Bleiches Licht kriecht durch dein Fenster, findet langsam dein Gesicht, Du vergräbst dich tief im Kissen, doch die Flucht gelingt dir nicht, Deine Hand ertastet blind, leere Kälte neben dir, Zögernd öffnest du die Augen, kehrst zurück ins Jetzt und Hier. Mühsam steigst du aus dem Bett, stehst dann wacklig auf zwei Beinen Suchst dich selbst in deinem Körper, könnte man beim Anblick meinen, Hohles Echo deiner Schritte ist der Schmerz hinter der Stirn, Du bemühst dich deine Haare und Gedanken zu entwirr'n. Kühles Wasser ins Gesicht, Tropfen laufen unters Hemd, Du hebst deinen Blick zum Spiegel, doch der Mann dort ist dir fremd, und dir ist mit einemmal, wie sonst selten derart klar, Dass nichts bleibt und schon gar nicht, wie es früher einmal war.
Deine Hand hebst du bedächtig hoch an die Geheimratsecken und die Falten auf der Stirn kannst du auch nicht mehr verstecken Schlaffe Ringe um die Augen, rote Flecken auf den Wangen, Doch du sagst dir, was kann man in dem Alter schon verlangen? Suchst nach Dingen, die du hast, angesammelt mit der Zeit, Und als Zeichen des Erfolgs, Zeichen deiner Eitelkeit, Schützen sie dich nun vor den Zweifeln und den Fragen, Halten treu zu dir, an guten und an schlechten Tagen. Doch an diesem Morgen, spürst du sie, die Leere, Deinem Selbstbetrug kommen Fragen in die Quere, Das was nur für andre galt ist nun für dich wahr, Du bleibst nicht und schon gar nicht, wie es früher einmal war.
Langsam schüttelst du den Kopf und der Schmerz bringt dich zurück, Doch der Morgen bleibt verschoben, wenn auch nur ein kleines Stück, Wie ein Grummeln tief im Magen, dass du lieber ignorierst, Während du inzwischen duscht und dich danach noch rasierst. Ein-Zwei Aspirin, Kaffee und ein Toast mit Ei, So ein kleiner Kater, Gott, was ist denn schon dabei? Raschelst laut mit Deiner Zeitung, starrst die Börsenkurse an, Damit kennst du dich gut aus, ja du bist ein ganzer Mann! Irgendwie fällt es dir heute trotzdem ungewöhnlich schwer, Und du ärgerst dich darüber, ist doch alles wie bisher! Doch im Unterschied zu gestern ist dir heute morgen klar, Dass nichts bleibt und schon gar nicht, wie es gestern abend war.
Der erste Abschnitt dieses Gedichtes ist erschienem im Buch: Lyrische Glanzlichter Hrsg: Ivonne Straub ISBN: 3831127336 Bestellen bei: Amazon.de
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