16. Mai 2006
Oben-unten,
rechts-links, vorne-hinten. Daß wir uns in drei Richtungen durch die
Welt bewegen, erscheint so selbstverständlich, daß man lange nicht
gefragt hat, warum es ausgerechnet drei sind. Einer der ersten, der die
Frage aufwarf, war bezeichnenderweise ein mathematisch gebildeter
Theologe. Edwin
A. Abbott veröffentlichte 1884 seinen satirischen Roman „Flatland: A
Romance of Many Dimensions“. Der Held, ein Quadrat namens A. Square,
ist Bewohner des zweidimensionalen Flatland. Er bekommt eines Tages
Besuch von einem kreisförmigen Wesen, das in Wahrheit eine Kugel ist,
da es aus Spaceland kommt, wo man auch noch eine dritte Dimension
kennt. Die Kugel beauftragt A. Square, in Flatland das „Evangelium von
der dritten Dimension“ zu verkünden, was bei den Flatländern allerdings
nicht gut ankommt. Sie werfen A. Square ins Gefängnis.
Längst ein akzeptiertes Gebiet
Wer bei uns von höheren Dimensionen
predigt, hat dergleichen nicht zu befürchten. Mit parallelen Universen,
von unserer Welt durch zusätzliche „Extradimensionen“ getrennt,
operieren nicht nur etliche Folgen „Raumschiff Enterprise“. Auch für
Physiker ist das mittlerweile Thema und zwar nicht nur für ein paar
Käuze kurz vor der Pensionierung.
„Es
ist interessant wie dieses zu Beginn sehr umstrittene Gebiet heute von
großen Teilen der Wissenschaft akzeptiert wird“, sagt Sabine
Hossenfelder. Die junge Physikerin forscht an der University of
California in Santa Barbara, promoviert hat sie in Frankfurt am Main
über Extradimensionen. Für sie sind diese höheren Sphären freilich
zunächst keine Sache der Erfahrung, sondern der Theorie. Denn der
Ansatz, dem momentan die größten Chancen eingeräumt werden, eine
einheitliche Beschreibung der Physik zu leisten, die Stringtheorie,
funktioniert mathematisch nur, wenn der Raum nicht nur drei Dimensionen
hat, sondern zehn.
Warum spüren wir nur drei Dimensionen?
Tatsächlich ist es vor allem die Sehnsucht
nach der letzten vereinheitlichten Theorie, die das Evangelium von den
höheren Dimensionen unter den Forschern verbreitet. Allerdings müssen
sich die Stringtheoretiker oft anhören, daß sich die Ergebnisse ihrer
Bemühungen experimentellen Überprüfungen weitgehend entziehen. Wenn es
aber nach Forschern um Hossenfelders Frankfurter Doktorvater Horst
Stöcker geht, könnten nun ausgerechnet die Extradimensionen das ändern.
Warum
wir von den zusätzlichen Dimensionen nichts merken, dafür haben die
Stringtheoretiker eine elegante Erklärung: Während die vertrauten drei
Raumrichtungen sich über mindestens 14 Milliarden Lichtjahre
erstrecken, ist das in den übrigen sieben ganz anders. In ihnen kehrte
ein Reisender schon nach Durchschreiten einer endlichen Spanne an
seinen Ausgangspunkt zurück. Die Extradimensionen sind quasi aufgerollt
- und zwar auf unmerklich kleinen Spannen. Der Stringtheorie reicht es,
wenn sie gerade mal so groß sind, daß jene winzigen Fädchen (englisch
Strings) hineinpassen, die nach dieser Theorie die fundamentalen
Bausteine aller Dinge sind.
Nur die Schwerkraft darf in höhere Dimensionen
Nun ist so ein String unvorstellbar kurz.
Er fände bereits in einem Raumbereich Platz, der um den Faktor einer
Zahl mit 20 Nullen vor dem Komma kleiner ist als der Durchmesser
Protons, also eines Wasserstoffkerns. Dieses typische String-Format
heißt „Planck-Länge“, nach Max Planck, dem Erzvater der modernen
Mikrophysik. In so klein aufgerollten Extradimensionen bewegten sich
selbst Protonen nicht vom Fleck - aber nicht nur, weil sie viel zu groß
dafür sind. Nach Ansicht der Stringtheoretiker können die bekannten
Elementarteilchen unsere drei Dimensionen sowieso nicht verlassen. Nur
den sogenannten Gravitonen, hypothetischen Teilchen, die in der
Stringtheorie die Schwerkraft übertragen, stehen sämtliche Dimensionen
offen.
Also
können nur Schwerkrafteffekte von den höheren Dimensionen künden - in
der Praxis allerdings nur dann, wenn die Extradimensionen sich deutlich
weiter dehnen als nur über ein paar Planck-Längen hinweg. Seit drei
Forscher an der Standford University dieser Idee Ende der neunziger
Jahre eine mathematische Gestalt gaben, fand das Evangelium von den
höheren Dimensionen auch Anhänger unter jenen Theoretikern, die gerne
nah am experimentell Nachprüfbaren arbeiten. Denn aus dem sogenannten
ADD-Modell (nach den Anfangsbuchstaben der Nachnahmen seiner Urheber)
ergab sich eine faszinierende Möglichkeit: Wenn es diese
Extradimensionen gibt und wenn wenigstens ein paar davon eine gewisse
Größe haben, dann müßten sie sich dort bemerkbar machen, wo
Elementarteilchen mit so großer Wucht aufeinanderprallen wie im Large
Hadron Collider (LHC), dem großen Teilchenbeschleuniger, der 2007 am
Cern in Genf in Betrieb gehen soll. Hinreichend große Extradimensionen
könnten sich dort durch einen sonst unerklärlichen Energieverlust
verraten (siehe: Klackernde Billardkugeln).
Nach den Berechnungen der Frankfurter - darunter Sabine Hossenfelder
und ihr Kollege Stefan Hofmann - sowie amerikanischer Physiker wäre
aber bei den Teilchenkollisionen auch etwas zu beobachten, was bei
Science Fiction-Freunden ähnlich beliebt ist wie höhere Dimensionen:
Schwarze Löcher, und zwar rauhe Mengen davon. Gut hundert Millionen
wären es im Jahr.
Ist das gefährlich?
„Da ist erst mal die Frage, wie man die
beobachtet und dann natürlich, ob das nicht gefährlich ist“, sagt Horst
Stöcker. Die Antwort auf die erste Frage haben Stöcker und seine
Mitarbeiter inzwischen in einer Reihe von Untersuchungen beantwortet
(siehe: Dampfende Teilchentrummer)
- und die auf die zweite Frage ist ein klares Nein. Denn im Gegensatz
zu den berüchtigten Malströmen im All wären solche Mini-Löcher viel zu
klein, um nennenswerte Mengen irdischer Materie verschwinden zu lassen.
Gemeinsam
ist beiden das Prinzip. In Schwarzen Löchern ist Masse oder Energie
räumlich so konzentriert, daß ihrem Schwerefeld nicht einmal Licht
entkommt. Etliche astronomische Erscheinungen, etwa im Zentrum unserer
Milchstraße (siehe: Im Nabel der Milchstraße),
lassen sich nur mit solchen Objekten vernünftig, das heißt innerhalb
der bekannten Naturgesetze, erklären. Allerdings, etwas am Rande dieser
Gesetze stehen die Schwarzen Löcher schon.
Wie sieht es im Zentrum aus?

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So zeigte Stephen Hawking in den siebziger
Jahren, daß so ein Loch aller lichtschluckenden Schwärze zum Trotz
ständig Teilchen abdampft. Es sind die Überbleibsel virtueller
Quantenpaare, die gemäß der Heisenbergschen Unschärferelation ständig
überall entstehen, um sich gleich wieder zu vernichten. Wird ein
Partner eines solchen Paares aber vor der Vernichtung vom Schwarzen
Loch verschluckt, muß der andere nicht mehr zurück ins Quanten-Nirwana
und macht sich als reelles Teilchen davon. Schwarze Löcher strahlen
also. Dabei verlieren sie Masse, und zwar um so stärker, je kleiner sie
sind. Diese „Hawking-Strahlung“ ist einer der wenigen Effekte aus dem
geheimnisvollen Grenzbereich von Gravitations- und Quantentheorie,
deren man sich halbwegs sicher ist. Wie es dagegen im Zentrum eines
solchen Loches aussieht, weiß niemand. Fest steht nur, daß dort
Einsteins Theorie zusammenbricht. Deren Gesetze gelten dort nicht mehr,
sondern müssen durch etwas ersetzt werden, das Gravitation und
Quantennatur der Materie zugleich berücksichtigt, also etwa durch eine
Stringtheorie.
Doch
vom Reich der kleinen Fädchen sind die kosmischen Löcher weit entfernt.
Sie sind mindestens so schwer wie unsere Sonne, ihr „Ereignishorizont“,
also die Zone, aus der nichts mehr wiederkehrt, was einmal
hineingefallen ist, hat mindestens den Durchmesser der Erde. Und ihre
Hawking-Strahlung ist so schwach, daß ein isoliertes Schwarzes Loch
tatsächlich zu dem Dunkelsten gehört, was das Universum zu bieten hat.
Kleine Löcher glühen, sagt Stephen Hawking
Dabei waren diese Objekte einmal Sterne,
die nach Versiegen ihres Brennstoffes unter ihrem eigenen Gewicht
zusammenbrachen. Aus diesem Grund gibt es astronomische Schwarze Löcher
nur in der Größe XXL. Bei etwas Kleinerem als einem Stern ist ein
totaler Gravitationskollaps nicht möglich. Theoretisch könnte es
trotzdem leichtere Schwarze Löcher geben. Um sie ins Dasein zu rufen,
bedarf es allerdings äußerer Prozesse, die Materieklumpen auf Volumen
zusammenpressen können, die kleiner sind als ihre zugehörigen
Ereignishorizonte. Denkbar wäre, daß bei Kollisionen energiereicher
Teilchen Schwarze Löcher im Elementarteilchenformat entstehen, die dann
vor Hawking-Strahlung glühen.
Allerdings,
beliebig klein können auch solche Mini-Löcher nicht werden. Denn nach
Einstein wirkt jede noch so kleine Energiemenge als Quelle von
Schwerkraft. Und Masse ist gemäß der berühmten Gleichung E = mc² nur
eine Form der Energie. Nach der Quantenmechanik ist aber jedes räumlich
konzentrierte Energiepaket zugleich eine Welle mit einer bestimmten
Wellenlänge, die um so kürzer ist, je energiereicher das Paket. Um ein
Schwarzes Loch zu bilden, muß daher mindestens so viel Energie
zusammenkommen, daß die Wellenlänge des entsprechenden Paketes in den
seiner Masse gemäßen Ereignishorizont paßt.
Große Extradimensionen ändern alles
Ist
der Raum dreidimensional, so liegt diese Mindestmasse bei etwa 20
Mikrogramm - die „Planck-Masse“. Der Name ist kein Zufall. Tatsächlich
hätte ein Schwarzes Loch dieser Masse gerade einen Ereignishorizont von
etwa der Planck-Länge. Nun sind 20 Mikrogramm im Reich der
Elementarteilchen ein absurd hoher Wert. Der Energieklumpen, den eine
Teilchenkollision dafür zusammenfegen müßte, wäre gut 1020 Mal so
schwer wie ein durchschnittliches Atom. Und da die Energie dazu ja nur
aus der kinetischen Energie der kollidierenden Kerne kommen kann, müßte
man diese zur Produktion Schwarzer Mini-Löcher erst einmal selber auf
die Planck-Energie beschleunigen. Das aber ist völlig illusorisch. Der
dazu nötige Teilchenbeschleuniger hätte die Größe einer ganzen Galaxie.
Und in der Natur gab es Teilchen, die mit Planck-Energie durch die
Gegend flitzen, zuletzt im Moment des Urknalls.
Anders
sieht es aus, wenn es große Extradimensionen gibt. Dann verteilt sich
das Schwerefeld eines Teilchens - stringtheoretisch die Wolke der von
ihm ausgehenden Gravitonen - auf alle Dimensionen und erscheint in
unserer dreidimensionalen Welt quasi verdünnt. Entsprechendes gilt auch
für ein Schwarzes Loch, das kleiner ist als die aufgerollten
Dimensionen (siehe: Schwarze Löchlein).
Das heißt aber umgekehrt: Dort, wo sich die Gravitonen der
Extradimensionen bemerkbar machen, nimmt die Gravitation mit fallendem
Abstand zum Massezentrum stärker zu, als man es nach den für unsere
dreidimensionale Welt gültigen Gesetzen erwarten würde - und daher ist
auch die Zone, jenseits der nichts mehr einem Schwarzen Loch entfliehen
kann, größer. Folglich muß man Materie nicht so stark komprimieren,
damit sie zu einem Schwarzen Loch kollabiert. Sind die Extradimensionen
nur groß genug, dann reicht dazu vielleicht ein Beschleuniger wie der
LHC.
Naht das Ende der Beschleunigerphysik?
Die
Kollisionsenergie im LHC entspricht der Masse von einigen tausend
Protonen. Entsprechend schwere Teilchen können aus der Trümmerwolke der
Kollision auskondensieren. Nach der ADD-Theorie kann dabei ein
Schwarzes Loch von bis zu 5000 Protonenmassen entstehen, falls alle
sieben Extradimensionen der Stringtheorie nicht kleiner sind als das
Zehnfache der Größe eines Urankerns. Aber es würde auch reichen, wenn
nur drei der Extradimensionen größer sind als die Planck-Länge. Sie
müßten sich dann allerdings schon über jeweils gut zehn Nanometer
erstrecken, etwa die Größe eines Moleküls. Mit dem etablierten Wissen
über die Physik bei diesen Größenordnungen wäre das ohne weiteres
verträglich, denn das dreht sich ja nur um das Treiben der
Standardmodell-Teilchen. Die Schwerkraft, für die allein die
Extradimensionen eine Bedeutung haben, wurde aber bisher nur bei
Distanzen oberhalb eines zehntel Millimeters vermessen.
Was
passiert also, wenn es solche Extradimensionen gibt und der LHC von
kommendem Jahr an Schwarze Löcher spuckt? Auch wenn die Biester sicher
keinen Weltuntergang verursachen, die Folgen eines solchen Nachweises
für die Physik wären enorm. So könnte man sich den Bau noch größerer
Beschleuniger sparen. Kollisionen noch energiereicherer Teilchen würden
keine fundamentalen neuen Erkenntnisse bringen. „Man produzierte damit
lediglich mehr und schwerere Mini-Löcher“, sagt Horst Stöcker, „aber
tiefer in die Strukturen der Materie könnte man nicht mehr vordringen.“
Es wäre das Ende der klassischen Hochenergie-Physik - aber in gewisser
Weise ein glückliches Ende.
Schwarze Löcher in Dosen und Flaschen
Denn dann wäre erstens das sogenannte Hierarchieproblem geklärt (siehe: Rätselhaft schwache Schwerkraft).
Weiter hätte man einen handfesten Hinweis darauf, daß die
Stringtheoretiker die letzten Jahrzehnte nicht völlig an der Realität
vorbeigerechnet haben. Und schließlich bekäme mindestens Stephen
Hawking endlich seinen Nobelpreis. Denn die nach ihm benannte Strahlung
ist ja bislang nicht empirisch nachgewiesen. Die Mini-Löcher aus dem
Beschleuniger aber würden sich nicht zuletzt durch ihre
Hawking-Strahlung verraten.
Allerdings
ist nicht ganz klar, ob die Mini-Löcher dabei völlig zerstrahlen - oder
ob nicht doch ein kleines stabiles Rest-Loch, ein sogenanntes „Relic“
übrigbleibt. Nach Hawkings ursprünglichen Berechnungen wächst die
Abstrahlung des immer leichter werdenden Lochs schließlich immer
schneller, bis es restlos verdampft. Doch das muß nicht richtig sein.
„Hawking hat in seinen Rechnungen bestimmte Näherungen gemacht, die für
solche Mini-Löcher eigentlich gar nicht gelten“, erklärt Marcus
Bleicher, Juniorprofessor an der Universität Frankfurt und Mitarbeiter
in Stöckers Team. „Berücksichtigt man in der Hawkingschen Ableitung
aber bestimmte Korrekturterme, dann zeigt sich, daß die Strahlung
aufhört.“ Auch wenn eine definitive Antwort nur die korrekte Theorie
der Quantengravitation geben kann, haben die Frankfurter Physiker doch
Gründe zu vermuten, daß der LHC - ausreichend große Extradimensionen
vorausgesetzt Relics produziert. „Das muß man sich mal vorstellen“,
freut sich Sabine Hossenfelder, „man könnte dann einen Kasten mit
Schwarzen Löchern in der Ecke stehen haben und Experimente daran
ausführen!“
Bisher keine Relics entdeckt
Tatsächlich
könnten die Relics schon unter uns sein. Denn wenn Schwarze Mini-Löcher
bei Teilchenkollisionen in Beschleunigern entstehen, dann erst recht in
den zuweilen viel energiereicheren Karambolagen von kosmischer
Strahlung in der Erdatmosphäre. Das ist übrigens auch ein Grund, warum
die Löcher aus dem LHC sicher keinen Schaden anrichten werden - die aus
der kosmischen Strahlung hätten es sonst längst getan. „Nach solchen
exotischen Teilchen wie den Relics hat man gesucht“, sagt Ulrich
Harbach, Doktorand in Stöckers Gruppe, „man hat etwa Meerwasser
gefiltert.“ Allerdings wäre eine Nadel im Heuhaufen einfacher zu
finden, kann man sich doch ausrechnen, daß die kosmische Strahlung seit
der Enstehung der Erde erst 510 Gramm Mini-Löcher gebildet haben kann.
Würde
nun aber der LHC welche produzieren und blieben davon stabile
elektrisch geladene Relics, die sich elektromagnetisch einfangen
ließen, dann würden sich nicht nur Grundlagenforscher dafür
interessieren. Immerhin blieben sie auch als Relics kleine Schwarze
Löcher, die andere Materie verschlucken könnten. So winzig, wie sie
sind, würden sie sich von alleine kaum an irdischer Materie vergreifen.
Aber, so schlägt Horst Stöcker in einer soeben erschienenen Publikation
vor, man könnte ihnen das Futter ja absichtlich zuführen, in Form von
Teilchen, die man vielleicht gerne los würde, radioaktiven Atomkernen
etwa. Die ließen sich damit in nutzbare Energie verwandeln. Denn wenn
die kleinen Biester sie schluckten, würden sie das einverleibte
Massequäntchen sofort wieder als Hawking-Strahlung ausspucken. „Ein
Kipplaster voll Materie, so umgewandelt in Hawking-Strahlung, könnte
den gesamten Jahresenergiebedarf der Menschheit decken“, schwärmt
Stöcker. Auch wenn das nach wissenschaftlich informierter Science
Fiction klingt, hat Stöcker die Idee kürzlich zum Patent angemeldet -
vorsichtshalber.
Mehr als sieben Extradimensionen?
Als
Wissenschaftler wäre er aber schon reichlich belohnt, wenn sich am LHC
überhaupt etwas täte, was auf die Existenz höherer Dimensionen
hinweist. Und wenn nicht? Vom Glauben an das Evangelium von den höheren
Dimensionen würden die Stringtheoretiker auch dann nicht abfallen -
schließlich müssen ihre sieben Extradimensionen ja nicht größer sein
als die Planck-Länge.
Viel
schlimmer wäre für sie etwas, auf das kürzlich Jo-Anne Hewett von der
Stanford University hingewiesen hat. Wenn sich Mini-Löcher zeigen, dann
könnte die Analyse ihrer Hawking-Strahlung auch ergeben, daß es mehr
als sieben Extradimensionen gibt. Der Gedanke dürfte Stringtheoretikern
ähnlich unheimlich sein wie der, den Edwin Abbotts quadratischer Held
gegenüber dem Kugelwesen äußert: Könnte es nicht auch noch eine vierte
Dimension geben, von der man in Spaceland genauso wenig ahnt wie die
Flatlander von der dritten? „Vollkommen unvorstellbar“, entgegnet die
Kugel entsetzt.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: F.A.Z.