sich der Februar so verabschieden, wie er gekommen ist — regnerisch. Trotz dem ist der Februar erfreulich gut gewesen, wettermäßig. Der letzte Monat, den ich komplett hier verbrachte… Ich habe der Wetterstatistik noch eine Spalte "Schnee" hinzugefügt, dies sind die Tage, an denen draußen Schnee gelegen hat.
Während sich meine Schlafzeiten wieder normalisiert haben und ich schon am Dienstag wieder sehr fit war, hat sich der Zustand meines Fahrrads wieder mal schagartig verschlechtert: Am Berg vor der Uni ist am Mittwoch die Gangschaltung gerissen. Ich war recht frustriert und habe es noch nicht zur Reparatur gebracht, dort wird es die Zeit sein, wenn ich in Nantes bin (schon nächste Woche), bis dahin ist Busfahren angesagt.
Arbeitssam war ich wieder diese Woche, und habe ne Menge geschafft. Heute allerdings nicht in der Uni; der PC, an dem ich da sitze, hat irgendwie auf einmal ein Problem, auf die Festplatte zu schreiben, was sinnvolles Arbeiten unmöglich macht. Also bin ich heim und habe auf dem Laptop weitergemacht, ging sogar erstaunlich gut. Dabei hatte ich eine große Ablenkung; ich habe ein verspätetes Weihnachtsgeschenk bekommen; Noten. Welche, kann ich hier (noch) nicht sagen, soll eine Überraschung für ein paar meiner Leser sein. Jedenfalls total toll.
Abgelenkt war ich dann mehr vom Gespräch mit meinen Eltern, so abgelenkt, dass ich Kartoffeln habe einkochen lassen. Die Quittung war ein Feueralarm um neun Uhr abends, aber das geht ja noch. War auch kein Drama, stinkt jetzt nur.
Was gibt's noch neues? Haufenweise 1,0er von meinen Freunden in Mathe — nochmal herzlichen Glückwunsch! Tja… naja, gestern abend hatte ich auf einmal richtig heimweh, will nicht nur für Urlaub, sondern richtig wieder nach Frankfurt. Geht mittlerweile wieder, aber heim will ich trotzdem.
Bjørn, Tag 212, 1. März 2007
For mye hår
Zu viel Haar. Das habe ich mir heute gedacht, als ich den Fahrradhelm aufgesetzt habe; ja, die Haarpracht wächst noch immer ungebremst (außer den Koteletten, die ich hin und wieder stutze). Die Heimfahrt heute ging bei Regen los, dann waren es winzige Eiskristalle, die eine schöne, kalte Gesichtsmassage abgaben, und schließlich weiche Schneeflocken. Der Boden ist dabei allerdings warm genug gewesen, um keine Gefahr zu bilden. Mittlerweile ist es allerdings draußen wieder weiß, so dass das Fahrrad morgen wohl hierbleibt.
Das Wochenende war wieder das Gegenteil von entspannend; Am Samstag war ich wieder unfreiwillig bis 4 wach, und auch am Sonntag konnte ich nach einem Vorabend-Nickerchen bis drei Uhr nicht einschlafen (erst weil nicht müde, dann wegen Musik, dann wegen nicht mehr müde)… Ich hoffe, ich kriege das diese Woche in Griff.
Physik habe ich nicht viel gemacht, dafür heute wieder, und gleich wieder blöde Bugs entdeckt, die ich noch nicht alle aufgespürt habe, vielleicht komme ich da morgen weiter und kann die nächsten Bugs entdecken ☺
Bjørn, Tag 209, 26. Februar 2007
Bussjåfør
Busfahrer. …in Bergen zu werden muss irgendwie eine Sonder-Stunde "wie überhole ich Fahrradfahrer am gefährlichsten" beinhalten. Ich kann ja nicht grade behaupten, immer total toll die Verkehrsregeln zu befolgen, aber wenn man dann von zwei Bussen hintereinander sehr eng überholt wird und — nachdem man sie an der nächsten Station wieder überholt hat, angehupt wird, weil sie wegen Gegenverkehr nicht überholen können, ärgert und nervt das schon sehr. Fast so sehr wie das anschließende Überholmaneuver, trotz freier Gegenfahrbahn wird so dicht aufgefahren, dass ich gehörig in die Eisen steigen musste, um nicht vom Heck überfahren zu werden.
Doch etwas gutes, tolles ist aus dieser Nachricht herauszulesen: Ich fahre wieder! Und gleich natürlich Wochenende. Naja, ich habe jetzt eine Woche, bis Felix kommt, dann den Mittwoch, dann bin ich eine Woche weg und dann wieder ein paar Wochen freie Bahn.
Eine weitere Erkenntnis gab es; ich habe zu wenig gegessen. PANIK DER BJØRN VERHUNGERT DA OBEN! ICH HAB'S DOCH IMMER GEWUSST! — Moment. Ich esse momentan weniger zu Mittag und zum Frühstück als ich es im Oktober getan habe — weil ich weniger brauche, wenn ich jeden Tag mit dem Bus fahre. Und das habe ich heute gemerkt. Außerdem bin ich im Herbst nie so lange im Büro geblieben wie momentan; Fahrrad fahren um vier und Abendessen um fünf sind halt schon andere Voraussetzungen als Fahrradfahren um sechs und Essen um zwanzig vor acht (ich löffle grade nebenbei Spaghetti).
Mein großer Elan ist noch nicht verflogen, auch wenn ich mich gestern bei ein paar Sachen besonders blöd angestellt hatte, habe ich heute diese Idee von Hannah und mir fertig umgesetzt, ich habe nur noch nicht überprüft, ob da auch was Sinnvolles bei rauskommt.
Viel Zeit für andere Sachen bleibt momentan nicht; ich versuche, immer mal wieder Gitarre zu spielen, aber das war's dann auch prinzipiell… Naja, und essen tu ich noch ☺
Bjørn, Tag 206, 23. Februar 2007
En liten smell
Ein kleiner Knall. Die größte Hilfe für meine Diplomarbeit bekomme ich momentan in Gesprächen mit Hannah… Nun, wir hatten da eine Idee, die ich jetzt mit viel Elan versuche, umzusetzen. Mal sehen, wie lange das noch dauert und wie gut das geht. Nach Großeinkauf am Montag und repariertem Abfluss im Bad bin ich dann gestern mit dem Fahrrad in die Uni gefahren, um es dort in eine Werkstatt zu bringen.
In der ersten Vorlesung dann kommt auf einmal ein kleiner Kopf zur Tür rein, es täte gleich "einen kleinen Knall". Die Explosion, die folgte, war nicht wirklich klein, und wir fanden nachher raus, dass die die alte Maschine des alten Aufzuges rausgesprengt haben. Sehr witzig.
Nach dem Norwegisch-Kurs hatte ich dann eine Mail von Papa — "Knall am Südbf — ich war's nicht". Gespräch am späten abend brachte die Geschichte zu Tage: Ein Vier-Wagen-Zug der Linie U2 hat am Südbahnhof einen Prellbock durch die Tunnelwand gedrückt. Dadurch steht da jetzt wohl ein 80 Meter langer Wagen; die Führerstände seinen ineinandergeschoben worden. Bin mal gespannt, was da alles noch rauskommt…
Und am abend fing es wieder an zu schneien, ich habe dem Schnee keine Nacht gegeben, zu überdauern, aber, siehe da, er ist noch hier. Wird wohl wieder nix mit Fahrrad fahren!
Bjørn, Tag 204, 21. Februar 2007
Ny uke, ny sjanse
Neue Woche, neue Chance. Etwas motivierter zu sein. Am Wochenende habe ich nichts wirklich Produktives gemacht; nicht mal das Fahrrad, das ich demnach gleich stehen lassen werde. Oje. Und aufräumen sollte ich auch mal wieder. Dafür war mein 200-Tage-Kuchen verdammt lecker. Das Jazzkonzert waren in der Tat nur drei Musiker in der Ecke eines Restaurants, das haben wir uns dann nicht angetan. Und gestern, Sonntag hat es wieder ab und zu geregnet, heute morgen sieht es … heiter bis wolkig aus, naja, das lässt doch hoffen.
Ich habe noch zwei sehr lustige Sachen entdeckt: Einmal lässt sich Evil Company grade die Idee patentieren, die normale Arbeit am PC zu unterbrechen, um Werbung zu zeigen und nachher die Weiterarbeit zu verhindern, bevor man nicht Fragen zur Werbung korrekt beantwortet hat. Zum anderen macht die Bild-Zeitung eine Studie, in der dargelegt wurde, wie unsinnig es ist, ohne Sinn und Verstand Menschen in Gruppen einzuteilen und dann zu sehen, was dabei rauskommt, zur Schlagzeile Endlich alle 12 Sternzeichen erforscht — So wirken die Sterne auf Ihre Gesundheit!. Was ein Unsinn.
Helau.
Bjørn, Tag 202, 19. Februar 2007
Sykkel
Fahrrad. Das ist seit heute wieder in Betrieb. Und gleich ging's mir wieder ein bisschen besser, nachdem ich am vormittag und morgen beim Versuch, aufzuschreiben, was ich gerade programmiert hatte, festgestellt habe, dass es totaler Schwachsinn ist und nicht funktioniert. Das war ganz schön deprimierend. Dafür habe ich in der Zwischenzeit ein Quantenfeldtheorie-Buch bekommen, wollte einer nicht mehr haben. Sehr cool.
Sehr cool ist auch, dass mein Besuch immer näher kommt und sich dabei vermehrt; nachdem Felix alles gebucht hat, Johannes' Flüge stehen, erzählte mir Stefan (H.), dass er Ostermontag in Bergen sein wird, auf der Durchreise nur, aber immerhin, für den Tag mit seinem Vater.
Auf der Durchreise durch Neuchâtel werde ich (hoffentlich) im Juni sein, wenn ich vom CERN zurückkomme (weiß noch nicht, ob die mich überhaupt hinlassen). Nun, falls ja, werde ich dort wohl ein paar Stunden mit einer ewig alten Freundin, Eyleen, verbringen, die ich kürzlich wiedergefunden und mit der ich am Dienstag ewig lang gechattet habe.
Morgen werde ich abends zu einem Gratis-Jazzkonzert gehen, mit Szabolcs, und wir hoffen beide, dass es auch gescheit ist und nicht nur eine Masche des Cafés, um Menschen anzulocken… Naja, wir werden es sehen.
Und dann, am Samstag, ist es genau zweihundert Tage her, dass ich hierher gekommen bin. Wie genau ich das feiern werde, weiß ich noch nicht; es ist Chorprobe, aber Kuchen habe ich jedenfalls schon mal gekauft (steht im Gefrierfach). Aber ein bisschen Angst kriege ich ja schon, dass ich schon so lange hier bin, das heißt ja, dass ich nicht mehr so lange hier bin, und wenn ich heute gemerkt habe, dass ich die Arbeit dieser Woche schonmal wegschmeißen kann… *rghs*
Bjørn, Tag 198, 15. Februar 2007
Søvnløshet
Schlaflosigkeit. Was ist nur los? Mal wieder der Reihe nach: Das Wochenende brachte zwei sonnenklare Tage, heute war es durchgängig bewölkt, aber trocken. Programmiert habe ich nur wenig, ist auch mal besser so, zur Abwechslung. Generell habe ich nicht viel getan, dieses Wochenende, und das war wohl ein Teil des Fehlers. Am Samstag abend bin ich nach einem ereignisarmen Tag über Verschlüsselungssoftware gestolpert, die mich bis drei Uhr abends beschäftigt hat.
Am späten Sonntag nachmittag geht dann mein Mikro auf einmal nicht mehr — was ist passiert? Nach dem (recht einseitigen) Gespräch mit Hannah schraube ich das Headset auf; Kabel gerissen! So ein Mist!
Abends drängelte ich dann Johannes ein bisschen, (naja, gut, ein bisschen viel,) und buchte schlussendlich seinen Flug hierher und unseren Flug zurück nach Frankfurt. Juchu! Meine Rückfahrt wird wohl mit dem Zug sein; IC nach Hamburg (über Nacht), EC über die Vogelfluglinie nach København, dann wie schon mal, Göteborg, Oslo und Nachtzug nach Bergen. Die Karte dafür werde ich aber erst in Frankfurt kaufen.
Tja, und dann konnte ich nicht einschlafen. Um viertel nach zehn ins Bett, um viertel nach elf wieder raus, um halb eins wieder rein, um kurz nach zwei wieder raus, halb drei… Kurz nach drei dann nochmal kurz aufgestanden, und dann endlich liegengeblieben. Oh Mann!
Heute fing mit einem neuen Paper an, wo jemand, den Hannah gut kennt, etwa das gemacht hatte, was ich auch mache, nur ein bisschen anders. Finde ich recht interessant, diesen Ansatz, diese Arbeit, und ich denke, ich habe daraus was gelernt. Mittags wollte ich dann von Laszlo einen Tipp haben, brauchte eine Stunde, um ihn davon zu überzeugen, dass es ein Problem gibt, eine weitere halbe Stunde, um ihn wirklich davon zu überzeugen und die restliche halbe Stunde reifte in mir die Erkenntnis, dass ich es einfach so mache, wie ich denke. Na toll.
Bjørn, Tag 195, 12. Februar 2007
Fartsmåler
Tacho. Eine Woche mit super Wetter liegt hinter mir. Zwar hat es nicht weitergeschneit, aber der Schnee liegt noch immer, und es waren jetzt drei Tage in Folge praktisch wolkenlos. Und kalt. Morgen, am 10. Februar, läuft meine Buskarte aus. Was tun? Neu kaufen? Das werde ich wahrscheinlich tun, entweder morgen oder am Montag, weil es noch glatt ist, aber ich habe heute einen neuen Tacho gekauft. Sieht ähnlich aus wie der, den ich hatte, selbe Firma, und passt in die selbe Halterung. Und hat dieselben Funktionen.
Zwei Besucher haben sich in der letzten Woche angekündigt; Felix kommt Anfang März, bevor ich nach Paris fliege, und Johannes (wahrscheinlich) im April, so dass ich mit ihm zusammen nach Frankfurt fliege. Juchu! Und nach Paris fliege ich auch nicht alleine, Therese nimmt durch Zufall denselben Flug.
Leider war ich am Mittwoch und Donnerstag nicht sehr motiviert, weiterzuprogrammieren; ich schob es zumindest teilweise darauf, dass mein Programm schon 1400 Zeilen lang war (heute sind es noch mehr; 1485, sehe ich grade), und es langsam etwas unübersichtlich wird, vor allem, wenn man merkt, dass man irgendwas komplett anders als vorher gedacht machen muss. Naja. Nach dem langen Weg nach Tipperary und Gregori Wallascheck (kleine Magie zum großen Preis) heute morgen im Radio war ich dann wieder motiviert, und heute habe ich es soweit geschafft, dass ich glaube, dass mein Programm jetzt sinnvolles tut. Der letzte Test fehlt halt noch.
Und wieder fast vergessen: Der Chor. Recht spaßig. Mehr bei Gelegenheit.
Bjørn, Tag 192, 9. Februar 2007
Verdensmester
Weltmeister! Im Handball. Und im Heucheln? Oder eher Erpressen. Eigentlich in beidem. Lassen wir uns das mal Revue passieren: Die EU-Kommission fordert Abgasgrenzwerte für Neuwagen. Die deutsche Autoindustrie droht mit Stellenabbau (den sie sowieso vornimmt) und unsere Regierungsspitze kündigt Widerstand an. Soviel zur Erpressung. Ein paar Tage später veröffentlicht die UN eine Studie, nachdem der Mensch für sehr starke Klimaerwärmung verantworlich ist. Unsere Kanzlerin posaunt hinaus, dass Deutschland und die EU eine Führungsrolle übernehmen müssen und etwas gegen Umweltverschmutzung tun müsse. So viel zur Heuchelei. Aber dann ist sie ja doch noch zurückgerudert und hat sich der Verpflichtung meiner Lieblings-Lobby gegenüber entsinnt. Nein, nicht nur Schröder war Auto-Kanzler. Ich finde, so was darf nicht passieren. Und wenn die Autoindustrie die Macht hat, Umweltverbände aber nicht, dann muss eine Revolution her. (Juchuh, habe gerade 10 neue Leser dazugewonnen — hallo, liebe Leute vom Verfassungsschutz!) Manchmal habe ich echt die Nase voll.
Hier gab's heute wieder Schnee, und ich bin immer noch am programmieren; ich hatte allerdings am Wochenende das erste Erfolgserlebnis, als mein Programm im leichtest vorstellbaren Fall genau das machte, was es sollte. Geht doch. Jetzt habe ich Riesen-Probleme mit einem kleinen Bug, da muss ich wohl etwas tricksen, und dann vielleicht mal wieder Physik machen.
Nicht gefreut habe ich mich heute über meinen Büronachbarn, der am gestrigen Sonntag in das Büro gekommen war und Damenbinden überall hingeklebt hatte. Auch an Röhren- und sogar LCD-Monitore. So ein Idiot. Fand er ja soo witzig (heute auch noch). Wenigstens finden wir anderen 5 es sehr unlustig, ich bin also nicht alleine. Kleinkind!
In Norwegisch habe ich heute bei einem Spiel (Tabu ohne Tabu-Wörter) einen Bleistift und einen Radiergummi gewonnen, sehr cool. Ach, und dann war da ja noch ein anderer Chor, der letzten Dienstag Aufnahmeprobe hatte — obwohl es diesmal sehr schlecht gelaufen war, wollten sie mich. Morgen abend ist erste Probe. Und die Nachrichten aus dem Süden sind auch momentan alle recht gut: Die Bayern verlieren auch mit neuem Trainer, die Mainzer nicht, Handball, Hannah ist sicher in Nantes angekommen, das BKA darf ihren tollen Trojaner-Virus nicht einsetzen (an meine neuen Leser vom Verfassungsschutz: Was denkt ihr euch nur dabei?) und und und. Und tschüss.
Bjørn, Tag 188, 5. Februar 2007
Finale
Hier muss nicht immer was über Norwegen stehen, oder? 1999 war's. Die Eintracht war praktisch abgestiegen — nicht, dass es mich gejuckt hätte. Der letzte Spieltag war, ich war Trambahn fotografieren mit meinem Papa. Ich mach's kurz: Die Eintracht schaffte in einem unglaublichen Schlussspurt ein 5:1 gegen Kaiserslautern und den Klassenerhalt. Wenn ich mir die Radiokonferenz von damals nochmal anhören könnte — oh yeah. Mir ist es noch ewig dabei eiskalt den Rücken runter gelaufen; schade, dass ich es nicht live erlebt hatte. Trotzdem einfach geil. Vier Jahre später bin ich daheim und fiebere bei der Schlusskonferenz der zweiten Fußball-Bundesliga mit. Mainz führt 4:0, Frankfurt hat ein 3:1 zu Pause verspielt, jetzt steht's 3:3. Auch hier mach ich's kurz: Ein Last-Second-Tor besiegelt das 6:3 bei der Eintracht, Mainz gewinnt 4:1, die Eintracht steigt auf. Auch das war absoult tolles Kino im Kopf, hervorgerufen durch Radio. Warum zum Teufel erzählt der Bjørn das alles?
Das ist ja alles nichts gegen eine Handball-Übertragung. Mit zweimaliger Verlängerung. Wenn die Franzosen ständig in Führung liegen und die Deutschen am Ende mit 32:31 gewinnen und ins Finale der Handball-Weltmeisterschaft einziehen. So ein hin und her… Puh! Das war toll. Danke hr info!
PS: Boah ey!
Bjørn, Tag 184, 1. Februar 2007
Innkalling!
Einzug. Das letzte mal, dass ein Land 42-jährige zum Militärdienst verpflichtet hatte, war im dritten Reich. Das nächste mal wird es wohl, na wo? Genau. Im evil Empire sein.
Nicht so sehr Politik, aber auch interessant: Im deutschen Radio habe ich nie etwas davon gehört, aber es ist eine recht große Meldung hier in Norwegen: Evil Company's neues Betriebssystem, Vista, gibt der NSA Zugriff auf die PCs. Einfach so. Naja egal
Wie man gescheite Programme schreibt, versuche ich gerade herauszufinden; ich bin fleißig dabei. Natürlich tauchen an immer mehr Stellen Probleme auf, und ich tue mein bestes, alle Löcher zu Stopfen, aber manchmal bin ich doch etwas frustriert… Meine Norwegischlehrerin hatte mir am Montag von einem anderen Chor erzählt, der gestern, Dienstag ein Vorsingen veranstaltet hat, aber ich habe keine großen Illusionen, dieses Vorsingen war richtig scheiße. Ich hatte das Gefühl, dem Dirigent ist es wichtiger, wie ich den Laut (nicht den Ton) a ausspreche (wenigstens kenne ich jetzt den subtilen Unterschied zwischen dem deutschen und dem norwegischen A), als die Töne die ich singe. Das hat auch nicht grade zu meiner Laune beigetragen. Ansonsten ist alles ganz toll, und auch das Fehlersuchen macht ja irgendwie Spaß, und zwar nicht zu knapp. Nur bleibt dabei momentan kaum Zeit für etwas anderes.
Die Nachrichten aus der Heimat sind auch meistens nicht so gut (außer dem 27:25 der Deutschen gegen Spanien bei der Handball-WM und netten Grüßen); eine Wahlbeteiligung von 35 % wird mir als "Zeichen der Zufriedenheit" verkauft — Idiot —, die Eltern löschen Daten — grgh — naja, wenigstens haben die Mainzer am Samstag gewonnen und die Bayern weder gestern noch am Freitag. Das ist doch wieder was.
Ich will mich an dieser Stelle mal dafür entschuldigen, dass das hier manchmal so eine Art "Braindump" ist, so ohne Struktur, aber ich bin nicht motiviert genug, um eine gute Struktur für meine Gedanken zu finden. Dafür bin ich offensichtlich motiviert genug, soviel darüber zu schreiben, dass ich nicht motiviert bin GENUG JETZT!
Bjørn, Tag 183, 31. Januar 2007
Avslått!
Abgelehnt! Aber dazu gleich. Erstmal kommt es mir die ganze Woche so vor, als sei die Welt in heile Welt hier in Bergen und unheile Welt in Frankfurt aufgeteilt. In der Tat geht es momentan nicht nur mindestens drei Leuten, die mir nahe stehen, recht schlecht, auch habe ich in den letzten Wochen genau zweimal zu oft gehört, dass jemand eine nahestehende Person verloren hat. Mein Beileid. Auf der anderen Seite ist hier immer noch Frost und Schnee, gerade schneit es wieder, obwohl eigentlich seit Freitag wieder Tauwetter angesagt war, in Norwegisch habe ich ein Kennenlern-Spiel gewonnen (mit zwei anderen zusammen), der Preis war ein norwegisches Buch, dass ich jetzt anfange, zu lesen. (Es ist ein Buch auf norwegisch, kein norwegisches Buch; es spielt in Japan und heißt Snø — Schnee.) Außerdem war ich gestern auf einer netten Semesterstart-Party, überlege momentan, über Ostern mit Szabolcs nach Tromsø zu fahren, Melanie besuchen, und mit dem Hurtigruter-Schiff wieder runter (oder andersrum), Melanie weiß nur noch nicht, ob sie da ist. Und dann macht Programmieren momentan einfach sehr viel Spaß, ich bin sehr motiviert und auch recht produktiv. Irgendwie fühle ich mich einfach gut.
Heute morgen las ich dann allerdings in der Zeitung. Dazu muss ich etwas ausholen: Bei dem Chor, von dem ich erzählt habe, gab es am Dienstag eine Aufnahmeprobe. Die war mit ein wenig singen und ein wenig auf Knien vor einem Theaterscheinwerfer sitzen und Fragen beantworten. Das Ergebnis sollte am Samstag in der BA stehen. Leider steht mein Name da nicht, ich muss also weiterhin meine Nachbarn nerven, wenn ich singen will ☹. Aber auch heute war ich wieder recht motiviert, zu arbeiten, trotzdem, ich fühle mich trotzdem recht gut. Viel mehr gibt's nicht zu erzählen.
Bjørn, Tag 179, 27. Januar 2007
Snø
Schnee. Aber der Reihe nach. Nicht ganz weiß, sondern teilweise grün war der Schimmel auf meinem Brot am Samstag abend. Die neue Brotsorte, die ich momentan esse, hält wesentlich länger als die alte, und daher war der zweite Laib, den ich am Montag gekauft hatte, am Ende nicht mehr gut. So ein Mist! Zum Glück hatte ich noch (recht neuen) Kartoffelsalat, der mich über den Abend gerettet hatte. Am Sonntag gab's dann gutes Mittagessen, allerdings sind keine Kartoffeln fürs Abendessen übrig geblieben. Da ich den ganzen Tag gekehrt und Wäsche gewaschen habe, hatte ich abends aber Hunger, also entschloss ich mich, in die Stadt zu fahren, um einen Whopper zu mir zu nehmen.
Am sternklaren abend nahm ich dann nicht den Bus heim, sondern lief durch das eiskalte Bergen, bevor ich in Club Fantoft noch ein Bier nahm und ins Bett ging.
"Stromausfall" bezw. "Strømutfall" wäre der Titel dieses Artikels gewesen, wenn ich ihn heute morgen geschrieben hätte. Kurz, bevor ich gehen wollte, ging meine Lampe aus, der Laptop schaltete auf Akku-Betrieb, und auch das Internet ging nicht mehr. Blick zum Fenster raus — alle Straßenlaternen dunkel, auch auf der anderen Seite des Tals, aber, so ein Glück, etwas in Richtung Norden, da, wo Bergen ist, brennen Lichter, also kann ich wohl in der Uni arbeiten.
Man höre und staune, gestern um 21:20 habe ich auch die für's Wochenende versprochenen Plots bekommen, und heute morgen dann gegen 10 deren endgütige Version. Nach den letzten Rumschraubungen wollte ich dann die Dateien für den Artikel zusammenpacken, mache aber einen Fehler und überschreibe die Textdatei. Man stelle sich das vor; vier Seiten eineinhalb Stunden vor Abgabetermin (ich hatte mir selbst 12:00 Uhr als Ziel gesetzt) zunichte. Einfach so. Was jetzt?
Ärmel hochkrempeln und nochmal schreiben. Ich hatte den Output noch und einen Ausdruck und versuchte dann, die Quelldatei wiederzuschreiben. Als ich bei der ersten Referenz angekommen war, erinnerte ich mich daran, dass ich den Quelltext am Wochenende per Mail verschickt hatte, ich konnte diese Daten benutzen, musste nur noch die weiteren Änderungen einarbeiten. Um Halb Zwölf war es fertig. Und jetzt ist es veröffentlicht.
Nach Mittagessen mit Sonnenschein bei klarstem Wetter und so war dann um zwei Uhr Norwegisch-Kurs. Keiner da, den ich kenne, so ein Mist. Doch dann geht die Tür auf, und wer kommt rein? Aasne, die schon letztes Semester meine Lehrerin war. Und sie war wirklich gut, deswegen habe ich mich sehr gefreut.
Und dann passierte es: Es fing an zu schneien! Zwischendurch mal wieder nicht, aber dann wieder — schon gut und gerne sieben Zentimeter! Und es scheint kalt genug, so dass es liegenbleibt! Und jetzt hör ich mal wieder auf mit den Ausrufezeichen. Ihr merkt daran aber, dass bis dahin alles toll war.
Nur bis dahin? Nein! Es ging ja noch zum Chor. Die "öffentliche Probe" bedeutete nicht etwa "wir singen und ihr dürft zugucken", sondern "wir singen und ihr dürft mitmachen". Und danach ging es in ein Café, in dem weitergesungen wurde und ich mit vielen Leuten sprach. Dabei habe ich krass gemerkt, wie schlecht ich noch Norwegisch kann, aber Mitglied in diesem Chor zu sein (so die mich denn morgen nehmen), würde meinem Norwegisch mit Sicherheit helfen!
Bjørn, Tag 174, 22. Januar 2007
Ytringsfrihet
Redefreiheit. Keine Angst, der Politik-Teil
ist heute recht kurz. Nur noch ein Argument gegen die Ju Es of
Ey: Zugegeben, noch nicht beschlossen, aber alleine die Tatsache, dass
es im Kongress als Gesetzesvorlage liegt, ist einfach ohne Worte:
Jeder, der gegen Bezahlungkommerziell politische
Lobbyarbeit betreibt, soll sich nach den Plänen der Republikaner beim
Kongress registrieren und ihm alle drei Monate zu berichten, was man
gesagt hat, bei Zuwiderhandlung Gefängnis.
Ok, ist ja in
Ordnung, gegen Bezahlung Lobbyarbeit ist ja auch irgendwie komisch,
nicht? Nein, wenigstens nicht so: Große Unternehmen kriegen
jede Menge Schlupflöcher, während einfache Kommunikation als Lobbyismus
angesehen wird und unentgeltliche Kommunikation zu mehr als 500
Leuten schon als bezahlterkommerzieller
Lobbyismus betrachtet wird. Wer will noch nach Amiland? Ich nicht.
So, was war noch? Eine weiß-grüne Wiese vor dem Fenster, die Wiese scheint sogar weißer zu sein als der Berg dahinter, aber leider sind die Vorhersagen für die Temperaturen mittlerweile nach oben korrigiert worden, es wird wohl nur noch recht kurz unter den Gefrierpunkt gehen.
In der Uni hatte ich diese Woche vergeblich auf die Plots gewartet und das Paper am Freitag an die Koautoren geschickt, ohne diese Plots, und um Rückmeldung gebeten. Zwei davon habe ich bekommen, sie sind eingebaut, und jetzt hoffe ich nur, dass die beiden Plots wirklich am Wochenende kommen, und dann habe ich am Montag meine allererste Veröffentlichung. Ich glaube, dann gehe ich feiern!
Nein, kann ich nicht. Montag abend trifft sich der Männerchor Arme Ritter, bei dem ich nächstes Semester mitsingen will. Mal sehen ob die mich wollen ☺
Mal sehen auch, wieviel die Bücher für den Norwegisch-Kurs dieses Semester kosten, letztes Semester war ich da mit 80 € doch recht teuer dran.
Vielleicht doch noch was zum Wetter: bei mir war es gestern sehr sonnig, und in letzter Zeit nicht sehr windig, im Gegensatz zu Deutschland. Alle, bei denen ich mich gestern erkundigt habe, hatten keine Probleme, aber wie sah's bei euch anderen aus? Ich würde mich über Erfahrungsberichte freuen. Und wenn ich bei der Frage danach nicht mehr unbedarft zwischen irgendwelche gerade frisch entstandenen Fronten gerate, wäre ich auch sehr dankbar *g*
Bjørn, Tag 172, 20. Januar 2007
Forlesning
Vorlesung. Die erste dieses Jahr (und damit in meinem achten Semester) hatte ich heute. Quantenfeldtheorie. War heute nur Wiederholung von der Vorlesung letztes Semester, aber egal. Das Frühjahrssemester wird (abgesehen von meinen wahrscheinlich drei Reisen) hier in Bergen zweimal unterbrochen; Ostern is nix, und Anfang Februar sind Winterferien. Habt ihr das gemerkt — was eine tolle Brücke — WINTER! Jaha! Heute morgen habe ich seit langer Zeit mal wieder eine Zeitung im Aufzug gefunden, und der Wetterbericht sagt Donnerstag abend und den kompletten Montag frostige Temperaturen vorraus — ohne Niederschlag dann zwar, aber immerhin, es wird kalt.
Allerdings sagt diese Zeitung auch vorne "81 Tage mit Regen in Bergen" und hinten weist die "Niederschlagsstatistik der letzten 30 Tage" zwei Tage ohne Regen aus…
In der Uni habe ich die letzten Tage die Proceedings zu Laszlo's Vortrag bei der QuarkMatter zusammengeschrieben, und habe davon eine Menge Zeit damit verbracht, auf jemanden zu warten, der mir Plots machen soll, leider immer noch vergeblich. Mal sehen, wie lange das noch dauert.
Außerdem habe ich weiter am Songbook gearbeitet, mit Stefan's neuem Input (heute schickte er mir "Snow" von den Chili Peppers); ich versuche, nach und nach das Format zu vereinheitlichen. Das war zwar schon das Ziel gewesen, als ich überhaupt angefangen hatte, das alles zu einem riesigen PDF zusammenzupacken, aber hat dann doch irgendwo nicht mehr funktioniert. Wenn ich es jetzt einmal durchgehe, wird es mit Sicherheit wieder zwischen ganz vorne und ganz hinten Inkonsistenzen geben, deswegen versuche ich, die "Regeln" aufzuschreiben und es möglichst gründlich (und zweimal) durchzusehen, das wird aber wohl etwas dauern. Aber ich hab ja Zeit ☺
Bjørn, Tag 169, 17. Januar 2007
Smør
Butter. Darüber habe ich eigentlich nicht viel zu erzählen, aber ich sitze hier gerade, Samstag morgen, höre Werner Reinke, und habe als Frühstück Weißbrot mit Nutella — und ungesalzener Butter darunter. Ist ein Überbleibsel von Mama und Papas Essenspaket zu Weihnachten. Das ist Luxus. Hach.
Dem Wetter nach zu urteilen, hat sich der Frühling wieder etwas zurückgezogen, aber nein, er ist nicht schon dem Sommer, sondern doch wieder dem Winter gewichen. Am Mittwoch morgen hat es geschneit, davon war zwar abends nur noch Glatteis übrig, aber auf dem Løvstakken ist es immer noch recht weiß. Keine Bilder, natürlich, Kamera is ja kaputt, schade.
Doch neben dem verspäteten Jahreswechsel hat sich noch was anderes getan; in meinem Büro gibt es jetzt zwei neue; Masterstudenten aus Stavanger, die allerdings noch keine Ahnung haben, über was sie schreiben. Nun ja. Während ich in dieser Woche recht fleißig am Programmieren und Schreiben war, haben sich meine Reisepläne für das nächste Halbjahr weiter erweitert: Vom 16. bis 19. April findet ein Hydro-Workshop statt, organisiert vom ITP Frankfurt! Und ohne wirklich Rücksprache zu halten, hat Laszlo einfach mal vier Leute — mich und ihn eingschlossen — angemeldet. Nicht falsch verstehen, ich find's super. Noch eine Reise nach Frankfurt, für die ich nix bezahlen muss!
Meinen Mitbewohner habe ich immernoch nicht wirklich kennengelernt, etwas merkwürdig, vielleicht bringt das gerade beginnende Wochenende ja was.
Songbook
Das Wochenende wird mit relativ großer Sicherheit wenigstens eine Erweiterung für's Songbook bringen — Dani California! Ist schon alles vorbereitet, bin nur nicht ganz fertig.
Bjørn, Tag 165, 13. Januar 2007
Manuel
Keine Zeit, traurig zu sein. Heute ist Hannah wieder nach Hause geflogen (wenn alles pünktlich war, ist sie vor zehn Minuten in Frankfurt gelandet), und deswegen geht's mir nicht wirklich super. Wie auch. Allerdings könnte es schlimmer sein, aber von vorne: Gestern und heute haben wir tatsächlich mal die Sonne gesehen. Ich habe gestern mit Laszo geredet, und er sagte mir, dass er im März mal eine Woche in Dresden sein wird, wusste aber noch nicht genau, wann. Das traf sich gut, denn ich wollte Hannah doch mal im März in Nantes besuchen kommen. Heute kam ne Mail, unser Wunschtermin haut hin, ich habe Flug Bergen → Paris sowie den TGV Paris → Nantes (jeweils mit Rückfahrt) für 8. März bzw. 15. März gebucht. In 58 Tagen sehe ich sie um 17:07 am Nanter Bahnhof wieder!
Außerdem will mir Laszlo für eine Konferenz Anfang Juni am CERN, um deren Besuch mich Horst gebeten hatte, die Fahrt nach Frankfurt (ab da bezahlt Horst) finanzieren, so dass ich dann wohl an Christi Himmelfahrt oder so komme, meinen Geburtstag feiere, dann zur Gitarrenfreizeit mitfahre und am Pfingstmontag abend nach Genf abhaue, zwei Wochen, und dann noch wahrscheinlich eine Nacht in Frankfurt und dann bis zum bitteren Ende nach Norge. (Alles ohne Gewähr!) Nun, also das scheint auch Form anzunehmen.
Die Rückfahrt vom Flughafen nutzte ich, mir mal das unerwartetste Weihnachtsgeschenk dieses Jahr, eine hessische Weihnachtsgeschichte, durchzulesen, das hat meine Tränen etwas reduziert und in Lachtränen umgewandelt. Danke, Johannes, Julia, Luisa, Fabian, Angela, Stefan und Berit — wahnsinnig toll!
Dann saß ich hier rum, keine Lust auf nix, als es an der Tür rumschraubt und mein neuer Zimmernachbar reinkommt. Mexikaner, Wiwi, bleibt ein Semester hier, hat einen Freund im C- oder D-Block (die mit großer Küche), und kündigte an, dass er die meisten seiner Essenmachsachen bei ihm unterbringen wird, weil es hier keine Mikrowelle gibt. Nun, ich habe hastig gespült (das war eigentlich als Ablenkung für die großen Einsamkeitsschübe von heute abend gedacht gewesen) und ein paar Worte mit ihm gewechselt und festgestellt, dass ich mit dem Lernen des Norwegisch endgültig alle letzten Reste Spanisch aus meinem Wortschatz verbannt habe. Nun, er kann Englisch, also halb so wild. Nach kurzer Zeit sind sie wieder abgedampft, die beiden, ich bin mal gespannt darauf, ihn näher kennenzulernen.
Ach so, er heißt Manuel.
Außerdem bin ich gespannt darauf, wie ich jetzt weiterarbeiten kann, jetzt, wo es schlechtes Wetter und jeden Tag ein paar Minuten mehr "Helligkeit" gibt… Das Fahrrad bleibt aber noch einen Monat stehen, ich werde morgen meine Busfahrkarte 'verlängern'.
Bjørn, Tag 161, 9. Januar 2007
Ferie
Ferien. Und zwar schon recht lange und von recht vielem, auch dem Bloggen, aber leider nicht von allem. Weihnachten hatte ich etwas Ferien von Bergen, mit der Familie, aber leider nicht vom Regen. Das ach-so-schneesichere Voss hatte keinen Schnee, sehr schade. Also wollten wir nach ein paar schönen Tagen in die Berge fahren, um dort durch Schnee zu stapfen, also auf nach Finse, mit dem Zug. Zu spät stellte ich fest, dass ich auch keine Ferien von meiner Dabbigkeit hatte; es fiel mir erst auf, als meine Kamera auf dem Boden aufschlug. Kaputt. Der Ausflug war trotzdem toll, wir sind ein paar Stunden durch den Schnee und über einen See gewandert, um dann wieder zurückzufahren. Bilder — eine Zusammenstellung aus meinen und denen meiner Mutter — gibt's wahrscheinlich auch irgendwann.
Seit dem 27. bin ich wieder im Bergener schlechten Wetter (das sich eigentlich nicht wirklich vom Vosser schlechten Wetter unterscheidet), obwohl, gerade eben wird das grau draußen doch merklich bläulicher…, ähm… achso, ja, zurück in Bergen, und mit toller Begleitung (Hannah natürlich). Wir verbringen hier eine wie immer schöne Zeit, und ich plane ernsthaft, im März mal nach Nantes zu fahren, ich warte nur noch, bis Laszlo kommt und ich mit ihm den Termin vielleicht mal abstimmen kann.
Noch was lustiges: Melanie, meine normalerweise so verfrorene Schwester (sie studiert momentan in Tromsø), kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus: Der Bahnhof in Bergen (sie kam bei Dunkelheit an) ist größer als der Flughafen in Tromsø, die Straßen sind ja viiiiiiel größer, und, hey — die haben ja Fahrbahnmarkierungen! Und soooo viel Verkehr! Und hier in Fantoft, da ist man schon ne viertel Stunde Bus gefahren, hier gibt's immernoch Ampeln! Davon gibt's in Tromsø nur welche am Flughafen und im Industriegebiet! Und — Oh Gott, ist es hier Warm!!!! Gegen Mittag war sie dann von der Helligkeit geblendet, kein Witz. Am Tag, bevor wir in Finse waren, hat sie Kopfschmerzen von der "Helligkeit" gehabt, so geht's mir im Sommer in Frankfurt…
Mit der Physik geht es momentan komischerweise recht gut voran, in Voss habe ich etwas programmiert, und hier auch, und es steht schon ein großer Teil des Programmes (wobei ich den schwierigsten allerdings bis jetzt gut umschifft habe).
Ach ja, mir sind da noch so Gerüchte zu Ohren gekommen, von wegen, man müsse meine Wetterstatistik eine Spalte nach rechts verschieben — unverschämte Verleumdung! ☺ Also, naja, es kann schon sein, dass die Tage, die im Dezember sonnig waren, zur Hälfte im August noch wolkig gewesen wären, aber "wolkig" heißt vor allem, kein Regen oder nur sehr wenig. Wenn ich vier mal am Tag draußen bin und ich nie nass werde (auch meine Kleidung nicht), dann ist das wohl kaum verregnet, und auch nicht regnerisch. Also, ich finde die Statistik ok.
Heute abend gehen wir Pizza essen, mal sehen, ob wir dahin schwimmen müssen (das blau wurde wieder durch grau verdrängt mittlerweile…), ansonsten mal sehen. Bis dann.
Bjørn, Tag 158, 6. Januar 2007
God Jul!
Frohe Weihnachten! Nein, das kommt nicht etwa drei Tage zu früh, die Römer konnten nur einfach nicht rechnen. Jul ist auch, im Gegensatz zum deutschen Wort, die alte Bezeichnung für das "heidnische" Jahresendfest, dass eigentlich heute stattfinden müsste — heute ist der kürzeste Tag im Jahr, folglich beginnt nach der schon angefangenen Nacht das neue Jahr. Also: Frohes Neues Jahr, alle zusammen: Godt Nytt År, Alle Sammen!
Morgen kommt also Melanie aus Oslo, und damit beginnt für mich Weihnachten. Naja, eigentlich nicht:
Nachdem ich heute mittag das erste Mal in meinem Leben eine halbe Prüfung lang nichts wusste (kein Blackout, einfach nicht gelernt) und dann noch mal zurück musste, um Wäsche aus dem Trockner zu holen, nahm ich drei Bier (für mich und die beiden anderen Prüflinge) mit. Und als wir dieses kurz vor der Notenbekanntgabe aufmachten, fingen für mich die Ferien an. Das Wetter ist recht gut momentan, das heißt, es ist nur bewölkt, ohne Regen, wenigstens, wenn ich hingucke. Übermorgen geht's nach Voss, eigentlich ist da Schnee garantiert, nur bezweifele ich, dass es da so kalt ist, wenn es hier sieben bis neun Grad sind… Also, ob es weiße Weihnachten werden, darf bezweifelt werden.
Auf jeden Fall werden es schöne Weihnachten im Familienkreis. Ob ich die Möglichkeit (nicht zu sprechen von der Zeit und Lust) haben werde, ins Internet zu gehen und eventuell aktuelle Bilder unserer Hütte zu veröffentlichen, vielleicht sogar Schneebilder (naja, siehe oben), weiß ich nicht. Auf jeden Fall wünsche ich euch allen ein frohes Fest und mögen alle eure Wünsche in Erfüllung gehen.
Bjørn, Tag 142, 21. Dezember 2006
Mørke
Dunkelheit. Mittlerweile macht mir die schon ziemlich zu schaffen, wesentlich mehr, als ich es für möglich gehalten hatte. Gestern war es besonders schlimm; niemand mehr hier, mit dem man spontan was unternehmen könnte, und am Freitag entschlossen, keine Physik am Wochenende zu machen, wurde mir recht langweilig. Mit Schlafmangel (es scheint mir tatsächlich zu dunkel zu sein, wer hätte sowas für möglich gehalten) gepaart gab das einen recht doofen Abend. Chatten hatte es auch nicht viel besser gemacht. Und heute? Alles viel besser. Zweimal heimskypen und — vor allem — gutes Wetter haben meine Laune sehr gesteigert. Und mein anderthalbstündiger Spaziergang inklusive halbe Stunde auf-der-Bank-sitzen-und-in-die-Sonne-gucken. Leider belichtet die Kamera nicht gut genug, als dass man die Sonne auf den Bildern sehen kann, aber ich denke, sie sind trotzdem ganz gut, und zumindest habe ich die Erinnerung an so was wie "Helligkeit" wieder aufgefrischt.
Davon gibt's auch Sonnenbilder an einem schönen Sonntag Mittag: Endlich wieder gutes Wetter und Helligkeit!
Das hier war noch vor dem Spaziergang entstanden; es ist gutes Wetter und
kalt!
Auch der andere Berg, der Ulriken, hat Schnee (der ist ja auch knapp doppelt
so hoch)
Das ist der Storetveitvatnet, an dem ich eine halbe Stunde in die Sonne
geguckt habe… Das Bild ist um drei Uhr mittags entstanden, eine halbe
Stunde vor Sonnenuntergang
Hier konnte man im Original die Sonne am Himmel und im Wasser erkennen, aber
das ist leider auf dem Chip der Kamera verloren gegangen. Trotzdem schön.
An dem Bild ist irgendwas falsch... Auch der Løvstakken.
Bjørn, Tag 138, 17. Dezember 2006
Vår
Frühling. Guck mal an, 135 Tage sind schon vorbei. Da fällt mir doch auf, dass das ⅜ eines Jahres ist. Da ich immernoch nicht das Gefühl habe, schon ⅜ der Arbeit geschafft zu haben, bin ich momentan recht exzessiv am arbeiten, immernoch.
Allerdings scheine ich wohl hier zwei Frühlinge erleben zu können; heute waren es neun Grad. Das Wetter dazu ist wechselhaft, alles außer Sonne und Schnee (doch, Sonne gab's — massig sogar — am Samstag, aber seit dem nicht mehr). Am Montag hatte ich mich dann tatsächlich zum Busfahren entschieden und das Fahrrad in der Uni (da ist es überdacht) stehenlassen. Diese Entscheidung wurde zum Glück direkt durch Hagel gerechtfertigt (den es seit dem nicht mehr gab) und hat auch was damit zu tun, dass ich an einer Stelle meines Hinweges an ebenjenem Tag mitten auf der Straße plötzlich in (ungelogen) 10 Zentimeter tiefen Wasser gefahren bin. An der selben Stelle machen momentan auch die Busse sehr langsam… Dass dies selbst für Bergen nicht typische Verhältnisse sind (und ich habe mich ja schon mal über tiefe Pfützen beschwert), konnte ich nur erahnen, weil da jemand mit einer Fernsehkamera stand und die armen Passanten gefilmt hat.
Da hier momentan alle nach Hause aufbrechen (entweder Heimaturlaub oder fertig), scheint in Fantoft irgendwie überall Feierlaune angesagt zu sein, was nicht per sé schlecht wäre, wenn diese Idioten doch nur die Finger von den Feuermeldern lassen würden… Einmal war's drei Uhr, gestern (bzw ja schon heute) halb eins. In der Nacht, jeweils (das um viertel nach zwölf war schlimmer, ich hatte grade geduscht, und das mit drei Uhr war am Wochenende, da, ähem, war ich noch auf).
Achso, zwei Prüfungen hatte ich ja noch. Norwegisch ist super gelaufen, habe noch keine Note, und die erste Physik-Prüfung habe ich, naja, wie immer, abgeschlossen.
Bjørn, Tag 135, 14. Dezember 2006
Bak meg
Hinter mir. Die erste Prüfung habe ich heute morgen abgelegt; es war die Norwegisch-Klausur. War ganz lustig, ich denke, ich habe bestanden, aber ich hatte keine Lust mehr, mir nochmal alles durchzulesen, was ich geschrieben hatte. Mal sehen.
Nachdem es nun schon eine Woche her ist, dass ich was geschrieben hatte, muss ich mal wieder was erzählen: Hannah ist sicher in Frankfurt gelandet, ich fahre wieder Fahrrad, habe einen Haufen Arbeit in der Uni: altes Projekt wiederaufwärmen, ganz neues Projekt zwischenschieben, für das "normalneue" Projekt, mit dem ich prinzipiell schon seit Mitte November anfange, viel lernen — wen's interessiert: Ich lerne dafür C++ — und endlich wirklich anfangen, oh, und dann sind da noch die mündliche Norwegisch- und Relativistische Quantenmechanik und Feldtheorie-Prüfungen nächste Woche, und die Quark- und Leptonenphysik die Woche drauf (ok, da werde ich nicht soo viel für lernen…) und dann kommen auch schon meine UKS Melanie und meine Eltern (Melanie am morgen, meine Eltern am Abend des Freitags vor Heiligabend), und noch bevor die alle wieder weg sind, kommt Hannah wieder (*jubel*) und so werde ich dann bis 10. Januar nicht mehr arbeiten können, also heißt es jetzt schuften, schuften, schuften.
Also, Fahrrad. Was fällt mir dazu ein? Das Wetter natürlich. Nach meinen Information wurden am Dienstag in Frankfurt die 30 Grad wieder fast geknackt, und auch hier ist es nicht sehr winterlich. Nachdem der November kalt und mit Glätte und Schnee angefangen hatte, was ich eher vom Dezember erwartet hätte, fängt dieser nun mit nichtendenwollendem Regen an, was ich eher von letztem Monat erwartet hatte. Wenigstens ist es warm genug, um kein Eis zu bilden, deshalb, wie erwähnt, das Fahrrad, und das halte ich noch mindestens so lange durch, bis eine Monatskarte solange reicht, bis Hannah im Januar wieder fliegt (also, eigentlich heißt das, noch mindestens morgen). Aber, Spaß macht's momentan nicht wirklich, nur so ein bisschen.
Die Prüfungen — ja… Ich habe mich nie getraut, wirklich nicht zu lernen für irgendwelche Prüfungen, aber, hey, diesmal zählt wirklich nur, ob ich bestehe. Und dass ich das tue, dessen bin ich mir wirklich sicher (und, eigentlich, zählt nicht mal das: Wenn ich am Ende des Jahres meine Arbeit fertig habe, kann ich damit genug CreditPoints nachweisen, um das Geld, das ich bekomme, zu rechtfertigen). Also, jedenfalls, deswegen beschränkte sich das Lernen für Norwegisch auf einmal unregelmäßige Verben abfragen durch Hannah (danke) und ein kurzes Gespräch vor der Klausur, und für die beiden Vorlesungen werde ich meine Notizen noch einmal durchlesen.
Natürlich ist es nicht ganz richtig, wenn ich sage, ich hätte nicht mehr gelernt; ich war ja immer brav anwesend und habe schön mitgedacht ☺. Anderes Thema.
Eine Sache fand ich dann in den letzten Tagen noch recht erfreulich: Ich kriege auf einmal richtig viele (also, so vier oder so) Mails (weiter so!). Ich hoffe, das liegt nicht daran, dass sich meine Postfrequenz so stark verringert hat, und ich hoffe auch, dass ich sie alle bald beantworte — Wochenende vielleicht.
Ach, und zwei Bücher habe ich in den letzten Tagen gelesen, Scheibenwelt natürlich. ich glaube, das war's. Bis Bald!
Bjørn, Tag 128, 7. Dezember 2006
Det skal bli bedre igjen
Das wird schon wieder besser… Irgendwann letztens habe ich mir mal das komplette Blog durchgelesen, so alles, das ich seit dem 28. Juli geschrieben habe, und mir ist aufgefallen, dass ich ständig "aber das wird schon wieder" geschrieben habe, oh mein Gott. Aber meistens hatte ich ja recht ☺.
Diese Woche ist eine der gemütlicheren Sorte; Samstag kam Hannah an (wie angekündigt) und seit dem bestanden meine Tage nicht so sehr aus Arbeiten. Montag und Dienstag waren wir erst im Norwegisch-Kurs und dann etwas in der Uni ("Arbeiten"), gestern ein wenig in der Stadt, und heute haben wir den Mittwoch zum persönlichen Wochenendtag umfunktioniert und waren in einem wunderschönen Freizeit-Schwimmbad, mit steilen, dunklen Rutschen und Whirlpools und alles toll.
Alles toll ist sowieso Motto dieser Woche, und deswegen schreibe ich auch nicht mehr viel.
Bjørn, Tag 120, 29. November 2006
Exam Tid
Prüfungszeit. Gestern waren die letzten beiden Vorlesungen im Semester, heute hatte ich noch einmal Übung und heute sowie nächste Woche ist noch Norwegisch-Kurs. Irgendwie fühlt sich das wie ein Jetlag der besonderen Art an, so früh das Semester zu beenden, ohne, dass da Weihnachten oder so dazwischen war, und so kurz, nachdem es in Deutschland erst angefangen hatte. Aber, um es mit Marcus' Worten von letztem Semester zu sagen: "Keine Vorlesung mehr — Physik, ich komme!"
Noch merkwürdiger als diese Semesterendzeit-Stimmung ist allerdings das Wetter. Von der Hitzewelle, die Deutschland momentan in tropische Temperaturen versetzt, ist hier auch einiges übergeschwappt, und die letzten 4 Tage (also seit Montag) hat es hier kaum noch geregnet, und es sind milde 8 Grad. Nicht missverstehen, das ist keine Beschwerde! Es ist nur merkwürdig. Blöderweise soll es am Samstag, pünktlich, wenn Hannah kommt, wieder schlechter werden; wobei ich heute in der Zeitung lese, dass es nur am Sonntag so schlecht sein soll und dann wieder alles wie gehabt, bin mal gespannt, was es am Ende wird.
Tja, Zeitung. Leider merkt man daran, dass ich momentan nicht so motiviert bin, früh in die Uni zu gehen, weil etwas später (also so um neun, halb zehn) immer Restexemplare im Aufzug liegen. Blöderweise gibt's hier nur Bild-Zeitungs-artige Zeitungen, naja, vielleicht sind sie etwas informativer, aber sie sehen so aus.
Die andere Sache, auf die ich eben kommentarlos hingewiesen habe, ist wesentlich erfreulicher und schöner: Hannah kommt mich besuchen! Von Samstag (Tag 116) bis übernächsten Montag (Tag 125) bin ich also nicht alleine — könnte etwas dünner werden mit den Postings. *Vorfreu*.
Noch ein bisschen was zu mir und meiner Physik: Laszlo kam von der Quark-Matter mit einigen Ideen und viel Motivation zurück, und ich habe erstmal viel Arbeit. Heute habe ich mit ihm lange über mein eigentliches Diplom-Arbeits-Thema geredet, und auch da weiß ich jetzt endlich mehr, und kann anfangen, produktiv zu sein. Als nächstes werde ich mir eine Liste mit benötigten Komponenten machen, und dann vielleicht einen vorläufigen Zeitplan erstellen, an dem ich mich entlang hangeln kann. Viel Arbeit, wie gesagt, aber wenigstens habe ich jetzt das Gefühl, bis zum Ende sehen zu können.
Bjørn, Tag 114, 23. November 2006
Siste Stasjon Vaksdal
Endstation Vaksdal. An einem schön scheinendem Samstag morgen entschloss ich mich heute, den letzten Tag meines Scan-Rail-Tickets auszunutzen und ein bisschen die Bergensbane entlangzufahren. Ich fuhr in die Stadt und nahm den Zug um halb elf in Richtung Oslo. Der Lokführer sagte mir zunächst, dass es nicht möglich sei, mitzufahren, überlegte lange rum, aber, nein, geht nicht. Als ich auf dem Weg zu den Wagen war, rief er mir hinterher. Wegen der Entgleisung nach Erdrutsch am 6. November seien momentan große Sicherheitsvorschriften und deren Überprüfung angesagt, und naja… naja… ähm… in Hallingskeid solle ich vorkommen.
Also setze ich mich erstmal in den Wagen, und meine Laune sank stetig, als es immer bewölkter und dunkler wurde. Bald fing es auch an, zu regnen. Habe ich den Tag verschwendet? Der Zug lieferte sich ein Wettrennen mit den Wolken, und kurz hinter Voss ging dem Wind die Puste aus, Sonne schien auf immer dichter werdenden Schnee. In den fünf Minuten Aufenthalt in Myrdal stieg ich aus, um zu fotografieren, und mit mir zwei australische Mädels, die noch nie zuvor Schnee gesehen hatten und diesen für eine Schneeballschlacht nutzten.
In Hallingskeid also, einem Bahnhof, der in einer Schneeverwehung liegt, packte ich meine Sachen und ging vor. Der Fahrer erzählte mir davon, dass es bis Hallingskeid eine Lawinenwarnung gab und deshalb noch jemand mit auf der Lok war und noch einiges anderes, und er nahm mich bis Geilo mit, wo ich eine Stunde auf den Gegenzug wartete. Eigentlich wollte ich nicht so weit, aber er meinte, in Finse (mein eigentliches Ziel) könne ich nur im Warteraum sitzen, und das wesentlich länger, und in Geilo sei wenigstens was los. Was soll ich sagen; er hatte ja recht. In beiden Fällen wäre ich mit dem selben Zug heimgekommen. Oder auch nicht, aber dazu gleich mehr.
Wenn so eine Straße aussehen würde, hätte man verloren. Wenn man bei so einer
Strecke im ersten Wagen sitzt und rausgucken will, auch, denn dann sieht man
nur aufgewirbelten Schnee. Aber von vorne isses toll!
Nur einer von tausenden See, die ich fotografiert habe, hier schon auf der
Rückfahrt, vor Haugastøl. Manchmal finde ich die selbstauferlegte "nicht mehr
als fünf Bilder"-Regel doof.
An dieser Station (Finse) hatte ich mein erstes Schneebild gemacht (siehe
reise1_1), aber das ist richtiges Schneewetter.
Und im selben Bahnof; hier ist ein alter Wagen der Bauart B1 als
"Übergangslösung" zwischen zwei Gebäuden installiert worden.
Den Lokführer des Rückzuges fragte ich selbstverständlich auch, ob er mich mitnehmen könne, dieser hat aber sofort abgelehnt, also sah ich die Sonne vom Wagen aus untergehen. Bei dem ganzen Schnee blieb es noch recht lange hell, und ich fühlte mich wieder an jenen Dienstag morgen im ersten Semester erinnert, als ich Ende Januar auf dem Weg zur Mathevorlesung beim Anblick der jungfräulichen Autobahnauffahrt ein Lied geschrieben hatte — alle Anzeichen der Menschen sind unter dem Schnee begraben…
Hinter Myrdal schneite es dann, und bald war es wirklich viel zu dunkel, um was zu sehen. Ich war müde und freute mich auf daheim. Als wir genug Höhe verloren hatten, ging der Schnee in Regen über, und als wir so fuhren, gab es auf einmal (ich saß im dritten Wagen) einen riesigen Funken über dem Zug, und es tat einen Schlag. Der Zug hielt an und die Zugführer stiegen aus, um die Lage zu inspizieren, doch kurz danach ging es weiter.
Bis Vaksdal.
Dort hielt der Zug, und es kam die Durchsage, dass es ein Problem gäbe, mit dem Strom (genau habe ich es nicht verstanden), und die noch nicht wüssten, wann und wie es weitergehe. Recht bald war klar, dass der Zug heute nicht mehr weiterfährt, und Busse wurden angefordert. Krieg mal am Samstag abend um sechs Uhr vier Reisebusse. Spontan, natürlich! Klappt nicht, ist ja klar. Die beiden Frauen, die das Zugcafé bedient haben, gaben gratis essen und gratis Getränke aus, und ich widmete mich dem Sudoku und Karuko, dass ich einer Zeitung fand, half dem Zugpersonal bei Übersetzungen für deutsche Touristen, die Panik schoben, ihr Hurtigruter-Schiff nicht mehr zu bekommen (es ging um halb elf), und anderen Passagieren dabei, ihr Gepäck auf den Hausbahnsteig zu tragen, und fuhr schließlich auch mit dem Bus heim, drei Stunden war am Ende die Verspätung.
Noch ein bisschen was anderes: Freitag war mal wieder ein
Sonnentag, und ich habe sogar mal ungesalzene Butter gefunden, die ist
aber doppel so teuer wie gesalzene, deswegen habe ich sie nicht
gekauft. Und, ach ja, und wer in letzter Zeit einen Blick in die Bild-Zeitung geworfen hat, der wird
die Anti-Wikipedia-Kampange entdeckt haben: Die Bild-Zeitung bezahlt,
kurz gesagt, momentan Leute dafür, in die Wikipedia Fehler einzubauen
und diese dann zu melden, was sie dann lange breit tritt. Vielleicht
will sie bald ein "Volkslexikon" herausbringen? Jedenfalls zeigen die Beispiele,
die Bild bringt, eigentlich nur, wie gut ein OpenSource-Projekt
funktioniert, denn alle Beispiele waren — schon vor
VeröffentlichungAnprangerung durch Bild und
Bild.de — nach kürzester Zeit (zwischen einer Minute und einer halben
Stunde) korrigiert. Wo gibt's das schon noch?
Bjørn, Tag 109, 18. November 2006
Brannalarm
Der Feueralarm weckte mich am Samstag morgen, um viertel nach sechs aus zu kurzem Schlaf. Natürlich Fehlalarm. Bis acht Uhr schaffte es die Feuerwehr nicht, den (mutwillig) beschädigten Feuermelder zu reparieren, aber sie ließen mich wieder in die Wohnung rein (ich hatte in meiner Schlaftrunkenheit meinen Schlüssel vergessen, ich Idiot). Weiterzuschlafen habe ich mir dann abgeschminkt, dafür ein wenig an alten Programmen gebastelt. Das ganze hatte allerdings durchaus einen Vorteil: Die Tage am Wochenende endeten dadurch recht früh, so dass ich am Montag morgen in der Vorlesung um acht (fast) wach war.
Leider ist am Montag abend meine Planung, vor Weihnachten mit Melanie von Tromsø hierher mit den Hurtigruter zu fahren, geplatzt, sie kommt lieber geflogen (und von Oslo mit dem Nachtzug). Schade.
Während Laszlo's Abwesenheit wollte ich eigentlich mal mit Mach-Schockwellen anfangen, aber jetzt soll ich erstmal noch irgendein anderes Filmchen basteln, und auch jetzt gerade mache ich ja nicht wirklich was für die Physik… (aber keine Angst, das wird schon wieder).
Noch ein Wort zum Wetter: *schauder*. Der Regen wird langsam wirklich eklig kalt, dafür dauert er nie sehr lange (die Regenlücken dauern allerdings auch nicht lange genug, um nach Hause zu kommen). Allerdings fand ich jezt eine Internet-Seite mit Regenradar, auf der man recht gut abschätzen kann, wie es die nächste Zeit aussehen wird. Und außerdem, ich habe eine Monatskarte und geschätzte 18 Kilometer bis zur 7000, wenn ich die erreicht habe, lass ich das Fahrrad erstmal stehen (bis die Monatskarte abgelaufen ist zumindest). Ach ja, warum geschätzt? Weil mein Tacho gestorben ist. Einfach so (nach dem 213. mal runterfallen), er wollte nicht mehr. Gott sei Dank weiß ich mittlerweile ziemlich genau, wieviel Kilometer welcher Weg bringt, deshalb sind die 18 Kilometer eine (für meine Verhältnisse erst recht) recht gute Abschätzung.
Bjørn, Tag 106, 15. November 2006
Hundre
Heute darf ich endlich anfangen, richtig zu meckern, denn die Hundert-Tage-Frist ist abgelaufen! Naja, viel zu meckern gibt's auch nicht, die letzten zwei Tage hat's nicht mal geregnet, und ich stehe kurz vor Abschluss meines ersten Projektes. Und da ich gerade mit Johannes, Luisa und Melanie gleichzeitig chatte und hier tippe, und eigentlich auch noch nach dem Preis für die Hurtigruten Tromsø → Bergen gucken sollte, ist dieser Eintrag heute ganz, ganz kurz. Tschö!
Bjørn, Tag 100, 9. November 2006
Regnbue
Regenbogen. Unsere neue Büroeinrichtung brachte mich dazu, die Kamera mitzubringen, und mit Regen und Sonne im Rücken entstand ein schön zu sehender, schlecht zu fotografierender Regenbogen über Bergen.
Mein Schreibtisch nach der Umräum-Aktion.
Und nochmal der Schreibtisch, in die andere Richtung geguckt.
Und der Schreibtisch von Yun und Szablocs.
Ein riesiger Regenbogen…
…den man unbedingt nochmal ansehen sollte.
Bjørn, 8. November 2006
Politik
Ich habe mich immer sehr bemüht, meine politischen Ansichten auf die drei (winzigen) Links auf der Startseite zu reduzieren, die wahrscheinlich noch nie jemand außer die Google-Search-Engine bemerkt hat, aber heute lese ich zuviele Sachen, als dass ich sie ignorieren könnte, sorry. Wen's partout nicht interessiert, irgendwo weiter unten wird wahrscheinlich noch was anderen stehen.
Den meisten (außer denen, die nur Bild-Zeitung lesen) wird die neueste Studie über den Niedergang des Lebens in den Weltmeeren nicht entgangen sein (das ist natürlich Unsinn, aber es wird keine großen Lebewesen mehr geben), aber — trotz der Hintergrundfarbe will ich hier kein "hört auf zu fliegen"-Pamphlet schreiben; es geht mir auch nicht um die Frage, ob der Strommarkt privatisiert sein sollte.
Viele Leute hatten mich, bevor ich nach Norwegen ging, gefragt, ob es denn nicht besser wäre, in die Vereinigten Staaten zu gehen, denn dort fände ja die richtige Forschung statt. Ich führte meine Wahl für Norwegen neben meiner Vorliebe für dieses Land auch auf die politische Situation in Amerika zurück, und ich fühle mich heute sehr bestätigt. Nicht genug, dass vielen politischen Aktivisten der Zugang zu Flugzeugen ernorm erschwert wurde (finde ich ja prinzipiell gut, wenn's nur jeden träfe und gleich ein Verbot wäre), und es hört auch nicht damit auf, dass die Vereinigten Staaten seit Neuestem Anspruch auf den Weltraum erheben (kein Link dafür, habe ich vor einigen Tagen im Radio gehört) und Drittstaaten den Zugang dazu verweigern will und ihn auch militarisieren will; ich rede auch nicht davon, dass Dubya mittlerweile jede Gewalt gegen "ruhestörende Bürger" das Militär einzusetzen und im Ausland zu foltern, nein, darum geht es mir ja gar nicht.
Aber ab 14. Januar 2007 (das ist in 2 Monaten und 8 Tagen) gibt es nur noch geheime Listen darüber, wer das Land verlassen darf und wer nicht. Eine Möglichkeit, von der Liste genommen zu werden, gibt es nicht. (Auf den halb-öffentlichen Listen, die momentan im Flugverkehr angewandt werden, stehen momentan die mutmaßlichen Attentäter von 2001 drauf). Aber, keine Sorge, so was würde ja nie missbraucht werden, gell? Faschisten.
So, zurück zum Tagesgeschäft. Hier regnet's grade den vierten Tag hintereinander ohne Unterlass, und vor meiner Lektüre (siehe oben) wollte ich diesen Artikel irgendwie "Spontanseen" oder so nennen, denn Pfützen sind das definitiv nicht, was hier auf manchen Kreuzungen steht. Irgendwie scheinen die hier nicht mal versuchen, das Regenwasser von der Straße zu bekommen, aber was solls, Aquaplaning kann mir nicht passieren, nur ist Regenkleidung hier kein optionales Feature mehr. Weit schlimmer finde ich aber die Sturzbäche, die einem an jeder Steigung entgegenkommen.
Am Freitag haben wir unser Büro umgeräumt und jetzt lachen mich fünf Bilder von der Wand an (Bilder davon kommen hoffentlich hierher, hatte meine Kamera heute vergessen). Außerdem macht mein Laptop neuerdings Spirenzien, die ich nicht verstehe, aber das wird schon wieder!
Bjørn, Tag 97, 6. November 2006
Is
Eis. Wie schon angedeutet, war das Wetter komplett umgeschlagen; ein kristallklarer Morgen begrüßte am Mittwoch die Welt. Kristallin war auch das Wasser auf den Straßen und Gehwegen, doch als ich heimfuhr, war alles wieder getaut. Dachte ich. Doch dann eben, diese kleine Straße, auf der ich zu spät merkte, dass diese Pfütze noch nicht aufgetaut war. Ich schlitterte, fiel, rutschte ein wenig, tat mir aber am Bein etwas weh. Wenigstens die Eier, die ich kurz vorher gekauft hatte, sind ganz geblieben, erst daheim merkte ich, dass sich der Gepäckträger gewaltig verbogen hatte…
Am Donnerstag war dann der Berg gegenüber schnee—… naja, nicht wirklich bedeckt, ebenso wie die Wege direkt hier… Also bin ich Bus gefahren, holte eine Monatskarte, stellte dann aber fest, dass es Mittags wiederrum getaut war und es auch wieder warm werden sollte.
Wie funktioniert das hier? Ganz einfach, indem Wolken herkommen! Und so war es heute etwas wärmer und nieselregnerisch. Dafür haben wir heute unser Büro umgeräumt (mal sehen, ob ich ein aussagekräftiges Bild hinbekomme), und das feiern wir nachher noch.
Bjørn, Tag 94, 3. November 2006
Ruskevær
Update: Unglaublich, wie schnell manche Fragen beantwortet werden: gestern fragte ich, wann ich die Sonne wiedersehen würde (siehe unten), und heute war sie schon wieder in voller Pracht da. Da der Mond schon über Nacht da war, war es saukalt, mit zugefrorernen Pfützen und so, und dieser einen Nebenstraße, bei der ich ein Momentchen zu lange in der Gegend rumgeguckt habe… Keine Angst, bin gesund, mehr darüber bald!
Oh Mann, schon 91 Tage… Und ab Freitag oder Samstag bewohne ich diese Wohneinheit wieder alleine; Sylvan hatte sich schon vor langer Zeit auf einen Platz in einer Achter-WG beworben und wurde endlich genommen. Ich finde das zwar ein bisschen merkwürdig, weil er nie was davon erwähnt hatte und sagte, er würde das ganze Jahr hierbleiben, aber ok. Mal sehen, wie lange ich alleine wohne!
Wie zum Beweis, dass die ganzen Vorurteile von Bergen doch nicht falsch sind, regnet es seit Samstag Bindfäden (ruskevær heißt übrigens so was ähnliches wie "Scheiß-Wetter"), und ich bin gespannt, wann ich die Sonne das nächste Mal zu sehen kriege… Aber noch ist die Wetterstatistik recht gut!
Mann, das klingt schon wieder so nach Depri. Nein, alles super.
Heute habe ich im Gespräch mit einer deutschen Physik-Studentin
erfahren, dass ich langsam zum letzten
MohikanerFahrradpendler mutiere; sie hatte
gestern aufgegeben, aber ich fahre munter weiter (wobei ich auf der
Rückfahrt heute mal wieder die Notwendigkeit von Brillen mit
Scheibenwischer bemerkt habe, auch ohne Brille kann man kaum die Augen
aufbehalten, wenn ständig ein Tropfen ans oder ins Auge fällt und
dieses blöde Teil sich dann reflexartig schließt). Dafür ist die
7000 nur noch
112 Kilometer weit weg, das sind noch exakt zwei Wochen ohne Umwege!
Apropos Augenaufhalten:
Das ist jetzt irgendwie (fast) dritte Woche hintereinander (also, die Woche in Frankfurt und den Dienstag danach zähle ich nicht), in der ich Dienstag nachmittags hundemüde bin, ich muss unbedingt mal meine Zubettgehzeiten etwas besser regeln… Heute bin ich vor meinem Schreibtisch im Büro fast eingeschlafen, aber die eine viertel Stunde lange kalte Dusche (ich meine meinen Weg nach Hause) hat mich wieder aufgemuntert, so dass ich hier nicht gleich ins Bett gefallen bin. So ein Glück, denn letzte Woche hatte eine ähnliche Situation dazu geführt, dass ich nachts ewig nicht eingeschlafen war. Irgendeinen Vorteil hat dieses Ruskevær also doch!
Tja, wer's noch nicht gesehen hat, ich bin jetzt auch im Studi-Verzeichnis, habe aber immernoch nicht rausgefunden, was mir das jetzt bringt, mich mit den anderen zu "vernetzen", eigentlich habe ich da niemanden gefunden, von dem ich nicht entweder eh weiß, wie ich ihn erreiche oder den ich gesucht hätte. Naja, ich bin jetzt jedenfalls da. Und wer's gestern gesehen hat: mittlerweile gibt's auch ein Bild von mir und ein wenig Infos. Einfach suchen…
Bjørn, Tag 91, 31. Oktober 2006
Blick aus dem Zimmer
Mal ein Herbstbild mit gutem Wetter!
Bjørn, 27. Oktober 2006
Das Seemannsdenkmal
Auf Bergens größtem Platz, dem Torgallmenningen, steht ein Denkmal, dass Subjekt einer Frage an mich aus Leipzig war. Nun, hier ist die Antwort:
Das Denkmal ist das norwegische Nationaldenkmal für die Seefahrt bzw. die norwegischen Seefahrer seit der Wikingerzeit bis zum zwanzigsten Jahrhundert. Es wurde 1950 mit Spendengeldern gebaut und von Dyre Vaa gestaltet. Es besteht aus einem Würfel mit vier zweigeteilten Refiefs sowie zwölf Figuren, von denen jeweils drei unter jeder Seite des Würfel stehen. Fängt man im Südosten an und umrundet das Denkmal im Uhrzeigersinn, so sieht man folgende Seiten:
Vinlandsferd
Die Seite "Weinlandsfahrt" beschäftigt sich mit den Wikingern und im speziallen mit deren Entdeckung Amerikas (Vinland) im zehnten Jahrhundert. Die beiden Relieffe zeigen ein Wikingerschiff (oben) und ein Treffen der Wikinger mit Indianern (unten). Dazwischen kann man den Schriftzug "Tiende Århundre" — zehntes Jahrhundert — lesen. Die Skulpturen stellen einen Speermann, einen Barden und einen Berserker dar.
Grønlandsferd
Darauf folgt eine Seite, die die norwegische Besatzung Grönlands darstellen soll. Man sieht ein Relief mit Eskimos und den Stapellauf eines Schiffes auf dem Reflief. Was die Skulpturen darstellen sollen, weiß ich nicht. Die Inschrift hier heißt "Attende Århundre" — Achzehntes Jahrhundert.
Kornferd
Von der Nordwestlichen Seite aus sieht man einen Reederer mit Zylinderhut, einen jungen Schiffsmann, der das Verlangen nach dem Ungekannten und die Hoffnung auf die Zukunft darstellen soll), sowie einen Lotsen. Die Plakette stellt Walfang (oben) sowie eine Szene in einer Schiffswerft dar. Die Inschrift hier bedeutet neunzehntes Jahrhundert: "Nittende Århundre".
Oljeferd
Das zwanzigste Jahrhundert steht für Norwegen — natürlich — unter dem Stern des Öls. Ein Deckjunge, der Treue symbolisieren soll, ein Steuermann mit Fernglass, der für Wagemut steht sowie ein Maschinist mit Schraubschlüssel stehen unter der Darstellung eines Schiffs mit aufgehender Sonne (für die Hoffnung auf eine hellere Zukunft) und einer Auferstehungszene, in der ertrunkene von einem Engel zu ewigem Leben erweckt werden. Die Inschrift hier ist "Tjuende Århundre" — zwanzigstes Jahrhundert.
Die Denkmal-Bilder auch nochmal gesammelt:
Vinlandsferd
Grønlandsferd
Kornferd
Oljeferd
Vinlandsferd (groß)
Sjømannsmonumentet auf dem Torgallmenningen
Bjørn — Quelle: Skuplturvandringer
Lügen
Zweimal wurde ich gestern Lügen gestraft. Das eine Mal hat mit dem Wetter zu tun, deswegen ein kleines Update diesbezüglich: Während es die letzten Tage (Dienstag und Mittwoch) ja wohl in Hessen recht stürmisch war, war hier blauer Himmel und Sonnenschein. Und Windstille. Also erzählte ich am Mittwoch abend Hannah über Skype, dass es hier eigentlich nie windig ist, und spekulierte darüber, dass wahrscheinlich die ganzen Berge rundrum den Wind abhalten.
Donnerstag morgen wehrte sich das Wetter dann gegen diese Verleumdung und zeigte mir, dass es sogar morgens (wenn ich nach Norden fahre) nach Süden und abends (wenn ich nach Süden fahre) nach Norden gehörig blasen kann. Wäre ja nicht so schlimm gewesen, aber:
Ich war nach dem Norwegisch-Kurs auf dem Torgallmenning, dem größten Platz hier in Bergen, um ein Bild von dem Denkmal darauf, dem Sjømannsmonumentet (zu deutsch Seemannsdenkmal) zu machen und fragte in der Turist-Info nach Informationen darüber. Als ich den Berg wieder hochfuhr, zur Physik, tat es einen Schlag an meiner Hinterachse und ich denke gerade schon, dass meine Hinterachse schon wieder aufgeplatzt ist. Zum Glück war die Achse "nur" verrutscht, jedenfalls führte das meine Behauptung, dass mein Fahrrad "repariert" sei, ad absurdum. So schleifte das Hinterrad am Rahmen entlang und bremste doch gehörig ab, zusätzlich zum Gegenwind. Daheim habe ich dann ein bisschen dran rumgeschraubt und heute konnte ich — auch auf der Hinfahrt im Gegenwind — wieder gut fahren. Aber, nur nochmal zur Zusammenfassung: Die Gangschaltung war nicht richtig eingestellt, die Vorderbremse auch nicht und die Hinterachse war nicht richtig fixiert. Solltet ihr jemals in Bergen eine Fahrradpanne haben: Geht nicht nach Nesttun zu Atro Sykkel.
Dafür war heute wieder gutes Wetter, ich habe mal wieder einen Großeinkauf gemacht, und bin noch ein klein wenig auf alte-Eisenbahn-Spurensuche gegangen.
Für mich als Eisenbahnfan ist es wirklich eine Qual, zu sehen, wieviele alte Straßenbahn- und Eisenbahn-Fragmente es hier in Bergen gibt. Heute war ich an zwei alten Gütertunneln mitten durch die Stadt, die vom Bahnhof ans Wasser führen. Durch Zufall habe ich dann in einer ganz anderen Straße ein weiteres Fragment eines Trambahngleises gefunden… Die könnten hier mit minimalen Aufwand ein 1A — Schienengebundenes Nahverkehrssystem aufbauen, die Busse sind hier oft genug überlastet und viele Strecken wären sehr leicht umbaubar oder reaktivierbar. Alleine 3 Tunnels werden nur noch für Güterverkehr gebraucht, und ich weiß nur von einem, dass er noch gebraucht wird. Welche Stadt hat schon so billige Möglichkeiten, eine U-Bahn zu bauen?
Also, noch was anderes: Bevor ich nach Deutschland gefahren bin, bekam ich einen Brief aus Leipzig, in dem mich ein Google-Finder meiner Homepage nach diesem Denkmal gefragt hat. Ich vertröstete ihn, und eben gestern fand ich allerlei darüber raus. Wollte es eigentlich auch gestern schon posten, aber ich hatte den Zettel im Büro liegen lassen… Also, jetzt, Infos über das Seemannsdenkmal.
Bjørn, Tag 87, 27. Oktober 2006
Åndalsnes
Ist natürlich doof, wenn man was schreibt und es dann nicht hochlädt… danke, Stefan, für den Hinweis! Und noch ein Hinweis in eigener Sache: Das FAQ werde ich doch nicht schreiben.
Am Freitag habe ich dann endlich das Konto eröffnet, und so hatte ich am Wochenende eine Sorge weniger. Und den Kopf brauchte ich frei am Wochenende, hatte ich doch Großes vor: Auf meinem ScanRail-Ticket, das ich für die Fahrt nach Deutschland gekauft hatte, waren noch drei Tage Bahnfahrt übrig, und die wollte ich verbrauchen, solange es noch nicht ganz so früh zu dunkel zum Rausgucken ist…
Also nahm ich früh am Samstag den Zug nach Oslo, naja, viele andere Möglichkeiten hat man von Bergen auch nicht. Die Strecke führt kurz am Fjord entlang, bevor sie durch ein wunderschönes Tal führt und weit ansteigt und bei 1222 Metern über Normalnull Finse erreicht. Da gab's Schnee! Runter geht es dann wieder — nach einer Stunde war der Schnee vergangen — bis man schließlich in Drammen wieder am Fjord ist, von da aus ist es nicht mehr weit bis Oslo.
Von Oslo aus nahm ich einen Zug Richtung Norden, sein Ziel war Trondheim, meines Dombås, wo ich umsteigen sollte. Noch in Oslo dachte ich mir, fragen sei kostenlos, und fragte den Lokführer, ob ich vorne im Führerstand mitfahren könne, und in der Tat nahm er mich bis Hamar (ca. eineinhalb Stunden lang) mit. Danach saß ich hinten im Zug, musste allerdings feststellen, dass es schon gegen halb fünf sehr schwierig wurde, etwas zu sehen. Außerdem — das Problem hatte ich schon auf dem Weg nach Oslo — saß ich auf der falschen Seite, das heißt, auf der Seite, auf der der Berg war, nicht das Tal (doof war vor allem, dass ich "auf dem Berg" kurz hinter Finse den Platz wechseln musste, weil meiner reserviert war, und ich dabei die Seite wechseln musste; gerade als das Tal die Seite wechselte). Von Dombås führte mich der Weg nach Åndalsnes; auf dieser Fahrt von sieben bis viertel nach acht Uhr habe ich allerdings wirklich gar nichts mehr gesehen.
Der Zug meines letzten Teilstückes nach Åndalsnes
Die Übernachtung war super, ich habe in einem privat vermieteten Gasthaus geschlafen, für 250 Kronen. Am Sonntag war dann das Wetter noch schlechter, nicht mehr nur bewölkt, sondern gleich ganz verregnet, und dieser Lokführer wollte mich nicht vorne mitfahren lassen (ist ja sein gutes recht). Angefangen hat die Fahrt enttäuschend, dieses schöne fleckchen Norwegen konnte seinen Charm bei niedrigst hängender Wolkendecke nicht entfalten… Irgendwann war das Tal dann höher als die Wolkendecke, und ich hatte wunderbare Aussichten. So, aus Angst, keiner liest mehr so viel, jetzt schnell: Auf dem Stück Dombås — Oslo hat mich derselbe (!) Lokführer wieder ein Stück mitgenommen, bis Lillehammer, und die Lokführer nach Bergen (einer Oslo → Ål, der andere von Ål nach Bergen) waren nicht so nett. Leider war auch der Platz eher schlecht, ich landete nach fünfmal umziehen (alle Plätze stellten sich nach kurzer Zeit als reserviert raus) auf einem Platz auf der falschen (=Berg-)Seite, gegen Fahrtrichtung und am Gang. Arschkarte, aber was soll's. Abends bin ich dann mit dem Fahrrad heimgefahren und vielen enttäuschten Fans von Brann Bergen entgegengekommen, deren Mannschaft gerade gegen Rosenborg Trondheim ein Spiel 1:3 und damit die Aussichten auf Titelverteidigung als norwegischer Fußballmeister verloren hat.
Das Romsdal bei Verma. Erinnerungen an meinen ersten Norwegenurlaub werden
sehr, sehr lebendig. In dieser Gegend habe ich Norwegen lieben gelernt...
(ok, das Bild ist nicht soo der Hammer, die Landschaft dafür umso mehr).
Der Lågen, der Fluss durchs Gudbrandsdalen, das für die Norweger eine
ähnliche Bedeutung hat wie das Rheintal für Deutschland.
Die Strecke im Gudbrandsdalen an einer etwas breiteren Stelle (so sieht es
die meiste Zeit aus, eigentlich). Und der Beweis, dass ich auf der Lok war.
Achso, und heute war's etwas anstrengend in der Uni, aber das wird schon wieder.
Bjørn, Tag 83, 23. Oktober 2006
Ganz!
Mein Fahrrad ist endlich repariert! Nachdem ich gestern noch vergeblich in der Werkstatt war, rief ich heute vorher an und bekam grüns Licht zum abholen. Vorher wollte ich noch in der Stadt ein Konto eröffnen, doch dafür hätte ich den Brief mit meiner ID-Nummer, der am Dienstag im Briefkasten lag, dabeihaben müssen, hatte ich natürlich nicht, grr. Ansonsten habe ich jetzt auch endlich einen Zugang zum hiesigen Hochleistungsrechenzentrum bekommen, nur wie ich da Programme laufen lassen kann, weiß ich noch nicht. Und sogar die Shell an meinem Büro-Computer ist fast von tcsh zu bash geändert… ("fast" wegen… ach, norwegische Admins…)
Auch toll ist, dass ich für das Fahrrad wesentlich weniger als erwartet bezahlt habe, da nur die Achse statt das ganze Hinterrad ausgetauscht wurde (irgendwie habe ich das Gefühl, das ist nur, weil ich so genervt habe und die nicht warten wollten, bis die das Rad dahaben, aber was soll's).
Meine Physik-Sachen gehen langsam voran, meine Ergebnisse von Anfang Oktober sind recht merkwüdig, und ich suche momentan, ob ich den Fehler gemacht habe oder ob der Fehler im Hydro-Code liegt… Mal sehen.
Bjørn, Tag 79, 19. Oktober 2006
Und wieder im Alltag
Also Alltag ist es noch nicht wieder, ich tippe gerade im Zug nach Oslo, gleich überquert dieser die Grenze nach Norwegen, morgen früh geht's wieder in die Uni. Die letzten 10 Tage waren einfach toll, acht davon war ich in Frankfurt, an den anderen beiden bin ich Bahn gefahren, und ich bereue keine Sekunde von beidem. Die Lorentztrafo hatte ich wenigstens noch hingekriegt, bevor ich nach Frankfurt aufbrach, dafür schaffte ich es nicht, den richtigen Schlüssel vom Schlüsselbund zu entfernen, so dass ich mich am Abend der Abfahrt selbst ausschloss; das kostete mich 300 Norwegische Kronen für den Schlüsseldienst. Die Fahrt war super, in der zweiten Nacht konnte ich sogar recht gut schlafen, als ich mich über drei Plätze ausstrecken konnte.
Der Aufenthalt in Frankfurt war, wie gesagt, auch super, viele Leute wiedergesehen, sogar mehr, als ich dachte, und eine wunder-wunder-schöne Woche mit meiner wunder-wunder-schönen Freundin verbacht. Lediglich am Freitag war alles etwas stressig, als ein viertel-Stunden-Termin damit geendet hat, dass ich mir zwei Stunden lang anhören musste, dass das Modell, dass ich benutze, vollkommenen Schwachsinn produziert. Na super — und dass, wenn man eigentlich längst weg wollte… Und Sonntag, als der Abschied näher rückte, war natürlich nicht perfekt, aber über weite Strecken doch ein sehr schöner TAg. Heute bin ich nach einer Nacht alleine im Abteil eine Stunde früher als geplant von København nach Göteborg gekommen, hatte dort dann dreieinhalb Stunden Zeit, in denen ich etwas Norwegisch nachholte (letze Woche war Präteritum dran; ich ging das ganze Buch bis zu dieser Lektion durch und fand die Vergangenheitsformen für alle Verben raus), ein lustiges Taschenbuch las und dabei One More Car, One More Rider hörte. Auf dem Weg über den Øresund gab's ne Steckdose; ich programmierte etwas, das habe ich eben (mit Akku) fertiggestellt, bevor ich das hier zu Tippen begann. Und, da alle irgendwie das Selbe gefragt haben, beschloss ich, ein FAQ zu schreiben, das mache ich wohl gleich.
Bjørn, Tag 76, 16. Oktober 2006
Insomnia
Leider ist das keine schlechte Übersetzung, sondern, momentan, Realität. Nach Kopfschmerzen und zwei Stunden dösen am Mittag bin bin am Montag abend ewig nicht eingschlafen, wurde dann um sechs Uhr vom Radio aus dem Schlaf geholt, aber nicht wirklich geweckt; das Feiertags-Programm war doch sehr lahm. War dann am Dienstag auch noch alleine in der ersten Vorlesung, und ich habe so gut wie nichts gepeilt, aber fleißig die Tafel abgepinselt. Mittagsschlaf gehalten und abends wider ewig zum einschlafen gebraucht, naja, sieben Stunden Schlaf werden's am Ende wohl schon, aber wenn ich um neun ins Bett gehe, erwarte ich normalerweise eher sowas wie 10, 11 Stunden Schlaf, und ich denke, ohne Wecker hätte ich die auch ohne weiteres erreicht.
Dadurch bin ich momentan nicht sehr produktiv, die Bilder von Freitag sind immernoch auf der Kamera, und seit Montag versuche ich mich an einer blöden Lorentz-Transformation mit Rotation und allem Schnickschnack, einzig will sie mir nicht wirklich gelingen. Heute bin ich vielleicht etwas weiter gekommen (bin ja auch wieder recht munter), aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob das alles Sinn macht, mal sehen.
Sogar die Küche, am Samstag noch richtig ordentlich gesäubert, sah gestern wie… naja, nicht grade wie ein Schlachtfeld, aber schlimm aus, weil ich am Montag und Dienstag einfach nichts machen konnte, weil ich so müde war. (Keine Angst, gestern habe ich gespült und so, aber es war trotzdem blöd.)
Dafür gibt das Wetter Anlass zur Freude, eigentlich, denn der Oktober hat mit jetzt vier sonnigen Tagen angefangen. Richtig zufrieden bin ich aber nicht, denn eigentlich würde ich gerne bei guten Wetter Fahrrad fahren, worauf ich aber noch bis morgen nachmittag warten muss. Ungefähr so lange soll auch das gute Wetter noch halten; mir wäre richtig krasses Regenwetter wesentlich lieber. Außerdem haben mich zwei Busfahrer beschissen, einer um zehn Kronen, einer um vierzig (einfach mal eine Fahrkarte verkauft, die ich gar nicht gebraucht hätte, was ich nicht wusste und erst später merkte… Aber das war Montag, seit dem geht's in dieser Beziehung besser.
Und die Tour nach Frankfurt rückt jetzt in absolut greifbare Nähe; in 55½ Stunden geht der Zug ab, ich habe heute nochmal Brot, Milch und Käse gekauft, mit einem weiteren Laib, den ich mir für die Fahrt schmieren will, wird's dann genug sein, ich werde also nicht mehr einkaufen müssen, nur noch zweimal hier versuchen, einzuschlafen, nur noch dreimal was kochen (heute Pfannenkuchen, wieder, und morgen und übermorgen weiß ich noch nicht), nur noch zweimal in die Uni… Ich freue mich sehr. Vielleicht schreibe ich auch nochmal was am Freitag, bevor ich den Laptop einpacke.
Bjørn, Tag 64, 4. Oktober 2006
Kaputt!
Das Wetter blieb gestern bis Einbruch der Dunkelheit ok, dann fing es an, eine ganze Nacht lang in Strömen zu regen. Heute morgen war alles gut, naja, heute morgen war ich noch nicht wach, aber als ich es war, war schönes Wetter. Ich habe gestern noch bis in die späte Nacht Filmchen gemacht, um sie Laszlo schicken zu können, und außerdem lerne ich gerade den Umgang mit VIM (dieses Programm ist einfach unbeschreiblich cool, und mit Sicherheit erst recht, wenn man mit Zehnfingersystem tippen kann), das hat beides recht lange gedauert. Heute mittag also war ich kurz in der Uni, holte mir eine Manöverkritik und neue Aufträge ab, verabschiedete mich für die nächsten zwei Wochen von Laszlo (er ist nächste Woche nicht da, ich übernächste) und ging wieder heim.
Papa hatte mir heute morgen einen Link zu Bildern von einem Ausflug des norwegischen Eisenbahn-Klubs nach Bergen — von 1973. Da waren viele Bilder der alten Strecke Bergen-Oslo drauf, die im Prinzip direkt vor meiner Haustür (*übertreib*) vorbeigefahren ist.
Davon angestachelt und weil es sehr trocken aussah draußen, bin ich heute nachmittag also nochmal aufgebrochen und wollte die alte Strecke abfahren (die Trasse idient heute auf recht langem Stück einem Fahrradweg, der echt schön zu fahren ist), und das war alles richtig toll, bis…
… mein hinteres Achslager aufgeplatzt ist. Argh. Einfach so, beim Anfahren am Berg. Gott sei Dank war ich da kurz vor Nesttun, wo es viele Busse gibt, die nach Fantoft fahren. Ich fand auch einen Fahrradladen, muss aber bis Donnerstag warten, bis es fertig ist. Außerdem habe ich grade einen Pfannenkuchen verbrannt, und hatte Angst, dass der Feuermelder losgeht, aber *schnüff, schnüff* nein, ich glaube, das geht. Also nicht so tolles Ende von meinem Tag heute, vielleicht geht es bald besser.
Bjørn, Tag 59, 29. September 2006
Fortschritt
Heute habe ich mal wieder gute Nachrichten: Am Montag zeigte ich Laszlo meine ersten Ergebnisse, und auch wenn sie nicht perfekt waren, war er recht angetan. Er gab mir ein paar Aufträge, wie man was verbessern könne, und ich startete den Versuch, mein Programm zu parallelisieren (das heißt, es so umzuschreiben, dass es auf mehereren Prozessoren gleichzeitig laufen kann). Ich gab mir selbst dafür etwa eine Woche (keine Ahnung, wie man sowas gescheit macht, und mit dem ersten Versuch würde ich mit Sicherheit scheitern, dachte ich), doch am Dienstag abend war es soweit, dass es lief. Jetzt hoffe ich, dass ich bis morgen früh die Daten produzieren kann, denn wenn ja, will Laszlo sie in einen Vortrag einbauen, den er nächste Woche in Barcelona hält.
Das Wetter bleibt wechselhaft, gestern wurde ich auf dem Weg in die Uni (fast klatsch-)nass, heute ist es wieder nur bewölkt (aber wer weiß, wie sich das heute noch entwickelt, es ist erst kurz vor neun). Wenigstens konnte ich gestern endlich mal Nutzen daraus ziehen, dass ich mir letzte Woche eine Ersatz-Jeans und einen Ersatz-Pulli in die Uni gelegt habe. Nur wie ich unseren tollen elektrischen Heizofen so hinstellen kann, dass ich meine nassen Klamotten einfach drüber hängen kann, um sie zu trocknen, ohne sie an einer Stelle anzusengen und an einer anderen Stelle nass zu lassen, muss ich noch rausfinden.
Langsam wird's auch ernst mit meinem Frankfurt-Besuch: Noch 8 Tage und 14 Stunden, bis ich hier losfahre, das ist nun wirklich in greifbarer Nähe. Als mir am Sonntag abend langweilig war, habe ich meinen Fahrplan mal ordentlich aufgeschrieben. Ich weiß, NERD und so, egal.
Bjørn, Tag 58, 28. September 2006
Nix los
Dass es nun fast eine Woche her ist, seit ich das letzte Mal was gepostet habe, hat nix damit zu tun, dass ich irgendwie viel zu tun hätte oder dass es mir viel zu schlecht oder viel zu gut dafür ginge; es ist nur einfach nix los, keine Angst.
Lediglich das Wetter ist hier eine Erwähung wert; nach einer verregneten Woche war es am Donnerstag abend plötzlich sternenklar, und der Freitag war sonnig und warm. Dass ich hier nicht von einem neuerlichen Ausflug berichte, hängt einzig damit zusammen, dass der Samstag bewölkt und mit Sprühregen angefangen hatte, genauso wie heute, aber im Laufe beider Tage hatte es sich noch aufgeklart, so dass ich bei gutem Wetter daheim sitze und meine Beine (metaphorisch) hochlege und dabei mit Schrecken die Nachrichten aus Deutschland höre — Gasexplosion in Bayern, Hochwasser der Dill, Transrapid-Crash im Emsland, FC Bayern gewinnt, Gesundheitsreform… und ich weiß nicht, was ich davon für das Schlimmste halte…
Bjørn, Tag 54, 24. September 2006
Løvstakken
Oje, oje, das war dann doch wohl etwas zuviel des Guten. Gestern hatte ich noch Glücksgefühle noch und nöcher, weil der Weg auf den Løvstakken so verdammt tolle Ausblicke bot, doch heute setzt dafür der Katzenjammer ein, besser der Katerjammer; der Muskel-Kater-Jammer, ein. Die Fahrt in die Uni (und die zurück ebenso) war eine einzige Qual, vor allem mein Gesäß kann einfach nicht aufhören, sich zu beschweren. Naja, wie könnte es auch anders sein, nach gefühlten fünf Monaten ununterbrochenem Sonnenschein hat es gestern abend angefangen zu regnen, und da muss es mir ja schlecht gehen… Nein, keine Angst, alles ok (nur, dass ich mir heute ein nicht-geschnittenes Brot gekauft habe, weil mir der Weg zu dem Rema beim Lidl heute zu lange war…). Und Post kriege ich auch wieder, die scheinen das geregelt zu haben. Juchuh!
Der Beweis: Ich war oben! Hinter mir sieht man den Ulriken, der steht auch
noch auf meinem Programm… (Selbstauslöser)
Das ist der Gipfel
Daaa unten wohne ich. Das lange, helle Gebäude in der Bildmitte
Der Byfjord mit der Halbinsel Nordnes (in der Bergener Innenstadt) und dem
Gipfeldenkmal im Vordergrund
Und der Blick nach Westen. Durch den aufziehendenden Dunst siehst das finde
ich noch viel weiter aus…
Bjørn, Tag 48, 18. September 2006
Schwere Beine
Schon wieder ein Fahrradausflug; dieses geile Wetter muss man einfach nutzen. Es sollte nach Süden gehen, bis zur Fähre in Halhjem, und bei der Rückfahrt vielleicht einen Schlenker über Flesland mitnehmen. Nun sind schwere Beine nach einer Fahrradtour ja ok und fast normal, nur heute hatte ich die schon am Anfang. Als ich meinen (dünnen) Pulli ausgezogen hatte und im T-Shirt weitergefahren bin, ging es schon etwas besser, oder vielleicht dachte ich das nur und es ging schon vorher gut? Kurz danach sah ich jedenfalls den Kalandsvatnet und einen Hammerblick und wusste wieder, warum ich fahre. Nach der Mittagspause durchquerte ich ein Truppenübungsgelände, auf dem gerade geschossen wurde, das war ein bisschen unheimlich… Danach war ein toller Berg: Kurz und kurvig und steil hoch, und dann eine lange, nicht so steile, aber fast schnurgerade Abfahrt, auf der man wunderbar schnell fahren konnte. Dadurch habe ich dann den Hammerblick auf den Lysefjord vorbeiziehen lassen, ohne ihn fotografieren zu können. Dafür gab's kurz danach ein anderes Bild. Das Gegenteil von diesem Berg hatte ich auch, leider: Eine lange, rechte gerade Auffahrt, die hinter jeder Kurve noch weiter ging. Wenigstens gab es diesmal einen schönen Blick am Kulminationspunkt (bei dem anderen war nur Wald zu sehen), aber auch diesmal schlecht fotografierbar. Waren am Ende 57 Kilometer, den Schlenker über Flesland habe ich weggelassen.
Bilck auf den Kalandsvatnet. Kurz vorher gab's noch einen schöneren, der war
aber aufgrund von Bäumen schlecht zu fotografieren.
Ich bei der Mittagspause vor Osøyro und einigen Bergen
(Selbstauslöser)
Der Lysefjord. Wieder selbes Problem: Bäume. (Und, dass ich nicht bremsen
wollte — ich bremse nicht für Bilder — weil die Abfahrt zu geil war
— siehe Text.)
Fanafjord — Hier musste ich zwar oft genug bremsen, hatte aber nur Bäume, es
wurde immer schlimmer…
Meine Kaffeepause nach etwa dreiviertel des Weges. (Selbstauslöser)
Ansonsten habe ich in der Uni mal wieder was geschafft, am Montag werde ich Laszlo mal meine ersten Ergebnisse zeigen, und vielleicht mache ich morgen mal eine Wanderung, mal sehen.
Bjørn, Tag 46, 16. September 2006
Wieder was anders
Und obwohl ich mich immer mehr an Fantoft und Bergen gewöhne, gibt's doch noch immer wieder was neues. Abgesehen von dem Postboten, der heute wohl die Rezeption gefragt hat, welches Postfach denn meines ist (ARGH!), was die nicht sicher wussten und mich erst fragen mussten (mal sehen, wieviel Post ich morgen habe!). Wegen der Mail, die die an mich geschrieben hatten, und Bauchschmerzen, die aber schon wieder rum sind, war ich heute sehr früh daheim (2 Uhr oder so) und bin nochmal aufgebrochen, um beim Lidl Brot zu holen. Auf dem Weg dahin, kurz bevor man da ist, führt der Weg eigentlich unsinnigerweise nochmal ein Stückchen hoch, und dann wieder runter. Mitten in der Steigung ist eine Brücke über die Straße, die man am Ende sowieso unterqueren muss. Heute habe ich mal diesen Weg ausprobieren wollen, und lande mitten bei einem Rema 1000. Da das Brot da genausoteuer ist wie beim Lidl und das Gemüse billiger, entschloss ich mich, den doch mal auszuprobieren und nicht zum Lidl weiterzufahren. Gute Idee! Denn die haben hier auch eine Brotschneidemaschine, eine nette Erfindung, die ich bis jetzt nur bei diesem sauteuren Supermarkt vor meiner Haustür gesehen habe (dem Safari). Also endlich weiß ich, wo ich billiges, geschnittenes Brot herkriegen kann!
Altes neues habe ich auch. Montag und Dienstag habe ich wie ein wilder rumgerechnet, gemerkt, dass meine Probleme von letzter Woche teilweise auf einem simplen Vorzeichenfehler beruhten (Hallo Johannes!), die Suppe, die ich untersuchte, außerdem nur nach "oben" und "unten" schmeckte, nicht auch noch seltsam, und das dann ad acta gelegt. Das Programm, das ich jetzt habe, hat schon einige Fortschritte gemacht (naja, heute aus Zeitmangel nicht so sehr), und ich denke, ich kriege es nächste Woche weitestgehend fertig. Blöderweise dauert es dann nach einer optimistischen Extrapolation etwa 14 Tage, bis es fertig gelaufen ist, aber in der Zeit kann ich schon mit was anderem weitermachen.
Und weil's so toll ist, noch ein Wort zum Wetter. Es sind heute 25 °C, es ist also fast so warm wie in Frankfurt, und an der Kasse im Rema habe ich eben in einer Zeitung gelesen, dass es auch so bleiben soll, wenigstens übers Wochenende. Ich bin momentan etwas unschlüssig, was ich da tun werde; mal auf einen Berg wandern oder doch wieder Radfahren? Aber wohin dann? Ich bin mal gespannt, zu was ich mich entscheiden werde.
Bjørn, Tag 44, 14. September 2006
Halbe Miete und Handys
Update: Der Schilderwald in Bergen
Mmhh… Ich fang mal mit den Handys an. Ich habe ja mal geschrieben, dass Norweger ganz ordentlich Autofahren, außer Busfahrern. Nun, in die Ausnahmeliste muss ich Taxifahrer dazunehmen. Außerdem, an alle, die das deutsche Handy-Verbot am Steuer albern finden: Wenn hier Autofahrer scheiße bauen, dann telefonieren sie dabei. Wirklich wahr.
Das mit der Miete? Nein, nein, ich habe weder Geldquellen aufgetan noch irgendwie ganz viel gespart, es geht um Projekt 7000. Hat jemand von euch zufälligerweise gerade ein paar Beine zuviel? Ich brauche dringend neue, wenigstens fühlt es sich so an: ich bin heute morgen um kurz vor halb elf zu einer weiteren Radtour aufgebrochen, die mich prinzipiell gegen den Uhrzeigersinn um die Berge östlich von Bergen geführt hat. Ich rechnete mit etwas weniger Kilometern als beim letzten Mal; also etwa 60 Kilometern. Waren's aber nicht, sondern 79. Als ich um etwa halb vier wiederkam, war mein Tacho dadurch vor gerade 600 Metern auf die 6500-Marke gesprungen, was mich doch ziemlich gefreut hat. Das ist zwar, da ich bei 6060 km angefangen haben, technisch gesehen nicht die halbe Miete, aber was soll's, es fühlt sich so an (sagen wir, es ist die "halbe Miete der Herzen"). Ich werde mir jetzt mal die Bilder angucken, und vielleicht einige davon ins Netz stellen, mal sehen.
Bei der ganzen Aktion hatte ich sogar noch einen persönlichen Erfolg; nicht, dass ich mich dieses mal nicht verfahren hätte (das hatte ich beim letzten Mal aus dem Blog ausgeblendet, merke ich grade), nein, aber ich habe dreimal nach dem Weg gefragt, und die Antwort verstanden — auf Norwegisch! Dies ging zwar jeweils erst nach der Bitte um langsames Sprechen, aber immerhin, auch das konnte ich auf Norwegisch (um ehrlich zu sein, das hatte ich hier auch zuerst gelernt). Und bei meiner Mittagspause einen ganz, ganz kurzen Smalltalk mit zwei Radfahrern, die den Berg hochgeschoben kamen, gehalten! *mirselberaufdieschulterklopf*.
So, jetzt nach vorne schauen; nächste Woche werde ich mal wieder Geld abheben müsen (wieder mit VISA, von der Polizei habe ich noch nix gehört, habe also noch kein Konto), nur das mit der Miete muss ich mir noch mal überlegen, ob ich die wieder teuer einzahle; außerdem muss ich mal wieder Wäsche waschen, wofür ich aber endlich mal eigenes Waschmittel nehmen soll (ich steh' da bei Sylvan ein bisschen in der Schuld). Und vielleicht schaffe ich es ja auch, in der Physik mal wieder was sinnvolles zu produzieren, wer weiß…
Dieses malerische, kleine Tal entdeckte ich keine 4 Kilometer von meinem
zuhause entfernt, in meinem Rücken ist ein großes, hässliches
Industriegebiet, von dem man aber noch nichts ahnen kann.
Das ist auf der "anderen" Seite der Berge aufgenommen (man sieht den Ort
Arna), ich dachte, diesen Wolken entkommen zu müssen, aber letzten
Endes waren sie harmlos.
Dieser wunderschöne Blick erquickte mich bei meiner Mittagspause nach etwa 45
Kilometern, ihr seht Salhus
Das ist der Fjord vor Bergen, der Byfjord (das heißt Stadtfjord).
Auf der anderen Seite des Wassers bin ich beim letzten Mal entlanggeradelt.
Prinzipiell das selbe Gewässer, aber diesmal etwas näher an Bergen. Man kann
die Halbinsel Nordnes erkennen, auf der ein großer (und schöner) Teil von
Bergen ist, den Løvstakken (der Berg in der Mitte des Bildes), den sehe ich
von der anderen Seite, wenn ich bei mir aus dem Fenster gucke (Fantoft ist in
dem Tal links davon)
Bjørn, Tag 40, 10. September 2006
Alles Wechselhaft
Schon wieder so ne Überschrift, ich scheine nicht sehr kreativ zu sein… Momentan bin ich sehr hin- und hergerissen, und zwar von allem. Wieder gleicht das Wetter dem, was man typischerweise im April erwartet, nach zwei recht schlechten Tagen waren heute Wolken am Himmel alle Einzelgänger, und es war sogar recht warm (aber ich höre, auch das Frankfurter Wetter lässt einiges zu wünschen übrig…). In der Uni macht der Norwegischkurs nach wie vor Spaß, und ich versuche, das neu- und wiedergelernte an den Leuten im Büro, an der Supermarktkasse und in den Vorlesungen auszuprobieren, mit wechselhaftem, aber im Mittel durchaus steigendem Erfolg. Und zur Not können hier alle Englisch (wenigstens alle Norweger).
Die Arbeit in der Uni kommt allerdings weniger schnell voran, ich versuche seit etwa eine Woche, ein Integral auf eins zu biegen, und finde einfach den fehlenden Faktor nicht. Das frustriert schon ganz schön, vor allem bei schlechtem Wetter (siehe oben), heute war's tatsächlich erträglicher.
Von daheim gibt's momentan nur gute Nachrichten; zwei meiner Freunde haben ihre Ex-Physik-Prüfung ziemlich gut bestanden, und auch andere Nachrichten lassen mich jubeln. Wie zum Beispiel 13 Tore gegen San Marino — verdammt, dieses Spiel hätte ich sehen wollen! Aber ein paar mehr Gründe, jetzt gerne daheim sein zu wollen, sind schon dazugekommen, die letzten Tage. Ach was soll ich sagen; hier geht langsam alles (s)einen gewohnten Gang und trotzdem ist irgendwie jeden Tag was neu (heute zum Beispiel ein neuer PostDoc in der Arbeitsgruppe, morgen eine frisch geölte Fahrradkette und eine frisch geöltes Fahrradschloss), und ich wäre gerne bei meinen Freunden und meiner Freundin, um mit ihnen zu feiern. Ich denke an euch! Und feier von hier aus mit: Gleich packe ich eine Apfelweinflasche aus. Mmmmhhh… *Hicks* bbisss dannnnn
Bjørn, Tag 37, 7. September 2006
Regen und Sonnenschein
Nun bin ich einen Monat und einen Tag in Fantoft, doch der neue Monat hat sich bis jetzt nicht sehr schön eingeführt; vor allem gestern gab es einen sehr sehr gut durchmischten Mix aus strahlend blauem Regen und sintflutartigen Regenfällen. Wenigstens habe ich es in einer Regenpause geschafft, einen Großeinkauf bei Lidl zu tätigen. Naja. Irgendwie ist mir langweilig, dieses Wochenende, deshalb habe ich ein bisschen an Bildern von mir rumgespielt: Meine Linke Hälfte und Meine Rechte Hälfte sind dabei herausgekommen. Was wohl meine bessere Hälfte ist? Keine Frage.
Bjørn, Tag 33, 2. September 2006
Erster Monat
Heute ist der letzte Tag des August, das heißt, ich bin seit einem Monat nicht mehr daheim, und seit heute genau drei Wochen ununterbrochen hier, Grund genug, heute mal wieder was zu schreiben.
Der Norwegisch-Kurs hat angefangen, und bis jetzt geht alles gut, auch deshalb, weil ich das alles schonmal gelernt habe, also muss ich da noch etwas warten, bis ich sagen kann, ob's toll ist oder nicht. Im Büro geht's auch ganz gut momentan, ich mache erstmal Fluss, v1 und v2. Da bin ich momentan ganz toll am programmieren, mal sehen, wie's wird. Und wie groß der Fluss wird. Die Vorlesungen sind weiterhin richtig gut, und ich lerne auch wirklich viel. Denke ich.
Ebenso gut lässt sich das Zusammenleben mit Sylvan an, wir sehen uns zwar kaum, weil wir doch recht unterschiedliche Tagesrythmen haben, aber wenn, kommen wir recht gut miteinander klar. Das Wetter ist wechselhaft; heute eher wolkig, gestern sonnig, davor regnerisch… gleich mehr dazu. Alles in allem also ziemlich viel, was hier passiert, gut. Ich wünsche mich zwar sehr nach Frankfurt zurück, aber weniger wegen den Umständen hier.
Bjørn, Tag 30, 31. August 2006
Projekt 7000
Ja, Projekt 7000 läuft. Nach dem ich Projekt 6000 ja beinahe verpasst hatte, aber dennoch erreichen konnte, heißt das Ziel nun: Wenn ich aus Bergen zurückkomme, will ich mindestens 7000 km auf meinem Fahrradtacho stehen haben. Naja, jede Woche fünfmal in die Uni, das sind jeweils 50 km, da kämen in einem Jahr sogar 2600 km zusammen, statt der 940, die ich bräuchte, aber wer weiß, wie's im Winter mit meiner Fahrradfahrmotivation aussieht. Aber seit heute bin ich mir sicher, dass das funktioniert, ich habe gerade einen 64 Kilometer langen Wochenendausflug hinter mir, und nach 105 km bis letzten Sonntag nun in dieser Woche weitere 132 km geschafft; mit 6300 jetzt sollten 7000 machbar sein. Hoffentlich.
Ich bin diese Woche — tolles Wetter übrigens, nur gestern und vorgestern abend zweimal Regen — dreimal einen kleinen Umweg heimzugs gefahren, um ein bisschen mehr von Bergen zu sehen. Naja, das erste Mal, um etwas mehr zu sehen, das zweite Mal, um den einen Blick vom ersten Mal zu fotografieren und das dritte Mal, um den Lidl zu suchen, von dem mir hier alle vorgeschwärmt haben. Aber sei's drum, Fahrradfahren macht hier Spaß, und außer *zensiert*-Busfahrern wissen die hier auch, wann man überholen kann, ohne den Radfahrer zu gefährden. Die lassen sich sogar eher viel Zeit damit.
Ein bisschen genauer weiß ich jetzt auch, was ich hier überhaupt mache, habe sogar schon den ersten kleinen Erfolg — ich habe Laszlos Hydro-Programm unter Linux zum Laufen gekriegt, und die beiden Chinesinnen, die dieses Projekt kurz vorher aufgegeben hatten, staunten nicht schlecht, als ich ihnen sagte, dass sie nur die Hilfe-Funktion des Compilers hätten aufrufen müssen. RTFM kann ich da nur sagen.
Auch die ersten Vorlesungen sind rum, ich höre mir Relativistic Quantum Mechanics and Field Theory (hier wird erst der hintere Teil mit der FT neu sein) und Quark- and Lepton- Physics (bis jetzt auch nur Wiederholung, aber das wird nächste Woche schon besser) an. Beides beim gleichen Prof, ziemlich gute Vorlesungen bis jetzt. Am Montag fängt auch (endlich) der Norwegisch-Kurs an.
Wozu ich den denn hören will, hat mich Laszlo gefragt, etwa, weil ich hier wohnen will? Denn sollte ich mit diesem Gedanken spielen, riet er mir, solle ich erst mit Dieter Röhrich, einem deutschen Professor hier, reden, und ich würde "schnell meine Meinung ändern". Irgendwann werde ich Dieter mal fragen.
Ansonsten, mal sehen… Wetter, Fahrrad, Uni… sonst gibt's, glaub ich, nix. Ich höre jetzt täglich Radio, hr3, und habe es sogar geschafft, immer online zu bleiben und mich davon wecken zu lassen, das hilft ungemein gegen Heimweh. Mein Bildschirmschoner geht nicht mehr an, auch nicht die Abwesenheitsmeldung bei Skype oder ICQ, deswegen bin ich da jetzt immer "extended away" bzw "nicht verfügbar", auch, wenn ich vielleicht grade Blog schreibe (so wie jetzt). Also, einfach versuchen!
Bjørn, Tag 25, 26. August 2006
Mein Zimmer
Wie versprochen, habe ich ganz viele Bilder in meinem Zimmer aufgehängt. Danke an alle, die Fotografiert haben.
Die Ecke neben dem Fenster
Ein Stück nach links gedreht: Die Ecke von meinem Bett.
Die Wand entlang meines Bettes.
Mein Bett, ausnahmsweise mal ordentlich (war nur für das Bild).
Mein Bett, ausnahmsweise mal ordentlich (war nur für das Bild).
Die andere Hälfte vom Schreibtisch. Ach, so sieht das ohne den Papierkram darauf aus…
Nach Vollendung dieser Runde durchs Zimmer der Blick durchs Fenster. Das
graue da unten ist die Rezeption (rechts) bzw. der Club Fantoft (links), das
blau-weiße in der Mitte rechts ist die Sporthalle (kenn ich nur von außen).
Die Innenstadt von Bergen ist rechts.
Bjørn, 22. August 2006
Erfolg!
Endlich hat es geklappt, ich kann jetzt die Webseiten mit einem Knopfdruck aktualisieren. So kann ich leichter und damit werde ich öfters neue Sachen schreiben, damit nicht wieder alle tagelang das Gefühl haben, bei mir ist alles Scheiße, obwohl's doch grade wieder gut läuft!
Ja, es geht wieder besser. Die beiden Regentage sind die einzigen geblieben; Donnerstag, Freitag, Sonntag und heute (Montag) waren sonnig. Was mit Samstag ist? Nun, hier in Bergen soll es geregnet haben, aber ich war auf einem sehr coolen Schiffsausflug durch die Fjorde, den uns (= den Internationalen) die Uni spendiert hat, und da war es bewölkt, mit etwas Sonnenschein und etwas Regen, aber die beiden hielten sich die Waage.
Seit Donnerstag nachmittag habe ich einen recht netten Mitbewohner, Sylvan, US-Amerikanischer Psychologie-Student aus Montana, der auf die härtere Sorte Musik steht (Rammstein und so). Er war aus seiner anderen Wohnung zwei Etagen weiter unten geflüchtet, weil der Kerl da wohl ziemlich komisch war.
Noch mehr zum freuen: Ich habe mal eine Antwort auf das Blog bekommen (habe ich irgendwo den Eindruck geweckt, ich will keine E-Mails erhalten?), und diese machte mich auf eine scheinbare Widersprüchlichkeit in den Texten aufmerksam. Wer findet's auch? Danke soweit an Gudrun & Gebhard Kabelitz.
Auch die Bilder habe ich endlich zugreifbar, ich werde sie heute abend noch etwas bearbeiten, auswählen und einige davon zugänglich machen.
P.S.: Außerdem ist es jetzt wieder so warm wie in Frankfurt. Ha!
Das Bild ist lange entstanden, bevor ich wusste, dass dort mein Büro zu sehen
ist; gleich am ersten Tag.
Mein Schreibtisch
Der Blick aus dem Büro (die schöne Seite)
Bjørn, Tag 20, 21. August 2006
Wo ich wohne
Ich versuche momentan immernoch, die Bilder von meinem Raum
auf einen PC zu kriegen, das gestaltet sich schwieriger als gedacht.
Bis dahin schon mal ein paar Informationen zu meiner Wohnsituation: Das
Zimmer ist 17 Quadratmeter groß, hat Blick auf das Tal, nicht auf den
Hügel, und ich teile Küche und Bad mit einer anderen Wohneinheit, die
aber noch immer unbelegt ist.
Kaum im Netz, schon veraltet (ist beim Hochladen aber auch schon 4 Tage alt gewesen). Siehe den Blog-Artikel vom 21. August.
Bjørn, 17. August 2006
Regen, Behörden
Beides gleich ärgerlich und endgültig über mich hereingebrochen. Gestern und vorgestern hat es kaum aufgehört, zu regnen, und es ist auch jetztmal kälter als in Frankfurt. Verdammt.
Was die Behördern angeht: Ich habe große Probleme, ein Konto zu eröffnen, was recht wichtig wäre, um Sachen wie die Miete zu bezahlen (vom Automaten Geld abzuheben ist wesentlich teurer als Überweisungen, die wohl auch kostenlos sein können). Nun, woher kommt das Problem? Um ein Konto zu eröffnen, braucht man eine Norwegische ID-Nummer, die bekommt man vom Folkeregistret (etwa unser Einwohnermelde- oder Bürgeramt), aber nicht, bevor man eine Aufenthaltsgenehmigung hat. Diese wiederum wird von der Ausländerstelle bei der Polizei ausgestellt. Soll ganz schnell gehen, wurde mir von der norwegischen Botschaft in Deutschland gesagt. Dauert 6-8 Wochen, wurde mir hier gesagt. Na toll. Aber so ein Glück; die Polizei kommt zur Uni, um ein beschleunigtes Verfahren für alle International Students durchzuführen. Das sei, sagen alle Broschüren, ein "integraler Bestandteil der Einführungswoche" (diese geht von vorgestern, den 14., bis übermorgen, den 18. August). Was erwartet man, wann die Polizei kommt? Irgendwann in dieser Woche? Weit gefehlt, sie kommen am 31. August. Das verletzt zwar u.a. die Regel, dass man sich innerhalb von sieben Tagen auf eine Aufenthaltsgenehmigung bewerben muss und macht es auch unmöglich, bis 28. August ein Konto zu haben, von dem man aus die Miete bezahlen soll (dann wird sie fällig), aber das bockt hier keinen.
Besonders doof ist es natürlich, wenn man wie ich Panik kriegt und sich nicht auf die bestklingenste von mehreren widersprüchlichen Angaben verlässt und dann am bis dahin verregnesten Tag zu allen möglichen Stellen rennt und nachfragt — das habe ich heute morgen getan. Wenigstens gut, zu merken, dass ich mich auf die Regenjacke, Regenhose und Regenschuhe recht gut verlassen kann. Dafür sind meine Fahrradhandschuhe bald total durchgeweicht gewesen, und komischerweise waren sie salzig (fragt nicht, woher ich das weiß).
Es gibt noch mehr hier, was gerade suboptimal läuft; die Internetverbindung ist totaler Mist. Man muss sich mit jedem Programm, das aufs Internet zugreifen will, separat bei einem Proxy anmelden, um ins Netz zu bekommen, aber dann doch nicht, und überhaupt und sowieso. Wie toll doch unser HRZ ist! Mails verschicken kann ich nicht gut, wenigstens nicht von meinen normalen Adressen, weil der Zugang zu SMTP-Servern (das sind Server, zu denen man ausgehende Mails schickt, wenn man sie mit Programmen wie Firefox schickt) blockiert ist — ok, dass tue das HRZ auch, wurde mir gesagt.
Alles schlecht also? Nicht wirklich. Heute habe ich nämlich auch Karten für einen Bootsausflug am Samstag geholt, der kostenlos ist und für alle neuen International Students organisiert wurde. Außerdem habe ich endlich Laszlo, meinen Prof, angetroffen, mit ihm über die Kurse, die ich belegen werde, und meine Diplomarbeit gesprochen und ein Büro bekommen. Dort steht zwar ein — mein — Schreibtisch zu wenig und einen PC habe ich auch noch nicht, aber das soll jetzt bald kommen.
Naja, eines ist noch schlecht; es dauert noch 51 Tage (ohne heute), bis ich wieder in Frankfurt bin… *vermiss*. Ich denke, ich werde am Wochenende mal eine Flasche Ebbelwoi aufmachen.
Bjørn, Tag 15, 16. August 2006
Wieder da
Diese Zeilen schreibe ich wieder ohne Internetverbindung; diese werde ich wohl erst morgen bekommen. Ich bastele weiter am Layout der Homepage, und versuche gerade ein Content Management System zu schreiben, was sich mit meinen begrenzten Programmierkenntnissen etwas schwierig gestaltet. Nun ja.
Ich habe gestern die Bilder aufgehängt, von jeder Seite strahlen mich nun fröhliche Gesichter an. Bei Gelegenheit lade ich die Bilder davon hoch. Das Wetter ist mal wieder super, und langsam beginne ich, diese Märchen von der Regenstadt Bergen zu vergessen…
Leider hilft das Wetter wenig, nicht die ganze Zeit wehmütig an
Frankfurt zu denken, vor allem, da ich den Ebbelwein daheim hab liegen
lassen, ich Idiot.
Soviel für heute
Bjørn, Tag 11, 12. August 2006
Angekommen
Die ersten Tage Bergen liegen hinter mir. Das Zimmer ist eingerichtet und die meisten Sehenswürdigkeiten mit Hannah besichtigt. Und das Beste: Das Wetter ist super! Nur gestern etwas bewölkt, aber ansonsten strahlend blauer Himmel. Leckere, süße Himbeeren und Erdbeeren haben wir schon gefuttert, und Johannisbeeren am Wegrand abgeerntet. Mit anderen Worten: Alles toll. Heute werden wir wohl nur Faulenzen, bevor es morgen dann nach Kristiansand zur Fähre und am Dienstag nach Frankfurt geht.
Bjørn, Tag 5, 6. August 2006
Wer bin ich
Ich bin Bjørn, ein 22-jähriger Physik-Student, aus Frankfurt am Main in Deutschland. Ich studiere seit Oktober 2003 an der Universität Frankfurt Physik und bin nun für ein Jahr in Bergen in Norwegen, um meine Diplomarbeit zu schreiben. Ihr Arbeitstitel ist Unterdrückung von Di-Jets mit hohem Transversalimpuls in ultrarelativistischen Schwerionenkollisionen — Observablen bei ALICE@LHC, diesen zu erklären, werde ich hier nicht versuchen. Es gehört zu der großen Aufgabe, die kleinsten Bestandteile der Materie zu verstehn. Ein Teil dieser Aufgabe wird mit Sicherheit auch Baryonenzählen sein…
Bjørn, 1. August 2006
Der Anfang…
…vom Ende. Heute ist Freitag, Montag geht's los. *Aufgeregtsei*. Ich habe heute eine Grundregel verletzt: Never Change A Running URL. Naja, ich hab ein wenig rumgeschoben, aber alles ist noch da, irgendwo. Hoffentlich keine Broken Links, aber das kann ich nicht garantieren. Irgendwie brauch ich wieder ein paar neue Zitate; vielleicht finde ich ein paar hübsche Norwegische. Mal sehen. Irgendwie habe ich grade einen Kloß im Hals, und mir fällt eines meiner Lieblingszitate ein (mit Glück ist es auch rechts oben zu sehen): Coming Back To Where You Started Is Not The Same As Never Leaving. Denkt daran (Notiz an mich selbst: Denke auch du daran!).
Bjørn, 28. Juli 2006
Projekt 6000
Langsam wird's ernst: Noch 41 Tage und 99 km…
Mittwoch, 21.06.,
morgens: 40 Tage (mit heute); 84 km (wenn ich das nicht schaffe…)
Donnerstag, 22.06., mittags: 38,5 Tage; 72 km
Dienstag, 27.06.,
mittags: 33,5 Tage; 47 km (yeah yeah yeah — vielleicht sollte ich auf 6100
erhöhen?)
Hehe… hat jetzt doch etwas länger gedauert… aber nun ist
es vollbracht! 6009 km steht jetzt auf dem Tacho! Juchuh! (Donnerstag, 13.
Juli 2006.) Übrigens; noch 17,5 Tage jetzt…
Bjørn
2 Bäume für Bergen
Ich bewerbe mich für eine Professor/Juniorprofessor-Position in Bergen. So weit, so gut. Nachdem ich einen schönen Brief an das Komitee verfasst hatte, fand ich heraus, dass man sich über offizielle staatliche norwegische Bewerbungssystem bewerben muss, was bedeutet, dass ich meinen Lebenslauf und Brief auseinanderpflücken und getrennt in einem komischen Webformular hochladen muss. Naja, ich kann irgendwo verstehen, wie das den Auswahlprozess einfacher macht, also füge ich mich gerne.
Eine der Anforderungen hieß aber "Wissenschafltiche Arbeiten, publiziert oder unpubliziert, sollten in fünf Kopien, voll inventarisiert und sortiert in fünf identische Bündel, mit normaler Post nach [Adresse] geschickt werden". Da ich mir nicht sicher war, ob das ernstzunehmen ist, und da ich auch nicht wusste, welche wissenschaftlichen Arbeiten die meinen, fragte ich meinen alten Bergener Betreuer, der grade Frankfurt besucht. Ja, sagte er, wir lesen zwar durchaus noch auf Papier, aber wir haben Drucker und würden uns das, was uns interessiert, selbst ausdrucken, ich brauche es also nicht wirklich mit der echten Post verschicken.
Am Mittwoch erhielt ich dann eine Nachricht (Übersetzung von mir):
Wir bemerken, dass die wissenschaftlichen Arbeiten, nach denen wir gefragt haben, noch fehlen. Daher haben wir unzureichende Informationen, um Sie als Bewerber zu beurteilen.
Wir bitten Sie darum, spätestens 8 Tage nach Erhalt dieser Nachricht die fehlenden Dokumente einzuschicken:
… und der alte Text. Es scheint also, dass sie dann doch die Bäume sterben sehen wollen. Naja, Öko der ich nunmal bin, wollte ich absolut sicher gehen, was die denn wollen, also versuchte ich, einen Kontakt in Bergen ausfindig zu machen (das Bewerbungssystem macht es nicht direkt einfach, Fragen über das Verfahren zu stellen) und versuchte auch, Wissenschaflter mit Englisch als Muttersprache zu Fragen, was das genau bedeutet:
Does "Your scholarly works, published or unpublished" mean every paper&thesis I've ever written? #followerpower cc @DrMRFrancis @AstroKatie
DrMRFrancis ist ein Wissenschaftsjournalist, den ich letztes Jahr bei der Quark Matter getroffen hatte, und ich folge AstroKatie seit kurz danach. Da ich typischerweise nicht auf Englisch twittere, glaube ich nicht, dass mir irgendein Englisch-Muttersprachiger Wissenschaflter folgt, deswegen habe ich die beiden explizit erwähnt. Lange Rede kurzer Sinn: AstroKatie antwortete, dass das scheinbar alles bedeutet, inklusive Papers und Abschlussarbeiten. Danke nochmal, AstroKatie!
Nun musste ich also alle meine Paper und Arbeiten vorbereiten und ein Inhaltsverzeichnis schreiben. Weil ich noch nicht allzulange Wissenschaflter bin, sind das 341 Seiten. Doppelseitig bedruckt und zwei Seiten auf einer, sind das dann immernoch 85×5 = 425 Blätter. Mit einem Gewicht von 80 g/m² und DIN A4-Papier (was 1/16 m² groß ist), komme ich auf ein Päckchen, das 2,2 kg schwer ist.
Noch unentschieden, was ich machen solle (und noch auf Antwort aus Bergen wartend), ging ich heim. Am Abend bekam ich eine Mail von einem befreundeten Forscher, der mir erzählte, er habe sich in Bergen auf eine Stelle beworben, und er muss alle seine Paper… naja, ich glaube, es ist klar, was er sagte. Er schrieb weiter:
Ich wohne in New York, wenn ich es heute schicke und sicher gehen will, dass es ankommt, muss ich hunderte, wenn nicht tausende Dollar bezahlen. [Dieser eine Bergener Professor] ist auf einer Konferenz diese Woche und kann mir also auch nicht helfen, ich überlege deswegen, wen ich in Bergen kenne.
Wenn du jemanden kennst, der mir diese blöden Dateien drucken kann und nach [Adresse] schicken kann, ich werde sofort alle Kosten per Überweisung begleichen, die irgendjemand damit hat (Druckkosten und so).
Meine Antwort war im Prinzip "ich auch, ich auch, ich auch, ich auch, nein." – ich kenne niemanden mehr in Bergen. Aber, schlug ich vor, da ich eh auch Zeugs drucken muss und per Mail schicken muss, könnte ich sein Zeugs einfach gleich mitdrucken, und ein großen Päckchen schicken.
Da er älter und länger dabei ist als ich, sind seine gesammelten Arbeiten 891 Seiten lang. (Eine Sache allerdings: Er druckt ein ganzes 185seitiges Paper aus, zu dem wir beide jeweils zwei Seiten beigetragen hatten. Ich habe nur diese zwei Seiten gedruckt. Dafür hat er scheinbar seine Abschlussarbeiten nicht dabei.) Er stimmte zu, auch seine Sachen klein und doppelseitig zu drucken, also sind wir bei 223×5 = 1115 Blättern für ihn angekommen, oder zusätzliche 5,6 kg. Zusammen haben wir 3240 Seiten und 7,7 kg. Daheim habe ich meinen alten ThinkPad-Karton gefunden, der in etwa DIN A4-Größe hat.
Während ich gedruckt habe, wollte ich mich entscheiden, wie ich eigentlich das Päckchen verschicken sollte. DHL, UPS, FedEx, GLS und TNT fielen mir ein. Die Parameter sind: Ankunft spätestens Mittwoch, 20. März, ein Päckchen mit 38×33×25 cm und 8 kg Gewicht, von Frankfurt nach Bergen. GLS und UPS zeigen auf ihrer Webseite keine Versandkosten, was schade war, weil das langsamste bei UPS (= das billigste?) am Mittwoch garantiert geliefert würde. Preise gibt's aber nur für Versand innerhalb der EU. Die Webseite von TNT geht gar nicht, weder in Opera, noch Firefox, noch Chrome, und GLS verschickt gar nicht nach Norwegen.
DHL bietet 35 € an für ein Paket, dass – ohne Garantie — in 7-8 Tagen geliefert würde, und 47 € für 4-5 Tage, wieder nicht garantiert. Oder Übernacht-Lieferung für 151,90 €. FedEx bietet 68,03 € für Donnerstag (was zu spät ist) oder 203,51 € für Dienstag. Beim zweiten Versuch (um einem Kollegen zu zeigen, wie lächerlich teuer das ist), waren die Preise scheinbar niedriger. Was. Zum. Teufel.
Also, DHL. Bleibt noch die Frage, wie ich das zusammenbinden sollte. Für meine mickrigen 85 Blätter hilft ein Schnellhefter, aber für die 223 Blätter von dem anderen Kerl wird es schwierig, also habe ich einen dünnen Aktenordner benutzt. Naja, seht selbst:
The other guy's papers in a file folder: Doesn't fit!
Des anderen Publikationen in einem Schnellhefter: Passt nicht!
My papers, on the other hand, do fit. Yay.
Meine Paper, auf der anderen Seite, passen. Jippie.
I would have sent this. The large ring binders are his', the small
green file folders are mine.
Das hätte ich geschickt. Die Ringordner sind seine, die grünen
Schnellhefter meine.
Nachdem ich vier der fünf Bündel für uns beide gelocht hatte, bekam ich eine e-Mail, mit vier Bewerbern (mich eingeschlossen) in CC (anstatt in BCC, womit die Vertraulichkeit der Bewerbung gewahrt geblieben wäre, aber das ich noch das kleinste Problem):
Bewerbung für Professur
Liebe Bewerber,
Probleme beim Senden mit normaler Post.
Ich habe die Sache mit unserem Geschäftsführer diskutiert und wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass Sie die erbetenen Dokumente (wissenschaftliche Paper) auf CDs einsenden können. Sie müssen dann 5 CDs statt 5 Stapel wissenschaftliche Papier schicken.
[…]
Mann, war ich sauer in dem Moment. Die Bäume waren tot und ihre Reste mit Tinte verschmiert, und jetzt sagen die mir, alles umsonst? Ich musste mich wirklich zurückhalten, nicht eine e-Mail zu verschicken, in der ich mich bedanke, dass ich jetzt weiß, wer sich noch alles beworben hat und die Dame zu fragen, ob denn CDs auch okay sind, oder ob wir nicht doch eine Stufe mehr low-tech sein wollen und 3,5-Zoll-Disketten schicken sollten. Naja, geschrieben hatte ich das, aber nicht geschickt. Warum kann ich nicht einfach mein Zeugs irgendwo hochladen oder, noch besser, einen Link schicken, wo das sowieso öffentlich lesbar ist? Naja, aber vergleichsweise wurde alles dadurch billiger.
Letzten Endes habe ich die 5 CDs am Freitag morgen gebrannt und als 250-Gramm-Brief für 8,57 Euro verschickt. Jetzt warte ich darauf, dass die mich zu einem Talk einladen.
This is what I sent in the end: Five f-ing CDs.
Das habe ich letztendlich geschickt: Fünf verf-te CDs.
The complete letter I sent in the end. Format approximately A4, and
the duct tape I used to close the letter is a left-over from the last
(2009) German Parliament Election.
Der komplette Brief, wie ich ihn am Ende verschickt habe. Etwa DIN
A4-groß, und das Klebeband ist noch von den letzten Bundestagswahlen
übrig (2009).
Bjørn, 15. März 2013
2 trees to Bergen
(Das ist mein erster Blog-Eintrag auf Englisch. Eine Deutsche Übersetzung gibt es auch.
I am applying for a professor/assistant professor position in Bergen. So far, so good. After having crafted a nice letter to the committee, I found out that I have to apply via the Norwegian Government's official Application system, which means I basically had to tear apart my whole CV, my letter and everything and upload it in pieces using some strange web form. Well, somehow I can understand how this might make the evaluation process easier, so I am willing to abide by that.
One of the requirements, though, read "Scholarly works, published or unpublished, should be sent in 5 copies, fully inventoried and sorted into 5 identical bundles, by ordinary mail to [address]". Not being sure if I should take this seriously, and not knowing, which scholarly works they refer to, I talked to my former Bergen supervisor, who is visiting Frankfurt at the moment. He told that although, yes, indeed, they do usually still read on paper, they have printers and access to basically all publications on the web, so no need to send actual paper through the actual mail.
On Wednesday, I received a notification which read:
We note that the scholarly works we asked for in the announcement for the position are missing. Therefore, we have insufficient information to evaluate you as an applicant.
We ask that you no later than 8 days after you have received this message send us the missing documents, which are:
… and the previous specification. It seems, after all, that they do want trees to die. Well, treehugger that I am, I tried to make absolutely sure that is what they want, so I tried to figure out who to talk to in Bergen (the application system does not make it exactly easy to ask questions regarding the procedure) and also tried to ask some scientists who are native english speakers what exactly that meant:
Does "Your scholarly works, published or unpublished" mean every paper&thesis I've ever written? #followerpower cc @DrMRFrancis @AstroKatie
DrMRFrancis is a guy I met at Quark Matter last year, and I've been following AstroKatie since shortly afterwards. Since I don't usually tweet in english, I don't think any english-native scientist follows me, therefore I mentioned these two explicitly to make them aware of my question. Long story short, AstroKatie answered that this seems to mean everything, including papers and theses. Thank you again, AstroKatie!
Now, I had to prepare and inventorise all my papers and theses. Not having been a researcher for all too long, they amount to 341 pages. Printing them two-pages-on-one and double sided, this still means 85×5 = 425 sheets of paper. Assuming a paper weight of 80 g/m² (and using A4-paper, which is 1/16 m²), this will make a package of 2.2 kg.
Not having decided exactly what to do (and still waiting for an answer from Bergen), I went home. In the evening, I got an e-mail from a friend researcher, saying that he applied to a job in Bergen, was asked for a copy of every… well, I think you can fill in the blanks. He went on:
I live in New York, if I send it today and make sure it arrives, it will be hundreds, thousands of dollars. [That Bergen professor] is away on a conference this week, so he cannot help me, I am looking around who I know in Bergen.
If you know anyone who can print these stupid files, and send them to [address] I will immediately refund you any expense anyone spends on this (printing as such) with a bank transfer.
Well, my answer was basically "me too, me too, me too, me too, no." — I do not have any ties left to Bergen. But, I suggested, since I am going to print that stuff anyways and send it by mail, I would be willing to print his stuff right along, and send one big package.
Since he is older than me and has written a lot more papers than I have, his collected works amount to 891 pages. (One thing to mention, though: he prints the entirety of a paper with 185 pages, which both of us co-authored — contributing two pages each. I only include those pages. He, on the other hand, does not seem to include his theses.) He agreed to also print them small and two-paged, so we're down to 223×5 = 1115 papers on his account, adding another 5.6 kg to the package. Together, we will have 3240 pages and 7.7 kg. At home, I found the old box my ThinkPad came in, whose dimensions are roughly A4-sized.
While printing, I tried to figure out how to send the package. Basically, five options came to mind: DHL, UPS, FedEx, GLS, TNT. The parameters I need are: Arrival on or before Wednesday, March 20th, of a package 38×33×25 cm with a weight of 8 kg, from Frankfurt, Germany to Bergen, Norway. For GLS and UPS, I was unable to find out shipping costs online: UPS told me that there are three offers, the slowest of which (and I presume that will also be the cheapest) guarantees delivery by Wednesday. Prices, though, are only available for shipping to other EU-countries (which Norway isn't). TNT has a completely disfunctional website, that neither Opera nor Firefox nor Chrome could display properly, and GLS don't deliver to Norway at all.
DHL offers 35 € for a package that takes 7-8 days to deliver, but no guarantees. They also offer 47 € for a package that takes 4-5 days to deliver, but no guarantees either. And they offer 151.90 € for a guaranteed overnight delivery. FedEx offers 68.03 € for a package delivered on thursday (which is too late) and 203.51 € for a delivery on tuesday. On second try here (to show the ridiculous prices to a colleague), prices were different for the exact same thing. What. The. Fuck.
Anyways, DHL it is. Still, the question remains how I should bundle the printouts together. For my puny 85 sheets of paper, a File folder may be sufficient, but the other guy's 223 sheets prove difficult, so I used small ring binders. Well, see for yourself:
The other guy's papers in a file folder: Doesn't fit!
Des anderen Publikationen in einem Schnellhefter: Passt nicht!
My papers, on the other hand, do fit. Yay.
Meine Paper, auf der anderen Seite, passen. Jippie.
I would have sent this. The large ring binders are his', the small
green file folders are mine.
Das hätte ich geschickt. Die Ringordner sind seine, die grünen
Schnellhefter meine.
After having punched wholes through four of the five bundles for each of us, I received an e-mail, with four applicants (including me) in CC (instead of putting us in BCC, thus preserving our privacy, but, well, that's just the least of the problems):
Applicatons for professorship
Dear applicants,
Problems with sending papers by ordinary mail.
I have discussed the matter with our Head of Administration and we have concluded that you can send the requested documents (scientific papers) on CDs. You must then send 5 CDs instead of 5 stacks of scientific papers.
[…]
Boy, was I mad at that moment. The trees were dead and their remainders sullied with ink and now they tell me, all was in vain? I really had to restrain myself from actually sending a mail thanking the lady that I now know who else applied and making sure that they can handle such high-tech devices like CD-ROMs or if they didn't maybe prefer 3.5" floppy disks. Well, I wrote it, but I didn't send it. Why I cannot simply upload my stuff somewhere – or better still, send them a link to where it is anyway – I don't know. But it made everything cheap from there.
In the end, I burned 5 CDs on friday morning, and sent them as a 250-gramms-letter for 8.57 Euros. Now I am waiting for them to invite me to give a talk.
This is what I sent in the end: Five f-ing CDs.
Das habe ich letztendlich geschickt: Fünf verf-te CDs.
The complete letter I sent in the end. Format approximately A4, and
the duct tape I used to close the letter is a left-over from the last
(2009) German Parliament Election.
Der komplette Brief, wie ich ihn am Ende verschickt habe. Etwa DIN
A4-groß, und das Klebeband ist noch von den letzten Bundestagswahlen
übrig (2009).
Bjørn, 15. März 2013
Langsamer Start
Dieses Jahr hat nicht ganz so angefangen wie geplant: ich bin heute, am 57. Tag diesen Jahres, erst das dritte Mal mit dem Fahrrad auf die Arbeit gefahren. Selbst wenn man die Kranktage am Anfang des Jahres abzieht, habe ich mich also nur jeden 9. Arbeitstag auf den Drahtesel geschwungen. Dann war auch noch meine Brille in der Mitte durchgebrochen und recht lange in der Reparatur. Und außer einer Veranstaltung an der TU Darmstadt und einem Abendessen in Hanau war ich im Januar nicht außerhalb Frankfurts.
Jetzt kommt das Jahr aber für mich langsam in Fahrt. Meine UKS ist kurz vor Fasching wieder nach Frankfurt zurück gezogen, dazu bin ich mit dem freundlichen Herren in Blau im ICE nach Leipzig gefahren, um ihr beim Packen zu helfen und sie heimzufahren. Eine Woche darauf war ich mit Fips Modellbahnstellwerk spielen, dazu mussten wir wenigstens nach Darmstadt. Seit einer Woche habe ich nun meine Brille wieder — die Reparatur, bzw. der Austausch, war tatsächlich kostenlos. Und seit gestern habe ich auch wieder eine Kamera — ich habe mich von Johannes' Urteil überzeugen lassen und eine etwas teurere Kamera mit großem Chip gekauft. Mehr Werbung gibt's aber erst, wenn ich die etwas ausprobiert habe.
Die nächsten vier Wochenenden sind dann auch von Reisen geprägt: Zuerst geht es Zug nach Dresden, wo ich eine Woche lang an der Frühjahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft teilnehmen werde. Vielleicht habe ich währenddessen die Möglichkeit, mal bei einer der sächsischen Schmalspurbahnen vorbeizuschauen. Sowohl Hin- als auch Rückfahrt passiert im Zug in einer großen Gruppe; ich habe Gruppentickets organisiert, für 11 Personen bei der Hinfahrt und 13 bei der Rückfahrt. Man, ist das kompliziert bei der Bahn.
Eine Woche, nachdem ich zurückkomme, geht es schon mit der Bahn nach Zürich, Johannes, Luisa und noch zwei andere Leute besuchen (die ich aber noch nicht kenne). Und noch eine Woche später bin ich dann mal zur Abwechslung bei Herford zu Gast. Und, weil das dann immernoch nicht genug ist, bin ich dann noch zwei Tage an der GSI. Und dann ist der März auch schon um. Naja, und bis dahin wollte ich eigentlich noch etwa 236 km Fahrrad gefahren sein…
Für den Rest des Jahres gibt es teilweise auch schon Pläne, aber am Wichtigsten dabei ist ein Urlaub in Norwegen! Mit Zug, Fähre und auch Leihauto(s). Drei Wochen im Juli. Bis dahin muss ich die neue Kamera wirklich bedienen können. Und 500 km Rad gefahren sein. Und dann war auch dieses Jahr die Pfingstfreizeit vom Gitarrenorchester, und die 100-Jahr-Feier meiner alten Schule (mit Chorauftritt) und natürluch auch wieder die Night of Science und das [Φ]FA-Turnier und ganz aktuell das leckende Abflussrohr aus dem Waschbecken daheim.
Uff. Wird wieder anstrengend.
Bjørn, 26. Februar 2013
Bybane
Ich bin momentan wieder in meiner zweiten Heimat. Hier in Bergen ist die Stadtbahn seit kurz nach meinem letzten Besuch im Betrieb und scheint nach allem, was ich sehen kann, gut in den Winter gekommen zu sein. Winter. Ja, den gibt's in Bergen wirklich, auch wenn das damals, vor ja mittlerweile 4 Jahren, überhaupt nicht so ausgesehen hat. Heute ist aber blauer Himmel und Sonnenschein, und so habe ich eben ein paar Bilder von der Stadtbahn gemacht. Jetzt sitze ich in der Bybane auf dem Weg in die Uni, denn in knapp zwei Stunden hat Szabolcs seine Verteidigung. Morgen ist Yun dran, aber schon um 10 Uhr, da werde ich wohl vorher keine Zeit haben, fotografieren zu gehen, denn hell ist es hier nicht vor halb neun. In Nesttun, dem südlichen Endpunkt der Strecke, war noch um halb elf keine Sonne.
Der Flug nach Bergen war ok, aber verspätet (warum beschweren sich eigentlich die Leute immer über die Bahn, aber selten über Staus und Flugzeuge?) und der Transfer in die Stadt einwandfrei. Das Jugendherbergszimmer ist zwar etwas schwierig zu lüften, dafür gab es heute morgen Lachs zum Frühstück. Das ist schon nett! Nochwas zur Stadtbahn: Man merkt, dass das ein deutsches System ist. Schon im Mai war mir aufgefallen, dass die Signale deutsch sind (ein Weichenkontakt wird mit einem weißen W auf blauem Grund beschildert, aber "Weiche" heißt auf Norwegisch "Veksel"), eben habe ich im Display des Führerstandes "kleinere Störung" (eben auf Deutsch) gelesen. Nicht, dass ich mich beschweren wollte, aber lustig ist das. In den Tunnels, in denen man von manchen Stellen nicht eines der beiden Portale sehen kann, gibt es lustige Beleuchtungen; in dem einen weiße und magentafarbene Blöcke (sieht fast wie Werbung für einen großen deutschen Telekommunikationsanbieter aus), in dem anderen hängen blau/weiße bzw rot/weiße Lichtschlangenlinien an der Wand.
Das Bussystem hat sich mit Einführung der Stadtbahn und vor allem jetzt mit Beginn der Bauarbeiten auf dem zweiten Abschnitt (Nesttun-Lagunen) stark verändert, und es ist nicht direkt leicht, sich jetzt noch zurecht zu finden. Aber dafür geht es wenigstens mit der Informationspolitik aufwärts; die Stadtbahnstationen haben recht ausführliche Informationen wo man ist, wo Busstationen in der Nähe sind, wann eine Bahn fährt, und wie man welche Fahrkarte kaufen kann. Leider sind die Busstationen häufig noch im selben Zustand wie vor vier Jahren: Entweder keine Information, oder nur über ein paar der Linien, die da fahren, meistens nicht mal der Name der Haltestelle. Aber, wie gesagt, die Bahn ist da wesentlich weiter; es besteht also noch Hoffnung.
Bjørn, 9. Dezember 2010
Stadtbahn in Bergen
Donnerstag und Freitag waren wieder sehr regnerisch, deswegen hielt es mich doch im Büro. Freitag abend allerdings war es trocken und ich lief nach Fantoft, um auf dem Weg dorthin möglichst viele Bilder der Stadtbahn zu machen. Was sich durch den Bau der Stadtbahn alles verändert hat, war schon sehr beeindruckend, und viel zu viel, um im Detail hier erwähnt zu werden. Leider hatte ich 2007 doch nicht so viele Bilder gemacht, die ich jetzt sinnvoll vergleichen kann, aber naja.
Tunnelportal in Fantoft (Tunnel aus Sletten). Oben: vor dem Bau (1. April
2007), Unten: Heute (2. Mai 2010)
Testfahrt (Wagen 203) in Wergeland Station, blick Richtung Norden (Fahrt nach
Depot Kronstad). Links der Mitte das alte Wartehäuschen der
Straßenbahnschleife Minde (Trikkesløype Minde)
Station Fantoft mit Tunnelportal nach Paradis und neugebauter Erweiterung für
die Studentenwohnungen
Blick von Süden zur Station Troldhaugen mit überhängendem Haus
Endstation: Nesttun Terminal. Blick auf die Strecke, also nach Norden. Das
Gleis Richtung Rådal (Süden) ist noch vom Bahnsteig überbaut…
An der Endstation in der Stadt — Byparken — liegen zwar zwei Gleise, aber nur das Gleis Richtung Nesttun hat einen Bahnsteig. An dessen Ende liegt auch die Plakette der "Grundschienenlegung". Die Strecke führt zum Hauptbahnhof und durch den Busbahnhof durch. Dahinter kommt die erste sehr stark veränderte Stelle: Ein Haus — Pastasentralen — musste der Strecke weichen. Eine S-Kurve später (Höchstgeschwindigkeit 10 km/h) sind wir dann an der Station Nygård direkt vor den naturwissenschaftlichen Gebäuden der Uni. Dahinter kommt Florida und die Brücke über den Store Lungegårdsvann. Hier fahren die Autos auf einer neu gebauten Brücke, während die Stadtbahn die alte Brücke mit Fahrradfahrern teilt. Hinterm Danmarksplass fängt dann ein langes Stück mit wirklich starken Eingriffen in das alte Straßenbild an, sowohl die Bjørnsonsgate als auch der Inndalsveien sind nun zum großen Teil Einbahnstraßen. Vor 5 Jahren war diese Verbindung noch die Haupteinfallstraße von Süden nach Bergen… Fantoft mit der 90°-Kurve und einem neuen Studentenwohnheim hat sich natürlich recht stark verändert, und hier ist noch am deutlichsten sichtbar, dass die Arbeiten noch nicht ganz abgeschlossen sind.
Der Rest der Strecke hat keine größeren Einschnitte mehr in die existierende Infrastruktur gebracht, lediglich das Stück Troldhaugen―Nesttun wurde von drei Spuren auf zwei verkleinert, um Platz für die Strecke zu machen. In Nesttun, der momentanen südlichen Endstation, sind zwar auch beide Gleise verlegt, das Gleis Richtung Bergen allerdings ist nicht mit dem Rest verbunden und liegt unter einem Behelfsbahnsteig, sodass man jetzt von beiden Seiten in die Bahn einsteigen kann.
Soviel zur Bybane. Vielleicht kommt bald noch ein Bericht über den Rest in Bergen…
Bjørn, 9. Mai 2010
Du er ikke svensk!?
Angekommen in Bergen, lief ich mit Szabolcs durch den Regen (wie könnte es anders sein) zum Gästehaus, wo ich mich duschte, während er belegte Brötchen besorgte. In der Uni noch gar nicht richtig angekommen, kam schon Laszlo und fragte nach meinen Plänen für nach der Doktorarbeit, ob ich nicht nach Norwegen wollte oder was. Den Rest des Tages, der noch sehr sonnig und warm wurde, verbrachte ich damit, eine Steuerkarte zu kriegen (nur so kann ich den vollen Tagessatz erhalten) und den Vortrag für Mittwoch vorzubereiten. Leider saß ich deshalb trotz des perfekten Wetters die ganze Zeit im Büro. Als ich nach ein paar Details über das Ausfüllen der ganzen Formulare für Reisekostenerstattung fragte, tat ich das natürlich auf Norwegisch, und die Unterhaltung ging ein ganzes Stück lang, bis mich die nette Dame daruf hinweist, dass ich als nordischer Staatsbürger mich für die Steuerkarte nur mit dem Führerschein ausweisen muss.
Als nordischer Staatsbürger.
Bitte? "Ja, bist du denn kein Schwede!?" — "Nein… ich bin Deutscher!" (Hört man das denn nicht?) Sie war wirklich überrascht, und ich nahm es als eines der größten Komplimente, die ich in letzter Zeit gehört habe.
Außerdem traf ich am Dienstag noch Therese, eine von zwei Studentinnen, die von damals noch übrig geblieben sind, und die jetzt über Supersymmetrie promoviert. Abends fuhr ich nach Fantoft, um dort einen Film — 21 grams — zu gucken (eigentlich ganz gut, nur hoffe ich, dass das Titelthema nicht Teil des Mainstreams wird — wer zum Teufel wiegt Leute, während sie sterben?).
Am Mittwoch war es dann den ganzen Tag regnerisch. Der Vortrag lief gut, und danach redete ich mit Laszlo und Szabolcs über die Entropie von Boxen und Federn, traf beim Mittagessen Susi, die sich bei mir beschwerte, dass ich sie nicht vorgewarnt habe, dass soviele Deutsche in Fantoft sein würden, die aber ansonsten von Norwegen total begeistert ist. Dann ging ich in die Stadt, um Norwegische Bücher zu kaufen. Mit Terry Pratchett auf Norwegisch hatte ich kein Glück, mit Peer Gynt auf Englisch auch nicht, aber ich kaufte das Gedicht von Ibsen wenigstens auf Norwegisch. Mal sehen, ob ich es verstehe.
Wieder zurück redete ich mit den ortsansässigen Exis — dem Frankfurter Boris und der Griechin Kalliopi — über deren Forschungsthemen (und deren Erfahrungen als Ausländer in Norwegen) und fand bei Szabolcs heraus, dass er am abend keine Lust auf Weggehen hatte. Er gab mir den Tipp, zu einem Konzert mit nationalromantischer Musik zu gehen. Als ich es satt hatte, mit der WLAN-Verbindung zu kämpfen, ging ich dahin, nach drei Liedern hatte ich aber schon wieder genug. Heute morgen — Donnerstag — ist es zwar bewölkt, aber trocken, und langsam bin ich auch wieder ausgeschlafen. Wenn die Sonne noch rauskokommen sollte, wird es mich heute nicht im Büro halten…
Bjørn, 29. April 2010
WLAN im Zug
Nun bin ich also in Bergen, und eine der guten Sachen, so weit mit dem Zug zu fahren ist, dass man verschiedene Züge bereist und deren Vorzüge vergleichen kann. Außerdem erlebt man ja auch ein bisschen was auf so einer langen Reise…
- Frankfurt → Hamburg, ICE: Montag, 0:55 bis 5:43 Uhr
- Die meisten werden schon mal in einem ICE gesessen haben. Dies war einer der ersten Generation, die noch Abteile haben. Auf einen Platz im Abteil hatte ich gehofft, aber viele andere auch, so waren in den meisten Abteilen schon Leute drin, die Großräume dafür leer, aber leider hell. Im ICE gibt es Steckdosen, aber kein WLAN. Dafür Mitreisende. Ein Mädchen, dessen Alter ich erst nicht richtig einschätzen konnte, lag auf zwei Sitzen vor mir, ich setzte mich in ein Viererabteil mit Tisch. Da ich nicht vom Schaffner geweckt werden wollte, wollte ich nicht direkt schlafen, und irgendwie kamen wir ins Gespräch. Sie kam gerade von den Kanaren, wo sie Urlaub ohne ihren Freund gemacht hat, weil Probleme mit Umbuchen und so. Nachdem der Schaffner erst bei Schlüchtern kam, redeten wir aber weiter, in Fulda, Bad Hersfeld, Göttingen, und dann kam ja eh bald Hannover, wo sie aussteigen musste. Ich will nicht sagen, dass es nervig war, aber halt anstrengend, eigentlich wollte ich ja schlafen. Sie war übrigens ziemlich gleichalt wie ich. War echt nett. Ein wenig Schlaf hat mir dann die gute Stunde nach Hamburg noch gebracht. Oh, und es war alles Pünktlich.
- Hamburg → København, IC3: Montag, 7:25 bis 12:11 Uhr
- Die Gumminasen habe ich mal für das hässlichste gehalten, das auf Schienen fährt, aber bequem sind sie wirklich. Richtige Sessel sind das. Nachdem ich anderthalb Stunden auf dem Hamburger Hauptbahnhof nicht eingeschlafen bin, suchte ich mir einen Fensterplatz in Fahrtrichtung (alle Plätze sind in Viererabteilen mit Tisch), wo ich es sehr bequem hatte, bis zwei Frauen kamen, die sich wohl versehentlich in die erste Klasse gesetzt hatten, auf Sitze mit der gleichen Nummer, aber eben im falschen Wagen. Also, an den Gang. Da ist Schlafen nicht so richtig einfach, aber mit meinem Kissen, dass ich dabei hatte, habe ich doch zumindest Ruhe gefunden, vor allem nach der Fährüberfahrt. Die Dänische Staatsbahn versorgt alle zwei Plätze mit einer Steckdose, also wie im ICE, und kündigt Internet an, was es aber zumindest auf dem deutschen Teil der Strecke nicht gibt. Im Dänischen gab ich mich meiner Müdigkeit hin, und das einzige, an das ich mich erinnern kann, ist das Gespräch der beiden Frauen: Beide machen irgendwas im Sportjournalismus, die eine scheinbar beim ZDF, und ich hatte das Gefühl, sie mal gesehen zu haben — vielleicht ist sie eine Moderatorin? Aber was weiß ich schon. Und was interessiert es mich auch. Die Fahrt auf die Fähre hatte sich etwas verzögert, daher auch die Fährfahrt und die Weiterfahrt in Dänemark auch, Ankunft in der København wieder Pünktlich.
- København → Göteborg, X2000: Montag, 12:59 bis 16:32 Uhr
- Warten in Københaven hat mich gelehrt, dass es doch langweiliger geht als dieses "nur rote Züge"-Feeling, dass ich in Frankfurt immer kriege: In Københaven fahren vier verschiedene Zugarten, plus die S-Bahn, und an denen hat man sich recht schnell satt gesehen. Naja, eine davon ist der X2000. Ich wollte schon immer mal mit einem X2000 fahren, und der Sparpreis der Schwedischen Eisenbahn machte dies für 10 Euro möglich. Gediegenes Inneres, Holzvertäfelung, Steckdosen und tatsächlich zuginternes WLAN. Hier kann man entweder Internetzugang kaufen (teurer als die ganze Fahrt: 100 zu 95 Schwedische Kronen) oder kostenlos die Website der SJ und Zuginformationen abrufen, wie eine Karte, wo man gerade ist. Das war sehr nett, weil man ja normalerweise nicht weiß, wo gerade dieser nette Ausblick ist, den man da sieht. Leider war die Landschaft noch nicht groß genug, als dass es davon viele gegeben hätte, und mehr als schön kriegt man in Schweden ja auch nicht). Während also der Ausblick nicht wirklich aufregend war, guckte ich mir auf dem Laptop Charlie Wilson's War an. Zwei Minuten zu spät in Göteborg.
- Göteborg → Oslo, BM73B: Montag, 17:45 bis 21:45 Uhr
- Ich hatte seit Frankfurt nur ein Schokohörnchen gegessen, das mir aber nicht wirklich gut bekommen ist, also brauchte ich was zu essen. Ich ging also auf der Suche nach einem Supermarkt vom Göteborger Bahnhof weg und fand, dass es schwierig ist, sowas zu finden. Nachdem ich zwei hübsche Mädels gefragt habe, fand ich dann aber einen Laden, in dem ich Kekse und Banenen kaufen konnte. Im Bahnhof fand ich keinen Fahrkartenautomaten der Norwegischen Staatsbahn, an dem ich eigentlich meine Tickets abholen wollte, aber der Schaffner sagte mir, ich solle das Ticket dann einfach in Oslo holen, bevor ich in den Zug nach Bergen steige. Nun gut. Von den sechs BM 73B habe ich wahrscheinlich in allen schon mal gesessen, und hier gab es wirklich keine Überraschung (außer, dass das eine Klo zu war und ich weiter laufen musste als gedacht. Sitz in einem Viererabteil mit Tisch, Blick nach links (Westen). Keine Steckdose, kein Netz, nur kurz in Schweden jemand im selben Vierer, ansonsten sehr leer. Ich sah My Sister's Keeper und musste wieder hemmungslos heulen, und dann begann ich zu lesen: Ich habe mich entschlossen, Douglas Adams noch Chancen geben und kaufte die weiteren Teile von Per Anhalter durch die Galaxis. Leider habe ich festgestellt, dass ich immernoch das Gefühl habe, Douglas versucht einen aberwitzigen Text zu schreiben, ohne zu wissen, wie das geht. Ich weiß, viele Leute mögen das, aber ich war nach zwei Kapiteln sowieso zu müde und döste bis Oslo (Ankunft pünklich) vor mich hin.
- Oslo → Bergen, B7: Montag 23:09 bis Dienstag, 06:56 Uhr
- Umsteigen in Oslo verlief ohne Probleme, und ich betrat das erste Mal einen neu umgebauten B7-Wagen. Die Sitze sind nun anthrazit statt vorher rot, und haben ebenfalls Steckdosen, außerdem gibt es Internet. Statt der Billiggrafik der Position im X2000 hat man hier google maps; man kann selbst hin- und zurück scrollen, die Strecke wird als Linie angezeigt. Habe ich aber nur in Oslo ausprobiert, dann war schlafen angesagt! Neben mich setzte sich ein grimmig aussehender Schrank, der scheinbar nur aus Muskeln und Grunz-Stimmbändern bestand, sich aber, als er gesehen hat, dass schräg hinter uns ein Doppelsitz frei war, umsetzte. Geschlafen habe ich lange und ziemlich gut, so dass ich am nächsten morgen relativ fit am Bahnhof ankam, wo Szabolcs schon auf mich wartete.
Wie's mir hier in Bergen ergangen ist und weiter ergeht, schreibe ich dann bald.
Bjørn, 28. April 2010
Es geht voran
Und zwar an allen Fronten. Nach dem Soft-Skill Workshop in Schloss Buchenau (was ich als "Rhön" angekündigt hatte) war ich zwar erstmal fertig, aber durchaus zufrieden. Kleinere Unzufriedenheiten ließen sich durch ein Telefonat am Dienstag morgen ausräumen, und jetzt ist wirklich alles toll. Dafür hat das Telefonat auch Überwindung gekostet — aber ohne Fleiß kein Preis!
Die Konferenz im Juni rückt auch näher (zeitlich wie prinzipiell), denn mein Paper macht zur Abwechslung mal echte Fortschritte. Dafür fehlen mir noch Daten für einen Vortrag in 12 Tagen…
Auch die Reisepläne werden konkret: Für Bergen sind die Fahrkarten gekauft, und ich freue mich schon riesig. Wer es noch nicht auf Facebook gelesen oder es von mir erzählt bekommen hat: Ich habe mir nach Preisangaben von 643 und 302 Euro (beide von der DB, beides selbe Verbindung, beides "das billigste, was es gibt") die Fahrkarten bei DB, SJ und NSB selbst zusammengestückelt und etwa 154 Euro bezahlt.
Bevor ich aber in den Zug dorthin steige, war ja nochmal Bonn, zur Telekom-Stiftung. Hier bin ich genau von Mittwoch bis Freitag, bevor am Samstag Nacht der Museen ist (ich plane, im Physikalischen Verein zu helfen) und ich dann am Montag nach Bergen fahre. Wird stressig. Bei der Telekom jedenfalls soll ich einen Vortrag über meine Arbeit halten, als (mittlerweile) "Alt-Stipendiat". Das wird mit Sicherheit nicht einfach, in 15 Minuten das Feld zu erklären, warum es interessant ist und was ich tatsächlich dabei tue. Herausforderung, Here I Come!
Nochwas: Ich war am 20. Februar beim Science Slam im Physikalischen Verein. So eine tolle Veranstaltung! Vor dem nächsten werde ich hier nochmal Werbung machen, ich habe sogar eine Idee, vielleicht mache ich selbst mit. Leider gewann nicht der beste Vortrag, sondern der letzte (zwei Boni: Das Publikum war warmgeklatscht und es war nach 6 Physikvorträgen der erste und einzigste Biovortrag). Aber sei's drum, es war super
Bjørn, 3. März 2010
Siste innføring om Norge
Letzter Eintrag über Norwegen. Wenigstens über mein Jahr dort. Warum noch was? Weil noch eine Info fehlt: Das Ergebnis der ganzen Sache. Heute halte ich mein Diplom in den Händen; es steht darauf "mit Auszeichnung". Juchuh.
Ich habe auch mein Paper dazu fast fertig; bald werde ich alles hier irgendwo auf die Website stellen zum nachlesen. Mit geht's wieder wirklich gut, alles super, bin wieder richtig da. Und heute habe ich den Weg in die Uni das erste Mal wieder mit dem Fahrrad bestritten (es waren übrigens 7355 km auf dem Tacho — also bin ich magere 1295 km in Norwegen gefahren).
Jetzt kommt die Promotion, hier in Frankfurt. Und vielleicht auch
was Neues auf der Homepage, irgendwann. Mal sehen. Auf Wiederlesen
Euer
Bjørn
Bjørn, 16. Juli 2007
Resumee-Versuch
So. Diplomarbeit ist abgeliefert, eine weitere Bewerbung (fast) abgeschickt, und ich sitze mal wieder im Zug von Göteborg nach Oslo und schreibe Blog. Und wahrscheinlich das letzte Mal (wenigstens für das nächste Jahr) mit dem Ziel Bergen. Die restlichen Sachen abholen, allen Tschüss sagen, und dann war's das. Aber wie war's eigentlich?
Alles in allem eigentlich gar nicht so schlecht. Ja, es war einsam, und eine Beziehung vor allem mit Internet-Telefonie aufrechtzuerhalten macht irgendwie keinen Spaß. Das selbe gilt für Freundschaften. Aber das ist eigentlich die Antwort auf die Frage, wie es war, ein Jahr weg zu sein, nicht auf die Frage, wie es ist, ein Jahr in Bergen zu sein.
Ich tue mich wirklich nicht leicht mit einer Antwort (ich drücke mich immernoch drum, merkt ihr's?). Da wäre das Wetter. Wie war das eigentlich, so wirklich? Eigentlich empfand ich es wirklich nicht sonderlich schlimm. Ist das, weil ich ein Optimist bin und mir die Sonnentage stärker in Erinnerung geblieben sind? Oder weil ich einfach in Frankfurt nie die Sonnentage gezählt habe und sie mir deshalb so viel vorkommen? Immmerhin, 2006 war ein eher nasses Jahr in Bergen, auch für lokale Verhältnisse, und zwar vor allem der Herbst. Also, Wetter: Unentschieden.
Zum Wetter gehört natürlich aber auch was Anderes: Tageslänge. Vor allem im Winter. Ich habe da ja mal von berichtet. War nicht so toll, in der Tat. War das damals hauptsächlich die Dunkelheit wegen kurzer Tage oder die Dunkelheit wegen selten-klarer-Himmel? Ich möchte gerne letzteres glauben. Das macht das eben behauptete Unentschieden ein Sieg nach Verlängerung gegen Bergen. Astronomisch gewinnt Bergen eher, wegen des Frühlings und des Sommers.
Wie sind die Leute hier? Eigentlich alle ganz nett, aber viel hatte ich mit niemandem zu tun. Ok, aber ich habe auch in Deutschland mit nur wenigen Leuten viel zu tun und meistens ging das auch (leider) nicht grade von mir aus. (Doch, das meine ich ernst.) Also, einige Leute kenn ich hier, mit den habe ich auch manchmal was zusammen gemacht, enge Freunde habe ich nicht gefunden, hatte ich ja aber auch schon. Also, Leute: Unentschieden
Die Stadt an sich. Jahaha, so einfach geht's nicht. Also: Die bebaute Stadt. Wirklich schön. Viele schöne Ecken, ein paar hässliche, und man kann eine Stadtführung problemlos in einem Tag (fragt Stefan und Felix) oder in drei Tagen durchführen (fragt Johannes). Ohne bei dem einen was zu vergessen oder bei dem anderen was doppelt zu machen. Allerdings liebe ich Frankfurt — unentschieden in der ersten Halbzeit.
Und die "unbebaute" Stadt? Ich würde behaupten, einen sehr großen Teil der Kommune Bergen gesehen zu haben, das meiste vom Sattel aus. Und das war wirklich alles ziemlich schön. Mit norwegischer Landschaft kann halt nicht mal ein Grüngürtel mithalten, nicht mal mit Niddapark oder Stadtwald — Bergen gewinnt.
Essen. Ohne Ofen oder Mikrowelle und mit limitierten Fähigkeiten und Geldresourcen war mein Speiseplan eher ziemlich wiederholend. Essen gehen ist viel zu teuer, ebenso Bier. Apfelwein gibts nicht. Warmes essen kaufen daher nicht möglich — man kriegt ja mittags auch nix in der Uni. Kantersieg für Frankfurt.
Verkehr. Bahnfahren in Norwegen ist fast immer ein Genuss, keine Frage. Mittlerweile habe ich gehört, dass die Wagen, die ich hier so toll finde, sogar eher die unbequemeren sind — boah. Frühes 1:0. Der ÖPNV allerdings ist nicht so toll — über Busfahrer habe ich ja schon oft geschimpft, über die Pünklichkeit, glaube ich auch. Vielleicht ist das ja in drei Jahren besser, wenn es eine Stadtbahn gibt. Autofahrer sind hier nicht sooo toll, wie anfangs gedacht, aber vielleicht werde ich ja feststellen, dass sie immernoch um Klassen besser als Deutsche sind? Vielleicht sollte ich mich aber auch von Offenbach fernhalten. Fahrrad. Sehr, sehr gute Ansätze. Es hapert an einigen Stellen, aber das tut es, glaube ich, in Deutschland mindestens genauso. Dass ich es in Norwegen hatte, auch wenn ich es am Samstag wieder mitnehmen muss, habe ich keinesfalls bereut. Sagen wir, unentschieden (ich finde, ÖPNV zählt ne Menge)
Bleibt die Physik? Also, ich habe niemals so eine gute Diplomarbeit außerhalb von Norwegen geschrieben. Das heißt nicht, dass ich es nicht hätte. Also… wo zu sein, wo es einen Professor, einen Postdoc und eine Master-Studentin gibt, die etwas ähnliches tun wie man selber, ist einfach wesentlich schwieriger als es wo zu tun, wo 6 Professoren und gefühlte 100 Leute sowas tun und jede Woche zwei Vorträge dazu sind. Für den Rest der Gründe, fragt mich. Noch ein Kantersieg für Frankfurt.
Mehr Punkte fallen mir jetzt nicht ein. Zusammenzählen tu ich nicht, denn ich möchte die einzelnen Punkte nicht gegeneinander wichten müssen. Ich bin froh, ein Auslandsjahr zu haben, Erfahrungen mitzubringen, auch viel gelernt zu haben, und jetzt guten Gewissens erstmal in Frankfurt bleiben kann.
PS: Das war noch nicht der letzte Eintrag, versprochen!
Bjørn, Tag 315, 12. Juni 2007
Genf
Genf. (Ach, was.) So, lange nix mehr gewesen, ne? Naja, es ist ja auch ein Norwegen-Blog, und da bin ich nun nicht mehr. Und was soll ich schreiben, wenn die, für die ich schreibe, es sowieso mitkriegen? Naja, jetzt bin ich am CERN, schon den vierten Tag. Gestern habe ich einen Vortrag gehalten, 16 Minuten, 14 Folien, ging ganz gut. Das Wetter hier begann besser als der Regen, den ich in Frankfurt verlassen hatte, aber gestern nachmittag holte er mich ein, jetzt ist es wolkig, aber trocken.
Die Unterkunft ist ganz gut, großes Zimmer (ich schätze, 2½ × 6 Meter) mit Waschbecken, Schrank, Schreibtisch und Bett. Nur Internet ist hier ein Problem.
Ich bin hier jetzt noch eine Woche, dann gebe ich die Arbeit ab, und dann… fertig… puh… Will gar nicht dran denken, nicht jetzt jedenfalls.
Achso, ja, danke für alle Geburtstagsgrüße!
Bjørn, Tag 304, 1. Juni 2007
'Øst-Mafia'
"Ost-Mafia". Nur ein kleines Update — ich fand das Ergebnis des Eurovision Song Contest zwar eher enttäuschend, aber ich sehe ja ein, dass Serbien von überall Punkte bekommen hat. Bildblog bestätigt das jetzt; jeder, der der Meinung ist, die Punktevergabe sei ja sooo ungerecht, möge sich bitte mal die Tabelle angucken, die Bildblog generiert hat — das Abstimmungsergebnis, wenn man alle osteuropäischen Stimmen weglässt. Wer keine Lust hat, dem Link zu folgen: Es ändert sich fast nichts.
Bjørn, Tag 286, 14. Mai 2007
Serbia!?
Serbien!? Jaja, ich weiß, von deutschprachigem, recht textlastigen Swing kann man keine gute Platzierung erwarten, ja. Aber als ich gestern — über Internet-Livestream — den serbischen Beitrag zum Eurovision Song Contest gehört bzw. gesehen habe, dachte ich "na, besser als die sollte Roger Cicero aber auf jeden Fall sein". Und dann gewinnen die. Mein Favorit war Schweden, und die sind grade zwei Punte vor Deutschland gelandet… es gibt keine Gerechtigkeit.
Und die Eintracht ist nächstes Jahr wieder erstklassig, weil Bremen (wie auch Schalke) keine Lust hat, deutscher Meister zu werden — Idioten. Naja, mich freut's. Dafür hat Mainz keine Chance mehr, buhuhu.
Einen Kommentar kann ich mir nicht verkneifen:
Westerwelle lügt. Angesichts
der nicht-Begnadigung eines ex-RAF-Terroristen behauptet der Chef der
freien Liberalen, dass es ein "Keine Gnade ohne Reue" ein Grundsatz im
deutschen Rechtssystem sei. Was er
verschweigtübersieht ist, dass es überhaupt nicht auf
Reue ankommt.
Nun ja. Ich bin momentan nicht sehr motiviert zu schreiben, weil ich befürchte, dass ich einfach nicht so viel über meine Ergebnisse schreiben kann, weil sie alle gleich aussehen. Mal sehen, vielleicht sind die Nächsten ja etwas interessanter. Dafür war ich gestern sehr motiviert, zu packen. Und siehe da: Ich kriege fast alles mit einem Mal nach Frankfurt. Alles, was ich hierlasse(n muss) sind die Fahrradsachen (naja, Ersatzschlauch, Pumpe, Werkzeug nehm ich schon mit, aber Helm, Handschuhe, das Fahrrad nicht), meinen Ordner mit Mietvertrag und so, den brauch ich auch noch, eben so wie ein Restposten an Küchensachen. Selbst Decke und Kissen schaffe ich schon dieses Mal nach Frankfurt, im Juni habe ich dann hier noch Schlafsack und Isomatte; für drei Nächte geht das schon.
Meine ToDo-Listen sind mittlerweile extrem zusammengeschrumpft, ein großes ToDo ist die mündliche Norwegisch-Prüfung morgen um 13:15, und natürlich die Party heute abend (vielleicht war die Planung da etwas schlecht? Egal). Und dann nur noch warten, den Koffer ein letztes Mal zumachen (ich bin mal gespannt, wieviel der wiegt — ich muss in Frankfurt unbedingt dran denken, ihn zu wiegen!), zum Bahnhof und ab die Post äh der Zug äh also…
Bjørn, Tag 285, 13. Mai 2007
Leseorm
Lesewurm. Am Wochenende habe ich tatsächlich damit angefangen, zusammenzupacken. Nicht so richtig, aber schon ein bisschen. Seit Sonntag ist es richtig schlechtes Wetter draußen, ich habe eben das erste mal seit Samstag wieder die Sonne gesehen. Das korrigieren eines Bugs ließ scheinbar auf einmal alle meine Daten schlecht aussehen, dachte ich, bis ich herausfand, dass es nur an schlechter Statistik liegt — ich fand das vor ein paar Stunden, nach fünf Tagen Suche, raus. Und obwohl schlechte Statistik eigentlich nicht so viel Zeit braucht, musste ich trotzdem viel warten. Zwei Bücher las ich daher, eines davon war für meine Rückfahrt vorgesehen, also kaufte ich zwei weitere, von denen ich jetzt also noch eines übrig habe. Jetzt muss ich mich wieder eine Woche lang zurückhalten…
Heute morgen war die Norwegisch-Klausur; für viereinhalb Stunden angesetzt, ich war nach zwei fertig (inklusive einem Diktat, das alleine vierzig Minuten gedauert hat), und ich fand es verdammt leicht. Mal sehen, wie's geworden ist, Montag (13:15) ist ja noch die mündliche Prüfung dazu. Ansonsten ist meine Planung für nächste Woche sehr leer (was will ich hier eigentlich noch?) — einmal Kaffeetrinken mit Špela, eine Abschiedsparty, die der Gastwissenschaftler aus Budapest (Péter Ván) eigentlich für sich selbst organisiert, und… achso, arbeiten. Muss ich jetzt auch wieder — tschö!
Bjørn, Tag 280, 8. Mai 2007
Siste Forlesning
Letzte Vorlesung. Gestern. Soo, viel passiert diese Woche? Mmh, irgendwie nicht. Viel Arbeit jetzt halt. Ich produziere jetzt echte tolle (naja, das zeigt sich noch) Daten. Und einige davon habe ich Laszlo am Donnerstag gezeigt, und er gab sehr produktive Hinweise, was ich noch machen könnte, ab.
Blöderweise entdeckte ich dann einen Fehler, der in sehr unwahrscheinlichen Fällen das Programm zum abstürzen bringt. Und außerdem irgendwie eigentlich falsche Daten produzieren müsste. Mein erster Bugfix hat dann wirklich falsche Daten produziert, sodass ich die Rechnungen von zwei Nächten und dem Tag dazwischen momentan neu laufen lasse. Mit einem Bugfix, dass richtig aussieht und auch sinnvolle Daten produziert.
Schreiben tue ich momentan nicht, da ich eigentlich schon an dem Punkt bin, an dem ich nur noch über Ergebnisse schreiben kann, und auf die warte ich ja wie gesagt jetzt. Dafür habe ich die letzten Vorlesungen gehabt, jetzt gibt's noch Norwegisch-Klausur am Dienstag morgen und die mündliche Prüfung dazu am Montag drauf. Ansonsten habe ich diese Woche ein das Abstract für's CERN geschrieben, meine Bewerbungen für's Stipendiat abgeschickt, mal wieder Bilder sortiert, norwegische Flaggen gekauft, und mich seelisch darauf eingestellt, nächstes Wochenende schon zu packen.
Das Wetter ist unwahrscheinlich toll momentan; den neunten Tag hintereinander sonnig bis zum geht-nicht-mehr (morgen soll's wieder mal regnen, nagut…); nur seit Dienstag fängt jeder morgen mit richtig dickem Nebel (Sichtweite unter 50 Metern) an. Aber es ist einfach wunderschön, bei Sonne im Frühjahr durch diese Stadt Rad zu fahren. Irgendwie merkwürdig — ich weiß, dass ich es hier vermissen werde, wenn ich endlich wieder in Frankfurt bin. Das heißt, naja, irgendwie nicht merkwürdig, sowas war ja eigentlich zu erwarten, oder?
Bjørn, Tag 277, 5. Mai 2007
Viddetur med Sykkel
Bergsteigen mit Fahrrad. Das tat ich am Sonntag. Immernoch super Wetter, aber wie in Deutschland wird's auch hier langsam kälter. Aber Pflanzen sind hier noch nicht am vertrocknen…
Nun, also, am Sonntag also Fahrradtour. Um neun Uhr ging's schon los — dass ich bis acht schlafen konnte, war schon eine Ausnahme, aber dazu später mehr — nach Süden. Es lief sehr gut, und bald wähnte ich mich vor der ersten Herausforderung: 10 Kilometer lange Steigung. Doch, was war? Pustekuchen. Es ging sogar eher bergab. Dabei hatte das so nach einem Tal ausgesehen, das nach oben ging… Also, 10 Kilometer später war ja noch nix gewesen, also wieso nicht weiterfahren, auf dem Wanderweg, breit genug ist er ja. Kies- und Schotterweg, aber wenigstens recht fester Untergrund. Und wenn ich den durchhalte, dann komme ich auf der anderen Seite wieder an den Fjord, das wäre ja ganz toll. Nun ja, ich mach's kurz, der Weg wurde immer schlechter, und ich hatte nicht das Gefühl, viel Höhe zu gewinnen, deshalb entschloss ich mich, umzukehren. Was ärgere ich mich jetzt! Auf dem Rückweg merkte ich, wie sehr viel Höhe ich doch schon gewonnen hatte. Naja. Dann "kurz den Berg hoch" und ein anderes, paralleles Tal runter, stand auf dem Plan. Und hätte ich nicht genau gewusst — zwei Wanderer hatten dies bestätigt — dass es in diesem Tal wirklich sehr bergab geht, hätte ich aufgegeben. Für dieses "kurz den Berg hoch" — 3 km — brauchte ich etwa 45 Minuten. Ich habe gelitten.
Aber dann, wie gesagt, eine Abfahrt sonders gleichen. 8 Kilometer schnurgerade nach unten, das hat mich wieder entschädigt. Danach, auf dem Rückweg, sah ich dann ein Denkmal für die alte Schmalspurbahn von Nesttun nach Os. Am Ende war ich 70 Kilometer gefahren.
Dafür fühlte ich mich heute nicht so produktiv, was aber wahrscheinlich gar nicht berechtigt ist, wenn ich mal so drüber nachdenke. Die Tage werden hier länger und länger, selbst jetzt, zwanzig nach elf, ist noch ein heller Streifen am Horizont, und morgens, wenn ich aufwache, ist es taghell. Und das weckt mich auf. Dadurch habe ich aber keinesfalls zu wenig Schlaf, ich gehe momentan recht früh ins Bett (erwischt — heute nicht).
Vogel-Gezwitscher ist mir begegnet bei meinen ausgedehnten Pausen auf diesem Ausflug:
An dem Berg ging es vorbei, erst rechts (da wo ich umkehrte), dann
links (da wo's so verdammt weh getan hat).
Ich will keine Filme hier einstellen, ansonsten hätte ich hier jetzt die
obligatorischen 10 Sekunden Wasserfall ☺ Das war auf dem Weg zurück.
Auch auf dem Weg zurück, weiter unten.
Meine grüner-Saft-Wiese. Das ist jetzt mein Bildschirmhintergrund (in
1024x768).
Stend. Der letzte Teil der alten Bahn von Nesttun nach Os, deren sehr flache
Trasse heute als netter Fahrradweg dient, der nur leider viel zu voll war,
zum Beispiel mit den Kerlen auf dem Foto, die zu doof waren, zur Seite zu
gehen (und sie haben's versucht!)
Bjørn, Tag 272, 30. April 2007
Korte-Bukser-Vær
Kurze-Hosen-Wetter. Und zwar volle Kanne. Noch kein Bikini-Wetter wie in Deutschland, aber immerhin. Sollte es morgen wieder schlecht werden, bin ich sauer, denn eigentlich wollte ich einen Fahrradausflug machen. Aber es sieht gut aus.
Und zwar in jeder Hinsicht. Ich arbeite meine To-Do-Listen jetzt ab, und fühle mich weiterhin sehr produktiv. In der Tat habe ich heute den ersten Korrelationsplot fabriziert — eben jene Art von Plots, die die physikalischen Ergebnisse meiner Arbeit enthalten werden. Ich hatte schon gezweifelt, ob ich das überhaupt noch schaffe, aber mir ist eine Idee gekommen, wie ich das wesentlich einfacher machen kann. Wenn ich morgen nach dem Ausflug noch Muße finde, werde ich ein Programm schreiben, was mir diese Plots schön und vor allem automatisch macht. Auf den Plots konnte ich schon herauslesen, dass das, was ich das letzte halbe Jahr lang produziert habe, keinen Mist baut, mein "analytischer Testfall" funktioniert. Also, sehr euphorisch grade, was das angeht.
Und die Arbeit schreiben funktioniert ebenfalls recht gut — ich bin jetzt bei 30 Seiten, ohne Bilder 25 — ohne den Ergebnis-Abschnitt, habe ja noch keine. Horst sagte, es sollen so 40 Seiten plus Abbildungen und Anhang sein, und ich denke, die schaffe ich locker. Juchu! Außerdem Rückmeldung aus Genf bekommen, meine Unterkunft während der Konferenz Anfang Juni ist gesichert, und die letzten Fahrkarten und Platzreservierungen für meine letzten Fahrten nach Bergen und zurück habe ich auch: Ich werde endgültig am Sonntag, den 17. Juni um 6:29 am Südbahnhof ankommen. Das wird dann Tag 320 sein.
Montag gebe ich meine Mietvertragskündigung ab, und mache meine Doktor-Bewerbung fertig und schicke sie ab, hoffentlich, wenn nicht zuviele Leute, die ich dafür brauche, langes Wochenende machen. Und, da ich jetzt ja mit großer Sicherheit Ergebnisse kriege, werde ich ein Abstract an die Organisatoren besagter Konferenz schicken (also eine Zusammenfassung von dem, was ich denen vortragen werde). Juchu, juchu, juchu. Ich hoffe, euch allen geht es auch gut.
Bjørn, Tag 270, 28. April 2007
Opplop
Endspurt. Heute habe ich vor allem To-do-Listen gemacht; einen Kalender angelegt und mich um meine Doktor-Arbeits-Stipendiums-Bewerbung gekümmert. 20 Tage noch, dann bin ich wieder in Frankfurt — einen Tag früher als gedacht. Etwas doof: In der Nacht auf den Feiertag 17. Mai fährt die Norwegische Staatsbahn zwar noch die Nachtzüge, die von Samstag auf Sonntag nicht fahren, aber der Rest ist dann Sonntagsfahrplan, und an Sonntagen kommt man nicht mehr rechtzeitig nach Københaven, um dort den Nachtzug zu nehmen. Also einen Tag früher. Nächstes Problem: Die CityNightLine bietet zwar augenscheinlich immernoch Supersparpreise an, nur die sind angeblich auf Monate hinweg ausgebucht. Wer's glaubt. Der Zug, den ich im Oktober genommen hatte, fährt jedoch zusammen mit einem Zug nach München, in Fulda werden sie getrennt — und ab Fulda kann ich auch mit meinem Semesterticket weiterfahren. Das ist also mein Plan; ich komme an Christi Himmelfahrt an.
Meine interne Deadline für das Fertigstellen und abgeben der Arbeit ist noch weiter nach vorne gerückt, statt Mitte Juli peile ich nun den 11. Juni an (Montag), und hoffe, dass ich dann am ersten Juli mit meiner Doktorarbeit beginnen kann. "Möglich" wurde diese Vorverlegung dadurch, dass ich in den letzten Tage recht viel geschrieben habe und dadurch viel Zuversicht getankt habe.
Tja, dadurch gibt's nicht viel mehr zu erzählen; ab morgen soll es besseres Wetter werden, das Grün des Rasens draußen wird langsam saftig, und auf den Bäumen kommt es langsam zurück. So wie ich bald nach Deutschland.
Bjørn, Tag 268, 26. April 2007
Regnet hilser
Der Regen grüßt.
Die meisten meiner Leser habe ich ja letzte Woche gesehen, deswegen ganz kurz: Die restlichen Tage mit Johannes waren einfach super, der Flug war ok. Bilder folgen vielleicht. Ich vermisse Frankfurt mehr denn je. Die Fahrt nach Bergen war… naja, lustig. Erste Prämisse waren 13 Minuten Umsteigezeit in Hamburg Hauptbahnhof (dorthin brachte mich ein über Nacht und Ruhrgebiet verkehrender IC). Und es ging mit sechs Minuten Verspätung los… Kein Problem, in Koblenz war 18 Minuten Aufenthalt, Loktausch. Abfahrt pünktlich. Doch das Abenteuer hatte grade erst begonnen…
Noch vor Andernach war eine Baustelle, auf dem Gleis Richtung Köln, nach der Vorbeifahrt eines südwärts fahrenden Zuges fuhren wir dann auf dem "falschen" Gleis weiter. Das wäre an sich nicht so schlimm gewesen, hätte ich mich nicht an das Zugunglück von Brühl erinnert — selbe Strecke, selbe Situation, auch Nachts, andere Richtung, neun Tote. Irrtümlich nahm ich auch an, dass damals der zweite Wagen um den Bahnsteigspfeiler gewickelt hatte (ich saß im zweiten Wagen), doch jetzt, wo ich mich drum kümmere, stelle ich fest, dass es der dritte Wagen war. Aber passiert ist ja eh nichts. Die Verspätung durch diese Baustelle war auch nicht schlimm, bei 32 Minuten Aufenthalt in Dortmund (danach waren noch ein paar Schlaf- und Liegewagen am Zug dran). Das hatte ich alles gar nicht mehr mitbekommen, aufgewacht bin ich in Osnabrück. Mmh. Abfahrtszeit verstrichen, nichts los, Signal auf Fahrt, aber Türen auf. Was los? Zwölf Minuten Verspätung am Ende, und vor Bremen kam die Durchsage, es sei ein "Bundespolizeieinsatz im Zug" gewesen, Details kenne ich nicht. Und noch zweimal auf dem falschen Gleis fahren, das kostet doch Zeit!!
Nochmal gecheckt. 13 Minuten in Hamburg ist das Ziel. In Bremen wider erwarten nur noch neun Minuten. Irgendwo in der niedersächsischen Pampa fahren wir offensichtlich einem anderen Zug auf; dreimal recht kurz hintereinander kommen wir fast vor einem Halt gebietendem Signal zum stehen. Oh Verdammt!
Allerdings, zu meinem riesigen Erstaunen, sind wir drei Minuten vor Ankunftszeit in Hamburg-Harburg und eine Minute zu früh am Hauptbahnhof. Alles Gut gegangen.
Der Rest verlief ganz gut, mit dem Zug auf die Fähre zu fahren war schon eine lustige Sache (abgesehen davon war die Fähre irgendwie häßlich). Ankunft in København war pünklich, doch dann musste ich rennen, weil der "Zug nach Malmö", der auf das andere Gleis verlegt wurde, doch bis Göteborg fuhr. Die letzten neunzig Minuten dieser Fahrt döste ich weg, war auch nötig nach nur drei Stunden schlaf. Kühle, frische Luft in Göteborg lies mich wieder etwas klarer werden, und die Fahrt nach Oslo las ich.
Und dann, es grämt mich, das zu sagen, stellte ich den großen Nachteil an Bahnfahrten in Norwegen fest: Die letzte Sitzreihe im Zug. Weniger Beinfreiheit als überall sonst, und man kann die Sitze nicht verstellen. Und genau so einen Platz hatte ich. Und der Zug war voll. Dabei hatte ich mich schon gefreut, gut schlafen zu können, müde genug war ich. Am Ende hat es nicht lange gedauert, bis ich einschlief, war ein paar mal wach, aber es ging grade so.
Schon in Schweden hatte es geregnet, und hier ist es keinen Deut besser.
Und jetzt sitze ich mit ungewaschenen Haaren im Büro, warte darauf, dass ich mich um meine plötzliche Beurlaubung für's Sommersemester kümmern kann (andere Geschichte), und dass eine Vorlesung ist, dann essen, dann Norwegischkurs, dann heim. Und schlafen…
Bjørn, Tag 265, 23. April 2007
Alltid mot vannet
Immer dem Wasser entgegen. Das war das Motto von unserer Besteigung des Ulriken. Jaha! Wetter ist super und ich kann Johannes richtig viel zeigen. Und spontan hatten wir uns dazu entschlossen, den Ulriken hochzulaufen. Die dafür gekaufte Wanderkarte hat sich als recht nützlich erwiesen, und der Weg führte eben meistens durch kleine Bäche nach oben. Zum Glück ist der Sandstein auch nass nicht rutschig. Oben angekommen wollten wir dann mit der Seilbahn runterfahren, doch die fuhr schon um halb sechs nicht mehr. So ein Mist. Den Abstieg und Aufstieg haben wir dann gestern bei der Stadtbesichtigung sehr deutlich in den Beinen gespürt.
Heute wurden wir um sechs vom Feueralarm geweckt, da kriegt Johannes also auch das richtige "Fantoft-Feeling", und nachher gehen wir hier noch etwas spazieren. Morgen kommt dann der riesige Ausflug über Flåm und Myrdal dran, und übermorgen dann die Heimreise.
Bjørn, Tag 255, 13. April 2007
Verden lever igjen
Die Welt lebt wieder. Nein, nein, kein Frühling ausgebrochen hier, nur ist einfach Ostern vorbei. Und das bedeutet bei den Norwegern, dass sie wieder da sind. Letzte Woche sind die Busse Montags bis Mittwochs Samstagsfahrplan gefahren, und ab Donnerstag Sonntagsfahrplan. Stellt euch das mal in Frankfurt vor…
Ich habe heute schon Maneuverkritik für meine Folien für den Vortrag in Frankfurt nächste Woche bekommen, überwiegend positiv, aber ein paar Sachen muss ich ändern. Und meine Osterferien beginnen ja sowieso erst nachher. Naja, nicht ganz; gestern war Stefan ja da (Fotos habe ich noch nicht), und das war ein richtig schöner Tag gewesen. Vormittags, als es noch gutes Wetter war, sind wir auf Fløyen rauf, schöne Aussicht, klares Wetter, und nachmittags bei schlechtem Wetter (die Wolken hingen tiefer als wir vorher waren) war die Stadtbesichtigung vorbei und ich konnte noch mit auf's Schiff kommen, um mit ihm und seinem Vater zu essen. Sehr schönes Erlebnis.
Leider ist mir die Laune später schlagartig vergangen, was nicht am nun einsetzenden Dauerregen gelegen hat; sehr schlechte Nachrichten von daheim. Mehr kann ich nicht drüber schreiben.
Anderes Thema. Computer. Den Büro-PC habe ich tatsächlich wieder hingekriegt, nur die Soundkarte will noch nicht so ganz wie ich will, und dann habe ich mich noch um meinen Laptop gekümmert, als ich das Betriebssystem neu installiert hatte und mein Lieblingsbrowser immernoch nicht ging, las ich im Internet, dass ich gar keinen Mist gebaut hatte, den ich für das plötzliche nichtmehrgehen verantwortlich gemacht hatte… Nun, ich muss vorerst mit Iceweasel (also, Firefox) vorlieb nehmen, und warten.
Wetter in den nächsten Tagen… ich schreib lieber nichts *grummel*. Oder vielleicht dann doch, wie es war, aber jetzt nicht. Alleine der Weg in den Norwegisch-Kurs vorhin hatte schon gereicht, eigentlich! Ob Johannes mir überhaupt glauben wird, dass der Himmel in Bergen auch blau ist?
Bjørn, Tag 252, 10. April 2007
God Påske!
Frohe Ostern. Nicht, dass ich mich dieses Jahr sehr um Ostern scheren würde. Den Karfreitag habe ich im Büro verbracht, um meinen PC zu fixen, dabei habe ich an meinem Vortrag gebastelt und mich über Schnee draußen gewundert. Und den gibt's heute immernoch, er bleibt sogar liegen. So wie's aussieht, werden Stefan und Johannes also Bergen im Schnee erleben, hoffentlich auch in der Sonne.
Heute werde ich auch wieder in die Uni gehen, ich glaube — bzw hoffe — dass ich sehr nahe dran bin, den PC wieder zum Laufen zu bringen. Und morgen ist mein Tag 250, mmh, ich habe gar nichts zu feiern, naja, ich muss eh eher arbeiten, feiern kann ich die nächsten zwei Wochen noch genug, und dann auch in (sehr netter) Gesellschaft.
Noch mal zum Wetter — die letzten Tage von Frühling zu Winter, und ich habe keine Ahnung, wie lange das noch anhält. Wenigstens ist es mittlerweile wieder lange hell — gestern um neun war es noch recht gut — und auch bei dichter, tiefhängender Wolkendecke um halb zehn morgens (jetzt) ist es verdammt hell, nicht so wie im Dezember (ja, ich weiß, das war absehbar, aber… trotzdem schön zu merken). Und die Wolken hängen wirklich sehr sehr tief heute. Naja, mal sehen, wie es so weiter geht.
Bjørn, Tag 249, 7. April 2007
Skrivefeil II
Schreibfehler II. Ist ja nicht so, dass ich zuviel Zeit hätte; die Festplatte, die meinem Büro-PC Anfang März Probleme gemacht, war tatsächlich kaputt; jetzt darf ich mich schon wieder darum kümmern. War gestern aber schlimmer als heute; bei den erfolglosen Versuchen, da drumrumzuarbeiten, hatte ich nichts zu tun; heute habe ich meinen Laptop dabei und kann nebenbei weiterprogrammieren, Plots erstellen und z.B. was auf meine Homepage zu schreiben.
Ostern ist sehr nahe, und wenn ich mich auch nicht österlich fühle, merke ich es an jeder Ecke; der Bus fährt seltener und ich brauche meine Schlüsselkarte, um ins Gebäude zu kommen (sonst braucht man die nur zwischen 16:20 und 7:40 Uhr). Und es ist tatsächlich nichts los. Das Wetter wurde pünktlich zum April… nun, aprillich. Sonne Regen Sonne Regen, jeweils einen Tag lang. Aussicht gibt's bis Dienstag, der Samstag soll richtig schlimm werden, dann wieder besser, und eine Extrapolation verrät mir, dass es dann wieder sonnig ist… naja, viel drauf geben tu ich allerdings nicht.
Beim Workshop in Frankfurt soll ich einen Vortrag halten, habe gestern ein Abstract eingeschickt und versuche jetzt erstmal Plots zu machen und dann dadrum rum eine Präsentation aufzubauen, hoffentlich klappt das soweit, mal sehen.
Und hoffentlich ist das System auf diesem *grr*-PC da neben mir auch bald mal installiert…
Bjørn, Tag 246, 4. April 2007
Naken kvinner lærer fort å spinne
Nackte Frauen lernen schnell, zu spinnen. Oder, wie wir Deutschen eher sagen würden, Not macht erfinderisch. Alternativtitel heute ist Konsertbilans, Konzertbilanz, denn viel mehr als zwei Konzerte war nicht gewesen die letzten Tage.
Mit geliehenem Blazer (siehe Bild) und gebastelter Fliege sang ich zweimal Rossini's Stabat Mater. Irgendwie fand ich den Dirigenten nicht so toll, und beim zweiten Mal hat das Orchester auch irgendwie Mist gebaut, aber die Solisten — und der Chor — waren gut, und das singen hat viel Spaß gemacht. Die Erkältung hatte zum Glück im Laufe beider Tage stark nachgelassen, denn nach dem aufwachen ging stimmlich erstmal gar nix (heute wieder). Muss mich mal richtig ausschlafen. Für nächste Woche Mittwoch ist geschlossene Wolkendecke angesagt, und (sehr wenig) Regen für Dienstag und Donnerstag, schade eigentlich, aber beschweren werde ich mich nicht (siehe Wetterstatistik für März — und die eine Woche Pralltage in Nantes ist da nicht mal dabei!). In der Tat, so gut war es noch nie gewesen, nicht mal im August und September — und genau für eine solche Erkenntnis habe ich die Wetterstatistik am Anfang begonnen! Toll.
In der Physik ist's wieder etwas schleppender, fühlt sich momentan nach Achterbahn an; mal alles super, dann wieder nicht so, deswegen bitte nicht Angst haben, es wird schon.
Konzertbilder gibt's auch: Rossini, am 29. und 30. März (die Bilder sind vom 30.). Und ich im Chor. Und hatte nur die dunkle Hose und ein weißes Hemd dabei. Also, Blazer geliehen (danke, Hermod), und eine Fliege gebastelt. Und außerdem fand ich, ein aktuelles Bild von mir wäre ja auch nicht so total fehl am Platze hier.
Nun ja, die Komplettansicht. Ich guck da zwar ein bisschen doof, aber egal.
Foto aufgenommen von Anja. Danke.
…und eine Detailansicht der Fliege.
Bjørn, Tag 242, 31. März 2007
Forkjølelse
Erkältung. Das war ja mal so klar — kaum ist gutes Wetter, kriege ich ne Erkältung. War wohl etwas zu optimistisch in der Wahl der Kleidung… Dabei ist heute abend Konzert! So ein Mist. Gestern habe ich auf einen Spaziergang mit dem Rest der Arbeitsgruppe verzichtet, um endlich mal weiterzukommen mit meiner Arbeit, und es war auch ganz prouktiv.
Das trifft auf den Rest der Woche nicht zu: Laszlo ist momentan in Vilnius, und daher hatten wir Montag und Dienstag keine Vorlesung. Dadurch habe ich es nicht geschafft, die Zeitumstellung richtig zu durchleben, bin also spät in die Uni gekommen. Und dann ist ja schon Norwegisch-Kurs, und nach dem hatte ich dann jeweils eine Stunde bis zur Chorprobe. War nicht sehr arbeitsam. Auf dem Weg veränderte sich dann das "Keine Laszlo-Vorlesung diese Woche" in meinem Kopf zu einem "Keine Vorlesung diese Woche", weshalb ich gestern viel Zeit zum arbeiten hatte und die QFT verpasste. Na toll. Wenigstens eine meiner zwei Baustellen scheint aber langsam gut zu klappen, und die andere wurde (fast) ganz ohne zutun gelöst.
Das Wetter ist noch immer nicht zu stoppen; bis mindestens Dienstag nächster Woche soll es trocken bleiben, und weiterhin die meiste Zeit sonnenklar (und der Rest ist Nacht). Ich bin total motiviert, viel zu tun, muss aber arbeiten. Vielleicht klappt's am Wochenende mit einem Barbeque mit ein paar anderen Leuten. Und ich kriege wirklich Angst, dass das Wetter am 9. April schlecht wird oder so (würde ja passen), also an dem Tag, an dem Stefan hier ist, und dass es bis zum 15. dauerregnet, also bis zu dem Tag, an dem ich mit Johannes nach Frankfurt fliege… naja, hofen wir das Beste. Und jetzt ganz akut hoffe ich, dass meine Stimme heute abend wieder da ist *röchel*.
Ach ja, noch was: In Hessen kann man als Neonazi im Staatsschutz arbeiten. Prost Mahlzeit. Und immernoch wollen 38 Prozent der Hessen diese Partei wählen. Hängt vielleicht damit zusammen, dass die andere große Partei auf einmal für die neue Landebahn am FRAPORT ist und der Landesverband der einen kleinen Partei das doof findet, wo doch deren Frankfurter Abordnung das schon längst auch will. Zu kryptisch? Die Landesgrünen heucheln gegen die SPD, dass das doch doof ist, dass diese den Flughafen-Ausbau nicht mehr ablehnen, unterschlagen aber, dass die Frankfurter Grünen, die seit einem Jahr in Frankfurt den Magistrat mitstellen, ihren Widerstand auch schon aufgegeben haben. Und das, wo eine neue Nachricht der FRAPORT kommt. Die hat in den neuen Planfeststellungsunterlagen einfach nichts nachgebessert (das war eigentlich der Grund, wofür man überhaupt neue Unterlagen brauchte) und denselben Müll, gegen den erfolgreich geklagt wurde, wieder veröffentlicht. Schafft man so Vertrauen?
Bjørn, Tag 240, 29. März 2007
Mye å gjøre
Viel zu tun. Deswegen wenige Updates. Sorry. Was habe ich zu tun? Nun, zu aller erst das Wetter genießen, und das kann man vom Laptop schlecht (naja, man könnte ihn nach draußen tragen, aber dann arbeitet's sich so schlecht dadran…). Eine weitere sonnige Woche steht mir bevor, außerdem war gestern und heute, genauso wie morgen und übermorgen, drei Stunden Chorprobe, Donnerstag und Freitag ist dann Aufführung. Freu' ich mich wirklich drauf!
Physikmäßig habe ich die letzte Woche lange gewartet und seit Freitag abend (!) dann an einer von zwei Baustellen weitergearbeitet, und trotzdem es heute gar nicht lief, war ich noch recht motiviert (momentan habe ich für diesen Abend endgültig die Nase voll — vielleicht finde ich morgen heraus, wie ich diesen Mist zum laufen bringe).
Am Freitag nachmittag — ich war eigentlich früher nach Hause gegangen, weil ich noch Wäsche machen wollte, entschied ich mich auf dem Weg nach Hause dazu, einfach weiterzufahren; Wetter gut, ich auch gut drauf und wollte ja eh mal wieder Fahrrad fahren und überhaupt und sowieso — 40 Kilometer waren es am Ende (jaja, nicht so viel wie gewohnt, aber ein guter Anfang für's Jahr, oder?). Und unvorbereitet und alles. In der Tat habe ich, als ich nahe am Flughafen war, einen Abstecher dorthin gemacht, um (wenigstens) eine dieser Touristen-Karten abzustauben, die mir sehr grob, aber doch den Weg gewiesen hat.
Die Sommerresidenz des Königs in Bergen, mal von der anderen Seite.
Das Birkellandskrysset. Da fährt man vom Flughafen kommend lang. Im
Hintergrund noch richtig viel Schnee auf den Bergen im Osten…
War: Reisebus. Ist: Pferdeanhänger. Fand ich lustig. Gefunden auf dem Weg
nach Flesland (dem Ort, nicht dem Flughafen).
Das wär' natürlich schöner ohne Zaun (aber da war dann die Sonne weg). Auf
der Brücke zu einer Insel im Süden von Flesland.
Naja, den Fischer sieht man kaum, aber auch ohne eigentlich ein sehr schöner
Blick von selber Insel auf das Festland.
Bjørn, Tag 237, 26. März 2007
Dag
Tag. Und zwar jeder ab jetzt; alle länger als bei euch. Schon seit gestern. Schönes Gefühl. Wenn dazu noch richtig tolles Wetter ist (momentan über komplett Südwestnorwegen kein bisschen Niederschlag), ist das natürlich richtig toll. Und es soll noch viel länger gutes Wetter bleiben, ich habe fast ein bisschen Angst, dass sich das erst ändert, wenn Johannes kommt, das wäre natürlich sehr schlecht!
Aber bei dem Wetter ignoriere ich wenigstens meine Busfahrkarte; ich fahre wieder Rad! Und sogar (sofern man das nach drei Fahrten schon sagen kann) regelmäßig. Es ist verdammt gut, in diese Regelmäßigkeit reinzukommen, ohne jedes Mal Regenklamotten anziehen zu müssen, dass hatte die Motivation doch sehr stark vermindert. Aber jetzt schon den dritten Tag trocken, meistens auch sonnenklar (heute morgen war's bewölkt) und so soll es auch die nächsten sieben Tage noch bleiben — boah, toll! Ihr merkt, ich kriege mich gar nicht mehr ein. Mal was anderes.
Sind eigentlich vier Monate viel? Irgendwie hört sich das für mich nach mehr an wie "bis zum Workshop im April ein Monat, dann ein Monat bis ich Mitte Mai nach Frankfurt komme, dann drei Wochen bis ich wieder hier bin, und dann noch einen Monat". Also, wenn es um meine Arbeit geht, dann habe ich noch drei Monate und drei Wochen, bis ich fertig sein muss, das hört sich nach mehr Zeit an (für mich), wenn es ums heimkommen geht, dann die andere Variante, das hört sich schneller an. Arbeiten muss ich in jedem Fall viel und eigentlich will ich ja schnell fertig werden.
Nur so nebenbei, ich habe eben grade live miterlebt, wie die Sonne hinterm Berg verschwunden ist, und das hatte ich gestern auch — und heute war's drei Minuten später. Hach, wie toll!
Bjørn, Tag 233, 22. März 2007
Igjen svak
Wieder schwach. So habe ich mich Freitag nachmittag gefühlt; der Regen war mir zu blöd, und ich habe doch wieder eine Monatskarte gekauft… Diese Woche soll angeblich kein Tropfen Regen fallen, und gestern — Montag — bin ich mit dem Fahrrad zum Norwegischkurs und zurück gefahren (von der Physik aus). Als ich dann nach Hause wollte, habe ich mich von einem Regenschauer davon überzeugen lassen, dass das vielleicht nicht die allerbeste Idee ist, durch diesen Regen (wer weiß, wie lange der noch anhält? — Fünf Minuten) mit dem Fahrrad zu fahren, und überhaupt und sowieso, kurz, wieder Bus. Mal sehen, ob ich mich heute dazu aufraffen kann (aber da ist ja erstmal Chor und dann ist es spät und dunkel und ich habe meine Lampe daheim und — ihr merkt schon, ich bin einfach unmotiviert).
Tja, Chor, da bin ich mal gespannt, wie ich da heute mitkomme, nachdem ich ja gefehlt hatte, und bald ist Aufführung. Heute ist erstmal eine Stunde Tenor-Extra-Probe vor der Chorprobe, mal sehen.
Physik mache ich prinzipiell auch noch, gestern konnte ich Laszlo überzeugen, dass ich gute Arbeit mache und damit auch in dieser Form weitermachen solle, und die Gliederung meiner Arbeit steht. In Anbetracht der Tatsache, dass ich noch knappe 4 Monate Zeit habe, bin ich auch wirklich sehr zuversichtlich. Bis ich — hoffentlich übermorgen — wieder Input bekomme, versuche ich, Norwegisch von letzter Woche nachzuarbeiten (damit bin ich jetzt fast fertig), und den Stoff von der Quantenfeldtheorie-Vorlesung nachzurechnen, was ich ja auch verpasst habe. Und die Tage runterzählen, bis ich wieder Frankfurter Boden unter den Füßen habe und Grie Soß essen kann… mmmh… (es sind noch 26 Tage und 22 Stunden). So, genug geschwätzt, ich arbeite mal weiter.
Bjørn, Tag 231, 20. März 2007
'Hjemme' igjen
Wieder "daheim". Dabei fühlte ich mich die letzte Woche doch viel daheimer… Von vorne: Die letzte Woche war die bis hierhin schönste in diesem Jahr. Dabei hat Hannah mich zu vielem gebracht, zum Beispiel habe ich Ziegenkäse gegessen; nur hat sie mich nicht dazu gebracht, ihr zu glauben, dass in Nantes ständig wechselhaftes Wetter ist. Sieben Tage Sonnenschein scheinen das Gegenteil zu behaupten! Und hier in Bergen hat mich strömender Regen empfangen, na super. Dafür hat eine Karte, die ich aus Mont Saint Michel geschickt habe, eine lang erwartete Mail ausgelöst, was meine schlechte Laune hier sehr abgemindert hat! Nun, obwohl das jetzt eigentlich Ferien waren, habe ich an zwei halben Tagen mit Hannah in der Uni mein Programm jetzt auf einen weiteren Meilenstein geschoben, jetzt bin ich an dem Punkt, an dem ich auf jeden Fall wieder Input brauche. Und ich muss Laszlo davon überzeugen, dass ich sinnvolle Sachen mache ☺. Und die guten Nachrichten sind noch nicht zu Ende; eine Mail versprach mir gestern wesentlich mehr Geld als bisher gedacht (und es war nicht die Mail von dem netten Kronprinzen aus Zamudistan, dem ich nur 232 234 076 Dollar vorschießen muss, damit er sich dann nachher erkenntlich zeigen kann und mir 232 234 077 $ geben kann).
Der Berg des heiligen Michaels
Ostseite von Saint Malo
'ne Flut-Insel vor Saint Malo
Küste bei Croisic
Die Strandstraße bei Croisic. Hier wurde offensichtlich die Straße vor recht
kurzer Zeit verkleinert, und eine Spur zum Fahrradweg umgewidmet. Daneben
dann ein schön zu laufender Weg. Echt toll.
Bjørn, Tag 226, 15. März 2007
Flyhilser
Flugzeuggrüße. Ja, jetzt ist es schon ein bisschen her, dass ich das letzte mal geschrieben habe. Diese Zeilen schreibe ich auf dem Weg nach Paris, ich habe allerdings noch keine Ahnung, wann ich sie uploaden kann. Mal sehen. Letzten Samstag war ich mit Yun und Szabolcs wandern, durch Schnee und absolute Wildnis. Manchmal vergisst man hier wirklich, dass man sich eigentlich in der geografischen Mitte der zweitgrößten Stadt Norwegens befindet, wenn man durch die Berge stapft…
Nachmittags ist dann mein Mitbewohner ausgezogen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass er mir überhaupt Bescheid gesagt hätte, aber was soll's; er ist jetzt jedenfalls weg. Alleine war ich ja dann eh nicht; Felix war hier, auch wir waren wandern, doch von beiden Wanderungen habe ich noch keine Bilder (aber heute nachmittag kriege ich ja — unter anderem — meine eigene Kamera wieder!).
Also, jetzt, wie gesagt, erst mal eine Woche Nantes mit Hannah, da freue ich mich natürlich sehr drauf, wird langsam ja auch mal wieder Zeit.
Entschuldigung an alle, denen ich momentan eine E-Mail "schulde", vielleicht habe ich irgendwann wieder Zeit dafür, hoffentlich…
Bjørn, Tag 219, 8. März 2007
Skrivefeil
Schreibfehler. Natürlich musste sich der Februar so verabschieden, wie er gekommen ist — regnerisch. Trotz dem ist der Februar erfreulich gut gewesen, wettermäßig. Der letzte Monat, den ich komplett hier verbrachte… Ich habe der Wetterstatistik noch eine Spalte "Schnee" hinzugefügt, dies sind die Tage, an denen draußen Schnee gelegen hat.
Während sich meine Schlafzeiten wieder normalisiert haben und ich schon am Dienstag wieder sehr fit war, hat sich der Zustand meines Fahrrads wieder mal schagartig verschlechtert: Am Berg vor der Uni ist am Mittwoch die Gangschaltung gerissen. Ich war recht frustriert und habe es noch nicht zur Reparatur gebracht, dort wird es die Zeit sein, wenn ich in Nantes bin (schon nächste Woche), bis dahin ist Busfahren angesagt.
Arbeitssam war ich wieder diese Woche, und habe ne Menge geschafft. Heute allerdings nicht in der Uni; der PC, an dem ich da sitze, hat irgendwie auf einmal ein Problem, auf die Festplatte zu schreiben, was sinnvolles Arbeiten unmöglich macht. Also bin ich heim und habe auf dem Laptop weitergemacht, ging sogar erstaunlich gut. Dabei hatte ich eine große Ablenkung; ich habe ein verspätetes Weihnachtsgeschenk bekommen; Noten. Welche, kann ich hier (noch) nicht sagen, soll eine Überraschung für ein paar meiner Leser sein. Jedenfalls total toll.
Abgelenkt war ich dann mehr vom Gespräch mit meinen Eltern, so abgelenkt, dass ich Kartoffeln habe einkochen lassen. Die Quittung war ein Feueralarm um neun Uhr abends, aber das geht ja noch. War auch kein Drama, stinkt jetzt nur.
Was gibt's noch neues? Haufenweise 1,0er von meinen Freunden in Mathe — nochmal herzlichen Glückwunsch! Tja… naja, gestern abend hatte ich auf einmal richtig heimweh, will nicht nur für Urlaub, sondern richtig wieder nach Frankfurt. Geht mittlerweile wieder, aber heim will ich trotzdem.
Bjørn, Tag 212, 1. März 2007
For mye hår
Zu viel Haar. Das habe ich mir heute gedacht, als ich den Fahrradhelm aufgesetzt habe; ja, die Haarpracht wächst noch immer ungebremst (außer den Koteletten, die ich hin und wieder stutze). Die Heimfahrt heute ging bei Regen los, dann waren es winzige Eiskristalle, die eine schöne, kalte Gesichtsmassage abgaben, und schließlich weiche Schneeflocken. Der Boden ist dabei allerdings warm genug gewesen, um keine Gefahr zu bilden. Mittlerweile ist es allerdings draußen wieder weiß, so dass das Fahrrad morgen wohl hierbleibt.
Das Wochenende war wieder das Gegenteil von entspannend; Am Samstag war ich wieder unfreiwillig bis 4 wach, und auch am Sonntag konnte ich nach einem Vorabend-Nickerchen bis drei Uhr nicht einschlafen (erst weil nicht müde, dann wegen Musik, dann wegen nicht mehr müde)… Ich hoffe, ich kriege das diese Woche in Griff.
Physik habe ich nicht viel gemacht, dafür heute wieder, und gleich wieder blöde Bugs entdeckt, die ich noch nicht alle aufgespürt habe, vielleicht komme ich da morgen weiter und kann die nächsten Bugs entdecken ☺
Bjørn, Tag 209, 26. Februar 2007
Bussjåfør
Busfahrer. …in Bergen zu werden muss irgendwie eine Sonder-Stunde "wie überhole ich Fahrradfahrer am gefährlichsten" beinhalten. Ich kann ja nicht grade behaupten, immer total toll die Verkehrsregeln zu befolgen, aber wenn man dann von zwei Bussen hintereinander sehr eng überholt wird und — nachdem man sie an der nächsten Station wieder überholt hat, angehupt wird, weil sie wegen Gegenverkehr nicht überholen können, ärgert und nervt das schon sehr. Fast so sehr wie das anschließende Überholmaneuver, trotz freier Gegenfahrbahn wird so dicht aufgefahren, dass ich gehörig in die Eisen steigen musste, um nicht vom Heck überfahren zu werden.
Doch etwas gutes, tolles ist aus dieser Nachricht herauszulesen: Ich fahre wieder! Und gleich natürlich Wochenende. Naja, ich habe jetzt eine Woche, bis Felix kommt, dann den Mittwoch, dann bin ich eine Woche weg und dann wieder ein paar Wochen freie Bahn.
Eine weitere Erkenntnis gab es; ich habe zu wenig gegessen. PANIK DER BJØRN VERHUNGERT DA OBEN! ICH HAB'S DOCH IMMER GEWUSST! — Moment. Ich esse momentan weniger zu Mittag und zum Frühstück als ich es im Oktober getan habe — weil ich weniger brauche, wenn ich jeden Tag mit dem Bus fahre. Und das habe ich heute gemerkt. Außerdem bin ich im Herbst nie so lange im Büro geblieben wie momentan; Fahrrad fahren um vier und Abendessen um fünf sind halt schon andere Voraussetzungen als Fahrradfahren um sechs und Essen um zwanzig vor acht (ich löffle grade nebenbei Spaghetti).
Mein großer Elan ist noch nicht verflogen, auch wenn ich mich gestern bei ein paar Sachen besonders blöd angestellt hatte, habe ich heute diese Idee von Hannah und mir fertig umgesetzt, ich habe nur noch nicht überprüft, ob da auch was Sinnvolles bei rauskommt.
Viel Zeit für andere Sachen bleibt momentan nicht; ich versuche, immer mal wieder Gitarre zu spielen, aber das war's dann auch prinzipiell… Naja, und essen tu ich noch ☺
Bjørn, Tag 206, 23. Februar 2007
En liten smell
Ein kleiner Knall. Die größte Hilfe für meine Diplomarbeit bekomme ich momentan in Gesprächen mit Hannah… Nun, wir hatten da eine Idee, die ich jetzt mit viel Elan versuche, umzusetzen. Mal sehen, wie lange das noch dauert und wie gut das geht. Nach Großeinkauf am Montag und repariertem Abfluss im Bad bin ich dann gestern mit dem Fahrrad in die Uni gefahren, um es dort in eine Werkstatt zu bringen.
In der ersten Vorlesung dann kommt auf einmal ein kleiner Kopf zur Tür rein, es täte gleich "einen kleinen Knall". Die Explosion, die folgte, war nicht wirklich klein, und wir fanden nachher raus, dass die die alte Maschine des alten Aufzuges rausgesprengt haben. Sehr witzig.
Nach dem Norwegisch-Kurs hatte ich dann eine Mail von Papa — "Knall am Südbf — ich war's nicht". Gespräch am späten abend brachte die Geschichte zu Tage: Ein Vier-Wagen-Zug der Linie U2 hat am Südbahnhof einen Prellbock durch die Tunnelwand gedrückt. Dadurch steht da jetzt wohl ein 80 Meter langer Wagen; die Führerstände seinen ineinandergeschoben worden. Bin mal gespannt, was da alles noch rauskommt…
Und am abend fing es wieder an zu schneien, ich habe dem Schnee keine Nacht gegeben, zu überdauern, aber, siehe da, er ist noch hier. Wird wohl wieder nix mit Fahrrad fahren!
Bjørn, Tag 204, 21. Februar 2007
Ny uke, ny sjanse
Neue Woche, neue Chance. Etwas motivierter zu sein. Am Wochenende habe ich nichts wirklich Produktives gemacht; nicht mal das Fahrrad, das ich demnach gleich stehen lassen werde. Oje. Und aufräumen sollte ich auch mal wieder. Dafür war mein 200-Tage-Kuchen verdammt lecker. Das Jazzkonzert waren in der Tat nur drei Musiker in der Ecke eines Restaurants, das haben wir uns dann nicht angetan. Und gestern, Sonntag hat es wieder ab und zu geregnet, heute morgen sieht es … heiter bis wolkig aus, naja, das lässt doch hoffen.
Ich habe noch zwei sehr lustige Sachen entdeckt: Einmal lässt sich Evil Company grade die Idee patentieren, die normale Arbeit am PC zu unterbrechen, um Werbung zu zeigen und nachher die Weiterarbeit zu verhindern, bevor man nicht Fragen zur Werbung korrekt beantwortet hat. Zum anderen macht die Bild-Zeitung eine Studie, in der dargelegt wurde, wie unsinnig es ist, ohne Sinn und Verstand Menschen in Gruppen einzuteilen und dann zu sehen, was dabei rauskommt, zur Schlagzeile Endlich alle 12 Sternzeichen erforscht — So wirken die Sterne auf Ihre Gesundheit!. Was ein Unsinn.
Helau.
Bjørn, Tag 202, 19. Februar 2007
Sykkel
Fahrrad. Das ist seit heute wieder in Betrieb. Und gleich ging's mir wieder ein bisschen besser, nachdem ich am vormittag und morgen beim Versuch, aufzuschreiben, was ich gerade programmiert hatte, festgestellt habe, dass es totaler Schwachsinn ist und nicht funktioniert. Das war ganz schön deprimierend. Dafür habe ich in der Zwischenzeit ein Quantenfeldtheorie-Buch bekommen, wollte einer nicht mehr haben. Sehr cool.
Sehr cool ist auch, dass mein Besuch immer näher kommt und sich dabei vermehrt; nachdem Felix alles gebucht hat, Johannes' Flüge stehen, erzählte mir Stefan (H.), dass er Ostermontag in Bergen sein wird, auf der Durchreise nur, aber immerhin, für den Tag mit seinem Vater.
Auf der Durchreise durch Neuchâtel werde ich (hoffentlich) im Juni sein, wenn ich vom CERN zurückkomme (weiß noch nicht, ob die mich überhaupt hinlassen). Nun, falls ja, werde ich dort wohl ein paar Stunden mit einer ewig alten Freundin, Eyleen, verbringen, die ich kürzlich wiedergefunden und mit der ich am Dienstag ewig lang gechattet habe.
Morgen werde ich abends zu einem Gratis-Jazzkonzert gehen, mit Szabolcs, und wir hoffen beide, dass es auch gescheit ist und nicht nur eine Masche des Cafés, um Menschen anzulocken… Naja, wir werden es sehen.
Und dann, am Samstag, ist es genau zweihundert Tage her, dass ich hierher gekommen bin. Wie genau ich das feiern werde, weiß ich noch nicht; es ist Chorprobe, aber Kuchen habe ich jedenfalls schon mal gekauft (steht im Gefrierfach). Aber ein bisschen Angst kriege ich ja schon, dass ich schon so lange hier bin, das heißt ja, dass ich nicht mehr so lange hier bin, und wenn ich heute gemerkt habe, dass ich die Arbeit dieser Woche schonmal wegschmeißen kann… *rghs*
Bjørn, Tag 198, 15. Februar 2007
Søvnløshet
Schlaflosigkeit. Was ist nur los? Mal wieder der Reihe nach: Das Wochenende brachte zwei sonnenklare Tage, heute war es durchgängig bewölkt, aber trocken. Programmiert habe ich nur wenig, ist auch mal besser so, zur Abwechslung. Generell habe ich nicht viel getan, dieses Wochenende, und das war wohl ein Teil des Fehlers. Am Samstag abend bin ich nach einem ereignisarmen Tag über Verschlüsselungssoftware gestolpert, die mich bis drei Uhr abends beschäftigt hat.
Am späten Sonntag nachmittag geht dann mein Mikro auf einmal nicht mehr — was ist passiert? Nach dem (recht einseitigen) Gespräch mit Hannah schraube ich das Headset auf; Kabel gerissen! So ein Mist!
Abends drängelte ich dann Johannes ein bisschen, (naja, gut, ein bisschen viel,) und buchte schlussendlich seinen Flug hierher und unseren Flug zurück nach Frankfurt. Juchu! Meine Rückfahrt wird wohl mit dem Zug sein; IC nach Hamburg (über Nacht), EC über die Vogelfluglinie nach København, dann wie schon mal, Göteborg, Oslo und Nachtzug nach Bergen. Die Karte dafür werde ich aber erst in Frankfurt kaufen.
Tja, und dann konnte ich nicht einschlafen. Um viertel nach zehn ins Bett, um viertel nach elf wieder raus, um halb eins wieder rein, um kurz nach zwei wieder raus, halb drei… Kurz nach drei dann nochmal kurz aufgestanden, und dann endlich liegengeblieben. Oh Mann!
Heute fing mit einem neuen Paper an, wo jemand, den Hannah gut kennt, etwa das gemacht hatte, was ich auch mache, nur ein bisschen anders. Finde ich recht interessant, diesen Ansatz, diese Arbeit, und ich denke, ich habe daraus was gelernt. Mittags wollte ich dann von Laszlo einen Tipp haben, brauchte eine Stunde, um ihn davon zu überzeugen, dass es ein Problem gibt, eine weitere halbe Stunde, um ihn wirklich davon zu überzeugen und die restliche halbe Stunde reifte in mir die Erkenntnis, dass ich es einfach so mache, wie ich denke. Na toll.
Bjørn, Tag 195, 12. Februar 2007
Fartsmåler
Tacho. Eine Woche mit super Wetter liegt hinter mir. Zwar hat es nicht weitergeschneit, aber der Schnee liegt noch immer, und es waren jetzt drei Tage in Folge praktisch wolkenlos. Und kalt. Morgen, am 10. Februar, läuft meine Buskarte aus. Was tun? Neu kaufen? Das werde ich wahrscheinlich tun, entweder morgen oder am Montag, weil es noch glatt ist, aber ich habe heute einen neuen Tacho gekauft. Sieht ähnlich aus wie der, den ich hatte, selbe Firma, und passt in die selbe Halterung. Und hat dieselben Funktionen.
Zwei Besucher haben sich in der letzten Woche angekündigt; Felix kommt Anfang März, bevor ich nach Paris fliege, und Johannes (wahrscheinlich) im April, so dass ich mit ihm zusammen nach Frankfurt fliege. Juchu! Und nach Paris fliege ich auch nicht alleine, Therese nimmt durch Zufall denselben Flug.
Leider war ich am Mittwoch und Donnerstag nicht sehr motiviert, weiterzuprogrammieren; ich schob es zumindest teilweise darauf, dass mein Programm schon 1400 Zeilen lang war (heute sind es noch mehr; 1485, sehe ich grade), und es langsam etwas unübersichtlich wird, vor allem, wenn man merkt, dass man irgendwas komplett anders als vorher gedacht machen muss. Naja. Nach dem langen Weg nach Tipperary und Gregori Wallascheck (kleine Magie zum großen Preis) heute morgen im Radio war ich dann wieder motiviert, und heute habe ich es soweit geschafft, dass ich glaube, dass mein Programm jetzt sinnvolles tut. Der letzte Test fehlt halt noch.
Und wieder fast vergessen: Der Chor. Recht spaßig. Mehr bei Gelegenheit.
Bjørn, Tag 192, 9. Februar 2007
Verdensmester
Weltmeister! Im Handball. Und im Heucheln? Oder eher Erpressen. Eigentlich in beidem. Lassen wir uns das mal Revue passieren: Die EU-Kommission fordert Abgasgrenzwerte für Neuwagen. Die deutsche Autoindustrie droht mit Stellenabbau (den sie sowieso vornimmt) und unsere Regierungsspitze kündigt Widerstand an. Soviel zur Erpressung. Ein paar Tage später veröffentlicht die UN eine Studie, nachdem der Mensch für sehr starke Klimaerwärmung verantworlich ist. Unsere Kanzlerin posaunt hinaus, dass Deutschland und die EU eine Führungsrolle übernehmen müssen und etwas gegen Umweltverschmutzung tun müsse. So viel zur Heuchelei. Aber dann ist sie ja doch noch zurückgerudert und hat sich der Verpflichtung meiner Lieblings-Lobby gegenüber entsinnt. Nein, nicht nur Schröder war Auto-Kanzler. Ich finde, so was darf nicht passieren. Und wenn die Autoindustrie die Macht hat, Umweltverbände aber nicht, dann muss eine Revolution her. (Juchuh, habe gerade 10 neue Leser dazugewonnen — hallo, liebe Leute vom Verfassungsschutz!) Manchmal habe ich echt die Nase voll.
Hier gab's heute wieder Schnee, und ich bin immer noch am programmieren; ich hatte allerdings am Wochenende das erste Erfolgserlebnis, als mein Programm im leichtest vorstellbaren Fall genau das machte, was es sollte. Geht doch. Jetzt habe ich Riesen-Probleme mit einem kleinen Bug, da muss ich wohl etwas tricksen, und dann vielleicht mal wieder Physik machen.
Nicht gefreut habe ich mich heute über meinen Büronachbarn, der am gestrigen Sonntag in das Büro gekommen war und Damenbinden überall hingeklebt hatte. Auch an Röhren- und sogar LCD-Monitore. So ein Idiot. Fand er ja soo witzig (heute auch noch). Wenigstens finden wir anderen 5 es sehr unlustig, ich bin also nicht alleine. Kleinkind!
In Norwegisch habe ich heute bei einem Spiel (Tabu ohne Tabu-Wörter) einen Bleistift und einen Radiergummi gewonnen, sehr cool. Ach, und dann war da ja noch ein anderer Chor, der letzten Dienstag Aufnahmeprobe hatte — obwohl es diesmal sehr schlecht gelaufen war, wollten sie mich. Morgen abend ist erste Probe. Und die Nachrichten aus dem Süden sind auch momentan alle recht gut: Die Bayern verlieren auch mit neuem Trainer, die Mainzer nicht, Handball, Hannah ist sicher in Nantes angekommen, das BKA darf ihren tollen Trojaner-Virus nicht einsetzen (an meine neuen Leser vom Verfassungsschutz: Was denkt ihr euch nur dabei?) und und und. Und tschüss.
Bjørn, Tag 188, 5. Februar 2007
Finale
Hier muss nicht immer was über Norwegen stehen, oder? 1999 war's. Die Eintracht war praktisch abgestiegen — nicht, dass es mich gejuckt hätte. Der letzte Spieltag war, ich war Trambahn fotografieren mit meinem Papa. Ich mach's kurz: Die Eintracht schaffte in einem unglaublichen Schlussspurt ein 5:1 gegen Kaiserslautern und den Klassenerhalt. Wenn ich mir die Radiokonferenz von damals nochmal anhören könnte — oh yeah. Mir ist es noch ewig dabei eiskalt den Rücken runter gelaufen; schade, dass ich es nicht live erlebt hatte. Trotzdem einfach geil. Vier Jahre später bin ich daheim und fiebere bei der Schlusskonferenz der zweiten Fußball-Bundesliga mit. Mainz führt 4:0, Frankfurt hat ein 3:1 zu Pause verspielt, jetzt steht's 3:3. Auch hier mach ich's kurz: Ein Last-Second-Tor besiegelt das 6:3 bei der Eintracht, Mainz gewinnt 4:1, die Eintracht steigt auf. Auch das war absoult tolles Kino im Kopf, hervorgerufen durch Radio. Warum zum Teufel erzählt der Bjørn das alles?
Das ist ja alles nichts gegen eine Handball-Übertragung. Mit zweimaliger Verlängerung. Wenn die Franzosen ständig in Führung liegen und die Deutschen am Ende mit 32:31 gewinnen und ins Finale der Handball-Weltmeisterschaft einziehen. So ein hin und her… Puh! Das war toll. Danke hr info!
PS: Boah ey!
Bjørn, Tag 184, 1. Februar 2007
Innkalling!
Einzug. Das letzte mal, dass ein Land 42-jährige zum Militärdienst verpflichtet hatte, war im dritten Reich. Das nächste mal wird es wohl, na wo? Genau. Im evil Empire sein.
Nicht so sehr Politik, aber auch interessant: Im deutschen Radio habe ich nie etwas davon gehört, aber es ist eine recht große Meldung hier in Norwegen: Evil Company's neues Betriebssystem, Vista, gibt der NSA Zugriff auf die PCs. Einfach so. Naja egal
Wie man gescheite Programme schreibt, versuche ich gerade herauszufinden; ich bin fleißig dabei. Natürlich tauchen an immer mehr Stellen Probleme auf, und ich tue mein bestes, alle Löcher zu Stopfen, aber manchmal bin ich doch etwas frustriert… Meine Norwegischlehrerin hatte mir am Montag von einem anderen Chor erzählt, der gestern, Dienstag ein Vorsingen veranstaltet hat, aber ich habe keine großen Illusionen, dieses Vorsingen war richtig scheiße. Ich hatte das Gefühl, dem Dirigent ist es wichtiger, wie ich den Laut (nicht den Ton) a ausspreche (wenigstens kenne ich jetzt den subtilen Unterschied zwischen dem deutschen und dem norwegischen A), als die Töne die ich singe. Das hat auch nicht grade zu meiner Laune beigetragen. Ansonsten ist alles ganz toll, und auch das Fehlersuchen macht ja irgendwie Spaß, und zwar nicht zu knapp. Nur bleibt dabei momentan kaum Zeit für etwas anderes.
Die Nachrichten aus der Heimat sind auch meistens nicht so gut (außer dem 27:25 der Deutschen gegen Spanien bei der Handball-WM und netten Grüßen); eine Wahlbeteiligung von 35 % wird mir als "Zeichen der Zufriedenheit" verkauft — Idiot —, die Eltern löschen Daten — grgh — naja, wenigstens haben die Mainzer am Samstag gewonnen und die Bayern weder gestern noch am Freitag. Das ist doch wieder was.
Ich will mich an dieser Stelle mal dafür entschuldigen, dass das hier manchmal so eine Art "Braindump" ist, so ohne Struktur, aber ich bin nicht motiviert genug, um eine gute Struktur für meine Gedanken zu finden. Dafür bin ich offensichtlich motiviert genug, soviel darüber zu schreiben, dass ich nicht motiviert bin GENUG JETZT!
Bjørn, Tag 183, 31. Januar 2007
Avslått!
Abgelehnt! Aber dazu gleich. Erstmal kommt es mir die ganze Woche so vor, als sei die Welt in heile Welt hier in Bergen und unheile Welt in Frankfurt aufgeteilt. In der Tat geht es momentan nicht nur mindestens drei Leuten, die mir nahe stehen, recht schlecht, auch habe ich in den letzten Wochen genau zweimal zu oft gehört, dass jemand eine nahestehende Person verloren hat. Mein Beileid. Auf der anderen Seite ist hier immer noch Frost und Schnee, gerade schneit es wieder, obwohl eigentlich seit Freitag wieder Tauwetter angesagt war, in Norwegisch habe ich ein Kennenlern-Spiel gewonnen (mit zwei anderen zusammen), der Preis war ein norwegisches Buch, dass ich jetzt anfange, zu lesen. (Es ist ein Buch auf norwegisch, kein norwegisches Buch; es spielt in Japan und heißt Snø — Schnee.) Außerdem war ich gestern auf einer netten Semesterstart-Party, überlege momentan, über Ostern mit Szabolcs nach Tromsø zu fahren, Melanie besuchen, und mit dem Hurtigruter-Schiff wieder runter (oder andersrum), Melanie weiß nur noch nicht, ob sie da ist. Und dann macht Programmieren momentan einfach sehr viel Spaß, ich bin sehr motiviert und auch recht produktiv. Irgendwie fühle ich mich einfach gut.
Heute morgen las ich dann allerdings in der Zeitung. Dazu muss ich etwas ausholen: Bei dem Chor, von dem ich erzählt habe, gab es am Dienstag eine Aufnahmeprobe. Die war mit ein wenig singen und ein wenig auf Knien vor einem Theaterscheinwerfer sitzen und Fragen beantworten. Das Ergebnis sollte am Samstag in der BA stehen. Leider steht mein Name da nicht, ich muss also weiterhin meine Nachbarn nerven, wenn ich singen will ☹. Aber auch heute war ich wieder recht motiviert, zu arbeiten, trotzdem, ich fühle mich trotzdem recht gut. Viel mehr gibt's nicht zu erzählen.
Bjørn, Tag 179, 27. Januar 2007
Snø
Schnee. Aber der Reihe nach. Nicht ganz weiß, sondern teilweise grün war der Schimmel auf meinem Brot am Samstag abend. Die neue Brotsorte, die ich momentan esse, hält wesentlich länger als die alte, und daher war der zweite Laib, den ich am Montag gekauft hatte, am Ende nicht mehr gut. So ein Mist! Zum Glück hatte ich noch (recht neuen) Kartoffelsalat, der mich über den Abend gerettet hatte. Am Sonntag gab's dann gutes Mittagessen, allerdings sind keine Kartoffeln fürs Abendessen übrig geblieben. Da ich den ganzen Tag gekehrt und Wäsche gewaschen habe, hatte ich abends aber Hunger, also entschloss ich mich, in die Stadt zu fahren, um einen Whopper zu mir zu nehmen.
Am sternklaren abend nahm ich dann nicht den Bus heim, sondern lief durch das eiskalte Bergen, bevor ich in Club Fantoft noch ein Bier nahm und ins Bett ging.
"Stromausfall" bezw. "Strømutfall" wäre der Titel dieses Artikels gewesen, wenn ich ihn heute morgen geschrieben hätte. Kurz, bevor ich gehen wollte, ging meine Lampe aus, der Laptop schaltete auf Akku-Betrieb, und auch das Internet ging nicht mehr. Blick zum Fenster raus — alle Straßenlaternen dunkel, auch auf der anderen Seite des Tals, aber, so ein Glück, etwas in Richtung Norden, da, wo Bergen ist, brennen Lichter, also kann ich wohl in der Uni arbeiten.
Man höre und staune, gestern um 21:20 habe ich auch die für's Wochenende versprochenen Plots bekommen, und heute morgen dann gegen 10 deren endgütige Version. Nach den letzten Rumschraubungen wollte ich dann die Dateien für den Artikel zusammenpacken, mache aber einen Fehler und überschreibe die Textdatei. Man stelle sich das vor; vier Seiten eineinhalb Stunden vor Abgabetermin (ich hatte mir selbst 12:00 Uhr als Ziel gesetzt) zunichte. Einfach so. Was jetzt?
Ärmel hochkrempeln und nochmal schreiben. Ich hatte den Output noch und einen Ausdruck und versuchte dann, die Quelldatei wiederzuschreiben. Als ich bei der ersten Referenz angekommen war, erinnerte ich mich daran, dass ich den Quelltext am Wochenende per Mail verschickt hatte, ich konnte diese Daten benutzen, musste nur noch die weiteren Änderungen einarbeiten. Um Halb Zwölf war es fertig. Und jetzt ist es veröffentlicht.
Nach Mittagessen mit Sonnenschein bei klarstem Wetter und so war dann um zwei Uhr Norwegisch-Kurs. Keiner da, den ich kenne, so ein Mist. Doch dann geht die Tür auf, und wer kommt rein? Aasne, die schon letztes Semester meine Lehrerin war. Und sie war wirklich gut, deswegen habe ich mich sehr gefreut.
Und dann passierte es: Es fing an zu schneien! Zwischendurch mal wieder nicht, aber dann wieder — schon gut und gerne sieben Zentimeter! Und es scheint kalt genug, so dass es liegenbleibt! Und jetzt hör ich mal wieder auf mit den Ausrufezeichen. Ihr merkt daran aber, dass bis dahin alles toll war.
Nur bis dahin? Nein! Es ging ja noch zum Chor. Die "öffentliche Probe" bedeutete nicht etwa "wir singen und ihr dürft zugucken", sondern "wir singen und ihr dürft mitmachen". Und danach ging es in ein Café, in dem weitergesungen wurde und ich mit vielen Leuten sprach. Dabei habe ich krass gemerkt, wie schlecht ich noch Norwegisch kann, aber Mitglied in diesem Chor zu sein (so die mich denn morgen nehmen), würde meinem Norwegisch mit Sicherheit helfen!
Bjørn, Tag 174, 22. Januar 2007
Ytringsfrihet
Redefreiheit. Keine Angst, der Politik-Teil
ist heute recht kurz. Nur noch ein Argument gegen die Ju Es of
Ey: Zugegeben, noch nicht beschlossen, aber alleine die Tatsache, dass
es im Kongress als Gesetzesvorlage liegt, ist einfach ohne Worte:
Jeder, der gegen Bezahlungkommerziell politische
Lobbyarbeit betreibt, soll sich nach den Plänen der Republikaner beim
Kongress registrieren und ihm alle drei Monate zu berichten, was man
gesagt hat, bei Zuwiderhandlung Gefängnis.
Ok, ist ja in
Ordnung, gegen Bezahlung Lobbyarbeit ist ja auch irgendwie komisch,
nicht? Nein, wenigstens nicht so: Große Unternehmen kriegen
jede Menge Schlupflöcher, während einfache Kommunikation als Lobbyismus
angesehen wird und unentgeltliche Kommunikation zu mehr als 500
Leuten schon als bezahlterkommerzieller
Lobbyismus betrachtet wird. Wer will noch nach Amiland? Ich nicht.
So, was war noch? Eine weiß-grüne Wiese vor dem Fenster, die Wiese scheint sogar weißer zu sein als der Berg dahinter, aber leider sind die Vorhersagen für die Temperaturen mittlerweile nach oben korrigiert worden, es wird wohl nur noch recht kurz unter den Gefrierpunkt gehen.
In der Uni hatte ich diese Woche vergeblich auf die Plots gewartet und das Paper am Freitag an die Koautoren geschickt, ohne diese Plots, und um Rückmeldung gebeten. Zwei davon habe ich bekommen, sie sind eingebaut, und jetzt hoffe ich nur, dass die beiden Plots wirklich am Wochenende kommen, und dann habe ich am Montag meine allererste Veröffentlichung. Ich glaube, dann gehe ich feiern!
Nein, kann ich nicht. Montag abend trifft sich der Männerchor Arme Ritter, bei dem ich nächstes Semester mitsingen will. Mal sehen ob die mich wollen ☺
Mal sehen auch, wieviel die Bücher für den Norwegisch-Kurs dieses Semester kosten, letztes Semester war ich da mit 80 € doch recht teuer dran.
Vielleicht doch noch was zum Wetter: bei mir war es gestern sehr sonnig, und in letzter Zeit nicht sehr windig, im Gegensatz zu Deutschland. Alle, bei denen ich mich gestern erkundigt habe, hatten keine Probleme, aber wie sah's bei euch anderen aus? Ich würde mich über Erfahrungsberichte freuen. Und wenn ich bei der Frage danach nicht mehr unbedarft zwischen irgendwelche gerade frisch entstandenen Fronten gerate, wäre ich auch sehr dankbar *g*
Bjørn, Tag 172, 20. Januar 2007
Forlesning
Vorlesung. Die erste dieses Jahr (und damit in meinem achten Semester) hatte ich heute. Quantenfeldtheorie. War heute nur Wiederholung von der Vorlesung letztes Semester, aber egal. Das Frühjahrssemester wird (abgesehen von meinen wahrscheinlich drei Reisen) hier in Bergen zweimal unterbrochen; Ostern is nix, und Anfang Februar sind Winterferien. Habt ihr das gemerkt — was eine tolle Brücke — WINTER! Jaha! Heute morgen habe ich seit langer Zeit mal wieder eine Zeitung im Aufzug gefunden, und der Wetterbericht sagt Donnerstag abend und den kompletten Montag frostige Temperaturen vorraus — ohne Niederschlag dann zwar, aber immerhin, es wird kalt.
Allerdings sagt diese Zeitung auch vorne "81 Tage mit Regen in Bergen" und hinten weist die "Niederschlagsstatistik der letzten 30 Tage" zwei Tage ohne Regen aus…
In der Uni habe ich die letzten Tage die Proceedings zu Laszlo's Vortrag bei der QuarkMatter zusammengeschrieben, und habe davon eine Menge Zeit damit verbracht, auf jemanden zu warten, der mir Plots machen soll, leider immer noch vergeblich. Mal sehen, wie lange das noch dauert.
Außerdem habe ich weiter am Songbook gearbeitet, mit Stefan's neuem Input (heute schickte er mir "Snow" von den Chili Peppers); ich versuche, nach und nach das Format zu vereinheitlichen. Das war zwar schon das Ziel gewesen, als ich überhaupt angefangen hatte, das alles zu einem riesigen PDF zusammenzupacken, aber hat dann doch irgendwo nicht mehr funktioniert. Wenn ich es jetzt einmal durchgehe, wird es mit Sicherheit wieder zwischen ganz vorne und ganz hinten Inkonsistenzen geben, deswegen versuche ich, die "Regeln" aufzuschreiben und es möglichst gründlich (und zweimal) durchzusehen, das wird aber wohl etwas dauern. Aber ich hab ja Zeit ☺
Bjørn, Tag 169, 17. Januar 2007
Smør
Butter. Darüber habe ich eigentlich nicht viel zu erzählen, aber ich sitze hier gerade, Samstag morgen, höre Werner Reinke, und habe als Frühstück Weißbrot mit Nutella — und ungesalzener Butter darunter. Ist ein Überbleibsel von Mama und Papas Essenspaket zu Weihnachten. Das ist Luxus. Hach.
Dem Wetter nach zu urteilen, hat sich der Frühling wieder etwas zurückgezogen, aber nein, er ist nicht schon dem Sommer, sondern doch wieder dem Winter gewichen. Am Mittwoch morgen hat es geschneit, davon war zwar abends nur noch Glatteis übrig, aber auf dem Løvstakken ist es immer noch recht weiß. Keine Bilder, natürlich, Kamera is ja kaputt, schade.
Doch neben dem verspäteten Jahreswechsel hat sich noch was anderes getan; in meinem Büro gibt es jetzt zwei neue; Masterstudenten aus Stavanger, die allerdings noch keine Ahnung haben, über was sie schreiben. Nun ja. Während ich in dieser Woche recht fleißig am Programmieren und Schreiben war, haben sich meine Reisepläne für das nächste Halbjahr weiter erweitert: Vom 16. bis 19. April findet ein Hydro-Workshop statt, organisiert vom ITP Frankfurt! Und ohne wirklich Rücksprache zu halten, hat Laszlo einfach mal vier Leute — mich und ihn eingschlossen — angemeldet. Nicht falsch verstehen, ich find's super. Noch eine Reise nach Frankfurt, für die ich nix bezahlen muss!
Meinen Mitbewohner habe ich immernoch nicht wirklich kennengelernt, etwas merkwürdig, vielleicht bringt das gerade beginnende Wochenende ja was.
Songbook
Das Wochenende wird mit relativ großer Sicherheit wenigstens eine Erweiterung für's Songbook bringen — Dani California! Ist schon alles vorbereitet, bin nur nicht ganz fertig.
Bjørn, Tag 165, 13. Januar 2007
Manuel
Keine Zeit, traurig zu sein. Heute ist Hannah wieder nach Hause geflogen (wenn alles pünktlich war, ist sie vor zehn Minuten in Frankfurt gelandet), und deswegen geht's mir nicht wirklich super. Wie auch. Allerdings könnte es schlimmer sein, aber von vorne: Gestern und heute haben wir tatsächlich mal die Sonne gesehen. Ich habe gestern mit Laszo geredet, und er sagte mir, dass er im März mal eine Woche in Dresden sein wird, wusste aber noch nicht genau, wann. Das traf sich gut, denn ich wollte Hannah doch mal im März in Nantes besuchen kommen. Heute kam ne Mail, unser Wunschtermin haut hin, ich habe Flug Bergen → Paris sowie den TGV Paris → Nantes (jeweils mit Rückfahrt) für 8. März bzw. 15. März gebucht. In 58 Tagen sehe ich sie um 17:07 am Nanter Bahnhof wieder!
Außerdem will mir Laszlo für eine Konferenz Anfang Juni am CERN, um deren Besuch mich Horst gebeten hatte, die Fahrt nach Frankfurt (ab da bezahlt Horst) finanzieren, so dass ich dann wohl an Christi Himmelfahrt oder so komme, meinen Geburtstag feiere, dann zur Gitarrenfreizeit mitfahre und am Pfingstmontag abend nach Genf abhaue, zwei Wochen, und dann noch wahrscheinlich eine Nacht in Frankfurt und dann bis zum bitteren Ende nach Norge. (Alles ohne Gewähr!) Nun, also das scheint auch Form anzunehmen.
Die Rückfahrt vom Flughafen nutzte ich, mir mal das unerwartetste Weihnachtsgeschenk dieses Jahr, eine hessische Weihnachtsgeschichte, durchzulesen, das hat meine Tränen etwas reduziert und in Lachtränen umgewandelt. Danke, Johannes, Julia, Luisa, Fabian, Angela, Stefan und Berit — wahnsinnig toll!
Dann saß ich hier rum, keine Lust auf nix, als es an der Tür rumschraubt und mein neuer Zimmernachbar reinkommt. Mexikaner, Wiwi, bleibt ein Semester hier, hat einen Freund im C- oder D-Block (die mit großer Küche), und kündigte an, dass er die meisten seiner Essenmachsachen bei ihm unterbringen wird, weil es hier keine Mikrowelle gibt. Nun, ich habe hastig gespült (das war eigentlich als Ablenkung für die großen Einsamkeitsschübe von heute abend gedacht gewesen) und ein paar Worte mit ihm gewechselt und festgestellt, dass ich mit dem Lernen des Norwegisch endgültig alle letzten Reste Spanisch aus meinem Wortschatz verbannt habe. Nun, er kann Englisch, also halb so wild. Nach kurzer Zeit sind sie wieder abgedampft, die beiden, ich bin mal gespannt darauf, ihn näher kennenzulernen.
Ach so, er heißt Manuel.
Außerdem bin ich gespannt darauf, wie ich jetzt weiterarbeiten kann, jetzt, wo es schlechtes Wetter und jeden Tag ein paar Minuten mehr "Helligkeit" gibt… Das Fahrrad bleibt aber noch einen Monat stehen, ich werde morgen meine Busfahrkarte 'verlängern'.
Bjørn, Tag 161, 9. Januar 2007
Ferie
Ferien. Und zwar schon recht lange und von recht vielem, auch dem Bloggen, aber leider nicht von allem. Weihnachten hatte ich etwas Ferien von Bergen, mit der Familie, aber leider nicht vom Regen. Das ach-so-schneesichere Voss hatte keinen Schnee, sehr schade. Also wollten wir nach ein paar schönen Tagen in die Berge fahren, um dort durch Schnee zu stapfen, also auf nach Finse, mit dem Zug. Zu spät stellte ich fest, dass ich auch keine Ferien von meiner Dabbigkeit hatte; es fiel mir erst auf, als meine Kamera auf dem Boden aufschlug. Kaputt. Der Ausflug war trotzdem toll, wir sind ein paar Stunden durch den Schnee und über einen See gewandert, um dann wieder zurückzufahren. Bilder — eine Zusammenstellung aus meinen und denen meiner Mutter — gibt's wahrscheinlich auch irgendwann.
Seit dem 27. bin ich wieder im Bergener schlechten Wetter (das sich eigentlich nicht wirklich vom Vosser schlechten Wetter unterscheidet), obwohl, gerade eben wird das grau draußen doch merklich bläulicher…, ähm… achso, ja, zurück in Bergen, und mit toller Begleitung (Hannah natürlich). Wir verbringen hier eine wie immer schöne Zeit, und ich plane ernsthaft, im März mal nach Nantes zu fahren, ich warte nur noch, bis Laszlo kommt und ich mit ihm den Termin vielleicht mal abstimmen kann.
Noch was lustiges: Melanie, meine normalerweise so verfrorene Schwester (sie studiert momentan in Tromsø), kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus: Der Bahnhof in Bergen (sie kam bei Dunkelheit an) ist größer als der Flughafen in Tromsø, die Straßen sind ja viiiiiiel größer, und, hey — die haben ja Fahrbahnmarkierungen! Und soooo viel Verkehr! Und hier in Fantoft, da ist man schon ne viertel Stunde Bus gefahren, hier gibt's immernoch Ampeln! Davon gibt's in Tromsø nur welche am Flughafen und im Industriegebiet! Und — Oh Gott, ist es hier Warm!!!! Gegen Mittag war sie dann von der Helligkeit geblendet, kein Witz. Am Tag, bevor wir in Finse waren, hat sie Kopfschmerzen von der "Helligkeit" gehabt, so geht's mir im Sommer in Frankfurt…
Mit der Physik geht es momentan komischerweise recht gut voran, in Voss habe ich etwas programmiert, und hier auch, und es steht schon ein großer Teil des Programmes (wobei ich den schwierigsten allerdings bis jetzt gut umschifft habe).
Ach ja, mir sind da noch so Gerüchte zu Ohren gekommen, von wegen, man müsse meine Wetterstatistik eine Spalte nach rechts verschieben — unverschämte Verleumdung! ☺ Also, naja, es kann schon sein, dass die Tage, die im Dezember sonnig waren, zur Hälfte im August noch wolkig gewesen wären, aber "wolkig" heißt vor allem, kein Regen oder nur sehr wenig. Wenn ich vier mal am Tag draußen bin und ich nie nass werde (auch meine Kleidung nicht), dann ist das wohl kaum verregnet, und auch nicht regnerisch. Also, ich finde die Statistik ok.
Heute abend gehen wir Pizza essen, mal sehen, ob wir dahin schwimmen müssen (das blau wurde wieder durch grau verdrängt mittlerweile…), ansonsten mal sehen. Bis dann.
Bjørn, Tag 158, 6. Januar 2007
God Jul!
Frohe Weihnachten! Nein, das kommt nicht etwa drei Tage zu früh, die Römer konnten nur einfach nicht rechnen. Jul ist auch, im Gegensatz zum deutschen Wort, die alte Bezeichnung für das "heidnische" Jahresendfest, dass eigentlich heute stattfinden müsste — heute ist der kürzeste Tag im Jahr, folglich beginnt nach der schon angefangenen Nacht das neue Jahr. Also: Frohes Neues Jahr, alle zusammen: Godt Nytt År, Alle Sammen!
Morgen kommt also Melanie aus Oslo, und damit beginnt für mich Weihnachten. Naja, eigentlich nicht:
Nachdem ich heute mittag das erste Mal in meinem Leben eine halbe Prüfung lang nichts wusste (kein Blackout, einfach nicht gelernt) und dann noch mal zurück musste, um Wäsche aus dem Trockner zu holen, nahm ich drei Bier (für mich und die beiden anderen Prüflinge) mit. Und als wir dieses kurz vor der Notenbekanntgabe aufmachten, fingen für mich die Ferien an. Das Wetter ist recht gut momentan, das heißt, es ist nur bewölkt, ohne Regen, wenigstens, wenn ich hingucke. Übermorgen geht's nach Voss, eigentlich ist da Schnee garantiert, nur bezweifele ich, dass es da so kalt ist, wenn es hier sieben bis neun Grad sind… Also, ob es weiße Weihnachten werden, darf bezweifelt werden.
Auf jeden Fall werden es schöne Weihnachten im Familienkreis. Ob ich die Möglichkeit (nicht zu sprechen von der Zeit und Lust) haben werde, ins Internet zu gehen und eventuell aktuelle Bilder unserer Hütte zu veröffentlichen, vielleicht sogar Schneebilder (naja, siehe oben), weiß ich nicht. Auf jeden Fall wünsche ich euch allen ein frohes Fest und mögen alle eure Wünsche in Erfüllung gehen.
Bjørn, Tag 142, 21. Dezember 2006
Mørke
Dunkelheit. Mittlerweile macht mir die schon ziemlich zu schaffen, wesentlich mehr, als ich es für möglich gehalten hatte. Gestern war es besonders schlimm; niemand mehr hier, mit dem man spontan was unternehmen könnte, und am Freitag entschlossen, keine Physik am Wochenende zu machen, wurde mir recht langweilig. Mit Schlafmangel (es scheint mir tatsächlich zu dunkel zu sein, wer hätte sowas für möglich gehalten) gepaart gab das einen recht doofen Abend. Chatten hatte es auch nicht viel besser gemacht. Und heute? Alles viel besser. Zweimal heimskypen und — vor allem — gutes Wetter haben meine Laune sehr gesteigert. Und mein anderthalbstündiger Spaziergang inklusive halbe Stunde auf-der-Bank-sitzen-und-in-die-Sonne-gucken. Leider belichtet die Kamera nicht gut genug, als dass man die Sonne auf den Bildern sehen kann, aber ich denke, sie sind trotzdem ganz gut, und zumindest habe ich die Erinnerung an so was wie "Helligkeit" wieder aufgefrischt.
Davon gibt's auch Sonnenbilder an einem schönen Sonntag Mittag: Endlich wieder gutes Wetter und Helligkeit!
Das hier war noch vor dem Spaziergang entstanden; es ist gutes Wetter und
kalt!
Auch der andere Berg, der Ulriken, hat Schnee (der ist ja auch knapp doppelt
so hoch)
Das ist der Storetveitvatnet, an dem ich eine halbe Stunde in die Sonne
geguckt habe… Das Bild ist um drei Uhr mittags entstanden, eine halbe
Stunde vor Sonnenuntergang
Hier konnte man im Original die Sonne am Himmel und im Wasser erkennen, aber
das ist leider auf dem Chip der Kamera verloren gegangen. Trotzdem schön.
An dem Bild ist irgendwas falsch... Auch der Løvstakken.
Bjørn, Tag 138, 17. Dezember 2006
Vår
Frühling. Guck mal an, 135 Tage sind schon vorbei. Da fällt mir doch auf, dass das ⅜ eines Jahres ist. Da ich immernoch nicht das Gefühl habe, schon ⅜ der Arbeit geschafft zu haben, bin ich momentan recht exzessiv am arbeiten, immernoch.
Allerdings scheine ich wohl hier zwei Frühlinge erleben zu können; heute waren es neun Grad. Das Wetter dazu ist wechselhaft, alles außer Sonne und Schnee (doch, Sonne gab's — massig sogar — am Samstag, aber seit dem nicht mehr). Am Montag hatte ich mich dann tatsächlich zum Busfahren entschieden und das Fahrrad in der Uni (da ist es überdacht) stehenlassen. Diese Entscheidung wurde zum Glück direkt durch Hagel gerechtfertigt (den es seit dem nicht mehr gab) und hat auch was damit zu tun, dass ich an einer Stelle meines Hinweges an ebenjenem Tag mitten auf der Straße plötzlich in (ungelogen) 10 Zentimeter tiefen Wasser gefahren bin. An der selben Stelle machen momentan auch die Busse sehr langsam… Dass dies selbst für Bergen nicht typische Verhältnisse sind (und ich habe mich ja schon mal über tiefe Pfützen beschwert), konnte ich nur erahnen, weil da jemand mit einer Fernsehkamera stand und die armen Passanten gefilmt hat.
Da hier momentan alle nach Hause aufbrechen (entweder Heimaturlaub oder fertig), scheint in Fantoft irgendwie überall Feierlaune angesagt zu sein, was nicht per sé schlecht wäre, wenn diese Idioten doch nur die Finger von den Feuermeldern lassen würden… Einmal war's drei Uhr, gestern (bzw ja schon heute) halb eins. In der Nacht, jeweils (das um viertel nach zwölf war schlimmer, ich hatte grade geduscht, und das mit drei Uhr war am Wochenende, da, ähem, war ich noch auf).
Achso, zwei Prüfungen hatte ich ja noch. Norwegisch ist super gelaufen, habe noch keine Note, und die erste Physik-Prüfung habe ich, naja, wie immer, abgeschlossen.
Bjørn, Tag 135, 14. Dezember 2006
Bak meg
Hinter mir. Die erste Prüfung habe ich heute morgen abgelegt; es war die Norwegisch-Klausur. War ganz lustig, ich denke, ich habe bestanden, aber ich hatte keine Lust mehr, mir nochmal alles durchzulesen, was ich geschrieben hatte. Mal sehen.
Nachdem es nun schon eine Woche her ist, dass ich was geschrieben hatte, muss ich mal wieder was erzählen: Hannah ist sicher in Frankfurt gelandet, ich fahre wieder Fahrrad, habe einen Haufen Arbeit in der Uni: altes Projekt wiederaufwärmen, ganz neues Projekt zwischenschieben, für das "normalneue" Projekt, mit dem ich prinzipiell schon seit Mitte November anfange, viel lernen — wen's interessiert: Ich lerne dafür C++ — und endlich wirklich anfangen, oh, und dann sind da noch die mündliche Norwegisch- und Relativistische Quantenmechanik und Feldtheorie-Prüfungen nächste Woche, und die Quark- und Leptonenphysik die Woche drauf (ok, da werde ich nicht soo viel für lernen…) und dann kommen auch schon meine UKS Melanie und meine Eltern (Melanie am morgen, meine Eltern am Abend des Freitags vor Heiligabend), und noch bevor die alle wieder weg sind, kommt Hannah wieder (*jubel*) und so werde ich dann bis 10. Januar nicht mehr arbeiten können, also heißt es jetzt schuften, schuften, schuften.
Also, Fahrrad. Was fällt mir dazu ein? Das Wetter natürlich. Nach meinen Information wurden am Dienstag in Frankfurt die 30 Grad wieder fast geknackt, und auch hier ist es nicht sehr winterlich. Nachdem der November kalt und mit Glätte und Schnee angefangen hatte, was ich eher vom Dezember erwartet hätte, fängt dieser nun mit nichtendenwollendem Regen an, was ich eher von letztem Monat erwartet hatte. Wenigstens ist es warm genug, um kein Eis zu bilden, deshalb, wie erwähnt, das Fahrrad, und das halte ich noch mindestens so lange durch, bis eine Monatskarte solange reicht, bis Hannah im Januar wieder fliegt (also, eigentlich heißt das, noch mindestens morgen). Aber, Spaß macht's momentan nicht wirklich, nur so ein bisschen.
Die Prüfungen — ja… Ich habe mich nie getraut, wirklich nicht zu lernen für irgendwelche Prüfungen, aber, hey, diesmal zählt wirklich nur, ob ich bestehe. Und dass ich das tue, dessen bin ich mir wirklich sicher (und, eigentlich, zählt nicht mal das: Wenn ich am Ende des Jahres meine Arbeit fertig habe, kann ich damit genug CreditPoints nachweisen, um das Geld, das ich bekomme, zu rechtfertigen). Also, jedenfalls, deswegen beschränkte sich das Lernen für Norwegisch auf einmal unregelmäßige Verben abfragen durch Hannah (danke) und ein kurzes Gespräch vor der Klausur, und für die beiden Vorlesungen werde ich meine Notizen noch einmal durchlesen.
Natürlich ist es nicht ganz richtig, wenn ich sage, ich hätte nicht mehr gelernt; ich war ja immer brav anwesend und habe schön mitgedacht ☺. Anderes Thema.
Eine Sache fand ich dann in den letzten Tagen noch recht erfreulich: Ich kriege auf einmal richtig viele (also, so vier oder so) Mails (weiter so!). Ich hoffe, das liegt nicht daran, dass sich meine Postfrequenz so stark verringert hat, und ich hoffe auch, dass ich sie alle bald beantworte — Wochenende vielleicht.
Ach, und zwei Bücher habe ich in den letzten Tagen gelesen, Scheibenwelt natürlich. ich glaube, das war's. Bis Bald!
Bjørn, Tag 128, 7. Dezember 2006
Det skal bli bedre igjen
Das wird schon wieder besser… Irgendwann letztens habe ich mir mal das komplette Blog durchgelesen, so alles, das ich seit dem 28. Juli geschrieben habe, und mir ist aufgefallen, dass ich ständig "aber das wird schon wieder" geschrieben habe, oh mein Gott. Aber meistens hatte ich ja recht ☺.
Diese Woche ist eine der gemütlicheren Sorte; Samstag kam Hannah an (wie angekündigt) und seit dem bestanden meine Tage nicht so sehr aus Arbeiten. Montag und Dienstag waren wir erst im Norwegisch-Kurs und dann etwas in der Uni ("Arbeiten"), gestern ein wenig in der Stadt, und heute haben wir den Mittwoch zum persönlichen Wochenendtag umfunktioniert und waren in einem wunderschönen Freizeit-Schwimmbad, mit steilen, dunklen Rutschen und Whirlpools und alles toll.
Alles toll ist sowieso Motto dieser Woche, und deswegen schreibe ich auch nicht mehr viel.
Bjørn, Tag 120, 29. November 2006
Exam Tid
Prüfungszeit. Gestern waren die letzten beiden Vorlesungen im Semester, heute hatte ich noch einmal Übung und heute sowie nächste Woche ist noch Norwegisch-Kurs. Irgendwie fühlt sich das wie ein Jetlag der besonderen Art an, so früh das Semester zu beenden, ohne, dass da Weihnachten oder so dazwischen war, und so kurz, nachdem es in Deutschland erst angefangen hatte. Aber, um es mit Marcus' Worten von letztem Semester zu sagen: "Keine Vorlesung mehr — Physik, ich komme!"
Noch merkwürdiger als diese Semesterendzeit-Stimmung ist allerdings das Wetter. Von der Hitzewelle, die Deutschland momentan in tropische Temperaturen versetzt, ist hier auch einiges übergeschwappt, und die letzten 4 Tage (also seit Montag) hat es hier kaum noch geregnet, und es sind milde 8 Grad. Nicht missverstehen, das ist keine Beschwerde! Es ist nur merkwürdig. Blöderweise soll es am Samstag, pünktlich, wenn Hannah kommt, wieder schlechter werden; wobei ich heute in der Zeitung lese, dass es nur am Sonntag so schlecht sein soll und dann wieder alles wie gehabt, bin mal gespannt, was es am Ende wird.
Tja, Zeitung. Leider merkt man daran, dass ich momentan nicht so motiviert bin, früh in die Uni zu gehen, weil etwas später (also so um neun, halb zehn) immer Restexemplare im Aufzug liegen. Blöderweise gibt's hier nur Bild-Zeitungs-artige Zeitungen, naja, vielleicht sind sie etwas informativer, aber sie sehen so aus.
Die andere Sache, auf die ich eben kommentarlos hingewiesen habe, ist wesentlich erfreulicher und schöner: Hannah kommt mich besuchen! Von Samstag (Tag 116) bis übernächsten Montag (Tag 125) bin ich also nicht alleine — könnte etwas dünner werden mit den Postings. *Vorfreu*.
Noch ein bisschen was zu mir und meiner Physik: Laszlo kam von der Quark-Matter mit einigen Ideen und viel Motivation zurück, und ich habe erstmal viel Arbeit. Heute habe ich mit ihm lange über mein eigentliches Diplom-Arbeits-Thema geredet, und auch da weiß ich jetzt endlich mehr, und kann anfangen, produktiv zu sein. Als nächstes werde ich mir eine Liste mit benötigten Komponenten machen, und dann vielleicht einen vorläufigen Zeitplan erstellen, an dem ich mich entlang hangeln kann. Viel Arbeit, wie gesagt, aber wenigstens habe ich jetzt das Gefühl, bis zum Ende sehen zu können.
Bjørn, Tag 114, 23. November 2006
Siste Stasjon Vaksdal
Endstation Vaksdal. An einem schön scheinendem Samstag morgen entschloss ich mich heute, den letzten Tag meines Scan-Rail-Tickets auszunutzen und ein bisschen die Bergensbane entlangzufahren. Ich fuhr in die Stadt und nahm den Zug um halb elf in Richtung Oslo. Der Lokführer sagte mir zunächst, dass es nicht möglich sei, mitzufahren, überlegte lange rum, aber, nein, geht nicht. Als ich auf dem Weg zu den Wagen war, rief er mir hinterher. Wegen der Entgleisung nach Erdrutsch am 6. November seien momentan große Sicherheitsvorschriften und deren Überprüfung angesagt, und naja… naja… ähm… in Hallingskeid solle ich vorkommen.
Also setze ich mich erstmal in den Wagen, und meine Laune sank stetig, als es immer bewölkter und dunkler wurde. Bald fing es auch an, zu regnen. Habe ich den Tag verschwendet? Der Zug lieferte sich ein Wettrennen mit den Wolken, und kurz hinter Voss ging dem Wind die Puste aus, Sonne schien auf immer dichter werdenden Schnee. In den fünf Minuten Aufenthalt in Myrdal stieg ich aus, um zu fotografieren, und mit mir zwei australische Mädels, die noch nie zuvor Schnee gesehen hatten und diesen für eine Schneeballschlacht nutzten.
In Hallingskeid also, einem Bahnhof, der in einer Schneeverwehung liegt, packte ich meine Sachen und ging vor. Der Fahrer erzählte mir davon, dass es bis Hallingskeid eine Lawinenwarnung gab und deshalb noch jemand mit auf der Lok war und noch einiges anderes, und er nahm mich bis Geilo mit, wo ich eine Stunde auf den Gegenzug wartete. Eigentlich wollte ich nicht so weit, aber er meinte, in Finse (mein eigentliches Ziel) könne ich nur im Warteraum sitzen, und das wesentlich länger, und in Geilo sei wenigstens was los. Was soll ich sagen; er hatte ja recht. In beiden Fällen wäre ich mit dem selben Zug heimgekommen. Oder auch nicht, aber dazu gleich mehr.
Wenn so eine Straße aussehen würde, hätte man verloren. Wenn man bei so einer
Strecke im ersten Wagen sitzt und rausgucken will, auch, denn dann sieht man
nur aufgewirbelten Schnee. Aber von vorne isses toll!
Nur einer von tausenden See, die ich fotografiert habe, hier schon auf der
Rückfahrt, vor Haugastøl. Manchmal finde ich die selbstauferlegte "nicht mehr
als fünf Bilder"-Regel doof.
An dieser Station (Finse) hatte ich mein erstes Schneebild gemacht (siehe
reise1_1), aber das ist richtiges Schneewetter.
Und im selben Bahnof; hier ist ein alter Wagen der Bauart B1 als
"Übergangslösung" zwischen zwei Gebäuden installiert worden.
Den Lokführer des Rückzuges fragte ich selbstverständlich auch, ob er mich mitnehmen könne, dieser hat aber sofort abgelehnt, also sah ich die Sonne vom Wagen aus untergehen. Bei dem ganzen Schnee blieb es noch recht lange hell, und ich fühlte mich wieder an jenen Dienstag morgen im ersten Semester erinnert, als ich Ende Januar auf dem Weg zur Mathevorlesung beim Anblick der jungfräulichen Autobahnauffahrt ein Lied geschrieben hatte — alle Anzeichen der Menschen sind unter dem Schnee begraben…
Hinter Myrdal schneite es dann, und bald war es wirklich viel zu dunkel, um was zu sehen. Ich war müde und freute mich auf daheim. Als wir genug Höhe verloren hatten, ging der Schnee in Regen über, und als wir so fuhren, gab es auf einmal (ich saß im dritten Wagen) einen riesigen Funken über dem Zug, und es tat einen Schlag. Der Zug hielt an und die Zugführer stiegen aus, um die Lage zu inspizieren, doch kurz danach ging es weiter.
Bis Vaksdal.
Dort hielt der Zug, und es kam die Durchsage, dass es ein Problem gäbe, mit dem Strom (genau habe ich es nicht verstanden), und die noch nicht wüssten, wann und wie es weitergehe. Recht bald war klar, dass der Zug heute nicht mehr weiterfährt, und Busse wurden angefordert. Krieg mal am Samstag abend um sechs Uhr vier Reisebusse. Spontan, natürlich! Klappt nicht, ist ja klar. Die beiden Frauen, die das Zugcafé bedient haben, gaben gratis essen und gratis Getränke aus, und ich widmete mich dem Sudoku und Karuko, dass ich einer Zeitung fand, half dem Zugpersonal bei Übersetzungen für deutsche Touristen, die Panik schoben, ihr Hurtigruter-Schiff nicht mehr zu bekommen (es ging um halb elf), und anderen Passagieren dabei, ihr Gepäck auf den Hausbahnsteig zu tragen, und fuhr schließlich auch mit dem Bus heim, drei Stunden war am Ende die Verspätung.
Noch ein bisschen was anderes: Freitag war mal wieder ein
Sonnentag, und ich habe sogar mal ungesalzene Butter gefunden, die ist
aber doppel so teuer wie gesalzene, deswegen habe ich sie nicht
gekauft. Und, ach ja, und wer in letzter Zeit einen Blick in die Bild-Zeitung geworfen hat, der wird
die Anti-Wikipedia-Kampange entdeckt haben: Die Bild-Zeitung bezahlt,
kurz gesagt, momentan Leute dafür, in die Wikipedia Fehler einzubauen
und diese dann zu melden, was sie dann lange breit tritt. Vielleicht
will sie bald ein "Volkslexikon" herausbringen? Jedenfalls zeigen die Beispiele,
die Bild bringt, eigentlich nur, wie gut ein OpenSource-Projekt
funktioniert, denn alle Beispiele waren — schon vor
VeröffentlichungAnprangerung durch Bild und
Bild.de — nach kürzester Zeit (zwischen einer Minute und einer halben
Stunde) korrigiert. Wo gibt's das schon noch?
Bjørn, Tag 109, 18. November 2006
Brannalarm
Der Feueralarm weckte mich am Samstag morgen, um viertel nach sechs aus zu kurzem Schlaf. Natürlich Fehlalarm. Bis acht Uhr schaffte es die Feuerwehr nicht, den (mutwillig) beschädigten Feuermelder zu reparieren, aber sie ließen mich wieder in die Wohnung rein (ich hatte in meiner Schlaftrunkenheit meinen Schlüssel vergessen, ich Idiot). Weiterzuschlafen habe ich mir dann abgeschminkt, dafür ein wenig an alten Programmen gebastelt. Das ganze hatte allerdings durchaus einen Vorteil: Die Tage am Wochenende endeten dadurch recht früh, so dass ich am Montag morgen in der Vorlesung um acht (fast) wach war.
Leider ist am Montag abend meine Planung, vor Weihnachten mit Melanie von Tromsø hierher mit den Hurtigruter zu fahren, geplatzt, sie kommt lieber geflogen (und von Oslo mit dem Nachtzug). Schade.
Während Laszlo's Abwesenheit wollte ich eigentlich mal mit Mach-Schockwellen anfangen, aber jetzt soll ich erstmal noch irgendein anderes Filmchen basteln, und auch jetzt gerade mache ich ja nicht wirklich was für die Physik… (aber keine Angst, das wird schon wieder).
Noch ein Wort zum Wetter: *schauder*. Der Regen wird langsam wirklich eklig kalt, dafür dauert er nie sehr lange (die Regenlücken dauern allerdings auch nicht lange genug, um nach Hause zu kommen). Allerdings fand ich jezt eine Internet-Seite mit Regenradar, auf der man recht gut abschätzen kann, wie es die nächste Zeit aussehen wird. Und außerdem, ich habe eine Monatskarte und geschätzte 18 Kilometer bis zur 7000, wenn ich die erreicht habe, lass ich das Fahrrad erstmal stehen (bis die Monatskarte abgelaufen ist zumindest). Ach ja, warum geschätzt? Weil mein Tacho gestorben ist. Einfach so (nach dem 213. mal runterfallen), er wollte nicht mehr. Gott sei Dank weiß ich mittlerweile ziemlich genau, wieviel Kilometer welcher Weg bringt, deshalb sind die 18 Kilometer eine (für meine Verhältnisse erst recht) recht gute Abschätzung.
Bjørn, Tag 106, 15. November 2006
Hundre
Heute darf ich endlich anfangen, richtig zu meckern, denn die Hundert-Tage-Frist ist abgelaufen! Naja, viel zu meckern gibt's auch nicht, die letzten zwei Tage hat's nicht mal geregnet, und ich stehe kurz vor Abschluss meines ersten Projektes. Und da ich gerade mit Johannes, Luisa und Melanie gleichzeitig chatte und hier tippe, und eigentlich auch noch nach dem Preis für die Hurtigruten Tromsø → Bergen gucken sollte, ist dieser Eintrag heute ganz, ganz kurz. Tschö!
Bjørn, Tag 100, 9. November 2006
Regnbue
Regenbogen. Unsere neue Büroeinrichtung brachte mich dazu, die Kamera mitzubringen, und mit Regen und Sonne im Rücken entstand ein schön zu sehender, schlecht zu fotografierender Regenbogen über Bergen.
Mein Schreibtisch nach der Umräum-Aktion.
Und nochmal der Schreibtisch, in die andere Richtung geguckt.
Und der Schreibtisch von Yun und Szablocs.
Ein riesiger Regenbogen…
…den man unbedingt nochmal ansehen sollte.
Bjørn, 8. November 2006
Politik
Ich habe mich immer sehr bemüht, meine politischen Ansichten auf die drei (winzigen) Links auf der Startseite zu reduzieren, die wahrscheinlich noch nie jemand außer die Google-Search-Engine bemerkt hat, aber heute lese ich zuviele Sachen, als dass ich sie ignorieren könnte, sorry. Wen's partout nicht interessiert, irgendwo weiter unten wird wahrscheinlich noch was anderen stehen.
Den meisten (außer denen, die nur Bild-Zeitung lesen) wird die neueste Studie über den Niedergang des Lebens in den Weltmeeren nicht entgangen sein (das ist natürlich Unsinn, aber es wird keine großen Lebewesen mehr geben), aber — trotz der Hintergrundfarbe will ich hier kein "hört auf zu fliegen"-Pamphlet schreiben; es geht mir auch nicht um die Frage, ob der Strommarkt privatisiert sein sollte.
Viele Leute hatten mich, bevor ich nach Norwegen ging, gefragt, ob es denn nicht besser wäre, in die Vereinigten Staaten zu gehen, denn dort fände ja die richtige Forschung statt. Ich führte meine Wahl für Norwegen neben meiner Vorliebe für dieses Land auch auf die politische Situation in Amerika zurück, und ich fühle mich heute sehr bestätigt. Nicht genug, dass vielen politischen Aktivisten der Zugang zu Flugzeugen ernorm erschwert wurde (finde ich ja prinzipiell gut, wenn's nur jeden träfe und gleich ein Verbot wäre), und es hört auch nicht damit auf, dass die Vereinigten Staaten seit Neuestem Anspruch auf den Weltraum erheben (kein Link dafür, habe ich vor einigen Tagen im Radio gehört) und Drittstaaten den Zugang dazu verweigern will und ihn auch militarisieren will; ich rede auch nicht davon, dass Dubya mittlerweile jede Gewalt gegen "ruhestörende Bürger" das Militär einzusetzen und im Ausland zu foltern, nein, darum geht es mir ja gar nicht.
Aber ab 14. Januar 2007 (das ist in 2 Monaten und 8 Tagen) gibt es nur noch geheime Listen darüber, wer das Land verlassen darf und wer nicht. Eine Möglichkeit, von der Liste genommen zu werden, gibt es nicht. (Auf den halb-öffentlichen Listen, die momentan im Flugverkehr angewandt werden, stehen momentan die mutmaßlichen Attentäter von 2001 drauf). Aber, keine Sorge, so was würde ja nie missbraucht werden, gell? Faschisten.
So, zurück zum Tagesgeschäft. Hier regnet's grade den vierten Tag hintereinander ohne Unterlass, und vor meiner Lektüre (siehe oben) wollte ich diesen Artikel irgendwie "Spontanseen" oder so nennen, denn Pfützen sind das definitiv nicht, was hier auf manchen Kreuzungen steht. Irgendwie scheinen die hier nicht mal versuchen, das Regenwasser von der Straße zu bekommen, aber was solls, Aquaplaning kann mir nicht passieren, nur ist Regenkleidung hier kein optionales Feature mehr. Weit schlimmer finde ich aber die Sturzbäche, die einem an jeder Steigung entgegenkommen.
Am Freitag haben wir unser Büro umgeräumt und jetzt lachen mich fünf Bilder von der Wand an (Bilder davon kommen hoffentlich hierher, hatte meine Kamera heute vergessen). Außerdem macht mein Laptop neuerdings Spirenzien, die ich nicht verstehe, aber das wird schon wieder!
Bjørn, Tag 97, 6. November 2006
Is
Eis. Wie schon angedeutet, war das Wetter komplett umgeschlagen; ein kristallklarer Morgen begrüßte am Mittwoch die Welt. Kristallin war auch das Wasser auf den Straßen und Gehwegen, doch als ich heimfuhr, war alles wieder getaut. Dachte ich. Doch dann eben, diese kleine Straße, auf der ich zu spät merkte, dass diese Pfütze noch nicht aufgetaut war. Ich schlitterte, fiel, rutschte ein wenig, tat mir aber am Bein etwas weh. Wenigstens die Eier, die ich kurz vorher gekauft hatte, sind ganz geblieben, erst daheim merkte ich, dass sich der Gepäckträger gewaltig verbogen hatte…
Am Donnerstag war dann der Berg gegenüber schnee—… naja, nicht wirklich bedeckt, ebenso wie die Wege direkt hier… Also bin ich Bus gefahren, holte eine Monatskarte, stellte dann aber fest, dass es Mittags wiederrum getaut war und es auch wieder warm werden sollte.
Wie funktioniert das hier? Ganz einfach, indem Wolken herkommen! Und so war es heute etwas wärmer und nieselregnerisch. Dafür haben wir heute unser Büro umgeräumt (mal sehen, ob ich ein aussagekräftiges Bild hinbekomme), und das feiern wir nachher noch.
Bjørn, Tag 94, 3. November 2006
Ruskevær
Update: Unglaublich, wie schnell manche Fragen beantwortet werden: gestern fragte ich, wann ich die Sonne wiedersehen würde (siehe unten), und heute war sie schon wieder in voller Pracht da. Da der Mond schon über Nacht da war, war es saukalt, mit zugefrorernen Pfützen und so, und dieser einen Nebenstraße, bei der ich ein Momentchen zu lange in der Gegend rumgeguckt habe… Keine Angst, bin gesund, mehr darüber bald!
Oh Mann, schon 91 Tage… Und ab Freitag oder Samstag bewohne ich diese Wohneinheit wieder alleine; Sylvan hatte sich schon vor langer Zeit auf einen Platz in einer Achter-WG beworben und wurde endlich genommen. Ich finde das zwar ein bisschen merkwürdig, weil er nie was davon erwähnt hatte und sagte, er würde das ganze Jahr hierbleiben, aber ok. Mal sehen, wie lange ich alleine wohne!
Wie zum Beweis, dass die ganzen Vorurteile von Bergen doch nicht falsch sind, regnet es seit Samstag Bindfäden (ruskevær heißt übrigens so was ähnliches wie "Scheiß-Wetter"), und ich bin gespannt, wann ich die Sonne das nächste Mal zu sehen kriege… Aber noch ist die Wetterstatistik recht gut!
Mann, das klingt schon wieder so nach Depri. Nein, alles super.
Heute habe ich im Gespräch mit einer deutschen Physik-Studentin
erfahren, dass ich langsam zum letzten
MohikanerFahrradpendler mutiere; sie hatte
gestern aufgegeben, aber ich fahre munter weiter (wobei ich auf der
Rückfahrt heute mal wieder die Notwendigkeit von Brillen mit
Scheibenwischer bemerkt habe, auch ohne Brille kann man kaum die Augen
aufbehalten, wenn ständig ein Tropfen ans oder ins Auge fällt und
dieses blöde Teil sich dann reflexartig schließt). Dafür ist die
7000 nur noch
112 Kilometer weit weg, das sind noch exakt zwei Wochen ohne Umwege!
Apropos Augenaufhalten:
Das ist jetzt irgendwie (fast) dritte Woche hintereinander (also, die Woche in Frankfurt und den Dienstag danach zähle ich nicht), in der ich Dienstag nachmittags hundemüde bin, ich muss unbedingt mal meine Zubettgehzeiten etwas besser regeln… Heute bin ich vor meinem Schreibtisch im Büro fast eingeschlafen, aber die eine viertel Stunde lange kalte Dusche (ich meine meinen Weg nach Hause) hat mich wieder aufgemuntert, so dass ich hier nicht gleich ins Bett gefallen bin. So ein Glück, denn letzte Woche hatte eine ähnliche Situation dazu geführt, dass ich nachts ewig nicht eingeschlafen war. Irgendeinen Vorteil hat dieses Ruskevær also doch!
Tja, wer's noch nicht gesehen hat, ich bin jetzt auch im Studi-Verzeichnis, habe aber immernoch nicht rausgefunden, was mir das jetzt bringt, mich mit den anderen zu "vernetzen", eigentlich habe ich da niemanden gefunden, von dem ich nicht entweder eh weiß, wie ich ihn erreiche oder den ich gesucht hätte. Naja, ich bin jetzt jedenfalls da. Und wer's gestern gesehen hat: mittlerweile gibt's auch ein Bild von mir und ein wenig Infos. Einfach suchen…
Bjørn, Tag 91, 31. Oktober 2006
Blick aus dem Zimmer
Mal ein Herbstbild mit gutem Wetter!
Bjørn, 27. Oktober 2006
Das Seemannsdenkmal
Auf Bergens größtem Platz, dem Torgallmenningen, steht ein Denkmal, dass Subjekt einer Frage an mich aus Leipzig war. Nun, hier ist die Antwort:
Das Denkmal ist das norwegische Nationaldenkmal für die Seefahrt bzw. die norwegischen Seefahrer seit der Wikingerzeit bis zum zwanzigsten Jahrhundert. Es wurde 1950 mit Spendengeldern gebaut und von Dyre Vaa gestaltet. Es besteht aus einem Würfel mit vier zweigeteilten Refiefs sowie zwölf Figuren, von denen jeweils drei unter jeder Seite des Würfel stehen. Fängt man im Südosten an und umrundet das Denkmal im Uhrzeigersinn, so sieht man folgende Seiten:
Vinlandsferd
Die Seite "Weinlandsfahrt" beschäftigt sich mit den Wikingern und im speziallen mit deren Entdeckung Amerikas (Vinland) im zehnten Jahrhundert. Die beiden Relieffe zeigen ein Wikingerschiff (oben) und ein Treffen der Wikinger mit Indianern (unten). Dazwischen kann man den Schriftzug "Tiende Århundre" — zehntes Jahrhundert — lesen. Die Skulpturen stellen einen Speermann, einen Barden und einen Berserker dar.
Grønlandsferd
Darauf folgt eine Seite, die die norwegische Besatzung Grönlands darstellen soll. Man sieht ein Relief mit Eskimos und den Stapellauf eines Schiffes auf dem Reflief. Was die Skulpturen darstellen sollen, weiß ich nicht. Die Inschrift hier heißt "Attende Århundre" — Achzehntes Jahrhundert.
Kornferd
Von der Nordwestlichen Seite aus sieht man einen Reederer mit Zylinderhut, einen jungen Schiffsmann, der das Verlangen nach dem Ungekannten und die Hoffnung auf die Zukunft darstellen soll), sowie einen Lotsen. Die Plakette stellt Walfang (oben) sowie eine Szene in einer Schiffswerft dar. Die Inschrift hier bedeutet neunzehntes Jahrhundert: "Nittende Århundre".
Oljeferd
Das zwanzigste Jahrhundert steht für Norwegen — natürlich — unter dem Stern des Öls. Ein Deckjunge, der Treue symbolisieren soll, ein Steuermann mit Fernglass, der für Wagemut steht sowie ein Maschinist mit Schraubschlüssel stehen unter der Darstellung eines Schiffs mit aufgehender Sonne (für die Hoffnung auf eine hellere Zukunft) und einer Auferstehungszene, in der ertrunkene von einem Engel zu ewigem Leben erweckt werden. Die Inschrift hier ist "Tjuende Århundre" — zwanzigstes Jahrhundert.
Die Denkmal-Bilder auch nochmal gesammelt:
Vinlandsferd
Grønlandsferd
Kornferd
Oljeferd
Vinlandsferd (groß)
Sjømannsmonumentet auf dem Torgallmenningen
Bjørn — Quelle: Skuplturvandringer
Lügen
Zweimal wurde ich gestern Lügen gestraft. Das eine Mal hat mit dem Wetter zu tun, deswegen ein kleines Update diesbezüglich: Während es die letzten Tage (Dienstag und Mittwoch) ja wohl in Hessen recht stürmisch war, war hier blauer Himmel und Sonnenschein. Und Windstille. Also erzählte ich am Mittwoch abend Hannah über Skype, dass es hier eigentlich nie windig ist, und spekulierte darüber, dass wahrscheinlich die ganzen Berge rundrum den Wind abhalten.
Donnerstag morgen wehrte sich das Wetter dann gegen diese Verleumdung und zeigte mir, dass es sogar morgens (wenn ich nach Norden fahre) nach Süden und abends (wenn ich nach Süden fahre) nach Norden gehörig blasen kann. Wäre ja nicht so schlimm gewesen, aber:
Ich war nach dem Norwegisch-Kurs auf dem Torgallmenning, dem größten Platz hier in Bergen, um ein Bild von dem Denkmal darauf, dem Sjømannsmonumentet (zu deutsch Seemannsdenkmal) zu machen und fragte in der Turist-Info nach Informationen darüber. Als ich den Berg wieder hochfuhr, zur Physik, tat es einen Schlag an meiner Hinterachse und ich denke gerade schon, dass meine Hinterachse schon wieder aufgeplatzt ist. Zum Glück war die Achse "nur" verrutscht, jedenfalls führte das meine Behauptung, dass mein Fahrrad "repariert" sei, ad absurdum. So schleifte das Hinterrad am Rahmen entlang und bremste doch gehörig ab, zusätzlich zum Gegenwind. Daheim habe ich dann ein bisschen dran rumgeschraubt und heute konnte ich — auch auf der Hinfahrt im Gegenwind — wieder gut fahren. Aber, nur nochmal zur Zusammenfassung: Die Gangschaltung war nicht richtig eingestellt, die Vorderbremse auch nicht und die Hinterachse war nicht richtig fixiert. Solltet ihr jemals in Bergen eine Fahrradpanne haben: Geht nicht nach Nesttun zu Atro Sykkel.
Dafür war heute wieder gutes Wetter, ich habe mal wieder einen Großeinkauf gemacht, und bin noch ein klein wenig auf alte-Eisenbahn-Spurensuche gegangen.
Für mich als Eisenbahnfan ist es wirklich eine Qual, zu sehen, wieviele alte Straßenbahn- und Eisenbahn-Fragmente es hier in Bergen gibt. Heute war ich an zwei alten Gütertunneln mitten durch die Stadt, die vom Bahnhof ans Wasser führen. Durch Zufall habe ich dann in einer ganz anderen Straße ein weiteres Fragment eines Trambahngleises gefunden… Die könnten hier mit minimalen Aufwand ein 1A — Schienengebundenes Nahverkehrssystem aufbauen, die Busse sind hier oft genug überlastet und viele Strecken wären sehr leicht umbaubar oder reaktivierbar. Alleine 3 Tunnels werden nur noch für Güterverkehr gebraucht, und ich weiß nur von einem, dass er noch gebraucht wird. Welche Stadt hat schon so billige Möglichkeiten, eine U-Bahn zu bauen?
Also, noch was anderes: Bevor ich nach Deutschland gefahren bin, bekam ich einen Brief aus Leipzig, in dem mich ein Google-Finder meiner Homepage nach diesem Denkmal gefragt hat. Ich vertröstete ihn, und eben gestern fand ich allerlei darüber raus. Wollte es eigentlich auch gestern schon posten, aber ich hatte den Zettel im Büro liegen lassen… Also, jetzt, Infos über das Seemannsdenkmal.
Bjørn, Tag 87, 27. Oktober 2006
Åndalsnes
Ist natürlich doof, wenn man was schreibt und es dann nicht hochlädt… danke, Stefan, für den Hinweis! Und noch ein Hinweis in eigener Sache: Das FAQ werde ich doch nicht schreiben.
Am Freitag habe ich dann endlich das Konto eröffnet, und so hatte ich am Wochenende eine Sorge weniger. Und den Kopf brauchte ich frei am Wochenende, hatte ich doch Großes vor: Auf meinem ScanRail-Ticket, das ich für die Fahrt nach Deutschland gekauft hatte, waren noch drei Tage Bahnfahrt übrig, und die wollte ich verbrauchen, solange es noch nicht ganz so früh zu dunkel zum Rausgucken ist…
Also nahm ich früh am Samstag den Zug nach Oslo, naja, viele andere Möglichkeiten hat man von Bergen auch nicht. Die Strecke führt kurz am Fjord entlang, bevor sie durch ein wunderschönes Tal führt und weit ansteigt und bei 1222 Metern über Normalnull Finse erreicht. Da gab's Schnee! Runter geht es dann wieder — nach einer Stunde war der Schnee vergangen — bis man schließlich in Drammen wieder am Fjord ist, von da aus ist es nicht mehr weit bis Oslo.
Von Oslo aus nahm ich einen Zug Richtung Norden, sein Ziel war Trondheim, meines Dombås, wo ich umsteigen sollte. Noch in Oslo dachte ich mir, fragen sei kostenlos, und fragte den Lokführer, ob ich vorne im Führerstand mitfahren könne, und in der Tat nahm er mich bis Hamar (ca. eineinhalb Stunden lang) mit. Danach saß ich hinten im Zug, musste allerdings feststellen, dass es schon gegen halb fünf sehr schwierig wurde, etwas zu sehen. Außerdem — das Problem hatte ich schon auf dem Weg nach Oslo — saß ich auf der falschen Seite, das heißt, auf der Seite, auf der der Berg war, nicht das Tal (doof war vor allem, dass ich "auf dem Berg" kurz hinter Finse den Platz wechseln musste, weil meiner reserviert war, und ich dabei die Seite wechseln musste; gerade als das Tal die Seite wechselte). Von Dombås führte mich der Weg nach Åndalsnes; auf dieser Fahrt von sieben bis viertel nach acht Uhr habe ich allerdings wirklich gar nichts mehr gesehen.
Der Zug meines letzten Teilstückes nach Åndalsnes
Die Übernachtung war super, ich habe in einem privat vermieteten Gasthaus geschlafen, für 250 Kronen. Am Sonntag war dann das Wetter noch schlechter, nicht mehr nur bewölkt, sondern gleich ganz verregnet, und dieser Lokführer wollte mich nicht vorne mitfahren lassen (ist ja sein gutes recht). Angefangen hat die Fahrt enttäuschend, dieses schöne fleckchen Norwegen konnte seinen Charm bei niedrigst hängender Wolkendecke nicht entfalten… Irgendwann war das Tal dann höher als die Wolkendecke, und ich hatte wunderbare Aussichten. So, aus Angst, keiner liest mehr so viel, jetzt schnell: Auf dem Stück Dombås — Oslo hat mich derselbe (!) Lokführer wieder ein Stück mitgenommen, bis Lillehammer, und die Lokführer nach Bergen (einer Oslo → Ål, der andere von Ål nach Bergen) waren nicht so nett. Leider war auch der Platz eher schlecht, ich landete nach fünfmal umziehen (alle Plätze stellten sich nach kurzer Zeit als reserviert raus) auf einem Platz auf der falschen (=Berg-)Seite, gegen Fahrtrichtung und am Gang. Arschkarte, aber was soll's. Abends bin ich dann mit dem Fahrrad heimgefahren und vielen enttäuschten Fans von Brann Bergen entgegengekommen, deren Mannschaft gerade gegen Rosenborg Trondheim ein Spiel 1:3 und damit die Aussichten auf Titelverteidigung als norwegischer Fußballmeister verloren hat.
Das Romsdal bei Verma. Erinnerungen an meinen ersten Norwegenurlaub werden
sehr, sehr lebendig. In dieser Gegend habe ich Norwegen lieben gelernt...
(ok, das Bild ist nicht soo der Hammer, die Landschaft dafür umso mehr).
Der Lågen, der Fluss durchs Gudbrandsdalen, das für die Norweger eine
ähnliche Bedeutung hat wie das Rheintal für Deutschland.
Die Strecke im Gudbrandsdalen an einer etwas breiteren Stelle (so sieht es
die meiste Zeit aus, eigentlich). Und der Beweis, dass ich auf der Lok war.
Achso, und heute war's etwas anstrengend in der Uni, aber das wird schon wieder.
Bjørn, Tag 83, 23. Oktober 2006
Ganz!
Mein Fahrrad ist endlich repariert! Nachdem ich gestern noch vergeblich in der Werkstatt war, rief ich heute vorher an und bekam grüns Licht zum abholen. Vorher wollte ich noch in der Stadt ein Konto eröffnen, doch dafür hätte ich den Brief mit meiner ID-Nummer, der am Dienstag im Briefkasten lag, dabeihaben müssen, hatte ich natürlich nicht, grr. Ansonsten habe ich jetzt auch endlich einen Zugang zum hiesigen Hochleistungsrechenzentrum bekommen, nur wie ich da Programme laufen lassen kann, weiß ich noch nicht. Und sogar die Shell an meinem Büro-Computer ist fast von tcsh zu bash geändert… ("fast" wegen… ach, norwegische Admins…)
Auch toll ist, dass ich für das Fahrrad wesentlich weniger als erwartet bezahlt habe, da nur die Achse statt das ganze Hinterrad ausgetauscht wurde (irgendwie habe ich das Gefühl, das ist nur, weil ich so genervt habe und die nicht warten wollten, bis die das Rad dahaben, aber was soll's).
Meine Physik-Sachen gehen langsam voran, meine Ergebnisse von Anfang Oktober sind recht merkwüdig, und ich suche momentan, ob ich den Fehler gemacht habe oder ob der Fehler im Hydro-Code liegt… Mal sehen.
Bjørn, Tag 79, 19. Oktober 2006
Und wieder im Alltag
Also Alltag ist es noch nicht wieder, ich tippe gerade im Zug nach Oslo, gleich überquert dieser die Grenze nach Norwegen, morgen früh geht's wieder in die Uni. Die letzten 10 Tage waren einfach toll, acht davon war ich in Frankfurt, an den anderen beiden bin ich Bahn gefahren, und ich bereue keine Sekunde von beidem. Die Lorentztrafo hatte ich wenigstens noch hingekriegt, bevor ich nach Frankfurt aufbrach, dafür schaffte ich es nicht, den richtigen Schlüssel vom Schlüsselbund zu entfernen, so dass ich mich am Abend der Abfahrt selbst ausschloss; das kostete mich 300 Norwegische Kronen für den Schlüsseldienst. Die Fahrt war super, in der zweiten Nacht konnte ich sogar recht gut schlafen, als ich mich über drei Plätze ausstrecken konnte.
Der Aufenthalt in Frankfurt war, wie gesagt, auch super, viele Leute wiedergesehen, sogar mehr, als ich dachte, und eine wunder-wunder-schöne Woche mit meiner wunder-wunder-schönen Freundin verbacht. Lediglich am Freitag war alles etwas stressig, als ein viertel-Stunden-Termin damit geendet hat, dass ich mir zwei Stunden lang anhören musste, dass das Modell, dass ich benutze, vollkommenen Schwachsinn produziert. Na super — und dass, wenn man eigentlich längst weg wollte… Und Sonntag, als der Abschied näher rückte, war natürlich nicht perfekt, aber über weite Strecken doch ein sehr schöner TAg. Heute bin ich nach einer Nacht alleine im Abteil eine Stunde früher als geplant von København nach Göteborg gekommen, hatte dort dann dreieinhalb Stunden Zeit, in denen ich etwas Norwegisch nachholte (letze Woche war Präteritum dran; ich ging das ganze Buch bis zu dieser Lektion durch und fand die Vergangenheitsformen für alle Verben raus), ein lustiges Taschenbuch las und dabei One More Car, One More Rider hörte. Auf dem Weg über den Øresund gab's ne Steckdose; ich programmierte etwas, das habe ich eben (mit Akku) fertiggestellt, bevor ich das hier zu Tippen begann. Und, da alle irgendwie das Selbe gefragt haben, beschloss ich, ein FAQ zu schreiben, das mache ich wohl gleich.
Bjørn, Tag 76, 16. Oktober 2006
Insomnia
Leider ist das keine schlechte Übersetzung, sondern, momentan, Realität. Nach Kopfschmerzen und zwei Stunden dösen am Mittag bin bin am Montag abend ewig nicht eingschlafen, wurde dann um sechs Uhr vom Radio aus dem Schlaf geholt, aber nicht wirklich geweckt; das Feiertags-Programm war doch sehr lahm. War dann am Dienstag auch noch alleine in der ersten Vorlesung, und ich habe so gut wie nichts gepeilt, aber fleißig die Tafel abgepinselt. Mittagsschlaf gehalten und abends wider ewig zum einschlafen gebraucht, naja, sieben Stunden Schlaf werden's am Ende wohl schon, aber wenn ich um neun ins Bett gehe, erwarte ich normalerweise eher sowas wie 10, 11 Stunden Schlaf, und ich denke, ohne Wecker hätte ich die auch ohne weiteres erreicht.
Dadurch bin ich momentan nicht sehr produktiv, die Bilder von Freitag sind immernoch auf der Kamera, und seit Montag versuche ich mich an einer blöden Lorentz-Transformation mit Rotation und allem Schnickschnack, einzig will sie mir nicht wirklich gelingen. Heute bin ich vielleicht etwas weiter gekommen (bin ja auch wieder recht munter), aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob das alles Sinn macht, mal sehen.
Sogar die Küche, am Samstag noch richtig ordentlich gesäubert, sah gestern wie… naja, nicht grade wie ein Schlachtfeld, aber schlimm aus, weil ich am Montag und Dienstag einfach nichts machen konnte, weil ich so müde war. (Keine Angst, gestern habe ich gespült und so, aber es war trotzdem blöd.)
Dafür gibt das Wetter Anlass zur Freude, eigentlich, denn der Oktober hat mit jetzt vier sonnigen Tagen angefangen. Richtig zufrieden bin ich aber nicht, denn eigentlich würde ich gerne bei guten Wetter Fahrrad fahren, worauf ich aber noch bis morgen nachmittag warten muss. Ungefähr so lange soll auch das gute Wetter noch halten; mir wäre richtig krasses Regenwetter wesentlich lieber. Außerdem haben mich zwei Busfahrer beschissen, einer um zehn Kronen, einer um vierzig (einfach mal eine Fahrkarte verkauft, die ich gar nicht gebraucht hätte, was ich nicht wusste und erst später merkte… Aber das war Montag, seit dem geht's in dieser Beziehung besser.
Und die Tour nach Frankfurt rückt jetzt in absolut greifbare Nähe; in 55½ Stunden geht der Zug ab, ich habe heute nochmal Brot, Milch und Käse gekauft, mit einem weiteren Laib, den ich mir für die Fahrt schmieren will, wird's dann genug sein, ich werde also nicht mehr einkaufen müssen, nur noch zweimal hier versuchen, einzuschlafen, nur noch dreimal was kochen (heute Pfannenkuchen, wieder, und morgen und übermorgen weiß ich noch nicht), nur noch zweimal in die Uni… Ich freue mich sehr. Vielleicht schreibe ich auch nochmal was am Freitag, bevor ich den Laptop einpacke.
Bjørn, Tag 64, 4. Oktober 2006
Kaputt!
Das Wetter blieb gestern bis Einbruch der Dunkelheit ok, dann fing es an, eine ganze Nacht lang in Strömen zu regen. Heute morgen war alles gut, naja, heute morgen war ich noch nicht wach, aber als ich es war, war schönes Wetter. Ich habe gestern noch bis in die späte Nacht Filmchen gemacht, um sie Laszlo schicken zu können, und außerdem lerne ich gerade den Umgang mit VIM (dieses Programm ist einfach unbeschreiblich cool, und mit Sicherheit erst recht, wenn man mit Zehnfingersystem tippen kann), das hat beides recht lange gedauert. Heute mittag also war ich kurz in der Uni, holte mir eine Manöverkritik und neue Aufträge ab, verabschiedete mich für die nächsten zwei Wochen von Laszlo (er ist nächste Woche nicht da, ich übernächste) und ging wieder heim.
Papa hatte mir heute morgen einen Link zu Bildern von einem Ausflug des norwegischen Eisenbahn-Klubs nach Bergen — von 1973. Da waren viele Bilder der alten Strecke Bergen-Oslo drauf, die im Prinzip direkt vor meiner Haustür (*übertreib*) vorbeigefahren ist.
Davon angestachelt und weil es sehr trocken aussah draußen, bin ich heute nachmittag also nochmal aufgebrochen und wollte die alte Strecke abfahren (die Trasse idient heute auf recht langem Stück einem Fahrradweg, der echt schön zu fahren ist), und das war alles richtig toll, bis…
… mein hinteres Achslager aufgeplatzt ist. Argh. Einfach so, beim Anfahren am Berg. Gott sei Dank war ich da kurz vor Nesttun, wo es viele Busse gibt, die nach Fantoft fahren. Ich fand auch einen Fahrradladen, muss aber bis Donnerstag warten, bis es fertig ist. Außerdem habe ich grade einen Pfannenkuchen verbrannt, und hatte Angst, dass der Feuermelder losgeht, aber *schnüff, schnüff* nein, ich glaube, das geht. Also nicht so tolles Ende von meinem Tag heute, vielleicht geht es bald besser.
Bjørn, Tag 59, 29. September 2006
Fortschritt
Heute habe ich mal wieder gute Nachrichten: Am Montag zeigte ich Laszlo meine ersten Ergebnisse, und auch wenn sie nicht perfekt waren, war er recht angetan. Er gab mir ein paar Aufträge, wie man was verbessern könne, und ich startete den Versuch, mein Programm zu parallelisieren (das heißt, es so umzuschreiben, dass es auf mehereren Prozessoren gleichzeitig laufen kann). Ich gab mir selbst dafür etwa eine Woche (keine Ahnung, wie man sowas gescheit macht, und mit dem ersten Versuch würde ich mit Sicherheit scheitern, dachte ich), doch am Dienstag abend war es soweit, dass es lief. Jetzt hoffe ich, dass ich bis morgen früh die Daten produzieren kann, denn wenn ja, will Laszlo sie in einen Vortrag einbauen, den er nächste Woche in Barcelona hält.
Das Wetter bleibt wechselhaft, gestern wurde ich auf dem Weg in die Uni (fast klatsch-)nass, heute ist es wieder nur bewölkt (aber wer weiß, wie sich das heute noch entwickelt, es ist erst kurz vor neun). Wenigstens konnte ich gestern endlich mal Nutzen daraus ziehen, dass ich mir letzte Woche eine Ersatz-Jeans und einen Ersatz-Pulli in die Uni gelegt habe. Nur wie ich unseren tollen elektrischen Heizofen so hinstellen kann, dass ich meine nassen Klamotten einfach drüber hängen kann, um sie zu trocknen, ohne sie an einer Stelle anzusengen und an einer anderen Stelle nass zu lassen, muss ich noch rausfinden.
Langsam wird's auch ernst mit meinem Frankfurt-Besuch: Noch 8 Tage und 14 Stunden, bis ich hier losfahre, das ist nun wirklich in greifbarer Nähe. Als mir am Sonntag abend langweilig war, habe ich meinen Fahrplan mal ordentlich aufgeschrieben. Ich weiß, NERD und so, egal.
Bjørn, Tag 58, 28. September 2006
Nix los
Dass es nun fast eine Woche her ist, seit ich das letzte Mal was gepostet habe, hat nix damit zu tun, dass ich irgendwie viel zu tun hätte oder dass es mir viel zu schlecht oder viel zu gut dafür ginge; es ist nur einfach nix los, keine Angst.
Lediglich das Wetter ist hier eine Erwähung wert; nach einer verregneten Woche war es am Donnerstag abend plötzlich sternenklar, und der Freitag war sonnig und warm. Dass ich hier nicht von einem neuerlichen Ausflug berichte, hängt einzig damit zusammen, dass der Samstag bewölkt und mit Sprühregen angefangen hatte, genauso wie heute, aber im Laufe beider Tage hatte es sich noch aufgeklart, so dass ich bei gutem Wetter daheim sitze und meine Beine (metaphorisch) hochlege und dabei mit Schrecken die Nachrichten aus Deutschland höre — Gasexplosion in Bayern, Hochwasser der Dill, Transrapid-Crash im Emsland, FC Bayern gewinnt, Gesundheitsreform… und ich weiß nicht, was ich davon für das Schlimmste halte…
Bjørn, Tag 54, 24. September 2006
Løvstakken
Oje, oje, das war dann doch wohl etwas zuviel des Guten. Gestern hatte ich noch Glücksgefühle noch und nöcher, weil der Weg auf den Løvstakken so verdammt tolle Ausblicke bot, doch heute setzt dafür der Katzenjammer ein, besser der Katerjammer; der Muskel-Kater-Jammer, ein. Die Fahrt in die Uni (und die zurück ebenso) war eine einzige Qual, vor allem mein Gesäß kann einfach nicht aufhören, sich zu beschweren. Naja, wie könnte es auch anders sein, nach gefühlten fünf Monaten ununterbrochenem Sonnenschein hat es gestern abend angefangen zu regnen, und da muss es mir ja schlecht gehen… Nein, keine Angst, alles ok (nur, dass ich mir heute ein nicht-geschnittenes Brot gekauft habe, weil mir der Weg zu dem Rema beim Lidl heute zu lange war…). Und Post kriege ich auch wieder, die scheinen das geregelt zu haben. Juchuh!
Der Beweis: Ich war oben! Hinter mir sieht man den Ulriken, der steht auch
noch auf meinem Programm… (Selbstauslöser)
Das ist der Gipfel
Daaa unten wohne ich. Das lange, helle Gebäude in der Bildmitte
Der Byfjord mit der Halbinsel Nordnes (in der Bergener Innenstadt) und dem
Gipfeldenkmal im Vordergrund
Und der Blick nach Westen. Durch den aufziehendenden Dunst siehst das finde
ich noch viel weiter aus…
Bjørn, Tag 48, 18. September 2006
Schwere Beine
Schon wieder ein Fahrradausflug; dieses geile Wetter muss man einfach nutzen. Es sollte nach Süden gehen, bis zur Fähre in Halhjem, und bei der Rückfahrt vielleicht einen Schlenker über Flesland mitnehmen. Nun sind schwere Beine nach einer Fahrradtour ja ok und fast normal, nur heute hatte ich die schon am Anfang. Als ich meinen (dünnen) Pulli ausgezogen hatte und im T-Shirt weitergefahren bin, ging es schon etwas besser, oder vielleicht dachte ich das nur und es ging schon vorher gut? Kurz danach sah ich jedenfalls den Kalandsvatnet und einen Hammerblick und wusste wieder, warum ich fahre. Nach der Mittagspause durchquerte ich ein Truppenübungsgelände, auf dem gerade geschossen wurde, das war ein bisschen unheimlich… Danach war ein toller Berg: Kurz und kurvig und steil hoch, und dann eine lange, nicht so steile, aber fast schnurgerade Abfahrt, auf der man wunderbar schnell fahren konnte. Dadurch habe ich dann den Hammerblick auf den Lysefjord vorbeiziehen lassen, ohne ihn fotografieren zu können. Dafür gab's kurz danach ein anderes Bild. Das Gegenteil von diesem Berg hatte ich auch, leider: Eine lange, rechte gerade Auffahrt, die hinter jeder Kurve noch weiter ging. Wenigstens gab es diesmal einen schönen Blick am Kulminationspunkt (bei dem anderen war nur Wald zu sehen), aber auch diesmal schlecht fotografierbar. Waren am Ende 57 Kilometer, den Schlenker über Flesland habe ich weggelassen.
Bilck auf den Kalandsvatnet. Kurz vorher gab's noch einen schöneren, der war
aber aufgrund von Bäumen schlecht zu fotografieren.
Ich bei der Mittagspause vor Osøyro und einigen Bergen
(Selbstauslöser)
Der Lysefjord. Wieder selbes Problem: Bäume. (Und, dass ich nicht bremsen
wollte — ich bremse nicht für Bilder — weil die Abfahrt zu geil war
— siehe Text.)
Fanafjord — Hier musste ich zwar oft genug bremsen, hatte aber nur Bäume, es
wurde immer schlimmer…
Meine Kaffeepause nach etwa dreiviertel des Weges. (Selbstauslöser)
Ansonsten habe ich in der Uni mal wieder was geschafft, am Montag werde ich Laszlo mal meine ersten Ergebnisse zeigen, und vielleicht mache ich morgen mal eine Wanderung, mal sehen.
Bjørn, Tag 46, 16. September 2006
Wieder was anders
Und obwohl ich mich immer mehr an Fantoft und Bergen gewöhne, gibt's doch noch immer wieder was neues. Abgesehen von dem Postboten, der heute wohl die Rezeption gefragt hat, welches Postfach denn meines ist (ARGH!), was die nicht sicher wussten und mich erst fragen mussten (mal sehen, wieviel Post ich morgen habe!). Wegen der Mail, die die an mich geschrieben hatten, und Bauchschmerzen, die aber schon wieder rum sind, war ich heute sehr früh daheim (2 Uhr oder so) und bin nochmal aufgebrochen, um beim Lidl Brot zu holen. Auf dem Weg dahin, kurz bevor man da ist, führt der Weg eigentlich unsinnigerweise nochmal ein Stückchen hoch, und dann wieder runter. Mitten in der Steigung ist eine Brücke über die Straße, die man am Ende sowieso unterqueren muss. Heute habe ich mal diesen Weg ausprobieren wollen, und lande mitten bei einem Rema 1000. Da das Brot da genausoteuer ist wie beim Lidl und das Gemüse billiger, entschloss ich mich, den doch mal auszuprobieren und nicht zum Lidl weiterzufahren. Gute Idee! Denn die haben hier auch eine Brotschneidemaschine, eine nette Erfindung, die ich bis jetzt nur bei diesem sauteuren Supermarkt vor meiner Haustür gesehen habe (dem Safari). Also endlich weiß ich, wo ich billiges, geschnittenes Brot herkriegen kann!
Altes neues habe ich auch. Montag und Dienstag habe ich wie ein wilder rumgerechnet, gemerkt, dass meine Probleme von letzter Woche teilweise auf einem simplen Vorzeichenfehler beruhten (Hallo Johannes!), die Suppe, die ich untersuchte, außerdem nur nach "oben" und "unten" schmeckte, nicht auch noch seltsam, und das dann ad acta gelegt. Das Programm, das ich jetzt habe, hat schon einige Fortschritte gemacht (naja, heute aus Zeitmangel nicht so sehr), und ich denke, ich kriege es nächste Woche weitestgehend fertig. Blöderweise dauert es dann nach einer optimistischen Extrapolation etwa 14 Tage, bis es fertig gelaufen ist, aber in der Zeit kann ich schon mit was anderem weitermachen.
Und weil's so toll ist, noch ein Wort zum Wetter. Es sind heute 25 °C, es ist also fast so warm wie in Frankfurt, und an der Kasse im Rema habe ich eben in einer Zeitung gelesen, dass es auch so bleiben soll, wenigstens übers Wochenende. Ich bin momentan etwas unschlüssig, was ich da tun werde; mal auf einen Berg wandern oder doch wieder Radfahren? Aber wohin dann? Ich bin mal gespannt, zu was ich mich entscheiden werde.
Bjørn, Tag 44, 14. September 2006
Halbe Miete und Handys
Update: Der Schilderwald in Bergen
Mmhh… Ich fang mal mit den Handys an. Ich habe ja mal geschrieben, dass Norweger ganz ordentlich Autofahren, außer Busfahrern. Nun, in die Ausnahmeliste muss ich Taxifahrer dazunehmen. Außerdem, an alle, die das deutsche Handy-Verbot am Steuer albern finden: Wenn hier Autofahrer scheiße bauen, dann telefonieren sie dabei. Wirklich wahr.
Das mit der Miete? Nein, nein, ich habe weder Geldquellen aufgetan noch irgendwie ganz viel gespart, es geht um Projekt 7000. Hat jemand von euch zufälligerweise gerade ein paar Beine zuviel? Ich brauche dringend neue, wenigstens fühlt es sich so an: ich bin heute morgen um kurz vor halb elf zu einer weiteren Radtour aufgebrochen, die mich prinzipiell gegen den Uhrzeigersinn um die Berge östlich von Bergen geführt hat. Ich rechnete mit etwas weniger Kilometern als beim letzten Mal; also etwa 60 Kilometern. Waren's aber nicht, sondern 79. Als ich um etwa halb vier wiederkam, war mein Tacho dadurch vor gerade 600 Metern auf die 6500-Marke gesprungen, was mich doch ziemlich gefreut hat. Das ist zwar, da ich bei 6060 km angefangen haben, technisch gesehen nicht die halbe Miete, aber was soll's, es fühlt sich so an (sagen wir, es ist die "halbe Miete der Herzen"). Ich werde mir jetzt mal die Bilder angucken, und vielleicht einige davon ins Netz stellen, mal sehen.
Bei der ganzen Aktion hatte ich sogar noch einen persönlichen Erfolg; nicht, dass ich mich dieses mal nicht verfahren hätte (das hatte ich beim letzten Mal aus dem Blog ausgeblendet, merke ich grade), nein, aber ich habe dreimal nach dem Weg gefragt, und die Antwort verstanden — auf Norwegisch! Dies ging zwar jeweils erst nach der Bitte um langsames Sprechen, aber immerhin, auch das konnte ich auf Norwegisch (um ehrlich zu sein, das hatte ich hier auch zuerst gelernt). Und bei meiner Mittagspause einen ganz, ganz kurzen Smalltalk mit zwei Radfahrern, die den Berg hochgeschoben kamen, gehalten! *mirselberaufdieschulterklopf*.
So, jetzt nach vorne schauen; nächste Woche werde ich mal wieder Geld abheben müsen (wieder mit VISA, von der Polizei habe ich noch nix gehört, habe also noch kein Konto), nur das mit der Miete muss ich mir noch mal überlegen, ob ich die wieder teuer einzahle; außerdem muss ich mal wieder Wäsche waschen, wofür ich aber endlich mal eigenes Waschmittel nehmen soll (ich steh' da bei Sylvan ein bisschen in der Schuld). Und vielleicht schaffe ich es ja auch, in der Physik mal wieder was sinnvolles zu produzieren, wer weiß…
Dieses malerische, kleine Tal entdeckte ich keine 4 Kilometer von meinem
zuhause entfernt, in meinem Rücken ist ein großes, hässliches
Industriegebiet, von dem man aber noch nichts ahnen kann.
Das ist auf der "anderen" Seite der Berge aufgenommen (man sieht den Ort
Arna), ich dachte, diesen Wolken entkommen zu müssen, aber letzten
Endes waren sie harmlos.
Dieser wunderschöne Blick erquickte mich bei meiner Mittagspause nach etwa 45
Kilometern, ihr seht Salhus
Das ist der Fjord vor Bergen, der Byfjord (das heißt Stadtfjord).
Auf der anderen Seite des Wassers bin ich beim letzten Mal entlanggeradelt.
Prinzipiell das selbe Gewässer, aber diesmal etwas näher an Bergen. Man kann
die Halbinsel Nordnes erkennen, auf der ein großer (und schöner) Teil von
Bergen ist, den Løvstakken (der Berg in der Mitte des Bildes), den sehe ich
von der anderen Seite, wenn ich bei mir aus dem Fenster gucke (Fantoft ist in
dem Tal links davon)
Bjørn, Tag 40, 10. September 2006
Alles Wechselhaft
Schon wieder so ne Überschrift, ich scheine nicht sehr kreativ zu sein… Momentan bin ich sehr hin- und hergerissen, und zwar von allem. Wieder gleicht das Wetter dem, was man typischerweise im April erwartet, nach zwei recht schlechten Tagen waren heute Wolken am Himmel alle Einzelgänger, und es war sogar recht warm (aber ich höre, auch das Frankfurter Wetter lässt einiges zu wünschen übrig…). In der Uni macht der Norwegischkurs nach wie vor Spaß, und ich versuche, das neu- und wiedergelernte an den Leuten im Büro, an der Supermarktkasse und in den Vorlesungen auszuprobieren, mit wechselhaftem, aber im Mittel durchaus steigendem Erfolg. Und zur Not können hier alle Englisch (wenigstens alle Norweger).
Die Arbeit in der Uni kommt allerdings weniger schnell voran, ich versuche seit etwa eine Woche, ein Integral auf eins zu biegen, und finde einfach den fehlenden Faktor nicht. Das frustriert schon ganz schön, vor allem bei schlechtem Wetter (siehe oben), heute war's tatsächlich erträglicher.
Von daheim gibt's momentan nur gute Nachrichten; zwei meiner Freunde haben ihre Ex-Physik-Prüfung ziemlich gut bestanden, und auch andere Nachrichten lassen mich jubeln. Wie zum Beispiel 13 Tore gegen San Marino — verdammt, dieses Spiel hätte ich sehen wollen! Aber ein paar mehr Gründe, jetzt gerne daheim sein zu wollen, sind schon dazugekommen, die letzten Tage. Ach was soll ich sagen; hier geht langsam alles (s)einen gewohnten Gang und trotzdem ist irgendwie jeden Tag was neu (heute zum Beispiel ein neuer PostDoc in der Arbeitsgruppe, morgen eine frisch geölte Fahrradkette und eine frisch geöltes Fahrradschloss), und ich wäre gerne bei meinen Freunden und meiner Freundin, um mit ihnen zu feiern. Ich denke an euch! Und feier von hier aus mit: Gleich packe ich eine Apfelweinflasche aus. Mmmmhhh… *Hicks* bbisss dannnnn
Bjørn, Tag 37, 7. September 2006
Regen und Sonnenschein
Nun bin ich einen Monat und einen Tag in Fantoft, doch der neue Monat hat sich bis jetzt nicht sehr schön eingeführt; vor allem gestern gab es einen sehr sehr gut durchmischten Mix aus strahlend blauem Regen und sintflutartigen Regenfällen. Wenigstens habe ich es in einer Regenpause geschafft, einen Großeinkauf bei Lidl zu tätigen. Naja. Irgendwie ist mir langweilig, dieses Wochenende, deshalb habe ich ein bisschen an Bildern von mir rumgespielt: Meine Linke Hälfte und Meine Rechte Hälfte sind dabei herausgekommen. Was wohl meine bessere Hälfte ist? Keine Frage.
Bjørn, Tag 33, 2. September 2006
Erster Monat
Heute ist der letzte Tag des August, das heißt, ich bin seit einem Monat nicht mehr daheim, und seit heute genau drei Wochen ununterbrochen hier, Grund genug, heute mal wieder was zu schreiben.
Der Norwegisch-Kurs hat angefangen, und bis jetzt geht alles gut, auch deshalb, weil ich das alles schonmal gelernt habe, also muss ich da noch etwas warten, bis ich sagen kann, ob's toll ist oder nicht. Im Büro geht's auch ganz gut momentan, ich mache erstmal Fluss, v1 und v2. Da bin ich momentan ganz toll am programmieren, mal sehen, wie's wird. Und wie groß der Fluss wird. Die Vorlesungen sind weiterhin richtig gut, und ich lerne auch wirklich viel. Denke ich.
Ebenso gut lässt sich das Zusammenleben mit Sylvan an, wir sehen uns zwar kaum, weil wir doch recht unterschiedliche Tagesrythmen haben, aber wenn, kommen wir recht gut miteinander klar. Das Wetter ist wechselhaft; heute eher wolkig, gestern sonnig, davor regnerisch… gleich mehr dazu. Alles in allem also ziemlich viel, was hier passiert, gut. Ich wünsche mich zwar sehr nach Frankfurt zurück, aber weniger wegen den Umständen hier.
Bjørn, Tag 30, 31. August 2006
Projekt 7000
Ja, Projekt 7000 läuft. Nach dem ich Projekt 6000 ja beinahe verpasst hatte, aber dennoch erreichen konnte, heißt das Ziel nun: Wenn ich aus Bergen zurückkomme, will ich mindestens 7000 km auf meinem Fahrradtacho stehen haben. Naja, jede Woche fünfmal in die Uni, das sind jeweils 50 km, da kämen in einem Jahr sogar 2600 km zusammen, statt der 940, die ich bräuchte, aber wer weiß, wie's im Winter mit meiner Fahrradfahrmotivation aussieht. Aber seit heute bin ich mir sicher, dass das funktioniert, ich habe gerade einen 64 Kilometer langen Wochenendausflug hinter mir, und nach 105 km bis letzten Sonntag nun in dieser Woche weitere 132 km geschafft; mit 6300 jetzt sollten 7000 machbar sein. Hoffentlich.
Ich bin diese Woche — tolles Wetter übrigens, nur gestern und vorgestern abend zweimal Regen — dreimal einen kleinen Umweg heimzugs gefahren, um ein bisschen mehr von Bergen zu sehen. Naja, das erste Mal, um etwas mehr zu sehen, das zweite Mal, um den einen Blick vom ersten Mal zu fotografieren und das dritte Mal, um den Lidl zu suchen, von dem mir hier alle vorgeschwärmt haben. Aber sei's drum, Fahrradfahren macht hier Spaß, und außer *zensiert*-Busfahrern wissen die hier auch, wann man überholen kann, ohne den Radfahrer zu gefährden. Die lassen sich sogar eher viel Zeit damit.
Ein bisschen genauer weiß ich jetzt auch, was ich hier überhaupt mache, habe sogar schon den ersten kleinen Erfolg — ich habe Laszlos Hydro-Programm unter Linux zum Laufen gekriegt, und die beiden Chinesinnen, die dieses Projekt kurz vorher aufgegeben hatten, staunten nicht schlecht, als ich ihnen sagte, dass sie nur die Hilfe-Funktion des Compilers hätten aufrufen müssen. RTFM kann ich da nur sagen.
Auch die ersten Vorlesungen sind rum, ich höre mir Relativistic Quantum Mechanics and Field Theory (hier wird erst der hintere Teil mit der FT neu sein) und Quark- and Lepton- Physics (bis jetzt auch nur Wiederholung, aber das wird nächste Woche schon besser) an. Beides beim gleichen Prof, ziemlich gute Vorlesungen bis jetzt. Am Montag fängt auch (endlich) der Norwegisch-Kurs an.
Wozu ich den denn hören will, hat mich Laszlo gefragt, etwa, weil ich hier wohnen will? Denn sollte ich mit diesem Gedanken spielen, riet er mir, solle ich erst mit Dieter Röhrich, einem deutschen Professor hier, reden, und ich würde "schnell meine Meinung ändern". Irgendwann werde ich Dieter mal fragen.
Ansonsten, mal sehen… Wetter, Fahrrad, Uni… sonst gibt's, glaub ich, nix. Ich höre jetzt täglich Radio, hr3, und habe es sogar geschafft, immer online zu bleiben und mich davon wecken zu lassen, das hilft ungemein gegen Heimweh. Mein Bildschirmschoner geht nicht mehr an, auch nicht die Abwesenheitsmeldung bei Skype oder ICQ, deswegen bin ich da jetzt immer "extended away" bzw "nicht verfügbar", auch, wenn ich vielleicht grade Blog schreibe (so wie jetzt). Also, einfach versuchen!
Bjørn, Tag 25, 26. August 2006
Mein Zimmer
Wie versprochen, habe ich ganz viele Bilder in meinem Zimmer aufgehängt. Danke an alle, die Fotografiert haben.
Die Ecke neben dem Fenster
Ein Stück nach links gedreht: Die Ecke von meinem Bett.
Die Wand entlang meines Bettes.
Mein Bett, ausnahmsweise mal ordentlich (war nur für das Bild).
Mein Bett, ausnahmsweise mal ordentlich (war nur für das Bild).
Die andere Hälfte vom Schreibtisch. Ach, so sieht das ohne den Papierkram darauf aus…
Nach Vollendung dieser Runde durchs Zimmer der Blick durchs Fenster. Das
graue da unten ist die Rezeption (rechts) bzw. der Club Fantoft (links), das
blau-weiße in der Mitte rechts ist die Sporthalle (kenn ich nur von außen).
Die Innenstadt von Bergen ist rechts.
Bjørn, 22. August 2006
Erfolg!
Endlich hat es geklappt, ich kann jetzt die Webseiten mit einem Knopfdruck aktualisieren. So kann ich leichter und damit werde ich öfters neue Sachen schreiben, damit nicht wieder alle tagelang das Gefühl haben, bei mir ist alles Scheiße, obwohl's doch grade wieder gut läuft!
Ja, es geht wieder besser. Die beiden Regentage sind die einzigen geblieben; Donnerstag, Freitag, Sonntag und heute (Montag) waren sonnig. Was mit Samstag ist? Nun, hier in Bergen soll es geregnet haben, aber ich war auf einem sehr coolen Schiffsausflug durch die Fjorde, den uns (= den Internationalen) die Uni spendiert hat, und da war es bewölkt, mit etwas Sonnenschein und etwas Regen, aber die beiden hielten sich die Waage.
Seit Donnerstag nachmittag habe ich einen recht netten Mitbewohner, Sylvan, US-Amerikanischer Psychologie-Student aus Montana, der auf die härtere Sorte Musik steht (Rammstein und so). Er war aus seiner anderen Wohnung zwei Etagen weiter unten geflüchtet, weil der Kerl da wohl ziemlich komisch war.
Noch mehr zum freuen: Ich habe mal eine Antwort auf das Blog bekommen (habe ich irgendwo den Eindruck geweckt, ich will keine E-Mails erhalten?), und diese machte mich auf eine scheinbare Widersprüchlichkeit in den Texten aufmerksam. Wer findet's auch? Danke soweit an Gudrun & Gebhard Kabelitz.
Auch die Bilder habe ich endlich zugreifbar, ich werde sie heute abend noch etwas bearbeiten, auswählen und einige davon zugänglich machen.
P.S.: Außerdem ist es jetzt wieder so warm wie in Frankfurt. Ha!
Das Bild ist lange entstanden, bevor ich wusste, dass dort mein Büro zu sehen
ist; gleich am ersten Tag.
Mein Schreibtisch
Der Blick aus dem Büro (die schöne Seite)
Bjørn, Tag 20, 21. August 2006
Wo ich wohne
Ich versuche momentan immernoch, die Bilder von meinem Raum
auf einen PC zu kriegen, das gestaltet sich schwieriger als gedacht.
Bis dahin schon mal ein paar Informationen zu meiner Wohnsituation: Das
Zimmer ist 17 Quadratmeter groß, hat Blick auf das Tal, nicht auf den
Hügel, und ich teile Küche und Bad mit einer anderen Wohneinheit, die
aber noch immer unbelegt ist.
Kaum im Netz, schon veraltet (ist beim Hochladen aber auch schon 4 Tage alt gewesen). Siehe den Blog-Artikel vom 21. August.
Bjørn, 17. August 2006
Regen, Behörden
Beides gleich ärgerlich und endgültig über mich hereingebrochen. Gestern und vorgestern hat es kaum aufgehört, zu regnen, und es ist auch jetztmal kälter als in Frankfurt. Verdammt.
Was die Behördern angeht: Ich habe große Probleme, ein Konto zu eröffnen, was recht wichtig wäre, um Sachen wie die Miete zu bezahlen (vom Automaten Geld abzuheben ist wesentlich teurer als Überweisungen, die wohl auch kostenlos sein können). Nun, woher kommt das Problem? Um ein Konto zu eröffnen, braucht man eine Norwegische ID-Nummer, die bekommt man vom Folkeregistret (etwa unser Einwohnermelde- oder Bürgeramt), aber nicht, bevor man eine Aufenthaltsgenehmigung hat. Diese wiederum wird von der Ausländerstelle bei der Polizei ausgestellt. Soll ganz schnell gehen, wurde mir von der norwegischen Botschaft in Deutschland gesagt. Dauert 6-8 Wochen, wurde mir hier gesagt. Na toll. Aber so ein Glück; die Polizei kommt zur Uni, um ein beschleunigtes Verfahren für alle International Students durchzuführen. Das sei, sagen alle Broschüren, ein "integraler Bestandteil der Einführungswoche" (diese geht von vorgestern, den 14., bis übermorgen, den 18. August). Was erwartet man, wann die Polizei kommt? Irgendwann in dieser Woche? Weit gefehlt, sie kommen am 31. August. Das verletzt zwar u.a. die Regel, dass man sich innerhalb von sieben Tagen auf eine Aufenthaltsgenehmigung bewerben muss und macht es auch unmöglich, bis 28. August ein Konto zu haben, von dem man aus die Miete bezahlen soll (dann wird sie fällig), aber das bockt hier keinen.
Besonders doof ist es natürlich, wenn man wie ich Panik kriegt und sich nicht auf die bestklingenste von mehreren widersprüchlichen Angaben verlässt und dann am bis dahin verregnesten Tag zu allen möglichen Stellen rennt und nachfragt — das habe ich heute morgen getan. Wenigstens gut, zu merken, dass ich mich auf die Regenjacke, Regenhose und Regenschuhe recht gut verlassen kann. Dafür sind meine Fahrradhandschuhe bald total durchgeweicht gewesen, und komischerweise waren sie salzig (fragt nicht, woher ich das weiß).
Es gibt noch mehr hier, was gerade suboptimal läuft; die Internetverbindung ist totaler Mist. Man muss sich mit jedem Programm, das aufs Internet zugreifen will, separat bei einem Proxy anmelden, um ins Netz zu bekommen, aber dann doch nicht, und überhaupt und sowieso. Wie toll doch unser HRZ ist! Mails verschicken kann ich nicht gut, wenigstens nicht von meinen normalen Adressen, weil der Zugang zu SMTP-Servern (das sind Server, zu denen man ausgehende Mails schickt, wenn man sie mit Programmen wie Firefox schickt) blockiert ist — ok, dass tue das HRZ auch, wurde mir gesagt.
Alles schlecht also? Nicht wirklich. Heute habe ich nämlich auch Karten für einen Bootsausflug am Samstag geholt, der kostenlos ist und für alle neuen International Students organisiert wurde. Außerdem habe ich endlich Laszlo, meinen Prof, angetroffen, mit ihm über die Kurse, die ich belegen werde, und meine Diplomarbeit gesprochen und ein Büro bekommen. Dort steht zwar ein — mein — Schreibtisch zu wenig und einen PC habe ich auch noch nicht, aber das soll jetzt bald kommen.
Naja, eines ist noch schlecht; es dauert noch 51 Tage (ohne heute), bis ich wieder in Frankfurt bin… *vermiss*. Ich denke, ich werde am Wochenende mal eine Flasche Ebbelwoi aufmachen.
Bjørn, Tag 15, 16. August 2006
Wieder da
Diese Zeilen schreibe ich wieder ohne Internetverbindung; diese werde ich wohl erst morgen bekommen. Ich bastele weiter am Layout der Homepage, und versuche gerade ein Content Management System zu schreiben, was sich mit meinen begrenzten Programmierkenntnissen etwas schwierig gestaltet. Nun ja.
Ich habe gestern die Bilder aufgehängt, von jeder Seite strahlen mich nun fröhliche Gesichter an. Bei Gelegenheit lade ich die Bilder davon hoch. Das Wetter ist mal wieder super, und langsam beginne ich, diese Märchen von der Regenstadt Bergen zu vergessen…
Leider hilft das Wetter wenig, nicht die ganze Zeit wehmütig an
Frankfurt zu denken, vor allem, da ich den Ebbelwein daheim hab liegen
lassen, ich Idiot.
Soviel für heute
Bjørn, Tag 11, 12. August 2006
Angekommen
Die ersten Tage Bergen liegen hinter mir. Das Zimmer ist eingerichtet und die meisten Sehenswürdigkeiten mit Hannah besichtigt. Und das Beste: Das Wetter ist super! Nur gestern etwas bewölkt, aber ansonsten strahlend blauer Himmel. Leckere, süße Himbeeren und Erdbeeren haben wir schon gefuttert, und Johannisbeeren am Wegrand abgeerntet. Mit anderen Worten: Alles toll. Heute werden wir wohl nur Faulenzen, bevor es morgen dann nach Kristiansand zur Fähre und am Dienstag nach Frankfurt geht.
Bjørn, Tag 5, 6. August 2006
Wer bin ich
Ich bin Bjørn, ein 22-jähriger Physik-Student, aus Frankfurt am Main in Deutschland. Ich studiere seit Oktober 2003 an der Universität Frankfurt Physik und bin nun für ein Jahr in Bergen in Norwegen, um meine Diplomarbeit zu schreiben. Ihr Arbeitstitel ist Unterdrückung von Di-Jets mit hohem Transversalimpuls in ultrarelativistischen Schwerionenkollisionen — Observablen bei ALICE@LHC, diesen zu erklären, werde ich hier nicht versuchen. Es gehört zu der großen Aufgabe, die kleinsten Bestandteile der Materie zu verstehn. Ein Teil dieser Aufgabe wird mit Sicherheit auch Baryonenzählen sein…
Bjørn, 1. August 2006
Der Anfang…
…vom Ende. Heute ist Freitag, Montag geht's los. *Aufgeregtsei*. Ich habe heute eine Grundregel verletzt: Never Change A Running URL. Naja, ich hab ein wenig rumgeschoben, aber alles ist noch da, irgendwo. Hoffentlich keine Broken Links, aber das kann ich nicht garantieren. Irgendwie brauch ich wieder ein paar neue Zitate; vielleicht finde ich ein paar hübsche Norwegische. Mal sehen. Irgendwie habe ich grade einen Kloß im Hals, und mir fällt eines meiner Lieblingszitate ein (mit Glück ist es auch rechts oben zu sehen): Coming Back To Where You Started Is Not The Same As Never Leaving. Denkt daran (Notiz an mich selbst: Denke auch du daran!).
Bjørn, 28. Juli 2006